Maximilian I. (Bayern)

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Kurfürst Maximilian I. von Bayern auf einem Gemälde von Joachim von Sandrart, Kunsthistorisches Museum Wien

Maximilian I. (* 17. April 1573 in München; † 27. September 1651 in Ingolstadt) war ab 1597 Herzog von Bayern und ab 1623 Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches.

Durch verschiedene Reformen sanierte er das Land finanziell und machte es wirtschaftlich leistungsfähig. Durch die Ausschaltung der ständischen Mitwirkungsrechte wurde er der eigentliche Begründer der absolutistischen Herrschaft in Bayern. Gleichzeitig war er eine prägende Person der Gegenreformation und der katholischen Reform. Seine innere Konsolidierungspolitik vergrößerte die außenpolitischen Spielräume des Landes. Er war neben dem Kaiser die führende Persönlichkeit der katholischen Fürsten im Heiligen Römischen Reich und war der eigentliche Gründer der Katholischen Liga. Als solcher trug er zur Durchsetzung der Dominanz der katholische Seite im Dreißigjährigen Krieg bis 1630 entscheidend bei. Schon zu Beginn des Krieges gelang Maximilian die Eroberung der Oberpfalz und bis zum Kriegsende der Kurpfalz sowie die Übernahme der pfälzischen Kurfürstenwürde. Auch im weiteren Verlauf des Krieges spielte er eine bedeutende Rolle und versuchte eine eigenständige Politik teilweise auch gegen den Kaiser im Bündnis mit Frankreich zu betreiben. Im Westfälischen Frieden wurden ihm die Kurwürde und der Besitz der Oberpfalz bestätigt.

Frühe Jahre und Familie[Bearbeiten]

Elisabeth Renata von Lothringen
Maria Anna von Österreich

Maximilian war der Sohn von Herzog Wilhelm V. von Bayern und Renata von Lothringen. Brüder waren Philipp von Bayern, Bischof von Regensburg und Kardinal, Ferdinand von Bayern, Erzbischof von Köln, Bischof von Münster, Lüttich und Paderborn, sowie Albrecht von Bayern, Landgraf von Leuchtenberg. Die Schwester Maria Anna war mit Kaiser Ferdinand II. verheiratet. Magdalena heiratete Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg.

Seine Ausbildung, die ihn auf seine spätere Aufgabe vorbereiten sollte, war sorgfältig. Sie folgte Instruktionen seines Vaters, die den Tagesablauf streng regelten. Der Jurist Wenzeslaus Peträus war an seiner Ausbildung maßgeblich beteiligt. Dazu gehörten neben einer breiten religiösen Bildung auch das Erlernen von Fremdsprachen wie Latein. Griechisch und Tschechisch. An der jesuitisch dominierten Universität Ingolstadt studierte er ab 1587 zusammen mit seinem Vetter, dem späteren Kaiser Ferdinand II. Seine Studien wurden von dem Juristen Johann Baptist Fickler organisiert. Der Jesuit Gregor von Valencia war sein Beichtvater und Berater in religiösen Fragen. Er studierte insbesondere Rechtswissenschaften, Militärwesen, Italienisch und Französisch bei privaten Lehrern, nahm aber auch an öffentlichen Vorlesungen teil und beteiligte sich an rechtswissenschaftlichen Disputationen. Politische Erfahrungen sammelte er durch die Teilnahme an Sitzungen des Rates der Stadt.

Danach reiste er in der Art einer Kavalierstour an den kaiserlichen Hof nach Prag, nach Rom an den Hof des Papstes, an verschiedene italienische Höfe und nach Nancy zur Werbung um seine Frau Elisabeth. Wegen der Hugenottenkriege konnte er nicht nach Paris reisen.[1][2][3]

Herzog Maximilian heiratete am 6. Februar 1595 in Nancy die Prinzessin Elisabeth (1574–1635), Tochter von Herzog Karl III. von Lothringen und seiner Gattin Claudia von Frankreich, Tochter König Heinrichs II. Die Ehe blieb kinderlos. Seine Frau teilte seine Religiosität.

