Pretoria

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Pretoria
Pretoria (Südafrika)
Pretoria
Pretoria
Koordinaten 25° 44′ S, 28° 15′ O-25.72555555555628.243888888889Koordinaten: 25° 44′ S, 28° 15′ O
Map of Gauteng with Tshwane highlighted (2011).svg
Symbole
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Basisdaten
Staat Südafrika

Provinz

Gauteng
Distrikt City of Tshwane
Höhe 1367 m
Fläche 1644 km²
Metropolregion 2174,6 km²
Einwohner 741.651 (2011)
Metropolregion 2.921.488 (2011)
Dichte 451,1 Ew./km²
Metropolregion 1343,5 Ew./km²
Gründung 1855
Postleitzahlen 0001 - 0187Vorlage:Infobox Ort/Wartung/Datum
Politik
Bürgermeister Kgosientsho Ramokgopa
Kultur
Partnerstädte Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Washington, D.C.
Skyline von Pretoria von den Union Buildings her gesehen
Skyline von Pretoria von den Union Buildings her gesehen

Pretoria ist die Hauptstadt der Republik Südafrika. Allerdings besitzen in Südafrika auch die Städte Kapstadt (mit dem Sitz des Parlamentes sowie dem halbjährigen Sitz der Regierung von Januar bis Juni) und Bloemfontein (mit dem Sitz des obersten Berufungsgerichts – „Supreme Court Of Appeal“) eine Art Hauptstadtfunktion.

Pretoria liegt im nördlichen Teil der Provinz Gauteng.

Seit 2000 ist Pretoria Teil der Gemeinde City of Tshwane Metropolitan Municipality. Am 7. März 2005 beschloss der Stadtrat, dass auch der bisherige offizielle Name von Pretoria in Tshwane abgeändert werden soll. Jedoch ist dieser Beschluss weiterhin nicht rechtskräftig. Insbesondere die Bürgerrechtsinitiative AfriForum wehrt sich gegen die Umbenennung.[1] Bis dahin ist der offizielle Name der Stadt weiterhin Pretoria. Womöglich ist Tshwane die Setswana-Bezeichnung für „Ort des schwarzen Rindes“ oder der Name bezieht sich auf Tshwane, einen früheren Ndebele-Häuptling.[2] Im August 2007 wurde vom südafrikanischen Rat für geografische Namen (South African Geographical Names Council (SAGNC)) nochmals bestätigt, dass Pretoria seinen Namen behalten wird.

2005 gewann Pretoria den LivCom-Award in der Kategorie E (über 750.000 Einwohner) und durfte sich in jenem Jahr als „lebenswerteste Stadt der Welt“ bezeichnen.

Name der Stadt und dessen Aussprache[Bearbeiten]

Afrikaans: Pretoria [prəˈtʊə̯riɑ]
südafrikanisches Englisch: Pretoria [prəˈtoːriə]
Setswana: Tshwane [ˈʦʰwaːne], Pitoria [pˀiˈtˀoˈriːja]
Pedi: Tshwane [ˈʦʰwaːne]
isiZulu: iPitoli [ipˀiˈtˀoːli]
IsiXhosa: iTswani [iˈʦˀɔ̯aːni], iPitoli [ipˀiˈtˀoːli]
Süd-Ndebele: iPitori [ipˀiˈtˀoːri]
Sesotho: Pitoriya [pˀiˈtˀoˈriːja]
Siswati: iPitoli [ipˀiˈtˀoːli]
Tshivenda: Tswane [ˈʦʰwaːne]
Xitsonga: Pitori [piˈtoːri]

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Pretoria liegt im Nordosten des Landes in der Provinz Gauteng, etwa 56 Kilometer nördlich von Johannesburg. Die Stadt liegt in einem warmen, geschützten und fruchtbaren Tal, das von der Kette der Magaliesberge umgeben ist, in etwa 1370 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.

Verwaltungsbezirke[Bearbeiten]

Die City of Tshwane Metropolitan Municipality (CTMM) wurde am 5. Dezember 2000 gegründet, als mehrere Gemeinden des Großraums Pretoria sich zusammenschlossen.

