Karbid und Sauerampfer

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Filmdaten
Originaltitel Karbid und Sauerampfer
Produktionsland DDR
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1963
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Frank Beyer
Drehbuch Frank Beyer,
Hans Oliva
Produktion Martin Sonnabend
Musik Joachim Werzlau
Kamera Günter Marczinkowsky
Schnitt Hildegard Conrad
Besetzung

Karbid und Sauerampfer ist ein Film der DEFA von 1963.

Handlung[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges liegt Dresden in Schutt und Asche, darunter auch die Zigarettenfabrik. Für den Wiederaufbau benötigt man Karbid zum Schweißen. Kalle, der früher hier gearbeitet hat, möchte, dass sein alter Arbeitsplatz wieder aufgebaut wird. Deshalb macht sich der Nichtraucher Kalle auf, um Karbid zu beschaffen.

In Wittenberge bekommt er sieben Fässer Karbid – und muss diese nun ohne eigenes Transportmittel nach Dresden schaffen. Als erstes nimmt ihn die sympathische Karla mit ihrem Fuhrwerk mit. Am liebsten würde er länger bei ihr bleiben, doch die Pflicht treibt ihn weiter. Er verspricht, wiederzukehren. Sein einziges Zahlungsmittel sind Zigaretten. Dafür wird er von einem LKW-Fahrer mitgenommen.

Letztlich wird die Rückfahrt deutlich schwerer als gedacht. Kalle wird verdächtigt, ein Plünderer zu sein, muss sich mit einem geschäftstüchtigen amerikanischen Soldaten auseinandersetzen, ebenso wie mit Rotarmisten, die ihm mehrere seiner Fässer abnehmen. Er erleidet Schiffbruch und muss sich einer mannstollen Witwe erwehren.

Trotz aller Widrigkeiten bringt er zwei Fässer bis nach Dresden. Nun kann ein Neuanfang beginnen. Nicht zuletzt, weil es für den Hallodri Kalle nötig ist, eine gute Grundlage zu schaffen; immerhin werden er und Karla Eltern.

Bemerkungen[Bearbeiten]

Die Geschichte des Films basiert auf wahren Ereignissen. Autor Hans Oliva-Hagen schrieb an dem Stoff schon, während Gewissen in Aufruhr – ebenfalls mit Erwin Geschonneck in der Hauptrolle – gedreht wurde. Ursprünglich sollte ebenfalls Günter Reisch Regie führen; da dieser jedoch nicht verfügbar war, wurde Frank Beyer Regisseur des Films. Zunächst hatte er Probleme, Geschonneck als Hauptdarsteller durchzusetzen, da man bei der DEFA einen jüngeren Hauptdarsteller wollte.

Der echte Karbid-Kalle – Richard Hartmann – hatte mehr Erfolg als Karbid-Kalle im Film. Mit einem Kollegen brachte er alle seine neun Fässer ins Werk. Allerdings erlebte er nicht ganz so aufregende Abenteuer und zeugte unterwegs auch kein Kind. Hartmann und Geschonneck lernten sich erst nach den Dreharbeiten kennen. Alternativ war als Titel auch Karbid-Kalle in der Überlegung.

Die Episode, in der Pilze in einem Minenfeld gesammelt werden, geht auf ein wahres Erlebnis von DEFA-Regisseur Kurt Maetzig zurück. Der Opernsänger Rudolf Asmus hat hier den einzigen Filmauftritt außerhalb Walter Felsensteins Opernverfilmungen. Für Erwin Geschonneck war der Film der endgültige, wenn auch späte, Durchbruch zum großen DEFA-Star und Charakterkomiker.

Der Schwarzweißfilm der DEFA-Gruppe KAG „Roter Kreis“ hatte am 27. Dezember 1963 im Berliner Kino Kosmos Premiere.

Kritiken[Bearbeiten]

„Regisseur Beyer und Kameramann Günter Marczinkowsky entdecken so etwas wie den ‚optischen Witz‘, wenn sie meist vom ‚Detail‘ in die Totale gehen, wenn sie komische Situationen als Ganzes erfassen, den Schauspieler stets in Beziehung zur Umwelt zeigen, dabei aber ganz knapp bleiben, die Pointen oft durch den Schnitt oder die Klappblende setzen.“

Christoph Funke in Der Morgen, 9. Januar 1964

„Hier wird Komik nicht als Surrogat aus der Traumfabrik geboten, sondern ist aus einer Realität gewonnen, die die meisten Zuschauer noch miterlebt haben, damals aber kaum zum Lachen fanden. Hinzu kommt als weiteres Plus ein komischer Held, mit dem Identifikation wiederum möglich ist: ein Arbeiter dessen scheinbar unerschütterlicher Gleichmut und schlauer Witz sich in allen Situationen bewähren und der in der Darstellung von Erwin Geschonneck […] echtes Lustspielformat erhält.“

Heinz Kersten in: Tagesspiegel, 16. Dezember 1973

„Erster Versuch der DEFA, Lebensumstände und Alltagsschwierigkeiten unmittelbar nach Kriegsende aus heiterer Perspektive darzustellen. Das Ergebnis ist eine der besten deutschen Filmkomödien, die, auf einem mit Pointen gespickten Drehbuch beruhend, mit einem souverän-überzeugenden Hauptdarsteller aufwarten kann. Dabei wird bei aller komischen Forciertheit nie die soziale Genauigkeit aus den Augen verloren; für damalige Verhältnisse erfrischend freche politische Untertöne runden die vergnügliche Handlung ab.“

Lexikon des Internationalen Films [1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karbid und Sauerampfer im Lexikon des Internationalen Films