In zweiter Ehe heiratete er am 15. Juli 1635 in Wien seine Nichte, die Erzherzogin Maria Anna von Österreich (1610–1665), Tochter seiner Schwester Maria Anna von Bayern und ihres Gatten Kaiser Ferdinand II. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor[4]

Die von ihm für den Erben Ferdinand Maria aufgesetzte „Des großen Kurfürsten Maximilian I. von Baiern Anleitung zur Regierungskunst“ gab Johann Christoph von Aretin (Würzburg 1822) lateinisch und deutsch heraus.

Wirken in Bayern[Bearbeiten]

Absolutistische Reformpolitik[Bearbeiten]

Sein Vater sah sich nicht in der Lage, die immensen Schulden des Landes zu bewältigen und begann Maximilian allmählich die Macht zu übertragen. Im Jahr 1594 wurde er zum Vorsitzenden des geheimen Rates und ein Jahr später zum Mitregenten ernannt. Im Jahr 1597 dankte der Vater zu Gunsten Maximilians ganz ab[5].

Maximilian I. als Herrscher (Darstellung von Wenceslas Hollar um 1649)

Dieser erwies sich als energischer Regent mit einer großen Arbeitsleistung. Unterstützt wurde er durch fähige Mitarbeiter. Er begann mit tiefgreifenden Reformen im Land. Ihr Schwerpunkt lag in der Zeit vor dem dreißigjährigen Krieg. Die Hauptaufgabe war es, dem hochverschuldeten Land seine Handlungsfähigkeit zurückzugeben. Die Reformpolitik umfasste sowohl den Staat, bei dem es um die Stärkung der herzoglichen Macht im Sinn des Frühabsolutismus ging, wie auch Wirtschaft und Gesellschaft. Im Bereich der Wirtschaft orientierte er sich an frühmerkantilistischen Vorbildern.

Die Kontrolle über die staatlichen Bediensteten und über das Rechnungswesen wurden verstärkt (Rentmeisterinstruktion 1613). Es kam zu Visitationen der jeweils übergeordneten Ebene über die untergeordneten Behörden. Die Kontrolle über die Städte wurde teilweise wie in Ingolstadt den Rentämtern entzogen und direkt von der Zentralregierung ausgeübt.

Die Ausgaben wurden verringert. Die Einnahmen aus den staatlichen Domänen und Regalien konnten gesteigert werden. Es wurden Einnahmen aus der Vergabe von Monopolen erzielt. So wurde etwa ein Weißbiermonopol eingerichtet. Beträchtliche Erträge warfen auch die Salzherstellung, Zölle und Verbrauchssteuern ab. Auch insgesamt kam es zur Förderung von Handel und Gewerbe. Ihm gelang es innerhalb weniger Jahre das Land auf eine festere finanzielle Basis zu stellen. Damit gewann er Spielraum für eine weit gespannte äußere Politik.

Es wurde eine effektive Verwaltung aufgebaut und das Rechtswesen 1616 durch eine neue Landrecht-, Polizei-, Gerichts- und Malefizordnung weiterentwickelt. Hinsichtlich der Hexenverfolgung stand er grundsätzlich für ein hartes Vorgehen. Allerdings war er in Fällen besonders eifriger Verfolger, Kritik gegenüber aufgeschlossen. Zusammen mit dem Kaiser bemühte er sich schließlich um eine eher gemäßigte Linie.[6][7]

Schon von seinen Vorgängern wurde das Mitbestimmungsrecht der Landstände verwässert. Auf diesem Weg ging Maximilian weiter und schaltete die Stände weitgehend aus. Nach den Landtagen von 1605 und 1612 gab es keine allgemeinen Landtage mehr. Stattdessen gab es nur noch einen Ausschuss zur Steuerbewilligung (Landschaftsverordnung). Auch in den Städten wurden die Rechte der Bürger zu Gunsten des Staates beschnitten.[8][9][10]

Religiosität und Kirchenpolitik[Bearbeiten]

Marienstatue auf der Mariensäule in München

Maximilian war von einer persönlichen Religiosität durchdrungen und auch seine Lebensführung war stark religiös geprägt. Zahlreiche religiöse Stiftungen machten dies deutlich. Seine persönliche Marienverehrung führte zu einer entsprechenden Förderung der Marienfrömmigkeit im Land. Er ließ 1616 an der Westfassade der Münchner Residenz die überlebensgroße Bronzefigur „Patrona Boiariae“ von Hans Krumpper anbringen und 1638 auf dem Münchner Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, die Mariensäule mit der Marienstatue von Hubert Gerhard errichten.

