Johann Michael Vogl

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Johann Michael Vogl, Lithographie von Josef Kriehuber, 1830

Johann Michael Vogl (* 10. August 1768 in Ennsdorf bei Steyr; † 19. November[1] 1840 in Wien) war ein österreichischer Sänger und Freund Franz Schuberts.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Der Sohn des bürgerlichen Fragners Johann Michael Vogl arbeitete beim Steyrer Schiffsmeister Carl Selhammer und verlor seine Eltern früh. Sein Vater hatte im Jahr 1760 das Haus des Anton Klausriegler in Ennsdorf gekauft und bekam auf dessen Fragnerei (Greißlerei) hin das Bürgerrecht. Nach dem Tod des Vaters übernahm ein Bruder desselben die Erziehung des Jungen. Er erhielt vom Tenor Strausberger und dem Regenschori Kagel Musikunterricht.

Aufgrund seines Talents wurde er bereits mit neun Jahren als bezahlter Sopransänger an der Stadtpfarrkirche Steyr eingesetzt.[2] Ab 1781 besuchte er das Stiftsgymnasium in Kremsmünster. Hier wurde er gleich als Sängerknabe eingestellt, wobei seine musikalischen und schauspielerischen Fähigkeiten bei den Patres große Beachtung erhielten. Er war allerdings auch ein guter Schüler, der seine Gymnasialausbildung sowie die philosophischen Studien mit Auszeichnung abschloss.

1785 ging er zusammen mit Franz Xaver Süßmayr, den er in seiner Kremsmünsterer Zeit kennengelernt hatte, nach Wien, wo er zunächst Jura studierte und sein Universitätsstudium erfolgreich abschloss. Daneben erhielt er weiter Gesangsunterricht durch den Kastraten Girolamo Crescentini.

Karriere[Bearbeiten]

Vogl und Franz Schubert, Karikatur von Franz von Schober

1794 wurde mit Hilfe von Süßmayr Hofopernsänger am Theater am Kärntnertor, wo er als Sänger, Schauspieler und sogar als Regisseur tätig war, wobei seine Spezialität die Rollen in Opern von Mozart und Christoph Willibald Gluck waren.

Vogl, Bariton, avancierte bald zu einem der bedeutendsten Sänger und Darsteller des Operntheaters, unter anderem in Rollen als Orest in Glucks Iphigenie auf Tauris (welche erstmals in deutscher Sprache 1781 in Wien aufgeführt wurde), Almaviva in Mozarts Figaro, Jacob Fribourg in der Schweizer Familie und Daniel in Baal’s Sturz von Joseph Weigl oder als Telasko in Fernand Cortez von Gaspare Spontini.

Als das Operntheater den Pächter wechselte, ging er 1821 in Pension. Durch Franz von Schober, einen Freund Franz Schuberts, lernte er diesen 1817 kennen und war von dessen Liedern fasziniert. Es entspann sich wohl eine Art Freundschaft, trotz der gut dreißig Jahre Altersunterschied die Vogl Schubert voraus hatte. Vogl trug maßgeblich zur Verbreitung der Lieder Schuberts bei, organisierte Auftritte und Konzertreisen. Er sang die Lieder Schuberts, der ihn dazu auf eine unnachahmliche Weise auf dem Klavier begleitete, was ihn neben seinem Schüler Carl von Schönstein zu einem der besten zeitgenössischen Schubert-Interpreten machte. Nach dem Tode Schuberts (1828) kümmerte er sich um dessen Nachlass und brachte den Zyklus Die schöne Müllerin heraus, weiters pflegte er auch das sonstige Liedgut des Komponisten. Der Linzer Musikverein ernannte Franz Schubert und Johann Michael Vogl zu Ehrenmitgliedern.

Privates[Bearbeiten]

Bereits im Jahr 1814 machte sich eine schwere Gichterkrankung bemerkbar, der zum Trotz er sich seine Energie bewahrte.
Er heiratete erst spät, im Jahr 1826 die 32 Jahre jüngere Kunigunde Rosa (Tochter des ehemaligen Direktors der Belvedere-Galerie), mit der er eine Tochter hatte und verstarb auf den Tag genau 12 Jahre nach Franz Schubert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Erich Deutsch: Schubert. Die Dokumente seines Lebens und Schaffens. Bärenreiter, Kassel 1964 (3 Bde., hier speziell Bd. 1).
  • Andreas Liess: Johann Michael Vogl. Hofoperist und Schubertsänger. Böhlau, Köln 1954.
  • Paul Stefan: Franz Schubert. Ullstein, Wien 1947 (Nachdr. d. Ausg. Wien 1928).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Lorenz: Studien zum Schubertkreis, Phil. Diss., Wien 2001
  2. Wurzbach: Lexikon