Die CTMM umfasst ein großes Ballungsgebiet mit den Städten Pretoria, Centurion, Akasia und Soshanguve, sowie die weiter außerhalb liegenden Orte Mabopane, Atteridgeville, Ga-Rankuwa, Winterveld, Hammanskraal, Temba, Pienaarsrivier, Crocodile River und Mamelodi. Die Gesamtfläche der Metropolgemeinde Tshwane beträgt 2.199 km².

Klima[Bearbeiten]

In Pretoria ist das Klima subtropisch, die Sonne scheint an durchschnittlich 300 Tagen im Jahr. Die Wintermonate sind mit unter 20 mm Niederschlag trocken; im Winter fallen die monatlichen Tiefsttemperaturen auf bis unter 3 °C, die Höchsttemperaturen erreichen um 20 °C. Die Sommermonate sind mit Regenmengen um 100 mm recht feucht; die mittleren Höchstwerte steigen im Sommer auf fast 30 °C, die Tiefstwerte sinken kaum unter 15 °C.[3]

Pretoria
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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28
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Pretoria
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 28,5 28,0 26,9 24,1 21,8 18,9 19,5 22,1 25,5 26,6 27,0 28,0 Ø 24,7
Min. Temperatur (°C) 17,8 17,3 16,1 12,6 8,2 4,8 4,8 7,6 11,9 14,4 15,8 16,8 Ø 12,3
Niederschlag (mm) 135 76 79 54 13 7 3 5 20 73 100 108 Σ 673
Sonnenstunden (h/d) 8,4 8,4 8,2 8,2 9,1 9,0 9,3 9,5 9,5 8,9 8,5 8,8 Ø 8,8
Regentage (d) 11 8 8 5 2 1 1 1 2 6 9 11 Σ 65
Luftfeuchtigkeit (%) 62 63 63 63 56 54 50 45 44 52 59 61 Ø 56
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Flora[Bearbeiten]

Blühende Jacaranda-Bäume in Pretorias Innenstadt

Bekannt ist Pretoria für die ursprünglich aus dem tropischen Teil Südamerikas stammenden 70.000 Jacaranda-Bäume (Jacaranda mimosifolia), die viele Straßen im Stadtgebiet säumen, aber auch in anderen Teilen des südlichen Afrika heimisch geworden sind. Im Frühjahr (ab Oktober) prägen ihre malvenfarbenen Blüten das Stadtbild. In Afrikaans trägt Pretoria deshalb auch den Beinamen Jakarandastad.

Die ersten beiden Jacaranda-Bäume pflanzte J.D. Cilliers, ein Gärtner aus Pretoria, 1888 in seinem im Stadtteil Sunnyside gelegenen Garten. Ein Kapstädter Baumzüchter hatte die Bäumchen aus dem brasilianischen Rio de Janeiro eingeführt und an Cilliers weitergereicht. Heute stehen diese beiden Bäume auf dem Gelände einer Grundschule, der Laerskool Sunnyside. [4]

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte der Pflanzenzüchter James Clarke Jacarandasamen aus Australien nach Südafrika ein, um Jacaranda-Bäume in größerem Umfang zu kultivieren. Zweihundert kleine Bäume machte er dem Gemeinderat von Pretoria im November 1906 zum Geschenk, der sie in der damaligen Kochstraat (heute Bosmanstraat) anpflanzen ließ. Der städtische Ingenieur Walton Jameson (später bekannt als "Jacaranda Jim") fand Gefallen an den Bäumen und initiierte ein Programm, mit dem die Anpflanzung von Jacarandas als Straßenbäumen auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt wurde. 1971 gab es bereits 55.000 Jacaranda-Bäume in Pretoria.[5]

Die meisten der Jacarandas im Stadtgebiet tragen malvenfarbige Blüten, mit Ausnahme der weiß blühenden Bäume, die entlang der Herbert Bakerstraat im Stadtteil Groenkloof angepflanzt wurden.