Maximilian scheute sich aber nicht, im absolutistischen Sinne, zu versuchen Einfluss auf die Kirche auszuüben. Er errichtete unter der Beratung durch Jesuiten das Kirchliche Polizeiregiment. Er nahm aktiv Anteil an den Bischofswahlen in Bayern und in der Nachbarschaft. So hat er 1611 mit Gewalt den Erzbischof von Salzburg Wolf Dietrich von Raitenau zum Amtsverzicht gezwungen, nachdem dieser die Fürstpropstei Berchtesgaden besetzt hatte.[11]

Die Eingriffe in innerkirchliche Angelegenheiten konnte er sich erlauben, weil er gleichzeitig eine führende Person der Gegenreformation und der Rekatholisierung war. Damit verbunden war die Förderung der katholischen Reform in seinem Machtbereich. Er förderte die Reformorden etwa der Jesuiten, Kapuziner und andere.[12]

Das Umfeld Maximilians war stark von Jesuiten geprägt, die einen erheblichen geistigen Einfluss auf ihn ausübten. Seine Beichtväter Johannes Buslidius, Adam Contzen und Johannes Vervaux führten für ihn auch diplomatische Missionen aus.[13] Zwar initiierte er 1601 das Regensburger Religionsgespräch zwischen katholischen und protestantischen Gelehrten. Dieses hatte vor dem Hintergrund der bereits fortgeschrittenen Konfessionalisierung aber keinen Erfolg.[14] Wie schon seine Vorgänger bemühte sich Maximilian, Bistümer mit Verwandten zu besetzen. Dies gilt für Bistümer im bayerischen Umfeld aber auch in Nordwestdeutschland. So gelang es Ferdinand von Bayern das Erzbistum Köln zu verschaffen.[15]

Mäzenatentum[Bearbeiten]

Kaiserhof der Münchner Residenz

Der fürstlichen Selbstdarstellung diente der Ausbau der Münchner Residenz. Die Förderung von Kunst und Kunsthandwerk war sowohl Ausdruck von Religiosität wie von fürstlichen Repräsentationswillen. Wenig gefördert hat er die Musik. Anders war dies bei Tapisserien, Malerei, Bronzearbeiten oder der Goldschmiedekunst. Auch trat er als Sammler der Werke von Albrecht Dürer hervor. Zur Vervollständigung seiner Kunstsammlung unterhielt er einen eigenen Agenten. Für seinem Hof arbeiten verschiedene Künstler wie Peter Candid, Friedrich Sustris, Hubert Gerhard, Hans Krumpper, Christof Angermair, Adrian de Vries oder Georg Petel. Seine Unterstützung der Landesgeschichtsschreibung, die etwa dazu diente Ludwig den Bayern in einem positiven Licht erscheinen zu lassen, dienten der historischen Legitimierung seiner Herrschaft.[12][16]

Äußere Politik und Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

In der äußeren Politik lassen sich mehrere Phasen ausmachen. In einer ersten Zeit bis 1619 war er wenig aktiv und wartete ab, danach folgte der Aufstieg zum Höhepunkt seines Einflusses 1630, es folgten Krisenjahre bis 1634/35 und schließlich eine mühsame Zeit der Selbstbehauptung bis 1648.[17]

Vor dem Krieg[Bearbeiten]

Die Gründung der Katholischen Liga (1609 in München), Historiengemälde von Carl Theodor von Piloty von 1870

Zu Beginn seiner Herrschaft konzentrierte er sich ganz auf die innere Politik und löste sogar den von seinem Vater begründeten Landsberger Bund auf.[17] 1607 vollzog er die von Kaiser Rudolf II. über die Reichsstadt Donauwörth ausgesprochene Reichsacht. Nach Eroberung der Stadt behielt Maximilian, trotz aller Einsprachen der evangelischen Stände, diese in seinem Besitz. Die Protestanten verbündeten sich daraufhin 1608 zur Protestantischen Union. Als Reaktion darauf war Maximilian 1609 der Initiator für die Gründung der Katholischen Liga. Als Bundesoberst hatte er die militärische Führung inne und berief als Feldherren der Liga Johann ’t Serclaes von Tilly.

