Caesar (Titel)
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Caesar (antike Aussprache etwa ['kaɪ̯sar]) war ein Herrschaftstitel im antiken Römischen Reich. Aus einem Cognomen der Republik entstanden (siehe Caesar (Cognomen)), wurde er in der Kaiserzeit vor allem für den designierten Nachfolger des Kaisers benutzt, war aber auch Teil der Titulatur des regierenden Kaisers.
Die heute bekannten Herrschaftstitel Kaiser und Zar sind aus dem römischen Titel entstanden.
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[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Ursprung und frühe Verwendung als Kaisertitel
Der Titel leitet sich vom Cognomen Gaius Iulius Caesars ab. Ursprünglich war Caesar ein römisches Cognomen, über dessen Bedeutung verschiedene Quellen unterschiedliche Auskunft geben. Eine der beiden wahrscheinlichsten Theorien ist die des Schriftstellers Plinius (naturalis historia 7,47), der den Namen daraus herleitet, dass der erste Träger dieses Namens aus dem Mutterleib geschnitten wurde (von lat. „caedere“ = schneiden). Andere glaubwürdige Überlieferungen gehen davon aus, dass caesar von lateinisch caesaries stammt, was etwa soviel wie „haarig“ bedeutet und damit wohl zum Ausdruck brachte, dass der so bezeichnete Zweig des Geschlechtes der Julier für dichte oder feine Haare bekannt war. Zwei weitere, hauptsächlich von der (meist eher unzuverlässigen) Historia Augusta tradierte Theorien sprechen sich für caesa = „Elefant“ (Historia Augusta, Verus 2,3; Servius commentarius in Vergilii Aeneida 1,286) bzw. caesius = „blaugrau“ (Historia Augusta, Verus 2,4) aus. Nach der Elefantentheorie soll der erste Namensträger des Cognomen Caesar einen Elefanten erlegt haben – vielleicht spielt das auf den Ersten Punischen Krieg an.[1]
Das Cognomen Caesar blieb in der Familie Iulius Caesars erblich. Caesar, der von seinen Ehefrauen keinen leiblichen Sohn hatte, adoptierte in seinem Testament seinen Großneffen Oktavian, heute bekannt unter dem Namen Augustus, sodass dieser sich Gaius Iulius Caesar nannte.[2] Bald verzichtete Oktavian auf den Gentilnamen Iulius und führte stattdessen Caesar an der Stelle des nomen gentile. Zudem trat Imperator an die Stelle des Vornamens Gaius – sodass sich seit Oktober/November 40 v. Chr. der Name Imperator Caesar Divi filius („Sohn des Vergöttlichten“) findet. Der Name Caesar wurde von ihm zu Ehren und zur Verdeutlichung seines Machtanspruches getragen. Der den Herrscher kennzeichnende Titel war aber Augustus, der Oktavian 27 v. Chr. vom Senat verliehen wurde.
Oktavian gab den Namen Caesar weiter an seine vier Adoptivsöhne Gaius, Lucius, Tiberius und Agrippa Postumus. Tiberius, der von 14–37 n. Chr. als Kaiser regierte, ließ seinen leiblichen Sohn Drusus, seinen Enkel Tiberius Gemellus sowie seine Adoptivsöhne Germanicus, Nero und Drusus den Namen tragen. Caligula, der jüngste Sohn des Germanicus und Nachfolger des Tiberius als Kaiser, nannte sich dieser Familientradition folgend ebenfalls Caesar. Mit Claudius (41–54) und Nero (54–68), die mit dem Geschlecht der Julier nur verschwägert waren, war Caesar nicht mehr länger nur ein Name, sondern wurde zum festen Bestandteil des Titels der römischen Kaiser. Diese Entwicklung schloss mit dem Ende der julisch-claudischen Dynastie nach dem Tod Neros ab – drei der Kaiser des Vierkaiserjahres 68/69, die alle nicht der Familie der Julier angehörten, gaben sich ebenfalls den Titel Caesar. Eine Ausnahme war Vitellius, der sich stattdessen als Consul perpetuus, „immerwährender Konsul“, bezeichnete, da der Titel Caesar zu viele monarchische Konnotationen weckte und er mit der römischen Republik in Verbindung gebracht werden wollte.
