Jubiläumssäule

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Jubiläumssäule (2010).

Die Jubiläumssäule ist ein Denkmal, das aus Anlass des 25-jährigen Regierungsjubiläums und des 60. Geburtstags von König Wilhelm I. von Württemberg 1841 bis 1846 auf dem Schloßplatz in Stuttgart errichtet wurde.

Die Säule besteht aus einem 30 Meter hohen Granitschaft, der 5 Meter hohen Statue der römischen Göttin Concordia, vier Reliefs mit historischen Szenen und vier allegorischen Figuren an den Ecken des Säulensockels.

Lageplan des Schloßplatzes.

Flankiert von zwei imposanten Springbrunnen, ausgerichtet auf den Musikpavillon und den Königsbau, beherrscht die Jubiläumssäule im Zentrum des Stuttgarter Schloßplatzes, des „schönsten Platzes der Stadt“,[1] durch ihre Höhe und die beeindruckende Majestät der Göttin Concordia alle umliegenden Gebäude: den Marquardtbau, den Königin-Olga-Bau (dahinter: die St. Eberhardkirche), das Kunstgebäude, das Neue Schloss, das Alte Schloss, die Alte Kanzlei und das Kunstmuseum.

Säule[Bearbeiten]

Concordia und Kapitell.

Das quadratische Areal um die Jubiläumssäule wird durch dornbewehrte Eisenketten, die an massiven Granitpfosten aufgehängt sind, vom übrigen Schloßplatz abgetrennt. Die 30 Meter hohe Jubiläumssäule besteht aus zehn Granitblöcken von je 100 Zentnern Gewicht,[2] die in einem Steinbruch in der Teufelsküche zwischen Alpirsbach und Schenkenzell gebrochen wurden.

Unterbau mit Widmungsinschrift.

Zu dem ausladenden, quadratischen Unterbau der Säule führen zwei Treppenstufen hinauf. Der Unterbau besteht aus einem breiteren Sockel, der an den vier Seiten mit Reliefdarstellungen historischer Ereignisse geschmückt ist, und dem hohen, quaderförmigen Säulenpostament mit der folgenden Widmungsinschrift:

“Dem treuesten Freunde seines Volkes, König Wilhelm dem Vielgeliebten, widmen die Stände Württembergs dieses Denkmal zur Feier seines 25jährigen Regierungsjubiläums, den 30. Oktober 1841.“

Der Übergang zwischen Sockel und Postament wird durch einen dreistufigen Aufbau gebildet, der an den vier Ecken Würfelpostamente mit allegorischen Figuren trägt, die die vier Stände symbolisieren.

Die Basisplatte (Plinthe) zwischen Postament und Säulenschaft wird durch Bronzeschmuck verziert, der in den Hüttenwerken Wasseralfingen unter Paul Stotz gegossen wurde: Hirschköpfe an den vier Ecken (Hirsch und Löwe sind die württembergischen Wappentiere), dazwischen vier Eichengirlanden und darüber ein Lorbeerkranz. Der runde glatte Schaft schließt mit einem bronzenen Kapitell ab, „welches den Schaft mit dem Laube des Oelbaumes bedeckt. Daraus steigen wieder 8 mit Lorbeerguirlanden verbundene Füllhörner hervor.“[3]

Concordia[Bearbeiten]

Concordia (Ausschnitt).
Bildhauersignatur am Sockel der vier Löwen, den Trägern der Kugel mit der Concordia.

Die Säule wird von einer 5 m hohen und 5 Tonnen schweren, bronzenen Skulptur der Göttin Concordia (römische Göttin der Eintracht) aus dem Jahr 1863 gekrönt. Sie wurde von dem württembergischen Hofbildhauer Ludwig von Hofer geschaffen und von Ferdinand von Miller in der Königlichen Erzgießerei in München gegossen.

Die geflügelte, in antike Gewänder gehüllte Concordia steht auf einer Kugel, ist von vier Löwen (Hirsch und Löwe sind die württembergischen Wappentiere) umgeben und trägt ein Diadem mit 64 Zinnen, die die damals 64 württembergischen Oberämter symbolisieren. In ihrer Linken hält die Göttin einen Palmwedel (Symbol des Friedens) und in ihrer ausgestreckten Rechten einen Lorbeerkranz (Symbol des Sieges).