Das habsburgische Haus wollte er eigentlich ausgeschlossen wissen und widersetzte sich auch der Einmischung der Liga in den Jülich-Klevischen Erbfolgestreit und in die Wirren in den österreichischen Erblanden. Doch ließ er 1610 die Aufnahme Erzherzog Ferdinands zu und unterstützte später dessen Wahl zum Kaiser. Maximilian machte die Liga immer stärker zu einem Instrument bayerischer Politik, was das Misstrauen der Habsburger hervorrief. Maximilian wurde 1616 gezwungen, die Liga weitgehend aufzulösen und nur noch als einen süddeutschen Sonderbund weiter zu führen.[8]

Höhepunkt des Erfolges[Bearbeiten]

Verleihung der Kurwürde an Herzog Maximilian I. von Bayern auf dem Regensburger Fürstentag 1623

Vor dem Hintergrund des Konflikts mit Habsburg war er nach dem Beginn des Böhmischen Aufstands (Zweiter Prager Fenstersturz) nur dann bereit, die Liga wieder neu zu organisieren, wenn diese vom Kaiser unabhängig bleiben würde und er für seinen Einsatz angemessen entschädigt würde. Auf dieser Basis schloss er im Namen der Liga am 8. Oktober 1619 in München einen Vertrag mit Ferdinand II.. Die Liga stellte eine Armee von 30.000 Mann zur Unterstützung des Kaisers auf. Diese Truppen blieben aber unter der Kontrolle der Liga und damit Maximilians. Im Gegenzug versprach Ferdinand den Ersatz der Kriegskosten, sagte die zunächst pfandweise Überlassung eroberte Gebiete zu und gestand Maximilian schließlich auch die Übertragung der pfälzischen Kurwürde auf Bayern und die Eingliederung der Oberpfalz in seinen Herrschaftsbereich zu. Nicht nur Eigennutz, sondern auch Maximilians Wille, den Status quo im Reich aufrechtzuerhalten, bewogen Maximilian in den folgenden Jahren den Kaiser zu unterstützen.[8]

Die Truppen der Liga eroberten Österreich ob der Enns, dessen protestantischer Adel sich den böhmischen Aufständischen angeschlossen hatte. Ein Heer der Liga und des Kaisers besiegte am 8. November 1620 auf dem Weißen Berg bei Prag die böhmischen Protestanten unter Friedrich V.. Maximilian nahm sodann ohne größere Anstrengung die Oberpfalz ein. Mit spanischer Hilfe eroberte er danach die Kurpfalz. Die Heidelberger Bibliotheca Palatina überließ Maximilian Papst Gregor XV. zum Dank für dessen Unterstützung.

Wie verabredet erhielt er für seine Hilfe auf dem Regensburger Fürstentag 1623 die Kurwürde auf Lebenszeit. Die Oberpfalz und Oberösterreich hatte er als Pfandbesitz inne. Zwischen 1623 und 1629 befand sich das Heer der Liga unter Tilly und die kaiserliche Armee unter Wallenstein auf dem Vormarsch und besetzte fast ganz Norddeutschland.[18]

Reiterstandbild auf dem Wittelsbacherplatz in München

Maximilian ließ die weitgehend protestantische Oberpfalz rekatholisieren. Im Jahr 1628 wurde dar Katholizismus zur alleinigen Konfession erklärt. Wie in den von den Gebieten der Habsburgern waren die Jesuiten die Träger der Rekatholisierung. Auch die Vorgehensweise ähnelte der in den Habsburger Gebieten. Widerstand wurde durch die Einquartierung von Soldaten gebrochen. Der Prozess der Rekatholisierung wurde bis 1675 weitgehend beendet. Ähnlich agierte Maximilian auch in der rheinischen Kurpfalz bis zum Ende des Krieges.[19]

