Répertoire International des Sources Musicales

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Répertoire International des Sources Musicales
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Gründung 1952
Sitz Frankfurt am Main und weltweit
Ursprung Robert Eitner
Personen

Klaus Keil, Director; Harald Heckmann, Honorary President; Christoph Wolff, President

Schwerpunkt Die weltweit überlieferten Quellen zur Musik bis 1800 umfassend zu dokumentieren
Methode Arbeitsgruppen in 36 Ländern
Angestellte 8 Mitarbeiter der Zentralredaktion
Motto Wissen, was vorhanden ist

und wo es aufbewahrt wird

Website http://www.rism.info

Das Répertoire International des Sources Musicales (Abkürzung RISM, dt. Internationales Quellenlexikon der Musik, engl. International Inventory of Musical Sources) ist eine 1952 in Paris gegründete, länderübergreifende und gemeinnützig orientierte Organisation mit dem Ziel, die weltweit überlieferten Quellen zur Musik umfassend zu dokumentieren.[1] Die Organisation ist das größte und einzige global operierende Unternehmen zur Dokumentation schriftlicher musikalischer Quellen.

Die erfassten musikalischen Quellen sind handschriftliche oder gedruckte Noten, Schriften über Musik und Textbücher. Sie werden in Bibliotheken, Archiven, Klöstern, Schulen und Privatsammlungen aufbewahrt. RISM weist nach, was vorhanden ist und wo es aufbewahrt wird. In der Fachwelt ist RISM als zentrale Nachweisstelle für Quellen der Musik weltweit anerkannt.

Durch die Katalogisierung in einem umfassenden Lexikon werden die musikalischen Überlieferungen einerseits vor Verlust geschützt und andererseits der Musikwissenschaft und ausführenden Musikern zugänglich gemacht.

Organisation[Bearbeiten]

Beispiel für eine Musikhandschrift: Johann Sebastian Bach, Sonate für Violine solo, BWV 1001

In 36 Ländern beteiligen sich eine oder mehrere nationale RISM-Arbeitsgruppen an diesem Projekt. Rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben die musikalischen Quellen, die in ihren Ländern aufbewahrt werden. Die Arbeitsergebnisse leiten sie an die RISM-Zentralredaktion in Frankfurt am Main weiter, welche die Titelmeldungen redaktionell bearbeitet und veröffentlicht.[2]

In folgenden Ländern und Städten finden sich zur Zeit RISM-Arbeitsgruppen:

Die RISM-Zentralredaktion sowie die Arbeitsgruppe der Bundesrepublik Deutschland sind ein Projekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.[3] Die übrigen Arbeitsgruppen werden in den jeweiligen Ländern finanziell getragen.

Publikationen[Bearbeiten]

Die Publikationen des RISM sind unterteilt in folgende Reihen:[4]

  • die alphabetische Serie A
  • die systematische Serie B
  • das Musikbibliotheksverzeichnis Serie C

Darüber hinaus dokumentieren die Arbeitsgruppen in eigenen Libretto-Projekten Textbücher, die in ihren jeweiligen Ländern überliefert sind.

RISM Serie A/I – Notendrucke[Bearbeiten]

Die RISM Serie A/I Einzeldrucke vor 1800 katalogisiert gedruckte Noten aus der Zeit von ca. 1500 bis 1800. In den neun Bänden der Reihe (1971 bis 1981) werden über 78000 Musikdrucke von 7616 Komponisten aus 2178 Bibliotheken nachgewiesen. Zwischen 1986 und 1999 erschienen vier Supplement-Bände, 2003 folgte ein Registerband mit Verlegern, Druckern, Stechern und Verlagsorten. Alle Bände der RISM Serie A/I sind im Bärenreiter-Verlag, Kassel, erschienen. Der alphabetisch nach Komponistennamen geordnete Katalog enthält ausschließlich Individualdrucke, also Notendrucke mit Werken eines einzigen Komponisten. Sammeldrucke (Notendrucke mit Werken verschiedener Komponisten) werden in der RISM Serie B veröffentlicht.


Die einzelnen Einträge enthalten folgende Angaben:

Ende 2012 ist eine CD-ROM der Serie A/I im Bärenreiter Verlag erschienen. Neben der Absicht, Forschern und Musikern den Weg zur Quelle zu erleichtern, bietet ein solcher Katalog auch für andere Interessensgebiete und Fragestellungen attraktive Möglichkeiten. So kann man etwa im Rahmen der Rezeptionsforschung interessante Hinweise finden. Um beispielsweise die Frage zu beantworten, in welcher Weise die Musik eines Komponisten nach dessen Tod gepflegt wurde, ist es wichtig zu wissen, wie viele und welche Werke in Neuauflagen gedruckt wurden.

