Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

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Siegel der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, gegründet im Jahre 1751 von König Georg II. von Großbritannien, Kurfürst von Hannover, ist die älteste durchgehend bestehende Einrichtung unter den acht wissenschaftlichen Akademien in Deutschland, die unter dem Dach der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossen sind. Ihre Aufgabe ist es, in eigener Arbeit und in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen des In- und Auslandes der Wissenschaft zu dienen. Mitglieder sind Professoren der Geistes- und Naturwissenschaften, die sich auf ihrem Fachgebiet in besonderer Weise verdient gemacht haben. Die Akademie ist daher ein Ort, an dem Interdisziplinarität auf höchstem wissenschaftlichem Niveau verwirklicht wird.

Erster Präsident der Akademie war der Universalgelehrte Albrecht von Haller. Das Motto der Akademie lautet Fecundat et Ornat (Sie befruchtet und ziert).

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Sechs Vorträge aus der reinen Mathematik und mathematischen Physik, auf Einladung der Wolfskehl-Kommission der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften, gehalten zu Göttingen vom 22.-28. April 1909. (Enthält "La Mécanique nouvelle" von Henri Poincaré)

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie betreut derzeit mehr als 20 Langfristprojekte von nationalem und internationalem Rang, darunter die Erforschung der Inschriften des Tempels von Edfu (Edfu-Projekt), die Enzyklopädie des Märchens, die Edition der naturwissenschaftlichen Schriften Lichtenbergs, das Septuaginta-Unternehmen, das Goethe-Wörterbuch, die Erforschung von Papsturkunden des frühen und hohen Mittelalters und die Erschließung der Akten des kaiserlichen Reichshofrates.

Wer in die Akademie aufgenommen werden soll, entscheiden allein die Mitglieder in geheimer Wahl. Die Mitglieder verteilen sich auf zwei Klassen, die Mathematisch-Physikalische und die Philologisch-Historische Klasse, die aber stets zusammen tagen, wenn wissenschaftliche Vorträge gehalten werden.

Die Professoren treffen sich alle zwei Wochen im Semester zu Plenarsitzungen und tauschen neue Forschungsergebnisse aus. Einige Beiträge werden ins Jahrbuch aufgenommen, das einen Überblick über die laufenden Forschungsarbeiten bietet.

Häufig wendet sich die Göttinger Akademie in Vorträgen an die Öffentlichkeit. In Zusammenarbeit mit der Georg-August-Universität bietet sie Ringvorlesungen an. Seit 2005 findet jährlich zu einem aktuellen Thema die Akademiewoche statt. Regelmäßig halten Akademie-Mitglieder Vorträge in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin sowie im Landtag zu Hannover und diskutieren mit politischen Entscheidungsträgern.

Auf der öffentlichen Jahresfeier im November, die den Höhepunkt der zahlreichen Veranstaltungen des Jahres bildet, legt der amtierende Präsident seinen Rechenschaftsbericht vor; anschließend vergibt die Akademie Preise, mit denen sie hervorragende Leistungen würdigt und insbesondere junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auszeichnen und fördern möchte. Im Mittelpunkt der Jahresfeier steht die Festrede, die sich mit einem wissenschaftlichen oder wissenschaftspolitischen Thema beschäftigt.

Der Sitzungssaal der Akademie befindet sich in der Aula der Georg-August-Universität.

Mitglieder[Bearbeiten]

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen besteht aus zwei gleichberechtigten Klassen, der Mathematisch-Physikalischen und der Philologisch-Historischen Klasse. Jede Klasse kann bis zu vierzig ordentliche Mitglieder unter 70 Jahren haben, die in Göttingen oder im norddeutschen Raum wohnen. Zu diesen ordentlichen Mitgliedern kommen bis zu zweihundert korrespondierende Mitglieder hinzu, die im übrigen Deutschland und im Ausland leben.

Als zweitälteste Institution ihrer Art in Deutschland kann die Göttinger Akademie auf eine lange Tradition zurückschauen. Viele berühmte Gelehrte waren Mitglieder, darunter Christian Gottlob Heyne, Carl Friedrich Gauß, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Julius Wellhausen, David Hilbert, Georg Christoph Lichtenberg, Friedrich Wöhler, Otto Hahn, Werner Heisenberg, Franz Wieacker, James Franck, Max Born, Johann Matthias Gesner, Adolf Windaus und Friedrich Christoph Dahlmann. Heute bringen drei Nobelpreisträger ihr Wissen in die Göttinger Akademie ein: Manfred Eigen, Erwin Neher und Bert Sakmann. Insgesamt dreizehn Träger des Nobelpreises kann die Göttinger Akademie in ihrer Geschichte vorweisen.

Das Präsidium wird alle vier Jahre vom Plenum gewählt. Präsident der Akademie ist seit April 2012 als Nachfolger von Christian Starck der Agrarökonom Stefan Tangermann, Vizepräsidenten sind Thomas Kaufmann und Kurt Schönhammer, Generalsekretärin ist Angelika Schade.

Forschung[Bearbeiten]

Forschungsprojekte des Akademienprogramms[Bearbeiten]

Forschungsprojekte im Rahmen des bundesweiten Akademienprogramms:

Forschungskommissionen[Bearbeiten]

Preise[Bearbeiten]

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vergibt:

  • Akademie-Preis für Biologie
  • Akademie-Preis für Chemie
  • Akademie-Preis für Geisteswissenschaften
  • Akademie-Preis für Physik
  • Brüder-Grimm-Medaille
  • Dannie-Heineman-Preis
  • Hans-Janssen-Preis
  • Hanns-Lilje-Preis
  • Lichtenberg-Medaille
  • Sartorius-Preis
  • Wallstein-Preis
  • Wedekind-Preis (Akademie-Preis für Geschichte)

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Arndt: Göttinger Gelehrte. Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen in Bildnissen und Würdigungen 1751–2000. 2 Bände. Wallstein, Göttingen 2001, ISBN 3-89244-485-4.
  • Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, 3. Folge, Bd. 246/Mathematisch-Physikalische Klasse, 3. Folge, Bd. 50).
  • Achim Link: Die Veröffentlichungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001. Bibliographie mit Schlagwort-Katalog. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82518-8 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, 3. Folge, Bd. 245/Mathematisch-Physikalische Klasse, 3. Folge, Bd. 49).
  • Rudolf Smend, Hans-Heinrich Voigt (Hrsg.): Die Wissenschaften in der Akademie. Vorträge beim Jubiläumskolloquium der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen im Juni 2000. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-82519-6 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, 3. Folge, Bd. 247/Mathematisch-Physikalische Klasse, 3. Folge, Bd. 51).
  • Rudolf Smend (Hrsg.): Wissenschaft entsteht im Gespräch. 250 Jahre Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Wallstein, Göttingen 2002, ISBN 3-89244-624-5.
  • Rudolf Vierhaus: Etappen der Göttinger Akademiegeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003.
  • Weitere Publikationen
  • Digitale Bibliothek, Documentenserver res doctae

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

51.5346888888899.9373305555556Koordinaten: 51° 32′ 5″ N, 9° 56′ 14″ O