Auf dem Kurfürstentag in Mühlhausen wurde die überragende Macht des Kaisers und der von Maximilian geführten Liga augenfällig, als auch die protestantischen Kurfürsten die bayerische Kurwürde anerkannten. Im Jahr 1628 wurde ihm förmliche von Ferdinand II. die erbliche Kurwürde zugestanden.[20] Außerdem erhielt er die Oberpfalz, die rechtsrheinische Unterpfalz und Oberösterreich zur Begleichung der Kriegskosten als erblichen Besitz. Auf Oberösterreich verzichtete er nach den Erfahrungen mit dem Bauernaufstand von 1626. Die Sicherung der Oberpfalz und der Kurwürde bestimmten im Folgenden seine Politik im Wesentlichen mit. Dies beeinflusste auch seine Politik gegenüber Spanien und Frankreich. Sein Verhältnis zu den Spaniern, war, wegen deren Haltung in der pfälzischen Frage und seiner Weigerung die Liga im Krieg in den Niederlanden einzusetzen, schwierig. Dagegen erhoffte er sich von Frankreich Unterstützung in der Kurfrage und sagte zu, die Spanier im Kampf gegen Frankreich nicht zu unterstützen. Richelieus versuchte Maximilian von seiner kaisernahen Politik abzubringen. Maximilian seinerseits war bestrebt die gegen Kaiser und Reich gerichtete Politik Richelieus zu beenden und diesen in eine antiprotestantische Koalition einzubeziehen.[18]

Der Erfolg der katholischen Partei wurde im Frieden von Lübeck vom 22. Mai 1629 deutlich. Das dieser Erfolg nicht zu einem dauerhaften Frieden führte, hatte auch damit zu tun, dass Ferdinand II. am 6. März 1629 das Restitutionsedikt erließ. Dies zielte auf die Rückgabe aller seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 von Protestanten beanspruchten Kirchengüter ab. Maximilian hatte insofern Mitschuld an der Fortsetzung des Krieges, weil er das Edikt ausdrücklich begrüßte, dass in der Folge zur Solidarisierung der protestantischen Stände führte.[21]

Als Ferdinand II. neben der Niederwerfung des Protestantismus auch die Herstellung eines absoluten Kaisertums mit Hilfe des Wallensteinschen Heers erstrebte und damit die Rechte der Reichsfürsten bedrohte, widersetzte sich Maximilian und bewirkte 1630 auf dem Regensburger Kurfürstentag Wallensteins Absetzung und die Reduktion des kaiserlichen Heeres. Der zeitweise erwogene Plan Maximilian den Oberbefehl zu übertragen scheiterte.

Neutralitätspolitik und Niederlage[Bearbeiten]

zeitgenössische Darstellung der Schlacht bei Rain am Lech

Verschiedene Faktoren, etwa die französische Zusage, Maximilians Kurwürde und dessen Besitz der Oberpfalz anzuerkennen, führten im Mai 1631 zum Vertrag von Fontainebleau, in dem Maximilian mit Frankreich einen Neutralitäts- und Beistandspakt schloss. Unberührt davon blieben seine Pflichten gegenüber Kaiser und Reich. Richelieu bemühte sich mit dem Ziel, Ferdinand II. politisch zu isolieren, bei Maximilian auch darum, dass die katholische Liga sich gegenüber Gustav Adolf von Schweden neutral erklären sollte. Weil die Schweden dafür eine Trennung der Liga vom Kaiser forderten, ging Maximilian darauf nicht ein.[22]

Eine neue Situation ergab sich mit dem Siegeszug von Gustav Adolf. Nach Tillys Niederlage bei Breitenfeld am 17. September 1631 brach die katholische Vorherrschaft über das nördliche Deutschland zusammen. Maximilian ging auf ein französisches Vermittlungsangebot ein. Widerstrebend war Maximilian bereit, sich vom Kaiser zu trennen, um als neutral zu gelten. Dies scheiterte daran, dass Gustav Adolf für Maximilian nicht akzeptable Bedingungen stellte. Für Richelieu war das Bündnis mit Schweden wichtiger und er ließ Maximilian fallen und nahm dafür den Bruch des Vertrages von Fontainebleau in Kauf.[23]