Galba, einer der Kaiser des Vierkaiserjahres, verlieh den Titel Caesar an seinen Adoptivsohn und designierten Nachfolger Lucius Calpurnius Piso Frugi Licinianus. Von diesem Zeitpunkt an wurde der Titel auch an den jeweiligen Thronerben verliehen, was sich schon unter den Flaviern (69–96) bemerkbar machte. Spätestens seit der Regentschaft der Antoninen (138–192) wurde der Titel dann nicht mehr an alle Söhne des Kaisers verliehen, sondern nur noch an die Thronfolger. Während die Kaiser jetzt jeweils den Titel Caesar Augustus trugen, nannten sich die designierten Nachfolger nur Caesar. Der Titel Augustus kam erst bei Herrschaftsantritt dazu (mitunter, wie im Fall von Commodus, bereits zu Lebzeiten des Vorgängers, der dann aber als senior Augustus übergeordnet blieb). Dieses Verfahren war notwendig, da das Kaisertum bis zuletzt formal nicht erblich war und die Verleihung des Titels Caesar, oft bereits verbunden mit wichtigen Vollmachten, bereits zu Lebzeiten eines Augustus die Nachfolgefrage klären konnte.
[Bearbeiten] Der Titel Caesar in der Spätantike
Diokletian – mit dessen Erhebung zum Kaiser im Jahr 284 man heute meist die Spätantike beginnen lässt – führte das System der Tetrarchie ein, in dem es jeweils zwei Augusti als übergeordnete Herrscher sowie zwei Caesares als designierte Kaiser gab. In diesem tetrarchischen System genossen alle vier Herrscher auf ihren jeweiligen Gebieten weitgehende Autonomie – das heißt administrative, legislative und militärische Kompetenzen. Der Titel Caesar stand also für den jeweiligen „Mit-“ oder „Unterkaiser“. Nach Diokletians Idee sollte beim Tod oder Rücktritt eines der Augusti automatisch dessen Caesar nachfolgen, der daraufhin wieder einen Nachfolger zum Caesar ernennen sollte. Das System ging jedoch schon kurz nach der Abdankung Diokletians Anfang des 4. Jahrhunderts zu Grunde. (Nach wie vor trug daneben übrigens jeder Augustus weiterhin auch den Titel Caesar.)
In den Kämpfen um die Nachfolge Diokletians konnte sich schließlich Konstantin der Große durchsetzen, der ab 324 als alleiniger Augustus herrschte. Er ernannte seine Söhne, teilweise noch im Kindesalter, zu Caesares, gestand ihnen jedoch – im Unterschied zum tetrarchischen System Diokletians – nur militärische Kompetenzen in ihren jeweiligen Gebieten zu. Nach dem Tod Konstantins 337 ließ sich dieses System allerdings nicht problemlos aufrechterhalten, da es dazu eines starken Augustus bedurfte. Schon Konstantins Sohn Constantius II. (Alleinherrscher 353–361) bekam Probleme mit seinen Caesares, da er deren Kompetenzen nicht klar benannt und abgegrenzt hatte. Constantius Gallus, den er 351 zum Caesar ernannte, sah sich in der tetrarchischen Tradition und forderte für sich außer der ihm zugedachten militärischen Funktion auch administrative sowie legislative Kompetenzen, was ihn in Konflikt mit den von Constantius bestellten Zivilbeamten brachte. 354 ließ Constantius ihn schließlich hinrichten. Auch mit Julian, dem Halbbruder des Gallus, den er 355 als Caesar einsetzte, kam Constantius aus ähnlichen Gründen in Konflikt. Julian ließ sich schließlich nach etlichen Konflikten mit den Beamten des Constantius im Jahr 360 eigenmächtig zum Augustus ausrufen. Ein Bürgerkrieg zwischen Julian und Constantius wurde nur durch Constantius’ Tod 361 verhindert.[3]
In der Zeit nach Constantius II. – beginnend mit Gratian, den sein Vater Valentinian I. direkt zum Augustus kürte – wurde der Titel nicht mehr ganz so oft vergeben, die Kaiser (auch die designierten) wurden fortan zumeist direkt zu Augusti erhoben. Dennoch gab es weiterhin noch eine Reihe an Caesares, zum Beispiel Valentinian III. und Leo II., die – jeweils im Knabenalter – zuerst 424 bzw. 472 zu Caesares erhoben wurden und ein Jahr später zu Augusti avancierten. Die von Ostrom anerkannten weströmischen Kaiser Majorian, Anthemius und Julius Nepos trugen zu Beginn ihrer Herrschaft ebenfalls nur den Caesar-Titel. Der Ostkaiser Leo I. erhob Patricius zum Caesar, Zenon den Basiliscus - beide Caesares wurden nie Augusti. Wohl 490 erhob in Italien Odoaker seinen Sohn Thela zum Caesar, der 493 den Tod fand. Justinian war seit 525 zunächst Caesar seines Onkels Justin I. und wurde dann 527 Augustus. Tiberios I. wurde 574 zum Caesar Kaiser Justins II. ernannt, um den geisteskranken Herrscher zu unterstützen, bevor er 578 selbst Augustus wurde. Auch Kaiser Maurikios war 582 zunächst (gemeinsam mit Germanus) Caesar, bevor er wenig später Augustus wurde. Unter Herakleios wurden die späteren Kaiser Heraklonas und David Tiberios zunächst zu Caesares ernannt. Grund für die seltenere Benutzung des Caesartitels könnte vielleicht die Erinnerung an die genannten Spannungen zwischen Constantius II. und seinen Caesares gewesen sein.[4] Deutlich wahrscheinlicher ist aber wohl, dass im 5. und 6. Jahrhundert einfach nur noch dann ein Caesar erhoben wurde, wenn der amtierende Augustus noch keine definitive Entscheidung über seine Nachfolge treffen wollte oder konnte.
