John B. Watson

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John B. Watson bei Johns Hopkins; 1908–1921

John Broadus Watson (* 9. Januar 1878 nahe Greenville, South Carolina; † 25. September 1958 in New York City) war ein US-amerikanischer Psychologe, der die psychologische Schule des Behaviorismus begründete.

Leben[Bearbeiten]

Watson erhielt 1908 eine Professur für experimentelle und vergleichende Psychologie und zugleich die Leitung des psychologischen Labors an der Johns Hopkins University übertragen, die er bis 1920 innehatte. 1920 verlor er seine Professur aufgrund eines Verhältnisses mit einer Mitarbeiterin, welches publik geworden war und arbeitete dann bis 1945 in der Werbepsychologie.

Werk[Bearbeiten]

Watson übertrug das Reiz-Reaktions-Modell der Verhaltenssteuerung und das Prinzip der klassischen Konditionierung (nach Iwan Petrowitsch Pawlow) von der Tierpsychologie auf die Psychologie des Menschen, insbesondere auf die Kleinkindforschung. Pawlow ließ stets, wenn ein Hund gefüttert wurde, eine Klingel ertönen. Nach einiger Zeit reagierte der Hund bereits nur auf das Klingeln mit der Absonderung von Speichel, was sonst stets nur mit dem Füttern einherging. Der instinktive, unbedingte Reflex (Speichelfluss bei Fütterung) verbindet sich durch die wiederholte Präsentation jenes Reizes, der den bedingten Reflex auslöst (Futter), mit einem neutralen Reiz (Klingel) zu einem bedingten Reflex (Speichelfluss bei Klingeln). Watson präsentierte nun analog dazu einem kleinen Jungen wiederholt eine weiße Ratte (neutraler Reiz), stets in Verbindung mit einem furchterregend lauten Hammerschlag (Erschrecken als unbedingter Reflex), sobald der Junge die Ratte berührte (Little-Albert-Experiment von 1920). In der Folge entstand der bedingte Reflex des Erschreckens nur bei Anblick der weißen Ratte, ohne Hammerschlag.

Watson war der Auffassung, dass jegliches Verhalten auf Reiz-Reaktions-Verknüpfungen beruht; wogegen der Pragmatismus (John Dewey) und der Sozialbehaviorismus (George Herbert Mead) vehement Einspruch erhoben.

Watsons Ansichten zur Erziehung[Bearbeiten]

„Give me a dozen healthy infants, well-formed, and my own specified world to bring them up in and I’ll guarantee to take any one at random and train him to become any type of specialist I might select – doctor, lawyer, artist, merchant-chief and, yes, even beggar-man and thief, regardless of his talents, penchants, tendencies, abilities, vocations, and race of his ancestors. I am going beyond my facts and I admit it, but so have the advocates of the contrary and they have been doing it for many thousands of years.“[1]

Bis zu welcher brutalen Konsequenz seine Ansichten in der Kleinkinderziehung gingen, wird aus dem 1928 erschienenen Werk „Psychological Care of Infant and Child“ deutlich.[2] Watson forderte, dem Kind solle die Mutterliebe entzogen werden, noch bevor es sieben Jahre alt wird. Denn Mutterliebe mache angeblich das Kind abhängig und hindere es daran, die Welt zu erobern. Seiner Ansicht nach schränken übermäßige Liebkosungen das psychische Wachstum ein und behindern spätere Erfolgschancen.

Keine Mutter solle ihr Kind auf den Schoß nehmen. Die Reinlichkeitserziehung solle mit acht Monaten abgeschlossen sein. Watson propagierte eine Spezialkonstruktion, auf der das Kind hinter verschlossenen Türen festgeschnallt wurde, bis es seine Verdauung bewältigt hatte. Es sei auch von Übel, sich zu sehr an vertraute Personen zu gewöhnen. Die Mütter könnten durchaus gewechselt werden. Das Kind solle möglichst viel allein gelassen werden.

Gegen diese damals sehr verbreiteten Ansichten des amerikanischen Behaviorismus wandte sich zuerst sehr erfolgreich Arnold Gesell mit seinem Buch Infant and Child in the Culture of Today von 1943. Er vertrat darin die Ansicht, dass der Konflikt zwischen Natur und Kultur durch den Übereifer von Eltern und Ratgebern unnötig verschärft worden sei. 1946 folgte Benjamin Spock mit seinem überaus erfolgreichen Werk Common Sense Book of Baby and Child Care. Darin wandte er sich deutlich gegen die Schule von Watson und forderte eine allgemeine Lockerung der Disziplin.

Werke[Bearbeiten]

  • Behaviorismus. Klotz, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-88074-206-5
  • Psychology from the Standpoint of a Behaviorist. Routledge, London 1980, ISBN 0-904014-44-4 (Reprint der Ausgabe Philadelphia 1919)
  • Psychological Care of Infant and Child. W. W. Norton, New York 1928

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Behaviorism, 1930, S. 82
  2. John B. Watson: Psychological Care of Infant and Child; zit. n. Robert Fuller: Americans and the Unconscious, New York 1986, S. 141
    Stow Persons: Evolutionary Thought in America. New York 1956, S. 288
    Gert Raeithel: Geschichte der nordamerikanischen Kultur. 1600 bis 2002. 3 Bde, 4. Auflage 2003, Bd. 2, S. 350–351