Johann Daniel Overbeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Daniel Overbeck

Johann Daniel Overbeck (* 23. Juni 1715 in Rethem; † 3. August 1802 in Lübeck) war ein evangelischer Theologe und Rektor des Katharineums.

Biografie[Bearbeiten]

Johann Daniel Overbeck war Sohn des Superintendenten Caspar Nicolaus Overbeck (1670–1752). Er besuchte mit seinen beiden Brüdern zunächst die Michaelisschule in Lüneburg. 1731 kehrte er aus dem Kurhannoverschen nach Lübeck zurück. Da seine Eltern nicht gleichzeitig das Schulgeld für alle drei Jungen aufbringen konnten, arbeitete er bereits als Hauslehrer, während er gleichzeitig als Schüler das Katharineum besuchte. 1734 begann er das Studium der Theologie an der Universität Helmstedt, wo Johann Lorenz von Mosheim ihn als Hauslehrer einstellte, womit sein Studium finanziert war. Er wurde 1743 Konrektor in Quedlinburg. 1744 kam er als Subrektor als Nachfolger von Johann Friedrich Behrendt zurück an das Katharineum. Mit dieser Stelle war zugleich die Leitung der Stadtbibliothek verbunden. 1753 stieg er zum Konrektor auf unter Rektor Johann Henrich von Seelen, dessen Nachfolge er 1763 antrat. Diese Stelle behielt er bis zu seinem Ruhestand 1795.

Als Mensch nahm er den durch die Aufklärung bewirkten Wandel für sich und die von ihm geleitete Schule nicht auf und das Katharineum erreichte unter seiner Leitung Ende des 18. Jahrhunderts einen ausgesprochenen Tiefpunkt des Ansehens. Dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein sehr angesehener Wissenschaftler in der Tradition seines Vorgängers von Seelen war. Er schrieb auch Texte zu den Abendmusiken. Die Universität Kiel verlieh ihm zu seinem 50-jährigen Berufsjubiläum 1793 die Ehrendoktorwürde. An Kräften erschöpft und nach Ruhe sich herzlich sehnend,[1] bat er 1795 um seine Pensionierung.

Am 1. Oktober 1754 hatte er in Lüneburg Charlotte Chüden (* 1725, † 7. Januar 1802) geheiratet, die zweite Tochter des Hofarztes Dr. Christian Friedrich Chüden. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor, von denen ihn jedoch nur die jüngere Tochter überlebte:

  • Dorothee Erneste Conradine (* 1758, früh gestorben)
  • Eleonore Wilhelmine (* 1760, seit 1789 verheiratet mit dem Kaufmann Johann Hinrich Knauer, Ältermann der Nowgorodfahrer[2])
  • Johann Christian Daniel (* 1762, † 1792 nach einer Pockeninfektion)

Der Lübecker Bürgermeister Christian Adolph Overbeck war sein Neffe.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Des Publius Virgilius Hirtengedichte zum Vergnügen des Witzes und zur Verbesserung des Geschmacks mit Anmerckungen und mit gegen über gesetzten Latein in Deutschen Versen hrsg. von Johann Daniel Overbeck. Mit einer Vorrede von Gottsched. Helmstaedt: Weygand 1750
  • Kerngeschichte der Stadt Flensburg. Lübeck 1752
  • Nova Bibliotheca Lubecensis (1753–1757, Mitherausgeber)
Band 1-5 (Digitalisat)
Band 6-8 (Digitalisat)
  • Miscellana Lubecensia (1758–1761, Mitherausgeber)
  • Commentation de vita, scriptis, meritis M. Erici Simonis Henrici a Seelen. Lübeck 1756
  • Abhandlung von dem deutschen Namen des Heiligen Weihnachtsfestes. Lübeck 1757
  • Deutsche Übersetzung der Paradoxa des Cicero. Lübeck 1760–61
  • Leben Verdienste und Schriften des ... Herrn Georg Hermann Richertz Hochverdienten Pastors an St. Jakob ... am Tage der feyerlichen Beerdigung ...: Lübeck den 19. Januar 1767, Lübeck 1767 Digitalisat der SLUB Dresden
  • De derivanda a D. Luthero necessitudine, quae Curiae intercedit cum scholis. Lübeck 1768

Overbeck schrieb verschiedene Singgedichte für die gewöhnlichen Abendmusiken[3] , darunter:

Nachlasskatalog[Bearbeiten]

  • Johann Hermann von Melle: Bibliotheca Overbeckiana: seu catalogus librorum in theologia, philosophia, antiquitatibus ac historia ... : quos magno olim studio comparavit sibi J. D. Overbeckius ... nunc ... MDCCCIII publicae licitationi exponet G. F. J. Römhild. 1803

Literatur[Bearbeiten]

  • (Christian Adolph Overbeck): Leben Herrn Johann Daniel Overbecks, weyland Doctors der Theologie und Rectors des Lübeckischen Gymnasiums. Von einem nahen Verwandten, und vormaligen Schüler des Verewigten. Lübeck: Römhild 1803 (mit Schriftenverzeichnis, S. 43–47)
  • Alken Bruns: Johann Daniel Overbeck. In: Lübecker Lebensläufe. Neumünster 1993, S. 290–292. ISBN 3529027294
  • Overbeck (Johann Daniel) in: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber, Moritz Hermann Eduard Meier, Hermann Brockhaus, Johann Georg Heinrich Hassel, A. G. Müller, August Leskien, Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Band 3, Band 8, 1836, S. 32–36
  • Uwe Meier: Overbeck, Christian Adolph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 720 f. (Digitalisat). (Nebeneintrag im Artikel zu Christian Adolph Overbeck)
  • Isabel Sellheim: Die Familie des Malers Friedrich Overbeck (1789–1869) in genealogischen Übersichten. In: Deutsches Familienarchiv. Band 104, Neustadt an der Aisch 1989, ISBN 3-7686-5091-X, GW ISSN 0012-1266

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leben (Lit.), S. 41
  2. Herde: Die Nowgorodfahrer
  3. Leben (Lit.), S. 47


Vorgänger Amt Nachfolger
Johann Henrich von Seelen Rektor des Katharineums zu Lübeck
1763–1795
Friedrich Daniel Behn