Zwischen 1939 und 1964 feierte die Bevölkerung Pretorias jährlich den "Jacaranda-Karneval". Nach einer längeren Unterbrechung besann man sich 1985 wieder auf diese Tradition. Seither findet ein Fest mit farbenfrohen Umzüge statt, dessen Höhepunkt die Wahl der "Jacaranda-Königin" bildet.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Nguni-sprechende Siedler, die später unter dem Namen Ndebele und Matabele bekannt wurden (abgeleitet von Sesotho: Flüchtling), waren wahrscheinlich die ersten Bewohner, die die Lage und Fruchtbarkeit des Flusstals, das später der Ort der Stadt Pretoria wurde, erkannten und dieses besiedelten. Der Fluss wurde nach einem ihrer Häuptlinge Tshwane genannt (vom Ndebele-Wort für „kleiner Affe“); er erhielt später den afrikaansen Namen Apiesrivier. Während der Zulu-Herrschaft im späteren Natal zogen unter der Führung von General Mzilikazi noch mehr Menschen in dieses Gebiet, da sie im Zuge der Mfecane von dem Zulu-Oberhaupt Shaka in die Flucht getrieben worden waren.

Das heutige Pretoria wurde im Jahr 1855 von Marthinus Wessel Pretorius gegründet, der die Stadt nach seinem Vater Andries Pretorius benannte. Dieser Pretorius, ein General der Voortrekker, wurde unter den Buren als Volksheld verehrt, da er die Zulu in der Schlacht am Blood River vernichtend geschlagen hatte. Pretoria wurde bald darauf, 1860, zur Hauptstadt der Südafrikanischen Republik (später Transvaal). Um 1863 bestand der Ort aus etwa 50 bis 60 Gebäuden und 300 Einwohnern, unter ihnen viele Deutsche und Deutschstämmige. Die Ernennung Pretorias als Hauptstadt von Transvaal markiert das Ende des Großen Trecks, des burischen Fortzugs aus dem Kapland im 19. Jahrhundert.

Während des Ersten Burenkriegs wurde die Stadt von britischen Einheiten von Dezember 1880 bis März 1881 belagert. Der Krieg endete am 3. August 1881 mit der Unterzeichnung des Friedens von Pretoria und der Unabhängigkeit Transvaals.

Der Zweite Burenkrieg (1899–1902) besiegelte das Ende der unabhängigen Burenrepubliken und markierte den Beginn der britischen Vorherrschaft in Südafrika. Während dieses Krieges wurde Winston Churchill im Gefängnis von Pretoria inhaftiert, ihm gelang aber die Flucht nach Mosambik. Pretoria wurde erneut von britischen Streitkräften unter der Führung von Frederick Sleigh Roberts belagert. Der Burenkrieg endete in Pretoria mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Vereeniging am 31. Mai 1902.

Die Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat wurden im Jahr 1910 mit der Kapkolonie und Natal zur Südafrikanischen Union vereinigt. Pretoria wurde die Hauptstadt des gesamten Südafrika, Kapstadt wurde zum Sitz der Legislative bestimmt. Von 1860 bis 1994 war die Stadt auch die Hauptstadt der Provinz Transvaal, eine Funktion, die sie von Potchefstroom übernommen hatte. Am 14. Oktober 1931 wurde Pretoria das Stadtrecht verliehen. Als Südafrika im Jahr 1961 eine Republik wurde, blieb die Stadt die offizielle Hauptstadt.

Im Jahr 2000 wurde die Stadtverwaltung von Pretoria ein Teil der neu gegründeten City of Tshwane Metropolitan Municipality. Am 8. März 2005 stimmte der Stadtrat dem Vorschlag zu, die gesamte Stadt in Tshwane umzubenennen. Die inneren Stadtviertel werden aber weiterhin Pretoria genannt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In der eigentlichen Stadt leben 741.651 Menschen[7], in der Agglomeration 1.884.046 (Stand: 1. Januar 2005). Etwa 1.450.000 davon gehören zur schwarzen Bevölkerungsgruppe, 480.000 sind Weiße, 38.000 Farbige und rund 30.000 Inder. Größte Sprachgruppen in Pretoria sind Afrikaans (438.000 Einwohner), Tswana (340.000), Englisch (129.000) und Ndebele (98.000).