RISM Serie A/II – Musikhandschriften[Bearbeiten]

Die RISM Serie A/II Musikhandschriften nach 1600 verzeichnet ausschließlich handgeschriebene Noten. Sie werden nach einem einheitlichen Schema mit mehr als 100 Feldern detailliert beschrieben und in der von der RISM-Zentralredaktion in Frankfurt am Main betriebenen Datenbank gespeichert.

Mittlerweile stehen mehr als 850.000 Werknachweise von ca. 27.000 Komponistinnen und Komponisten zur Verfügung (stetig anwachsend; hier: Stand September 2013). Die Gesamtzahl der weltweit vorhandenen Musikhandschriften ist um ein Vielfaches höher.

Die Nachweise stammen derzeit von über 900 Bibliotheken aus 37 Ländern: Australien, Belgien, Brasilien, China, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Kroatien, Lettland, Litauen, Mexiko, Neuseeland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Südkorea, Tschechien, Ungarn, Uruguay, der Ukraine, den USA, Venezuela, dem Vereinigten Königreich und Weißrussland. Damit ist die Datenbank von RISM die bei weitem umfangreichste greifbare Dokumentation auf diesem Gebiet.

Die Datenbank des RISM wird seit Juni 2010 als kostenloser Online-Katalog im Internet über den RISM-OPAC oder direkt über die RISM Website angeboten. Der Katalog wurde ermöglicht durch eine Kooperation zwischen dem RISM, der Bayerischen Staatsbibliothek und der Staatsbibliothek zu Berlin. Das frühere Angebot einer kumulierten CD-ROM-Ausgabe beim K. G. Saur Verlag, München, wurde 2008 eingestellt. Das kostenpflichtige Angebot der Internet-Datenbank bei EBSCO, Ipswich, MA, USA, früher NISC, Inc., Baltimore, besteht weiter.

Die Katalogeinträge umfassen u.a. Angaben zu den Komponisten (mit Lebensdaten), Titel und Besetzung der Kompositionen mit Nachweisen zu deren Verzeichnung in der Fachliteratur. Die Handschriften selbst werden ausführlich beschrieben im Blick auf deren Schreiber, Herkunft und Entstehungszeit. Zudem wird fast jedes Werk durch Musikincipits, d.h. den Beginn der wichtigsten Stimmen in Notenschrift, eindeutig identifizierbar. Die Datenbank gibt nicht nur Auskunft über die Verbreitung der Werke heute noch bekannter Komponisten, sondern liefert auch eine Fülle von Informationen über die vielen in ihrer Zeit geschätzten, heute aber wenig bekannten oder vergessenen Tonkünstler. Für die Musikgeschichte stellt die Datenbank daher ein Instrument von unschätzbarem Wert dar und ermöglicht auch der musikalischen Praxis zahlreiche „Ausgrabungen“ und Wiederentdeckungen.

Verschiedene Suchfelder erlauben nicht nur die Recherche nach bestimmten Komponisten, Werktiteln oder musikalischen Besetzungen, sondern auch nach der Herkunft und der Entstehungszeit der Handschriften oder nach anderen Personen wie Textdichtern, Vorbesitzern und Widmungsträgern.

Spezielle Fragestellungen werden durch die gezielte Verknüpfung der Indizes beantwortet. Sämtliche bei RISM verzeichnete Quellennachweise zu den Messkompositionen von Joseph Haydn beispielsweise sind sofort ermittelbar.

Bei der Identifikation eines anonym überlieferten Werkes stellt die Suche nach Musik-Incipits eine Erfolg versprechende Recherchemöglichkeit dar. Dazu gibt der Benutzer über die Computer-Tastatur die Anfangstöne der ihm vorliegenden Komposition ein.

RISM Serie B[Bearbeiten]

Die RISM Serie B bildet eine systematische Reihe, die geschlossene Quellengruppen dokumentiert. Bis heute sind folgende Bände im G. Henle Verlag, München, erschienen (in Klammern folgt gegebenenfalls die Übersetzung der fremdsprachigen Titel ins Deutsche):

