Johann Ambrosius Bach

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Johann Ambrosius Bach (Gemälde vermutlich von Johann David Herlicius)

Johann Ambrosius Bach (* 22. Februarjul./ 4. März 1645greg. in Erfurt; † 20. Februarjul./ 2. März 1695greg. in Eisenach) war ein deutscher Musiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Der Sohn des Erfurter Stadtpfeifers Christoph Bach und dessen Frau Magdalena, geb. Grabler, erhielt bereits als Neunjähriger in Arnstadt eine musikalische Ausbildung, verblieb nach dem Tode des Vaters (1661) noch einige Jahre in Arnstadt und begab sich dann als Kunstpfeifergesell auf die Wanderschaft. 1667 trat er, wie zuvor sein Vater, in die Erfurter Ratsmusik ein, die damals von seinem Onkel Johann geleitet wurde. Johann Ambrosius heiratete in der Kaufmannskirche Elisabeth Lemmerhirt aus Erfurt, aus deren Familie bereits Johann eine Frau geheiratet hatte. Er wohnte am Junkersand 3. 1671 siedelte er als Hof- und Stadtmusikus nach Eisenach über, wo unter anderen sein Sohn Johann Sebastian Bach geboren wurde.

Ob Ambrosius komponiert hat, ist nicht bekannt, zumindest hat sich nichts erhalten. Im einzigen erhaltenen Dokument des Hochzeitsliedes "Meine Freundin du bist schön" seines Zwillingsbruders Johann Christoph Bach der Ältere findet sich bei der Besetzung der Violine die Handschrift von Johann Ambrosius Bach.[1] Bedeutend ist er als Begründer der Sammlung von Kompositionen der älteren Familie Bach, die später unter der Bezeichnung Altbachisches Archiv in der Musikwelt Bekanntheit erlangen sollte und seit Anfang des 19. Jahrhunderts bis heute im Archivbestand der Sing-Akademie zu Berlin erhalten ist. Ambrosius Bach scheint die Eisenacher Musik auf ein bis dahin nicht gekanntes Niveau gebracht zu haben. Die über ihn erhaltenen Zeugnisse sind jedenfalls voll des Lobes:

„[Ambrosius Bach] hat sich in seiner Profession dermaßen qualificirt, daß er sowohl mit vocal- als intrumental Music beym Gottes Dienst vnd ehrlichen Zusammenkünften mit hoch vndt niedrigen Standespersonen guter vergnügung aufwarten kann, also, daß wir unß desgleichen soweit wir gedencken, hiesigen Orths nicht erinnern.[2]

und

„1672 hat der neue Hausmann auf Ostern mit Orgel, Geigen, Singen und Trompeten und mit Heerpauken dreingeschlagen, daß noch kein Kantor oder Hausmann, weil Eisenach gestanden, nicht geschehen.[3]

Kinder[Bearbeiten]

Aus der Ehe mit Elisabeth Lämmerhirt gingen 8 Kinder hervor, von denen 5 das Erwachsenenalter erreichten (Datumsangaben gemäß dem Julianischen Kalender sofern vor dem Jahr 1700):

  1. Johann Rudolf - getauft 19. Januar 1670 in Erfurt; † 17. Juli 1670 in Erfurt (6 Monate)
  2. Johann Christoph - getauft 18. Juni 1671 in Erfurt; † 22. Februar 1721 in Ohrdruf (49 Jahre)
  3. Johann Balthasar - getauft 6. März 1673 in Eisenach; † 5. April 1691 in Eisenach (18 Jahre)
  4. Johannes Jonas - getauft 2. Februar 1675 in Eisenach; † 22. Mai 1685 in Eisenach (10 Jahre)
  5. Maria Salome - getauft 27. Mai 1677 in Eisenach; † 27. Dezember 1728 in Erfurt (51 Jahre)
  6. Johanna Juditha - getauft 28. Januar 1680 in Eisenach; † 3. Mai 1686 in Eisenach (6 Jahre)
  7. Johann Jacob - getauft 11. Februar 1682 in Eisenach; † 16. April 1722 in Stockholm (40 Jahre)
  8. Johann Sebastian - geboren 21. März 1685 in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig (65 Jahre)

Nachdem seine Frau Elisabeth nach 26-jähriger Ehe kurz vor Ostern des Jahres 1694 verstarb, entschloss sich Johann Ambrosius, der zu diesem Zeitpunkt Vater von 3 unmündigen Kindern war, zur erneuten Eheschließung, und zwar mit der 36-jährigen Barbara Margaretha Bartholomaei, die selbst Mutter von 2 kleinen Töchtern und vor kurzem ebenfalls Witwe geworden war. Die Eheschließung fand am 27. November 1694 statt. Allerdings starb Johann Ambrosius nach nur 3 Monaten Ehe am 20. Februar, 2 Tage vor seinem 50. Geburtstag. Ambrosius Bach genoss auch nach seinem Tod ein gutes Ansehen in Eisenach. Seine Witwe beantragte ein Gnadenjahr, welches der Kantor Eisenachs, Andreas Dedekind formulierte, da sie als Frau damals nicht für sich sprechen konnte. Sie erhielt die Besoldung von 40 Talern Ambrosius Bachs für ein halbes Jahr. Über ihren weiteren Verbleib ist nichts bekannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Quelle vermutl. Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. Fischer 2005. ISBN 3-596-16739-6.
  2. aus einem Schriftstück, dass ihn von der örtlichen Biersteuer befreit, zitiert nach: Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. Ambrosius Bach und seine Familie, Fischer Verlag, 2001, ISBN 3-7632-5052-2
  3. aus einem Bericht des Stadtchronisten, zitiert nach: Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach. Ambrosius Bach und seine Familie, Fischer Verlag, 2001

Literatur[Bearbeiten]

  • Rochus von Liliencron, Wilhelm Heinrich von Riehl: Bach, Johann Sebastian. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 729–743. (Johann Ambrosius Bach wird behandelt im Artikel seines Sohnes Johann Sebastian Bach.)

Weblinks[Bearbeiten]