Im ursprünglichen Stadtgebiet in den Grenzen von vor 2000 bilden weiße Südafrikaner nach wie vor die Bevölkerungsmehrheit, während die Vorstädte der Peripherie ganz überwiegend durch andere ethnische Gruppen geprägt werden. So weisen Soshanguve und Atteridgeville noch eine überwiegend schwarze und Laudium traditionell eine indischstämmige Einwohnermehrheit auf. Sozialer Aufstieg bedingt die zunehmende Mobilität der Einwohner, so dass sich viele indischstämmige Südafrikaner inzwischen in traditionell "weißen" Vororten niedergelassen haben.

Umgekehrt ist wie fast überall in Südafrika ein Anwachsen der Zahl sozial benachteiligter Weißer, der sogenannten armblankes oder poor whites, zu beobachten. Vor allem Afrikaanssprachigen ohne Berufsausbildung oder mit geringer Qualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt mit Niedrigqualifizierten aus anderen Bevölkerungsgruppen konkurrieren, droht die soziale Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit und Armut. Schätzungsweise gibt es im Stadtgebiet etwa achtzig Elendsquartiere, in denen verarmte Weiße in prekären Wohnverhältnissen leben.[8]

Nachdem der amtierende Präsident Jacob Zuma dem weißen Elendsquartier Bethlehem im Westen der Stadt zuvor zweimal einen Besuch abgestattet hatte, übergab er anlässlich des Mandelatages am 18. Juli 2013 Häuser, die im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet wurden, an Bewohner der Siedlung Danville, in der arme Weiße aus Bethlehem ein neues Zuhause finden.[9]

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

Die Alte Synagoge in der Paul Krugerstraat

Die ersten jüdischen Bürger ließen sich kurz nach der Gründung Pretorias in der Stadt nieder und trugen in den Folgejahren zum wirtschaftlichen und industriellen Aufschwung der Siedlung bei. Der Staatsanwalt De Vries war der erste Pretorianer jüdischen Glaubens. Als angesehener Bürger wurde er in den Volksraad, das Parlament der Südafrikanischen Republik, gewählt und setzte sich für die Anerkennung von Afrikaans als offizieller Sprache anstelle des Niederländischen ein.[10] Eine weitere herausragende Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde war Sammy Marks (1843-1920), ein Industrieller und Finanzier litauischer Herkunft, der über England nach Südafrika eingewandert war.

Die meisten jüdischen Einwanderer, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert in Südafrika niederließen, waren aufgrund der sozialen Benachteiligung in ihren Heimatländern, vor allem dem damals russischen Litauen, meist nicht in den Genuss einer umfassenden Bildung gekommen. So waren die Sprachkenntnisse der jüdischen Neuankömmlinge in Pretoria in der Regel auf ihre Muttersprache Jiddisch beschränkt, nur wenige sprachen Englisch oder gar Niederländisch und Afrikaans. Eine erste Beschäftigungsmöglichkeit bot der Einzelhandel. Viele Jiddischsprechende betrieben kleine Läden. Während des Burenkrieges wahrten die meisten jüdischen Pretorianer ihre Neutralität, einzelne Bürger dienten aber als Freiwillige in den Streitkräften der Südafrikanischen Republik und kämpften gegen die Briten.

Die erste Hebräische Gemeinde entstand zwischen 1890 und 1895, die erste Synagoge in der Paul Krugerstraat wurde 1898 eingeweiht. Ein zweites jüdisches Gotteshaus, die Große Synagoge, wurde 1922 errichtet. Beide Synagogen werden heute nicht mehr für jüdische Gottesdienste benutzt. Eine reformierte Synagoge, Temple Menorah, wurde in den frühen Fünfzigerjahren eingeweiht. Für den Unterricht jüdischer Kinder wurden zwei Schulen errichtet - die Miriam Marks-Schule (1905) und die Carmel-Schule (1959). Nur die letztere besteht auch heute noch und wird gleichzeitig als Gotteshaus genutzt.