[Bearbeiten] Die weitere Entwicklung
In der Kaisertitulatur verschwand Caesar im Byzantinischen Reich unter Justinian II. (Kaiser 685–695 und 705–711). Trotzdem wurde er (nun in der gräzisierten Form Kaisar) bis in die Zeit Alexios’ I. (1081–1118) weiterhin als besonderer Ehrentitel verliehen und blieb nach Basileios bzw. Basileus (βασιλεύς) der zweitwichtigste Titel. Mit Alexios I. begann dessen Abwertung, da er seinem Bruder Isaak Komnenos den von Augustus (gr. Sebastos) und Imperator (gr. Autokrator) abgeleiteten Ehrentitel Sebastokrator verlieh. In der Regierungszeit Manuels I. wurde dann ein neuer Titel eingeführt, Despotes („Herr“), der im Rang nach Basileios folgte. Sebastokrator, Despotes und Caesar/Kaisar blieben bis zum Ende des Byzantinischen Reiches ausschließlich vom Kaiser verliehene Titel. Der Titel des Caesar wurde aber nach der Wiederherstellung des Byzantinischen Reiches unter den Palaiologen ab 1261 nicht mehr an enge Familienmitglieder verliehen, sondern überwiegend an verdiente Heerführer.
Im Heiligen Römischen Reich erhob Kaiser Friedrich I. seinen Sohn und designierten Nachfolger Heinrich 1186 zum Caesar; die genaue Tragweite dieses einmaligen Akts ist in der Forschung jedoch umstritten.[5]
[Bearbeiten] Literatur
- Mason Hammond: Imperial Elements in the Formula of the Roman Emperors during the first Two and a Half Centuries of the Empire. In: Memoirs of the American Academy in Rome 25, 1957, 17–64. (hier online)
- Dietmar Kienast: Römische Kaisertabelle. Grundzüge einer römischen Kaiserchronologie. 3. Auflage (unveränderter Nachdruck der 2., durchgesehenen und erw. Auflage 1996). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-18240-5, S. 24f.
- Fritz Mitthof: Vom ίερώτατος Καισαρ zum έπιφανέστατος Καίσαρ. Die Ehrenprädikate in der Titulatur der Thronfolger des 3. Jh. n. Chr. nach den Papyri. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 99, 1993, S.97–111 (PDF)
- Jürgen von Ungern-Sternberg, G. Weiß: Caesar (Titel). In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 2, Sp. 1351f. (mit Literatur).
[Bearbeiten] Weblinks
- Jona Lendering: Artikel bei Livius.org (englisch)
- Artikel in A Dictionary of Greek and Roman Antiquities, London 1875 bei LacusCurtius
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Zu den verschiedenen Namensherleitungen siehe Hans Georg Gundel, Caesar, in: Der Kleine Pauly. Lexikon der Antike in fünf Bänden, Band 1, München 1964, Sp. 996f.
- ↑ Oktavian hatte sich aber auch schon vor der offiziellen Adoption Caesar nennen lassen, siehe Dietmar Kienast, Römische Kaisertabelle, S. 24.
- ↑ Zum problematischen Verhältnis zwischen Constantius II. und seinen Unterkaisern vgl. David S. Potter, The Roman Empire at Bay, London/New York 2004, S. 471ff.
- ↑ Dies nimmt etwa Kienast, Römische Kaisertabelle, S. 25, an.
- ↑ Zur weiteren Entwicklung des Caesartitels siehe G. Weiß, Caesar (Titel), II. Byzanz, in: Lexikon des Mittelalters, Band 2, Sp. 1352.