Reliefs[Bearbeiten]

Lage der Sockelreliefs an der Jubiläumssäule.

Vier Hochreliefs von Theodor Wagner, Nr. 1 nach einem Entwurf von Johann Michael Knapp und Theodor Wagner, Nr. 2-4 nach Entwürfen des Hofmalers Joseph Joachim von Schnizer (1792–1870),[4] Guss: Hüttenwerke Wasseralfingen unter Paul Stotz (Nr. 1, 2 und 4 und Wilhelm Pelargus (Nr. 3),[5] Maße unbekannt, Bronze, 1846, an den Seitenflächen des Piedestals.

Relief Nr. 1 gegenüber dem Neuen Schloss stellt die Huldigung beider Ständekammern aus Anlass des 25. Regierungsjubiläums von König Wilhelm I. von Württemberg 1841 dar,[6] die übrigen Reliefs zeigen „Schlachtenszenen aus den siegreichen Feldzügen der Württemberger im Krieg der Verbündeten gegen Napoleon I. [1814] unter Führung des Kronprinzen Wilhelm als Feldmarschall und Befehlshaber des 4. Armeekorps in Frankreich“.[7] Bei Kühne 1849 heißt es: Die Reliefs „stellen Scenen aus dem Leben des Königs vor, meist Schlachten nach Schnitzers [so!] bekannten Gemälden“. Möglicherweise befinden sich diese Gemälde im Fundus eines der württembergischen Museen oder Archive.

Inschriftentafeln der Reliefs:

  1. Huldigung beider Ständekammern am 30. October 1841.
  2. Die Erstürmung der Stadt Sens am 11. Februar 1814.
  3. Das Treffen von La Fère Champenoise am 25. März 1814.
  4. Die Schlacht von Brienne am 1. Februar 1814.[8]


Eckfiguren[Bearbeiten]

Statuen von Frauengestalten, Allegorien der vier Stände von Theodor Wagner, Guss: Königliche Erzgießerei in München unter Ferdinand von Miller, teilweise bezeichnet: „TH WAGNER inv. et mod. STUTTGARDIA / FERD MILLER fudit MONACHII 1846.“,[9] etwa anderthalb lebensgroß, Bronze, 1846, Eckfiguren auf dem Piedestal der Säule.[10]

Die vier Stände (Attribute in Klammern):

  1. Handel und Gewerbe (Hermesstab[11] und Spindel)
  2. Ackerbau (Ährenbündel und Hacke)
  3. Wehrstand (Schwert und Schild)
  4. Kunst und Wissenschaft (Leier und Buch)


Die Fotos wurden 2013 angefertigt, als die Figuren zur Sanierung von ihren Postamenten heruntergeholt und auf dem Schloßplatz abgestellt wurden.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 28. September 1841 huldigten Abordnungen aus allen Oberämtern und Ständen Württembergs König Wilhelm zu seinem 25-jährigen Regierungsjubiläum. Für diese Feierlichkeit war nach den Plänen von Johann Michael Knapp eine 25 m hohe Festsäule aus Holz errichtet worden.

Ein paar Wochen später wurde dem König der Vorschlag unterbreitet, eine „Festsäule von Eisen“ zur Erinnerung an diesen Anlass errichten zu lassen. Im Dezember 1841 rief Karl Georg von Wächter, Tübinger Universitätskanzler und Präsident der Zweiten Kammer, einen Künstlerwettbewerb für ein Denkmal aus. Den Zuschlag erhielt Knapps einmal überarbeiteter Entwurf. Am 27. September 1842 erfolgte die Grundsteinlegung in Abwesenheit von König Wilhelm I. und Kronprinz Karl (beide waren erkrankt). Genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung wurde die noch im Bau befindliche Jubiläumssäule feierlich zum 62. Geburtstag des Königs enthüllt, und drei Jahre später, im Jahre 1846, war die Konstruktion abgeschlossen. Am 27. Juni 1863 wurde eine Darstellung der Göttin Concordia, die heute noch auf der Säulenspitze zu sehen ist, hinzugefügt.[12]

