KZ Uckermark

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Das Konzentrationslager Uckermark (kurz KZ Uckermark) war ein Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen im Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus. Es wurde 1942 in der Gemeinde Ravensbrück (heute Stadt Fürstenberg/Havel) im Norden der Provinz Brandenburg als Außenlager des KZ Ravensbrück errichtet.

Die Bezeichnung Uckermark bezieht sich auf die gleichnamige historische Landschaft. Im nationalsozialistischen Sprachgebrauch wurde das KZ euphemistisch „Jugendschutzlager“ genannt. Seit Januar 1945 wurde das Jugendkonzentrationslager aufgelöst. Das Gelände diente anschließend bis zur Befreiung im April 1945 als Sterbe- und Selektionslager für Frauen des KZ Ravensbrück. Das KZ Uckermark wird auch als „vergessenes“ Konzentrationslager bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das KZ Uckermark wurde ab Juni 1942 zur Internierung der ersten von den Nationalsozialisten als kriminell, staatsfeindlich und asozial (auch sexuell verwahrlost) eingestuften Mädchen und jungen Frauen genutzt. Es war das einzige Jugendkonzentrationslager im Deutschen Reich, das gezielt für Mädchen und junge Frauen gebaut wurde. Das KZ Uckermark wurde im Frühjahr 1942 in unmittelbarer Nähe des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück von Inhaftierten des KZ Ravensbrück errichtet und war diesem Lagerkomplex als Außenlager zugeordnet.[1] Die Entfernung zum Zentrum Berlins betrug über die Reichsstraße 96 etwa 86 km. Die Leitung hatte die Kriminalrätin Lotte Toberentz inne. Ihre Stellvertreterin war die Kriminalobersekretärin Johanna Braach.

Im KZ Uckermark wurden 1200 junge Frauen und Mädchen interniert, die größtenteils auf Antrag von Jugendämtern, Heimen oder Jugendgerichten durch die Reichszentrale zur Bekämpfung der Jugendkriminalität des Reichskriminalpolizeiamtes eingewiesen wurden. Viele wurden direkt aus Fürsorgeeinrichtungen in das Lager gebracht, in dem sie unter extrem schlechten Lebensbedingungen Zwangsarbeit leisten mussten. Die Haftbegründungen waren wie im KZ Moringen vielschichtig und umfassten „pädagogische“ Argumente wie „Renitenz“, „Unerziehbarkeit“ oder „Arbeitsverweigerung“ ebenso wie eugenische oder rassische Begründungen. Eine nur auf Mädchen und Frauen angewandte Haftbegründung stellte die Zuordnung als „sexuell verwahrlost“ dar. Zudem wurden durch die Geheime Staatspolizei durch Schutzhaftbefehle junge Frauen wegen Beteiligung oder Unterstützung von Widerstandsgruppen, oppositionellen Einstellungen sowie „Geschlechtsverkehrs mit fremdvölkischen Staatsangehörigen“ in das KZ Uckermark eingewiesen.[2] Im Juni 1944 wurde ein Nebenlager in Dallgow-Döberitz eingerichtet, in dem Mädchen, die sich in Uckermark bewährt hatten, untergebracht wurden. Ab Januar 1945 wurde das Lager als Sterbe- und Selektionslager für Frauen des KZ Ravensbrück genutzt.

Über die genauen Haftbedingungen im Lager ist nahezu nichts bekannt. Es handelte sich beim KZ Uckermark um eiligst erbaute und sehr einfache Holzbaracken, die nach der Befreiung durch die Rote Armee, die das Gelände bis 1993 militärisch nutzte, bereits in den ersten Monaten nach Kriegsende abgerissen wurden. Für die Zahl der getöteten Frauen nach Umwandlung in ein Sterbe- und Selektionslager im Januar 1945 gibt es nur äußerst vage Schätzungen, da keine Bilder oder Dokumente über die damalige Zeit im KZ Uckermark Zeugnis ablegen.

Die ehemalige Leiterin Toberentz und ihre Stellvertreterin Braach waren 1948 Angeklagte im Dritten Ravensbrück-Prozess vor einem Militärgericht in Hamburg. Sie wurden freigesprochen und waren anschließend in der westdeutschen Kriminalpolizei tätig. Die in den 1950er und 1960er Jahren eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurden aufgrund der Verjährungsfristen für Misshandlungen und Körperverletzungen eingestellt. Die Todesfälle in den Lagern wurden nicht als Mord gewertet.

Aufarbeitung[Bearbeiten]

Der Verein Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e. V. versucht seit 1997, die Geschichte des Lagers zu erforschen, Kontakt zu Überlebenden zu suchen und zu erhalten und auf dem Gelände einen würdigen Gedenkort zu gestalten. In jährlichen Bau- und Begegnungscamps wird diese Aufgabe wahrgenommen, ebenso wie im Rahmen von bundesweiten und internationalen Informationsveranstaltungen, Veranstaltungsreihen, Filmvorführungen und Gesprächen mit Überlebenden zum Thema Jugendkonzentrationslager und daran anknüpfenden Themen. Der Verein erhielt für seine Arbeit im Jahr 2010 den Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee. 2011 wurde geplant, mit EU-Konversionsmitteln die auf dem Gelände noch vorhandenen Lagerhallen der Sowjetarmee abzureißen und anschließend ein Konzept für einen Gedenkort zu erstellen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Guse, Martin: Die Jugendschutzlager Moringen und Uckermark. In: Benz, Wolfgang/Distel, Barbara (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager, C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 100–114.
  •  Klarenbach, Viola/Höfinghoff, Sandra (Hrsg.): „Wir durften ja nicht sprechen. Sobald man Kontakt suchte mit irgendjemandem, hagelte es Strafen.“ Das ehemalige Konzentrationslager für Mädchen und junge Frauen und spätere Vernichtungslager Uckermarck. Ausstellungskatalog. Klarenbach, Berlin 1998, S. 100–114, DNB 964404192 (PDF-Datei; 0,7 MB).
  •  Limbächer, Katja/Merten, Maike/Pfefferle, Bettina (Hrsg.): Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage. Unrast, Münster 2005, ISBN 3-89771-204-0 (Inhaltsverzeichnis).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.martinguse.de/jugend-kz/uckeinfuerung.htm
  2. http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/ravensbrueck/60708/jugend-kz-uckermark?p=all
  3. Aktueller Stand zum Thema Konversion / Gedenkort ehemaliges Jugendkonzentrationslager und späteres Vernichtungslager Uckermark (PDF-Datei; 46 kB)

53.18777777777813.180555555556Koordinaten: 53° 11′ 16″ N, 13° 10′ 50″ O