Das jüdische Leben in Pretoria erlebte seine Blütezeit im frühen 20. Jahrhundert, als zahlreiche jüdische Sportvereine, Wohlfahrtsorganisationen und Jugendgruppen in der Stadt bestanden. In den Jahren nach 1948 sank die jüdische Bevölkerungszahl durch Umzüge nach Kapstadt und Johannesburg und die Auswanderung nach Israel. Das Grundstück der Synagoge in der Paul Krugerstraat wurde 1952 nach einem durch die südafrikanische Regierung betriebenen Enteignungsverfahren für den Bau des neuen Obersten Gerichtshofes genutzt, einem Gerichtsgebäude, in dem später zahlreiche Prozesse gegen Anhänger der schwarzen Oppositionsbewegung stattfanden, darunter das Strafverfahren gegen Nelson Mandela, Walter Sisulu und 26 andere Personen, die des Hochverrats beschuldigt wurden (1. August 1958 bis 29. März 1961) und der Rivonia-Prozess 1963.

Heute zählt die jüdische Gemeinde in Pretoria etwa 3.000 Mitglieder. Die örtliche reformierte jüdische Gemeinde teilt sich ihren Rabbi mit der Schwestergemeinde in Johannesburg. Sie verfügt inzwischen nicht mehr über ein eigenes Gotteshaus, so dass Versammlungen in den Privatwohnungen der Gemeindemitglieder stattfinden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Union Buildings im Zentrum Pretorias

Der Platz Kerkplein (englisch Church Square) ist das historische Zentrum von Pretoria. In der Mitte des Platzes befindet sich das Standbild des ehemaligen Präsidenten Paul Kruger. Mehrere historische und architektonische Sehenswürdigkeiten umgeben den Kerkplein: Der Justisiepaleis (Justizpalast), in dem 1963/64 der historisch bedeutende Rivonia-Prozess stattfand, das Old Capitol Theatre, der Ou Raadsaal (Altes Parlament) und das Hoofposkantoor (Hauptpostamt).

Das Union Buildings im Nordosten der Innenstadt, Regierungssitz von Juli bis Dezember, wurden im klassizistischen Stil aus hellem Sandstein von dem Architekten Sir Herbert Baker erbaut. Der Gebäudekomplex entstand 1910 bis 1913 und ist etwa 275 Meter lang. Im Mai 1994 wurde hier der erste schwarze Präsident der Republik Südafrika, Nelson Mandela, vereidigt.

Das Melrose House, ein Gebäude, das im viktorianischen Stil im Jahr 1886 erbaut wurde, war Schauplatz der Friedensverhandlungen nach dem Zweiten Burenkrieg zwischen Briten und Buren. In ihm wurde 1902 der Friede von Vereeniging unterzeichnet. Der Strijdomplein ist ein Platz im Zentrum der Stadt, auf dem bis zum Einsturz aufgrund eines baulichen Fehlers im Jahr 1996 die überdimensionierte Büste des einstigen Premierministers (1954–1958) stand, nach dem der Platz benannt worden war. Höchstes Bauwerk der Stadt ist der John Vorster Tower, ein 198 Meter hoher Fernsehturm.

Außerhalb der Stadt[Bearbeiten]

  • Botanischer Garten
  • Onderstepoort Nature Reserve
  • Pioneer Open Air Museum
  • Sammy Marks Museum bei Zwartkoppies - das Wohnhaus des südafrikanischen Industriellen Sammy Marks ist als Museum erhalten und zeigt einen Einblick in die Lebenswelt des 19. Jahrhunderts
  • Meteoritenkrater Tswaing (Außenstelle des National Cultural History Museum)
  • Wonderboom Nature Reserve
  • Zoo

Museen[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Pretoria ist eine der führenden Hochschulstädte Südafrikas. Die Stadt beheimatet die Universiteit van Pretoria (Universität von Pretoria) sowie die UNISA (University of South Africa), eine Gesamthochschule und mit über 250.000 Studenten eine der größten Fernuniversitäten der Welt. Die Universiteit van Pretoria gehört zu den Hochschulen, in denen Afrikaans lange Zeit die dominierende Lehrsprache war. Heute ist diese Bildungseinrichtung zweisprachig (Afrikaans und Englisch).