Restaurierung[Bearbeiten]

Restaurierung 2013[Bearbeiten]

Im Mai 2013 wurde die Jubiläumssäule „von Kopf bis Fuß“ eingerüstet. Die Eckfiguren wurden von ihren Postamenten heruntergeholt und auf dem Schloßplatz abgestellt, so dass sie zu ebener Erde bearbeitet werden konnten. Sämtliche Metall- und Natursteinteile sollten von den Restauratoren auf Festigkeit und Korrosion überprüft und dann gereinigt werden. Die Arbeiten sollten vor dem 3. Oktober abgeschlossen werden, weil auf dem Schloßplatz die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit stattfinden sollten. Die Untersuchung der Concordia-Statue ergab jedoch, dass sie auf Grund von Korrosionsschäden nicht in der gestellten Frist restauriert werden konnte. Die Sanierung der Statue wurde daher auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Concordia-Restaurierung 2014[Bearbeiten]

Die Concordia wurde im Zweiten Weltkrieg nicht wie so viele andere Bronzekunstwerke eingeschmolzen und überstand den Krieg fast unversehrt (nur einige Einschusslöcher mussten verschlossen werden). Bei der Instandsetzung der Jubiläumssäule im Sommer 2013 wurden Korrosionsschäden an den tragenden Eisenteilen im Innern der Figur festgestellt, die behoben werden müssen. Im April/Mai 2014 wurde daher die Jubiläumssäule wieder eingerüstet. Das Gerüst hat einen Grundriss von 15 x 15 Meter und reicht bis zur Spitze der Concordia. Am 13. Mai 2014 wurde die Statue mit einem Kran zu Boden gelassen, so dass sie zu ebener Erde bearbeitet werden kann. Die Restaurierungsarbeiten sollen etwa ein halbes Jahr dauern.[13]

Ein drei Meter hoher Reklamezaun verbirgt die Concordia während dieser Zeit vor den Augen der Stuttgarter, die sie sonst wenigstens aus der Ferne sehen konnten. Allerdings soll ein Sichtfenster in den Zaun eingebaut werden, durch das die Restauratoren bei der Arbeit beobachtet werden können.

Literatur[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

  • Albert Eugen Adam; Karl Leibbrand: Die Jubiläumssäule in Stuttgart. Stuttgart 1893.
  • Max Bach: Die Jubiläumssäule auf dem Schloßplatz. In: Stuttgarter Kunst 1794-1860, nach gleichzeitigen Berichten, Briefen und Erinnerungen. Stuttgart 1900, Seite 273-285.
  • Karl Büchele: Stuttgart und seine Umgebungen für Einheimische und Fremde. Stuttgart 1858, Seite 113-116.
  • Markus Dewald: Das Bedürfnis nach Erinnerung - Die Stuttgarter Jubiläumssäule. In: Schwäbische Heimat 57.2006, Seite 401-404.
  • Skizzen aus Schwaben. In: F. Gustav Kühne (Herausgeber): Europa : Chronik der gebildeten Welt. Leipzig 1849, Seite 403-404 [1].
  • Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt Band 22, 1841, Nr. 91 vom 16. November 1841, Seite 379, online:.
  • Louis Mohl: Die Jubiläumssäule in Stuttgart. Ein Seiner Majestät dem Könige Wilhelm I. von seinem treucn Volke geweihtes Ehrendenkmal. Nebst den neuesten ornamentalcn Umgebungen desselben. Stuttgart 1862.
  • Hermann-Alexander Müller: Die Museen und Kunstwerke Deutschlands. Ein Handbuch für Reisende und Heimgekehrte. Leipzig 1858, Seite 62, online:.
  • Patricia Peschel: Skulptur „Concordia“ 1863. In: Der Stuttgarter Hofbildhauer Johann Ludwig von Hofer (1801–1887), Werkmonographie. Stuttgart 2009, Seite 264-266.
  • Friedemann Schmoll: Das 25jährige Regierungsjubiläum Wilhelms I. 1841 und die Stuttgarter Jubiläumssäule als Denkmal bürgerlicher Staatsträgerschaft.. In: Verewigte Nation. Studien zur Erinnerungskultur von Reich und Einzelstaat im württembergischen Denkmalkult des 19. Jahrhunderts. Tübingen 1995, Seite 86-97.
  • Königliches statistisch-topographisches Bureau (Herausgeber): Beschreibung des Stadtdirections-Bezirkes Stuttgart. Stuttgart 1856, Seite 153-155 [2].
  • Die Jubiläumssäule. In: Stuttgart. Führer durch die Stadt und ihre Bauten. Festschrift zur sechsten Generalversammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine. Stuttgart [1884], Seite 43.
  • Gustav Wais: Städtisches Lapidarium (Mörikestraße 24). In: Stuttgarts Kunst- und Kulturdenkmale : 25 Bilder mit stadtgeschichtlichen, baugeschichtlichen und kunstgeschichtlichen Erläuterungen, Stuttgart [1954], Seite 26-27.
  • Richard Zanker: Geliebtes altes Stuttgart. Erinnerungen und Begegnungen. Stuttgart 1977, Seite 25.

