Julius Nepos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tremissis des Julius Nepos; 474/75

Julius Nepos (* um 430; † 480) war 474/475 der letzte legitime Kaiser des Weströmischen Reiches.

Leben[Bearbeiten]

Julius Nepos war seit 468 als Nachfolger seines Onkels Marcellinus magister militum Dalmatiae und hatte damit als Heermeister (magister militum) in Dalmatien eine militärische Schlüsselstellung an der Nahtstelle zwischen West- und Ostrom inne. Der oströmische Kaiser Leo (457 bis 474) gab ihm eine seiner Nichten zur Frau und verlieh ihm noch kurz vor seinem Tode 473 den hohen Titel Patricius. Der sterbende Kaiser stattete Nepos mit einer Armee aus und beauftragte ihn, nach Italien zu ziehen. Möglicherweise wurde Nepos schon im Frühjahr 474 vom neuen oströmischen Herrscherkollegium Leo II. und Zeno zum Caesar gegen den machtlosen weströmischen Kaiser Glycerius erhoben. Nach dessen Absetzung nahm er am 24. Juni in Rom den Titel Augustus an. Er war der letzte Westkaiser, den Ostrom anerkannte.

Seine Herrschaft war jedoch durch den Heermeister Italiens, Orestes, gefährdet, der selbst die Herrschaft über das Westreich anstrebte. Orestes verjagte Julius Nepos schließlich im Oktober 475 aus Rom; dieser floh in die Provinz Dalmatia. Er blieb allerdings der von Konstantinopel anerkannte Westkaiser. Während Orestes seinen Sohn Romulus Augustulus zum Kaiser ausrufen ließ, versuchte Julius Nepos von seiner Residenz Salona aus, weiterhin Einfluss auszuüben. Aus Sicht der Oströmer (d. h. Zenos, der aber im Januar 475 für 19 Monate entthront worden war) blieb Nepos der legitime weströmische Kaiser, auch wenn die beiden Gegenkaiser Romulus (Westrom) und Basiliskos (Ostrom) einander offenbar zeitweilig anerkannt hatten. Als Zeno im Juli 476 auf den Thron zurückkehrte, versagte er Romulus weiter die Anerkennung.

Nachdem Romulus Augustulus im August 476 von Odoaker abgesetzt worden war, zerfiel das Weströmische Reich, das bereits zuvor größtenteils in mehrere germanisch-romanische Reiche auseinander gefallen war, endgültig. Italien blieb unter der Herrschaft Odoakers, der sich zum König Italiens ausrufen ließ und die kaiserlichen Insignien nach Konstantinopel sandte. Als Odoaker zugleich darum ersuchte, von Zeno zum Patricius ernannt zu weden – was nach westlichem Verständnis die Erhebung zum „Vizekaiser“ bedeutet hätte –, antwortete ihm Konstantinopel, er möge sich in dieser Sache an Nepos wenden, den für Italien zuständigen Kaiser (Malchus, Fragm. 14, Blockley). Julius Nepos herrschte noch bis zu seiner Ermordung im Jahre 480 in Dalmatien, wo er als letzter legitimer Kaiser des weströmischen Reiches residierte. Es ist unklar, ob das Attentat von seinem abgesetzten Vorgänger Glycerius oder von Odoaker veranlasst wurde. Nominell blieben die Germanenreiche des Westens nach seinem Tod noch für Jahrzehnte unter der Oberhoheit des (oströmischen) Kaisers (siehe Völkerwanderung).

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Demandt: Die Spätantike. 2. Auflage. München 2007.
  • Dirk Henning: Periclitans res Publica. Kaisertum und Eliten in der Krise des Weströmischen Reiches 454/5–493. Stuttgart 1999.
  • Arnold Hugh Martin Jones: The Later Roman Empire 284–602. A Social, Economic and Administrative Survey. 3 Bände, Oxford 1964, S. 244 f. (Nachdruck in zwei Bänden, Baltimore 1986).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Julius Nepos – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Glycerius Römischer Kaiser
474–475/80
Romulus Augustulus