Auch Maximilians Politik war damit gescheitert. In der Schlacht bei Rain am Lech 1632 wurde Tilly tödlich verwundet und in der Folge wurden weite Teile Bayerns von den Schweden besetzt. Maximilian musste aus München fliehen und zog sich nach Braunau am Inn zurück. Seine Schwächung führte dazu, dass er nicht verhindern konnte, dass Wallenstein erneut die Befehlsgewalt über das kaiserliche Heer übertragen wurde. Dieser hielt sich in der Folge mit der Unterstützung Bayerns gegen die verschiedenen schwedischen Vorstöße zurück. Es gab dafür zwar militärische Begründungen, aber der Verdacht lag nahe, dass Wallenstein dies absichtlich tat, um Maximilian zu schaden. Das Misstrauen des Kurfürsten gegenüber Wallenstein wuchs noch, als der Generalissimus nach der erfolgreichen Schlacht bei Lützen im darauffolgenden Jahr weitgehend untätig blieb. Maximilian nahm engere Kontakte mit den Spaniern auf, die nun Gegner Wallensteins waren. König Philipp IV. entsandte 1633 erstmals einen ständigen Gesandten nach Bayern. Die Armee der Liga unterstützte Spanien daraufhin dabei, der belagerten Festung Breisach Entsatz zu bringen. Dafür musste Maximilian die Einnahme Regensburgs durch die Schweden hinnehmen. Auch dagegen hatte Wallenstein nichts unternommen.

Maximilian war infolge dieser Erfahrungen bestrebt, Wallenstein erneut seines Postens zu entheben und forderte dies auch von Ferdinand II. Dessen Entschluss, Wallenstein fallen zu lassen, hatte nicht zuletzt etwas mit dem Druck Maximilians zu tun. Maximilian war indes nicht in dessen Ermordung verwickelt.[24][18]

Zweite Kriegshälfte[Bearbeiten]

Nach dem Tod Wallensteins war es möglich, dass die von Maximilian dominierten Truppen der Liga, die kaiserliche Armee sowie Spanien enger zusammenwirken konnten. Dies führte zum Sieg bei Nördlingen 1634. Daraufhin brach der schwedische Einfluss im südlichen Deutschland zusammen. Dies führte aber auch dazu, dass Frankreich offen in den Krieg eintrat.[25]

Maximilian begrüßte die Friedensverhandlungen auf Reichsebene, die 1635 zum Frieden von Prag führten und Kursachsen wieder an die Seite des Kaisers brachten. Er überließ die Verhandlungen dabei der kaiserlichen Seite, um nicht die notwendigen konfessionspolitischen Zugeständnisse verantworten zu müssen.

Die Kurwürde Maximilians sowie dessen Besitz der Ober- und Unterpfalz wurden bestätigt. Allerdings wurde das Restitutionsedikt weitgehend zurückgenommen und Maximilian musste die katholische Liga auflösen. Stattdessen wurde ihm ein Teil der neuen Reichsarmee unterstellt, die Maximilian in der Praxis wie eine bayerische Armee führte, diese aber auch finanzieren musste.[18][25]

Gedenkmünze zur Befestigung Münchens 1640
Vorderseite
Rückseite

In der Folgezeit waren die bayerischen Truppen verschiedentlich erfolgreich. Namentlich in den letzten Jahren des Krieges zeichneten sich seine Truppen unter den Generälen Mercy und Werth im Kampf gegen die Franzosen aus. Aber Bayern litt durch die Verwüstungen der durchziehenden Heere schwer. Maximilian wollte daher Frieden für sein Land, ohne seine Erwerbungen und die Kurwürde aufgeben zu müssen. Auch weitere Zugeständnisse in der Konfessionsfrage wollte er vermeiden. Maximilian war bereit Frankreich etwa in der Frage der Herrschaft über das Elsaß erheblich entgegenzukommen. Vor dem Hintergrund der Drohung Maximilians, ein separates Abkommen mit Frankreich zu schließen, kam es 1646 zu einem kaiserlich-französischen Abkommen über die territoriale Frage. Frankreich stimmte zu, dass Bayern die Kurwürde und die Oberpfalz behalten sollte. Für die wieder eingesetzten Pfalzgrafen sollte eine weitere Kur geschaffen werden. Dem stimmte Ferdinand III. unter dem Druck Maximilians zu. Der Konflikt ging aber weiter und Bayern wurde nach langer Zeit wieder zum Kriegsschauplatz. Da der Kaiser nicht bereit war, ohne Spanien einem Waffenstillstand zuzustimmen, schloss Maximilian am 14. März 1647 mit Frankreich und Schweden den Ulmer Waffenstillstand.[26] Da die Franzosen ihm jedoch keine Garantie im Falle eines schwedischen Angriffes gaben, versöhnte er sich bald darauf wieder mit dem Kaiser und schloss mit diesem am 7. September den Vertrag von Passau ab.[27]

