Joseph Canteloube

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Joseph Canteloube

Marie-Joseph Canteloube de Malaret (* 21. Oktober 1879 in Annonay, Département Ardèche; † 4. November 1957 in Grigny), kurz Joseph Canteloube genannt, war ein französischer Komponist und Musikwissenschaftler. Den Zusatz „de Malaret“ fügte er seinem Namen hinzu als Zeichen des Stolzes auf seine Heimat in der Südauvergne.

Leben[Bearbeiten]

Canteloube wurde im zentralen Frankreich im Département Ardèche in Annonay geboren. Die Auvergne ist bekannt für ihre fruchtbaren Böden, das Massif Central, ihre erloschenen Vulkane und ihre ausgedehnten, dichten Wälder.

Zeitlebens beschäftigte er sich mit der ursprünglichen Musik und dem volkstümlichen Liedgut seiner Heimatregion. Im Jahr 1900 verließ er seine Heimat und studierte in Paris Klavier bei Amelie Doetzer, einer Schülerin von Chopin und Komposition bei Vincent d’Indy – dem er sich verbunden fühlte, da dessen Familie einen Landsitz in der Ardèche besaß – an der Schola Cantorum in Paris.

Die erste Canteloube-Komposition (Colloque Sentimental) für Gesang und Streichquartett stammt aus dem Jahre 1903. Innerhalb kürzester Zeit wurde er ein anerkannter Komponist. Seine Werke wurden bei etablierten Konzertveranstaltungen von Édouard Colonne, Charles Lamoureux, Jules Pasdeloup sowie in der Société des Concerts du Conservatoire aufgeführt. Zwischen 1910 und 1913 schrieb er seine Oper Le Mas als Zeugnis seiner Verbundenheit zum Massif Central.

Im Jahr 1925 gründete Canteloube in Paris eine Organisation mit dem Namen la bourree als Anlaufpunkt für Auvergne-Interessierte und Auvergnaten (Bewohner der Auvergne) in Paris, um so die Kultur und die Natur der Auvergne zu präsentieren.

Als Erwachsener kehrte er, immer noch fasziniert von der Musik der ländlichen Bevölkerung, die er als Kind kennengelernt hatte und der er sich verbunden fühlte, zurück in seine Heimatregion Auvergne, um Lieder zu sammeln. Er zog durch die Orte seiner Heimat, von Hof zu Hof und über die Weiden und ließ sich Lieder, Texte und Musik vortragen. Es ist die Musik der Bauern, der Hirten und Landarbeiter, welche die Region einst prägten. Er sammelte jedoch auch Musik aus anderen Regionen Frankreichs, dem Elsass und dem Languedoc, aber auch Spaniens, wie Katalonien oder dem Baskenland. Dieses Material gab er in verschiedenen Werken und Sammlungen wie der Anthologie des chants populaires francais oder den berühmten Chants d’Auvergne heraus.

Im Jahre 1941 traf der politisch naive Canteloube mit der Regierung Pétain in Vichy zusammen. Er schrieb in der nationalistischen Zeitung l’Action Française und er und seine Werke waren während dieser Zeit in verschiedenen Rundfunksendungen zu hören. Das Radio schien ihm das ideale Medium für die Verbreitung „seiner“ geliebten volkstümlichen Musik zu sein und dafür ließ er sich für die Ideologie des Vichy-Regimes politisch missbrauchen. Er schlug öffentlich vor, das Radio von der seiner Meinung nach „niedrigen Musik zu reinigen“.

In seinen späten Jahren veröffentlichte er als Musikwissenschaftler 1949 eine Biographie von Vincent d’Indy und im Jahre 1950 eine Biographie seines Freundes Déodat de Séverac.

Die Berühmtheit Canteloubes, der auch als der „Barde der Auvergne“ (le barde d’Auvergne) bezeichnet wurde, beruht jedoch fast ausschließlich auf Arrangements, welche zusammengestellt in fünf Bänden der Chants d’Auvergne (Lieder der Auvergne) in einem Zeitraum von 1923 bis 1955 veröffentlicht wurden. Er bewahrte den Charme und die einfache Schönheit dieser Volkslieder in eigenen Klavier- und Orchesterarrangements, welche zu dem Repertoire vieler Konzerthäuser gehören.