Verkehr[Bearbeiten]

Flughäfen[Bearbeiten]

Als Pretorias Passagierflughafen fungieren der O.R. Tambo Flughafen (ehemals Johannesburg International Airport), der etwa 45 Kilometer südöstlich des Stadt liegt, sowie der Lanseria International Airport südlich von Pretoria. Der nächstgelegene Flughafen für Fracht- und Privatflugzeuge ist Wonderboom Airport.

Bahn[Bearbeiten]

Der Hauptbahnhof der Stadt liegt am Südrand des Stadtzentrums. Er wird unter anderem von den Zügen im Netz der Metrorail Gauteng bedient, die eine Nahverkehrsverbindung mit Johannesburg gewährleisten. Am 2. August 2011 wurde Pretoria an das Netz des Gautrain angeschlossen. Es reicht bis zum östlichen Vorort Hatfield. Dieses Hochgeschwindigkeits-Nahverkehrssystem fährt auf einer eigenen Strecke in Normalspur und verbindet die Stadt mit dem O.R. Tambo Flughafen und auf einem zweiten Streckenast mit Johannesburg.

Autobahnen[Bearbeiten]

Die wichtigste Autobahn in Pretoria ist die N1-Ostumfahrung, die Johannesburg mit Polokwane (Pietersburg) verbindet. Sie führt durch die wohlhabenden östlichen Vororte des Großraums. Die zweite bedeutende Autobahn ist die N4. Sie ist eine gebührenpflichtige Nationalstraße und verbindet Pretoria mit eMalahleni und Maputo (Mosambik) im Osten und Rustenburg und Gaborone (Botswana) im Westen. Weitere Autobahnen im Stadtgebiet sind die N14 Richtung Krugersdorp im Südwesten sowie die R21 zum internationalen O.R. Tambo Flughafen in Kempton Park und die R80 im Nordwesten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Pretoria ist ein wichtiges Industriezentrum des Landes. Die Schwerindustrie mit Eisen- und Stahlbau, sowie der Eisenbahn- und Maschinenbaubranche sind in Pretoria beheimatet. Mehrere Unternehmen der Automobilbranche, etwa BMW und Nissan, haben Produktionsstätten in der Stadt. Außerdem befindet sich hier die Hauptverwaltung der South African Iron and Steel Corporation, ISCOR, die Südafrikas größter Hersteller von Stahl ist. Auch der zu Denel gehörende Munitionshersteller Pretoria Metal Pressing hat hier seinen Sitz.

Der 115.000 m² große Menlyn Park ist Pretorias größtes Einkaufszentrum. In diesem Komplex finden sich eine Bühne für Großereignisse und ein Autokino auf dem Dach des Gebäudes.

In Pretoria ist die Ford Motor Company of Southern Africa ansässig, welche einer der wichtigsten Arbeitgeber der Stadt ist. Früher firmierte das Werk unter dem Namen SAMCOR. Ein weiterer Automobilhersteller war die ursprünglich aus Brasilien stammende Marke Puma. Das Unternehmen Advanced Automotive Design produziert Autos in Kleinstserien.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pretoria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/vermischtes/article6298254/Tshwane-oder-Pretoria-Der-Kampf-um-die-Hauptstadt.html
  2. Informationen bei africanlanguages.com (englisch), abgerufen am 26. Oktober 2010
  3. Klimatabelle von Pretoria, Südafrika
  4. Dawie Boshoff: Jakarandastad vier fees. In: Suid-Afrikaanse Panorama, Jahrgang 35, Nummer 2 (März/April 1990), S. 73
  5. Boshoff (1990), S. 75
  6. Boshoff (1990), bl. 73
  7. Volkszählung 2011, abgerufen am 4. Oktober 2013
  8. BBC News Magazine, 19. Mai 2013: Do white people have a future in South Africa? Abgerufen am 15. Juli 2014
  9. South Africa Government Online: President Jacob Zuma on Nelson Mandela Day, 14. Juli 2013. Abgerufen am 15. Juli 2014
  10. Support Association for Zionism - History of Pretoria Jewry. Abgerufen am 16. Juli 2014
  11. The City of Tshwane and Washington D.C. signed an Agreement of Friendship and Cooperation. City of Tshwane, abgerufen am 19. September 2011.