Kayapo

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Kayapó Häuptlinge Raoni Metuktire, Kaye, Kadjor, und Panara, Brasilien.

Die Kayapó, auch Kaiapó oder (Portugiesisch) Caiapó, sind ein Indianervolk des Amazonasgebiets im brasilianischen Mato Grosso und Pará. Sie sprechen eine namensgleiche Sprache, die zur -Sprachfamilie gehört und leben am Rio Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas.

Kayapó Kopfschmuck, oder ákkápa-ri, ca. 1910, National Museum of the American Indian
Der Häuptling Akiaboro, oberster Führer aller Kayapo-Dörfer, spricht zur Presse nach der Teilnahme an der 13. ordentlichen Sitzung der Nationalen Kommission für Indigenenpolitik am 2. Juni 2010.

Der Stamm zählte 2013 9000 Mitglieder.[1] Wie praktisch alle indigenen Bewohner des südamerikanischen Tiefland-Regenwaldes (bzw. ursprünglichen Ethnien Nordbrasiliens) leben die Kayapo in erster Linie von Ackerbau, gemäß den tropischen Bedingungen in Wanderfeldbau, was traditionell nur eine Teil-Sesshaftigkeit zulässt. Neben dem Ackerbau spielt aber in Anpassung an das Ökosystem auch Jagd- und Sammelwirtschaft eine Rolle zur Lebenshaltung. Ihr Reservat besteht aus fünf zusammenhängenden Gebiete mit festgelegten Grenzen, insgesamt so groß wie die fünf neuen Bundesländer in Deutschland.

Untergruppen der Kayapo schließen ein die: Xikrin, Gorotire, Menkragnoti und Metyktire.[2]

Lebensweise und Alltag[Bearbeiten]

Sie leben in runden Hütten und betreiben vorwiegend Subsistenzwirtschaft, ihre 44 Dörfer sind durch Wasserwege und nahezu unsichtbare Pfade verbunden. Ein zentral gelegenes Haus dient als Versammlungsort für die Männer des Dorfes, um über Angelegenheiten der Dorfgemeinschaft zu beraten.[3] Die Frauen tragen runde und hohe Körbe, die mit bunten Schweifen verziert sind. Viele im Stamm verwenden auch Radios, die sie von Forschern erhalten haben.

Lippenscheiben[Bearbeiten]

Die neugeborenen Jungen der Kayapo bekommen in der Regel einige Tage nach der Geburt ein Loch in die Unterlippe gestochen. Dieses wird allmählich vergrößert. In der Pubertät wird dann eine Lippenscheibe eingesetzt. Die Scheibe soll die Fähigkeit der klugen und schönen Rede symbolisieren.

Landrechte und Umweltfragen[Bearbeiten]

Der im Jahr 2011 zum Ehrenbürger von Paris erhobene Umweltschutzaktivist Raoni Metuktire im Jahr 2000 mit dem damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac anlässlich eines Empfangs im Elyséepalast.

Vor Jahren konnten sie erfolgreich ein Projekt der hiesigen Bergbaugesellschaften verhindern und somit eine Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen abwehren. Berühmt wurde der Stamm, als er das Satellitenfernsehen sich zu Nutze machte und dagegen protestierte, dass das umstrittene Wasserkraftwerk Belo Monte in der Region gebaut werden soll, um eine Überschwemmung des Oberlaufes des Rio Xingu zu verhindern. Über Facebook halten sie Kontakt, stellen Videos ihrer Zeremonien und Treffen ins Internet und suchen sich prominente Mitstreiter wie Sting. Der Protest war zunächst erfolgreich, weswegen der Kredit für den Bau des Staudamms bis auf Weiteres abgewiesen wurde. Allerdings gab es inzwischen neue Prozesse und im Februar 2012 wurde der Bau des Staudammes genehmigt.[4] Das Werk soll eine Spitzenleistung von 11.233 Megawatt produzieren und als drittgrößtes Wasserkraftwerk der Welt 2015 ans Netz gehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kayapo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kayapó: Die Hüter des Amazonas "National Geographic"-Autor Chip Brown, veröffentlicht in Spiegel Online, 22. Dezember 2013
  2. http://www.everyculture.com/South-America/Gorotire.html
  3. Popovic, Mislav. „Kayapo.“ Traditions and Customs from all over the world. (aufgerufen 25.Mai 2010)
  4. The New Brazil vs anti-modern celebs, Spiked Online, abgerufen am 9. Februar 2012, 17.42 Uhr