Eines der wohl bekanntesten und wohl auch schönsten Lieder dieser Sammlung, das Baïlèro, schrieb er nieder, als er die Gesänge von zwei Schafhirten belauschte, die sich über weit voneinander entfernte Bergweiden zusangen. Die Inhalte der Lieder beschäftigen sich mit ländlichen Themen wie dem Hüten von Schafherden, der Ernte und der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, aber natürlich auch mit universellen Themen menschlicher Befindlichkeiten, wie zum Beispiel der Liebe. Canteloube schrieb seine Lieder sowohl im altertümlichen Dialekt der Region (langue d’Oc, siehe auch Okzitanien) als auch in einer modernen französischen Übersetzung nieder. Auf seine spezielle Weise hauchte er den alten Liedern Leben ein und verlieh ihnen eine solche Gegenwärtigkeit, dass der Zuhörer sich leicht Jahrhunderte in die Auvergne zurückversetzt fühlt.

Leistungen[Bearbeiten]

In seinem langen Schaffen schuf er sowohl musikalische, als auch musikwissenschaftliche Werke. Zu seinem musikalischen Schaffen zählen selbst komponierte Werke ebenso wie arrangiertes Liedgut. Sein kompositorisches Schaffen umfasst weiterhin eine Anzahl von Kammermusikstücken, Orchesterwerken, Konzerten sowie zwei Opern. Canteloube gilt als einer der besten Kenner des französischen Volksliedes, das er nicht nur wissenschaftlich erforschte, sondern auch durch entsprechende Bearbeitungen breiteren Kreisen zugänglich machte.

Werke[Bearbeiten]

Wichtigste musikalische Werke[Bearbeiten]

  • Colloque sentimental (1903), Kammermusik (vo, 2vln, vla, vc)
  • Dans la montagne: suite (1904), Kammermusik (vln, p)
  • chants populaires de Haute-Auvergne et Haut-Querey (1907), Volkslied-Arrangements (vo, p)
  • Eglogue d’automne (1909), Lied (vo, orch)
  • Vers la Princesse Lointaine (1910–1911), Orchesterwerk
  • Le Mas (1910–1913), Oper
  • Au printemps (1913), Lied (vo, orch)
  • Tryptique (1914), Lied (vo, orch)
  • L’arada six pieces (1918–1922), Lied (vo, p)
  • Als catalans(1923) Volkslied-Arrangements (6vo)
  • Chants d’Auvergne (1923–1930; nach manchen Quellen 1923–1955), Volkslied-Arrangements (vo, orch)
  • Cinq chants paysans (1927), Volkslied-Arrangements (Chor)
  • Chants religieux de Haute-Auvergne (1929), Volkslied-Arrangements (vo, p)
  • Nouveaux chants paysans (1931), Volkslied-Arrangements (Chor)
  • Trois esquisses symphoniques «Lauriers» (1931), Orchesterwerk
  • Vercingétorix (1930–1932), Oper
  • Chansons galantes du XVIII siècle (1933), Arrangements (4vo, p (clvsn))
  • Pièces Françaises (1934–1935), Konzert (p, orch)
  • Chansons galantes deuxième série (1935), Arrangements (vo, p)
  • Chants paysans troisième série (1935), Volkslied-Arrangements (Chor)
  • Poèmes (1937), Konzert (vln, orch)
  • Chants des terroirs Français (1939), Volkslied-Arrangements (Chor)
  • Chants de France, deuxième série (1939–1940), Volkslied-Arrangements (Chor, orch)
  • Anthologie des Chants Populaires Français (1939–1943), Volkslied-Arrangements
  • Chanssonier alsacien (1945), Volkslied-Arrangements (Chor)
  • Rustiques (1946), Kammermusik (ob, cl, bssn)
  • Chants de lcAngoumais (1947), Volkslied-Arrangements (vo, p)
  • Chants du languedoc (1947), Volkslied-Arrangements (vo, p)
  • Noëls populaires français, Volkslied-Arrangements (1948) (vo, p)

Wichtige musikwissenschaftliche Arbeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Bernard Cahours d'Aspry: Joseph Canteloube : 1879-1957, 2000, Séguier, ISBN 978-2840492047

Weblinks[Bearbeiten]