Vichy

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vichy (Begriffsklärung) aufgeführt.
Vichy
Wappen von Vichy
Vichy (Frankreich)
Vichy
Region Auvergne
Département Allier
Arrondissement Vichy (Unterpräfektur)
Kanton Hauptort von 2 Kantonen
Gemeindeverband Gemeindeverband des Großraums Vichy Val d’Allier.
Koordinaten 46° 8′ N, 3° 26′ O46.1269444444443.4258333333333260Koordinaten: 46° 8′ N, 3° 26′ O
Höhe 243–317 m
Fläche 5,85 km²
Einwohner 24.992 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 4.272 Einw./km²
Postleitzahl 03200
INSEE-Code
Website ville-vichy.fr

Blick auf Vichy

Vichy [viˈʃi] ist eine französische Stadt mit 24.992 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) in der Region Auvergne und nach Montluçon die zweitgrößte Stadt im Département Allier. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Vichy, Hauptort (frz. chef-lieu) der Kantone Vichy-Nord und Vichy-Sud und Sitz des Gemeindeverbandes des Großraums Vichy Val d'Allier.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt am Ufer des Flusses Allier, an der Einmündung seines Nebenflusses Sichon.

Vichy gilt als das bedeutendste Heilbad in Frankreich. Heute wird der Ort von jährlich ca. 30.000 Gästen besucht.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde von den Römern an bereits von ihnen genutzten Quellen unter dem Namen Aquae Calidae gegründet. In der Zeit Diokletians gehörte das Areal einem gewissen Vipius und wurde daher Vipiacus genannt, woraus sich der Name Vichiacus und schließlich Vichy entwickelte.

Im Jahr 1344 erhielt Herzog Pierre I. de Bourbon die Besitzrechte an den Ländereien. 1410 wurde hier ein Kloster der Benediktiner namens Célestin gegründet. 1527 fielen die Besitztümer der Bourbonen wieder an die französische Krone. Ende des 16. Jahrhunderts kamen die ersten Patienten wegen der Heilquellen nach Vichy, die bald als wahre „Wunderquellen“ gelten.

Wirklich berühmt wurden die Quellen von Vichy durch die Marquise de Sevigné, die 1676 und 1677 hierher zur Kur kam, um das Rheuma in ihren Händen zu kurieren, was offenbar auch gelang. Sie äußerte sich zwar alles andere als begeistert über den Geschmack des Wassers, pries aber dessen heilende Wirkung. 1761 kamen zwei Töchter von Ludwig XV. hierher zur Kur. Ihr Neffe, Ludwig XVI., ließ 1787 eine neue Badeanlage an den Quellen errichten. Laetitia Bonaparte, die Mutter Napoleons, weilte hier 1799 zur Kur. Es wird ihrem Einfluss zugeschrieben, dass der Kaiser im Jahr 1812 den Parc de Sources (Quellenpark) anlegen ließ. 1830 wurde das Kurhaus eingeweiht. Napoléon III. machte Vichy für einige Jahre zu seiner Sommerresidenz. In dieser Zeit wurde der Ort zu einem Modebad des internationalen Adels. Es wurden Parks nach englischem Vorbild und Boulevards angelegt sowie Villen, Chalets und Hotels gebaut. 1865 entstand das Casino.

Kirche Saint-Louis in Vichy

1899 bis 1903 folgte der Bau des großen Centre Thermal des Domes mit der Trinkhalle, einem 700 Meter langen Wandelgang und einem Bad im orientalischen Stil. 1903 wurde das Opernhaus eingeweiht. Um 1900 kamen 40.000 Kurgäste pro Jahr nach Vichy, kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren es fast 100.000. In den 1930er Jahren erlebte der Kurort eine weitere Blütezeit.

Ab Juli 1940 wurde die Stadt während des Zweiten Weltkrieges Sitz des französischen Vichy-Regimes unter Henri Philippe Pétain, da sie als Kurort über 300 Hotels besaß und so Unterkunft für die Offiziere bot. Von hier aus wurden die von den Deutschen nicht besetzten Landesteile Südfrankreichs verwaltet. Zunächst wurde der Herrschaftsbeginn des Vichy-Regimes von einem Großteil der französischen Bevölkerung begrüßt. Bis 1944 wurde es aber von immer mehr Franzosen abgelehnt. Mit der Befreiung Frankreichs durch die Alliierten und der Einsetzung einer provisorischen französischen Regierung unter General Charles de Gaulle am 25. August 1944 endete die vierjährige „Herrschaft“ des Vichy-Regimes.

