Johannes Reinke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johannes Reinke (* 3. Februar 1849 in Ziethen, Fürstentum Ratzeburg; † 25. Februar 1931 in Preetz) war ein deutscher Botaniker und vitalistischer Philosoph. An der Christian-Albrechts-Universität war er Lehrstuhlinhaber für Botanik. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Reinke“.

Leben[Bearbeiten]

Reinke studierte zunächst Evangelische Theologie an der Universität Rostock, widmete sich dann aber der Botanik. 1879 wurde er auf einen botanischen Lehrstuhl der Georg-August-Universität Göttingen berufen, wo er das Institut für Pflanzenphysiologie begründete. 1885 wechselte er als Nachfolger Adolf Englers an die Christian-Albrechts-Universität. 1891/92 war er ihr Rektor. In seiner Rektoratsrede am 5. März 1891 befasste er sich mit den Universitäten im Königreich Preußen.[1] 1921 wurde er emeritiert.

Für die Kieler Universität saß er von 1894 bis 1918 im Preußischen Herrenhaus.

Werk[Bearbeiten]

Reinke war einer der Gründer der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Seine breit gefächerten botanischen Interessen umfassten die Floristik, die Systematik samt den pflanzlichen Entwicklungszyklen, die Zellbiologie und Physiologie der Braunalgen. In Kiel erkannte er als Leiter des Botanischen Gartens das Potential der Kieler Förde und der Ostsee für detaillierte Studien. Zwischen 1888 und 1892 veröffentlichte er eine große Zahl wissenschaftlicher Schriften über die Algen der Nord- und Ostsee. Größere Werke behandeln die Algenfamilie der Tilopteridaceae (1889) und der Sphacelariaceae (1890). Ein Augenleiden zwang ihn sich von der Mikroskopie abzuwenden.

Reinke wurde ein herausragender Vertreter des Neo-Vitalismus und ein starker Kritiker des Darwinismus. 1901 prägte er den Begriff Theoretische Biologie, um das Fachgebiet aus einem konzeptuellen und theoretischen Blickwinkel aus zu definieren. Damit war auch eine Abgrenzung zur empirischen Biologie gemeint. Reinke versuchte, den evolutionären Prozess durch Morphogenese und genetische Regulation mit Hilfe seiner Dominanten-Theorie zu erklären.

Schließlich wandte er sich vollständig theoretisch-philosophischen Betrachtungen zu und begann, religiös motivierte Romane zu schreiben.

Schriften[Bearbeiten]

  • Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen über die Dictyotaceen des Golfs von Neapel. Nova Acta Academiae Caesareae Leopoldino-Carolinae Germanicae naturae curiosorum, Bd. 40, 1 (1878)
  • Botanische Abhandlungen aus dem Gebiet der Morphologie und Physiologie, 1878
  • Lehrbuch der allgemeinen Botanik, 1880
  • Atlas deutscher Meeresalgen, 1889 und 1891
  • Die Entwicklung der Naturwissenschaften insbesondere der Biologie im neunzehnten Jahrhundert, 1900
  • Einleitung in der theoretische Biologie, 1901, 2. Auflage 1911
  • Die Welt als Tat. Umrisse einer Weltansicht auf naturwissenschaftlicher Grundlage, 1903
  • Studien zur vergleichenden Entwicklungsgeschichte der Laminariaceen, 1903
  • Philosophie der Botanik, 1905
  • Naturwissenschaftliche Vorträge für die Gebildeten aller Stände, 6 Hefte, 1907–1911
  • Die Natur und wir. Leichtverständliche Aufzeichnungen, 1907
  • Haeckels Monismus und seine Freunde – ein freies Wort für freie Wissenschaft, 1907
  • Die Kunst der Weltanschauung, 1911
  • Der älteste botanische Garten Kiels-. Urkundliche Darstellung der Begründung eines Universitäts-Instituts im siebzehnten Jahrhundert, 1912
  • Kritik der Abstammungslehre, 1920
  • Naturwissenschaft, Weltanschauung, Religion, 1923
  • Mein Tagewerk, 1925
  • Das dynamische Weltbild, 1926
  • Wissen und Glauben in der Naturwissenschaft, mit besonderer Berücksichtigung der Tierpsychologie, 1929

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rektoratsrede (HKM)

Weblinks[Bearbeiten]