Maximilian kündigte den Waffenstillstand auf. Aber nach anfänglichen Erfolgen gelang es nicht, den Vormarsch der Franzosen und Schweden im Frühjahr 1648 nach Bayern zu verhindern. Maximilian drängte den Kaiser zu Zugeständnissen, bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden. Unter dem Druck Maximilians stimmte der Kaiser dem Friedensschluss auch ohne Beteiligung der Spanier zu. Am 5. Oktober 1648 kam es bei Dachau zum letzten größeren Gefecht des Krieges, in dem die kaiserlich-bayerischen Truppen erfolgreich waren. Im Westfälischen Frieden behielt er die Oberpfalz und die Kurwürde nebst dem kaiserlichen Truchsessamt. Für die Kurpfalz wurde eine neue achte Kurwürde geschaffen.[26][27]

Letzte Jahre[Bearbeiten]

Grab von Maximilian I. in der Münchner Michaelskirche

Nach dem Krieg begann Maximilian mit dem Wiederaufbau seines Landes. Um die finanziellen Mittel dazu zu haben, wurde die Armee so bald wie möglich entlassen.

Gegen Ende seines Lebens widmete er sich fast ausschließlich der Religion. Maximilian starb am 27. September 1651 auf einer Wallfahrt in Ingolstadt.[28] Der Leichnam wurde seziert, die Eingeweide in der Wittelsbacher Gruft des Liebfrauenmünsters in Ingolstadt, das Herz in der Gnadenkapelle in Altötting und der Leib in St. Michael in München beigesetzt.

König Ludwig I. errichtete ihm 1839 auf dem Wittelsbacher Platz in München ein prächtiges Reiterstandbild nach Thorwaldsens Entwurf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard Immler: Maximilian I. Der große Kurfürst auf der Bühne der europäischen Politik. In:  Alois Schmid und Katharina Weigand (Hrsg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48230-9. S. 202f.
  2. Schülerzeit in München
  3. Student in Ingolstadt
  4. Die beiden Ehefrauen
  5.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 203.
  6.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 204.
  7. Hexenprozesse in Ingolstadt
  8. a b c Dieter Albrecht: Maximilian I.Herzog von Bayern. In: Neue Deutsche Biographie. 16. Berlin 1990, S. 477.
  9.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 203f..
  10. Verwaltungsreformen in Bayern
  11. Salzburg und Jülich-Kleve
  12. a b Albrecht: Maximilian I. Berlin 1990, S. 479f.
  13. Das jesuitisch geprägte Umfeld
  14. Regensburger Kolloquium
  15. Sekundogenitur am Niederrhein
  16. Maximilian als Mäzen
  17. a b  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 205.
  18. a b c d Albrecht: Maximilian I. Berlin 1990, S. 478.
  19. Arno Herzig: Die Rekatholisierung in den deutschen Territorien im 16. und 17. Jahrhundert. In: Geschichte und Gesellschaft. 26, 2000, S.89f.
  20.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 206.
  21.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 209.
  22.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 210.
  23.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 211.
  24.  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 211f..
  25. a b  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 212.
  26. a b  Immler: Maximilian I. München 2001, S. 216.
  27. a b Albrecht: Maximilian I. Berlin 1990, S. 479.
  28. Tod Maximilians

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maximilian I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Illustration von 1627: Maximilianus Comes Palatinus ... (Digitalisat)
  • Illustration von 1627: Maximilianvs Comes Palatinvs Rheni Svperioris Ac Inferioris Boiariae Dvx ... (Digitalisat)


Vorgänger Amt Nachfolger
Wilhelm V. Herzog von Bayern
1597–1651
Ferdinand Maria
Friedrich V. Kurfürst von der Pfalz
1623–1648
Karl I. Ludwig
Kurfürstentum BayernKurfürstentum Bayern Kurfürst von Bayern
1648–1651
Ferdinand Maria