Restaurierung[Bearbeiten]

  • Rolf-Dieter Blumer; Lisa Masen; Markus Numberger: Ortstermin Jubiläumssäule ohne Concordia. Zu den Restaurierungsmaßnahmen auf dem Stuttgarter Schlossplatz. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg Band 43, 2014, Seite 206-207, online:.
  • Silvia Dittinger: Sanierung auf dem Schlossplatz. Verjüngungskur für die römische Göttin. In: Stuttgarter Nachrichten Nr. 89 vom 16. April 2014, Seite 18, online:.
  • Restaurierung. Jubiläumssäule auf dem Schlossplatz derzeit ohne Bronzefigur. Pressemitteilung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg, nur online:.
  • Frank Rothfuß: Vom Landeskerzenlicht zum Bäckerdenkmal. Die Jubiläumssäule auf dem Schlossplatz wird für 30 000 Euro saniert. In: Stuttgarter Nachrichten Nr. 117 vom 23. Mai 2013, Seite 22.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jubiläumssäule – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Jubiläumssäule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Werbespruch der Tourismuswerbung.
  2. #Zanker 1977, Seite 25. – #Rothfuß 2013: bis zu 1100 Zentner schwere Blöcke.
  3. #Müller 1858.
  4. Adam 1893, Seite 5.
  5. Adam 1893, Seite 8.
  6. Dieses Relief wird meist fälschlich als Verfassungsschwur oder als Verfassungsbild interpretiert (z. B. Bach 1900, Seite 284; Dewald 2006, Seite 403; Kühne 1849, Seite 404). Das sogenannte „Verfassungsbild [...] stellt nicht, was allerdings von der einen Seite gewünscht worden war, den Abschluß des Verfassungsvertrages von 1819 dar, sondern die Huldigung der Ständeversammlung beim Regierungsjubiläum im Jahre 1841“ (Adam 1893, Seite 5).
  7. Dewald 2006, Seite 403.
  8. Wahrscheinliche Inschrift auf der verschwundenen Inschrifttafel. In der Literatur über die Jubiläumssäule wird ebenfalls der 1. Februar 1814 genannt (Adam 1893, Seite 5; Dewald 2006, Seite 403). Der Wikipedia-Artikel Schlacht von Brienne gibt den 29. Januar 1814 an (Begründung siehe dort).
  9. Theodor Wagner Entwurf und Modell Stuttgart / Ferdinand Miller Guss München.
  10. Kühne 1849.
  11. Fehlt auf Fotos von 2011, auf einem Foto von 2006 noch vorhanden.
  12. #Dewald 2006.
  13. #Finanzministerium 2014.

48.7785449.17991Koordinaten: 48° 46′ 42,76″ N, 9° 10′ 47,68″ O