Rathaus Vichy
Palais des Congrès

Nach dem Krieg nahm Vichy den Kurbetrieb wieder auf und erwarb erneut den Titel Reine des villes d'eaux (Königin der Kurbäder). Doch das änderte sich in den 1970er Jahren, als bei Prominenten plötzlich andere Badeorte „in“ wurden. Unter Bürgermeister Pierre Coulon (1950–1967) entwickelte sich Vichy zu einer Stadt des Sports; der Fluss wurde zum See Lac d'Allier aufgestaut, um Wassersportmöglichkeiten anzubieten, und es entstand der Parc Omnisports (1963–1968).

Des Weiteren wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Clermont-Ferrand die renommierte Sprachschule Cavilam gegründet. In der Sommerzeit werden hier mehr als 1000 Studierende anderer Länder betreut, die in mehrwöchigen Kursen Französisch lernen. Den größten Anteil bilden Studierende anderer Länder, die sich so auf ihren Studienaufenthalt in Frankreich vorbereiten. Durch die Beschäftigung zahlreicher Lehr- und Verwaltungskräfte, sowie durch die Einnahmen aus der Unterbringung der Studierenden in Familien, Appartements und Wohnheimen ist die Schule ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt geworden.

Seit 1989 ist Claude Malhuret Bürgermeister der Stadt, vorher Minister für Menschenrechte und zusammen mit Bernard Kouchner der Gründer der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Bevölkerungsentwicklung Vichy
Jahr 1793 1851 1896 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2008
Einwohner 1.763 1.696 12.330 30.403 30.614 33.506 32.117 30.527 27.714 26.528 25.221

Die Quellen[Bearbeiten]

Das Palais de Source (Quellenhalle) mit der Quelle Cèlestine
Centre Thermal des Dômes, südliche Fassade

Auf dem Gebiet der Stadt Vichy entspringen zwölf Quellen, von denen heute aber nur noch sechs genutzt werden. Es handelt sich um sogenannte Natriumhydrogencarbonat-Quellen, auch Säuerling oder Sauerbrunnen genannt, da sie Kohlensäure enthalten.

Trinkhalle an der Quelle von Grand Grille, um 1900

Heiße Quellen

  • Chomel, benannt nach einem Arzt, der sie 1750 erschlossen hat, 43 Grad Celsius
  • Grande Grille, (Großes Gitter), 39 Grad
  • Hopital, entspringt hinter dem Casino in der Nähe des früheren Hospitals, 34 Grad

Kalte Quellen

  • Lucas, benannt nach einem Baron Lucas, der die Quelle Anfang des 19. Jahrhunderts kaufte, 27 Grad
  • Du Parc, entspringt im Quellenpark, 24 Grad
  • Célestins, benannt nach dem früheren Kloster, 22 Grad

Aus den Salzen der Quellen werden die Vichy Pastillen hergestellt, die die Verdauung fördern sollen. Das Wasser der Cèlestins-Quellen wird auch in Flaschen abgefüllt verkauft. Als Indikationen für eine Trinkkur in Vichy gelten u.a. Stoffwechselstörungen, Magen- und Darmprobleme, Erkrankungen von Leber und Gallenblase sowie Krankheiten der Harnwege.

In der Thalassotherapie ist die so genannte Vichy-Dusche bekannt, eine Duschanwendung im Liegen, die in Vichy eingeführt wurde.

Das Wasser von Vichy war ein so bekanntes Markenzeichen, dass der größte Anbieter von Mineralwasser Kataloniens ihn mit Vichy Catalan übernahm.

Film[Bearbeiten]

  • Vichy – Die Königin der Heilbäder. Dokumentarfilm, Deutschland, 2011, 43 Min., Buch und Regie: Meike Hemschemeier, Produktion: Tag/Traum, ZDF, arte, Erstsendung: 29. Mai 2012 bei arte, Reihe: Kur Royal (2/5), Filminformationen von arte.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften bestehen mit [1]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Auf dem städtischen Friedhof liegen neben Larbaud auch Raoul Salan und Roger Désormière begraben.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vichy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. La ville de Vichy, annuaire-mairie.fr
  2. Angaben auf der Seite der Stadt (frz.), abgerufen am 1. September 2012