Janusz Waluś (Attentäter)

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Janusz Waluś (* 14. Januar 1953 in Zakopane, Polen)[1] ist ein polnischstämmiger südafrikanischer rechtsextremer Aktivist, der bei einem Attentat 1993 den Stabschef des Umkhonto we Sizwe, des ehemals bewaffneten Arms des African National Congress, ermordete.[2]

Leben[Bearbeiten]

Waluś folgte 1981 seinem bereits in den 1970er Jahren ausgewanderten Vater und seinem Bruder nach Südafrika. Nachdem die kleine Glasfabrik der Familie in Konkurs ging, wurde Janusz Waluś, der inzwischen als Lkw-Fahrer tätig war, Mitglied der National Party und der radikalen Afrikaner Weerstandsbeweging und geriet so immer tiefer in rechtsextreme Kreise, die Südafrikas Apartheidregime unterstützten.[3]

Das Attentat auf Chris Hani fällt in die Zeit, als in Südafrika bereits politische Verhandlungen zur Beendigung der Apartheid stattfanden. Am Ostersonntag, 10. April 1993,[4][5] fuhr Waluś gegen halb elf Uhr vormittags zu Hanis Wohnhaus in Boksburg bei Johannesburg. Hani war gerade nach Hause zurückgekehrt. Als er aus seinem Wagen stieg, rief ihn Waluś beim Namen, worauf Hani sich umdrehte und von Waluś mit einem Schuss in den Körper und drei Schüssen in den Kopf ermordet wurde. Hani war sofort tot, und Waluś flüchtete. Eine Nachbarin notierte das Autokennzeichen, was zu Waluśs Verhaftung führte. Zunächst leugnete er jede Beteiligung an dem Attentat, schilderte den Tathergang dann jedoch einem Polizisten, den er für einen Rechtsradikalen hielt.[6] Gründliche Ermittlungen führten zu dem ehemaligen Parlamentsabgeordneten Clive Derby-Lewis, der Waluś zu dem Attentat angestiftet und die Waffe besorgt hatte. Die Polizei fand auch eine Todesliste, in der Nelson Mandela und Joe Slovo noch vor Hani aufgelistet waren.[6] Ziel der beiden war es, den Verhandlungsprozess zur Beendigung der Apartheid zu stören.

Janusz Waluś und Clive Derby-Lewis wurden für ihre Tat zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde nach der Abschaffung der Todesstrafe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe umgewandelt.

Waluś schilderte nach dem Prozess seine Motivation mit den Worten:

Sie [der ANC] sind kommunistisch und werden dieses wunderbare Land zerstören. Sie werden alles vergeuden, was hier von Weißen unter großen Widrigkeiten aufgebaut wurde. Es schmerzt mich, dass das alles zerstört werden wird im Namen einer vielrassigen Utopie, die hier nie funktionieren wird. Sie wollen Freiheit und Demokratie. Ein wenigen Jahren werden Freiheit und Demokratie alles sein, was sie noch haben.[7]

Als die Wahrheits- und Versöhnungskommission ihre Arbeit aufnahm, beantragte Waluś eine Amnestie, die seine Strafe zur Bewährung aussetzen sollte. Nach einer ausführlichen Untersuchung befand die Kommission, dass er und Derby-Lewis nicht auf höheren Befehl gehandelt hatten, und lehnten eine Amnestie ab. Beide blieben in Haft.[6] Anfang 2014 wurden beide von einem Mithäftling durch Stiche mit einem scharfgeschliffenen Löffel verletzt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. George Fetherling: The Book of Assassins. Random House of Canada, ISBN 978-0-307-36909-3, S. 613 (Auszug bei Google Books)
  2. Hani lived and died for his principles – DA. In: news24.com. 10. April 2013 (englisch).
  3. Stephen E. Atkins: Encyclopedia of Modern worldwide extremists and extremist groups. Greenwood Publishing Group, 2004, ISBN 978-0-313-32485-7, S. 12 ff. (Auszug bei Google Books)
  4. Murder with a Political Motive, in: Economic and Political Weekly. 1993
  5. Suzanne Daley: Slayer Tells Inquiry of Mandela Ally's Killing, in: The New York Times, 22. August 1987, S. 13
  6. a b c A. Kemp: The death of Chris Hani: An African Misadventure
  7. nach volkstaat.net (Website einer rechtsextremen Buren-Organisation), im Original englisch
  8. Hani killer’s stabbing: SACP, Bizos blamed. iol.co.za vom 28. Februar 2014 (englisch), abgerufen am 16. Oktober 2014