Jehan Fresneau

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Jehan Fresneau (auch Fresnau, Frasnau, Franeau, Franier, de Frania), (* vor 1450; † nach 1505) war ein französischer Komponist und Sänger.

Leben[Bearbeiten]

Jehan Fresneau stammte vermutlich aus Cambrai. Dort ist er im Finanzjahr 1468/9 als petit vicaire nachgewiesen. Von 1470 bis September 1475 war er Sänger (chapelelain ordinaire) in der Kapelle Ludwigs XI.. Vielleicht auf Anraten Johannes Ockeghems ging Fresneau nach Mailand und wurde dort Mitglied der Kapelle des Herzogs Galeazzo Maria Sforza. Seine bedeutendsten Kollegen waren Gaspar van Weerbeke, Alexander Agricola, Loyset Compère und Jean Cordier. Im November 1476 bemühte sich der Herzog, für Fresneau, der als „Priester aus Cambrai, unser Sänger, und ein bescheidener und kunstreicher Mensch“ beschrieben wird, um ein Benefizium in Como. Am 26. Dezember 1476 wurde der Herzog ermordet. Dessen Witwe, Bona von Savoyen, entschloss sich, die Kapelle zu verkleinern. Zu den nicht weiter beschäftigten Musikern gehörte auch Fresneau. Am 6. Februar 1477 erhielt er einen Pass, der ihm und zwei Gefährten Zollfreiheit zusicherte. Seine Reisegenossen waren Loyset Compère und Colin de Lannoy.

Fresneau kehrte nach Frankreich zurück, wo er in der Hofkapelle Karls VIII. Anstellung fand. Ein päpstliche Bulle vom 28. Juli 1486 erwähnt Fresneau als einen der cantores-capellani des französischen Königs und Inhaber eines Kanonikats an Saint-Martin de Tours, wo Johannes Ockeghem das hohe Amt des Schatzmeisters innehatte. Die Bulle weist den Erzbischof, den Dekan und das Kapitel der Kathedrale von Rouen an, Fresneau ein Benefizium zu bewilligen. Ob die Kirchenmänner der Bitte des Papstes Folge geleistet haben, ist nicht bekannt.

Im Jahre 1494 war Fresneau Prokurator der Kanoniker von Saint-Martin an der Chorschule der Kathedrale von Chartres und wurde Kanoniker und Propst von Mayet. Die Kirche von Mayet war eine Dependance von Saint-Martin in Tours, gehörte aber zur Diözese von Chartres. Ein zweiter Aufenthalt in Chartres ist am 9. Februar 1500 dokumentiert; bei dieser Gelegenheit wurde Fresneau als Notar und Prokurator des Kirchengerichtes genannt. Im Februar 1505 hielt er sich noch immer in Chartres auf.

Das Werk[Bearbeiten]

  • Missa quarti toni
  • C'est vous seulle
  • De vous servir (auch Hayne van Ghizeghem zugeschrieben, aber wahrscheinlich von Fresneau)
  • Ha qu'il m'ennuie (auch Alexander Agricola zugeschrieben, wahrscheinlich von Fresneau)
  • Notre assouemen (auch Alexander Agricola zugeschrieben, wahrscheinlich von Fresneau)
  • Nuit et jour

Die Chansons sind in der Zeit von 1475 bis 1480 zu datieren. Stilistisch sind sie eher konservativ.

Fresneau wurde von den Zeitgenossen als ein Komponist von einiger Statur betrachtet. In der Deploration auf den Tod Johannes Ockeghems schreibt Guillaume Cretin über ihn: Prenez Fresneau pour vos chantz accorder.