  • B/I und B/II: Recueils imprimés XVIe–XVIIIe siècles (2 Bände). (Gedruckte Sammlungen des 16. bis 18. Jahrhunderts)
  • B/III: The Theory of Music from the Carolingian Era up to c. 1500. Descriptive Catalogue of Manuscripts (6 Bände). (Die Musiktheorie der karolingischen Epoche bis etwa 1500. Beschreibender Katalog der Manuskripte)
  • B/IV: Handschriften mit mehrstimmiger Musik des 11. bis 16. Jahrhunderts (5 Bände, 1 Supplementband).
  • B/V: Tropen- und Sequenzenhandschriften
  • B/VI: Écrits imprimés concernant la musique (2 Bände). (Gedruckte Schriften zur Musik)
  • B/VII: Handschriftlich überlieferte Lauten- und Gitarrentabulaturen des 15. bis 18. Jahrhunderts.
  • B/VIII: Das deutsche Kirchenlied (2 Bände, Kassel: Bärenreiter-Verlag).
  • B/IX: Hebrew Sources (2 Bände). (Hebräische Quellen)
  • B/X: The Theory of Music in Arabic Writings c. 900–1900 (2 Bände). (Die Musiktheorie in arabischen Schriften von etwa 900–1900)
  • B/XI: Ancient Greek Music Theory. A Catalogue Raisonné of Manuscripts. (Altgriechische Musiktheorie. Ein kommentiertes Verzeichnis der Manuskripte)
  • B/XII: Manuscrits persans concernant la musique. (Persische Manuskripte zur Musik)
  • B/XIII: Hymnologica Slavica. Hymnologica Bohemica, Slavica (HBS), Polonica (HP), Sorabica (HS). Notendrucke des 16. bis 18. Jahrhunderts
  • B/XIV: Les manuscrits du processionnal (2 Bände). (Die Manuskripte des Prozessionale)
  • B/XV: Mehrstimmige Messen in Quellen aus Spanien, Portugal und Lateinamerika, ca. 1490–1630.

RISM Serie C[Bearbeiten]

Die RISM Serie C verzeichnet unter dem Titel Directory of music research libraries in fünf Bänden alle Musikbibliotheken, -archive und Privatsammlungen, die historisches Material aufbewahren. Dieses Musikbibliotheksverzeichnis entsteht in Zusammenarbeit mit dem Publication Committee der Association Internationale des Bibliothèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux (AIBM). Der 1999 erschienene Sonderband RISM-Bibliothekssigel. Gesamtverzeichnis ist seit 2006 in einer regelmäßig aktualisierten Fassung auf der Webseite von RISM abrufbar.[5]

Benutzer der RISM-Publikationen[Bearbeiten]

  • Musikwissenschaftler, die Quellen zu ihrem Forschungsgegenstand suchen, etwa um Werkverzeichnisse und Editionen der Notentexte zu erstellen;[6]
  • Musiker, die weniger bekannte Werke für ein Konzertprogramm suchen;
  • Bibliothekare, die parallele Quellenüberlieferungen zu den Beständen der eigenen Bibliothek recherchieren;
  • Musikantiquare, die andere Exemplare der von ihnen angebotenen Musikdrucke nachschlagen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brook, Barry S. und Richard J. Viano. "The Thematic Catalogue in Music: Further Reflections on its Past, Present and Future." In Foundations in Music Bibliography, hgg. Richard D. Green, 27-46. New York: Haworth Press, 1993.
  • Falletta, Martina, Renate Hüsken and Klaus Keil, eds. RISM: Wissenschaftliche und technische Herausforderung musikhistorischer Quellenforschung im internationalen Rahmen. Academic and Technical Challenges of Musicological Source Research in an International Framework. Studien und Materialien zur Musikwissenschaft 58. Hildesheim: Olms, 2010. ISBN 978-3-487-14431-3
  • Heckmann, Harald. "Das Répertoire International des Sources Musicales (RISM) in Geschichte, Gegenwart und Zukunft," in Wege und Spuren. Verbindungen zwischen Bildung, Wissenschaft, Kultur, Geschichte und Politik. Festschrift für Joachim-Felix Leonhard, ed. Kelmut Knüppel et al (Berlin: Verlag für Berlin-Brandenburg GmbH, 2007): 597-605.
  • Jaenecke, Joachim. "RISM: Eine Fundgrube für verschollen geglaubte Musikdrucke aus Deutschland." In Im Dienste der Quellen zur Musik. Festschrift Getraut Haberkamp, hgg. Paul Mai, 3-11. Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg: Tutzing, 2002.
  • Keil, Klaus. "Jahresbericht 2010." In Kürze erscheinend in Acta Musicologica (2011). Auch online erhältlich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rita Benton, "Répertoire International des Sources Musicales," The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2002, Bd. 21, S. 194.
  2. Association Internationale des Bibliothèques, Archives et Centres de Documentation Musicaux (AIBM): Gemeinsame Projekte und unterstützte Publikationen
  3. Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
  4. Siehe RISM Publikationsverzeichnis (PDF; 24 kB)
  5. Siehe: RISM-Bibliothekssigel und Informationen zu den RISM-Bibliothekssigeln
  6. "Ohne das Original zu sehen, nur aus der Beschreibung einer Quelle im RISM können sich Fachleute ein Bild machen, ob und wie diese sie für ihre Fragestellung weiterführt." Hildegard Herrmann-Schneider, "Ein Juwel im Schatzkammerland Salzburg. Das Musikarchiv des Franziskanerklosters Salzburg," Tauriska. Magazin für die Schatzkammer Land Salzburg in den Salzburger Nachrichten (21/22. Juni 2008): 27.