Kladderadatsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kladderadatsch
Die erste Ausgabe des Kladderadatsch (Mai 1848)
Beschreibung deutsche Satirezeitschrift
Sprache Deutsch
Erstausgabe 1848
Einstellung 1944
Erscheinungsweise wöchentlich
Artikelarchiv kladderadatsch.
uni-hd.de
ISSN 0173-0827
Türken-Nummer - Berlin, 68. Jahrgang, Nummer 44 (31. Oktober 1915)
Fürst v. Bismarcks Lesetisch, auf dem auch stets der Kladderadatsch zu finden war; aus Fürst Bismarck in Friedrichsruh von C. W. Allers (1892)

Kladderadatsch war eine deutschsprachige politisch-satirische, wöchentlich erscheinende Zeitschrift, die von 1848 bis 1944 erschien. Der Name der Zeitschrift ist hergeleitet vom lautmalerischen Berliner Ausdruck Kladderadatsch, der etwa bedeutet „etwas fällt herunter und bricht mit Krach in Scherben“. Der Zeitschriftentitel machte den Ausdruck so populär, dass er zum politischen Schlagwort wurde, das ironisch gebraucht – vor allem von August Bebel – den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft charakterisierte.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründer war der liberale Berliner Humorist David Kalisch, Sohn eines jüdischen Kaufmanns und bekannter Autor leichter Komödien; Verleger war der Verlagsbuchhändler Heinrich Albert Hofmann. Die Zeitschrift vertrat eine nationale Gesinnung und unterstützte Bismarcks Politik. Die erste, vollständig von Kalisch verfasste Ausgabe erschien am 7. Mai 1848 mit einer Auflage von 4.000 Stück und war noch am selben Tag ausverkauft. Anlässlich der Feier des Erscheinens der tausendsten Nummer schuf der niederschlesische Komponist Rudolf Bial im Jahr 1866 den Kladderadatsch-Jubiläums-Marsch.

„… einmal wöchentlich erscheinenden Witzblattes, das vorzugsweise die politische Satire kultiviert und besonders durch Ernst Dohm, Rudolf Löwenstein und den Zeichner Wilhelm Scholz, dessen Karikaturen auf Napoléon III. und Bismarck große Popularität gewannen, zu literarischer und künstlerischer Bedeutung erhoben wurde. Auch die von den „Gelehrten“ des Kladderadatsch erfundenen ständigen Figuren Müller und Schultze, Zwickauer, Karlchen Mießnick u.a. sind volkstümlich geworden. Gegenwärtig (1905) ist Johannes Trojan Redakteur. Die hervorragendsten künstlerischen Mitarbeiter sind G. Brandt und L. Stutz.“

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Aufl. Band 11 (1909)
Karikatur aus dem Jg. 70. Nr. 43 (27. Oktober 1907), S. 170.
"Zur Anpöbelung Bülows"
"B.: Gutes Mohrchen, d u bist n i c h t so hundsgemein!"

Die Popularität des Witzblatts, dem in der preußischen Hauptstadt eine Monopolstellung zukam, rief schon im Gründungsjahr parodistische Imitationen hervor wie Ausgeßeuchnet. Erstes reaktionäres Extrablatt des Kladderadatsch, den Neujahrs-Pladderadatsch und die Fastnachts-Zeitung in Art des Kladderadatsch. In Leipzig erschien während des deutsch-französischen Krieges 1870 ein Kladderadatsch auf dem Kriegsschauplatze. Die Redaktion selbst gab zahlreiche Sondernummern und von 1850 bis 1887 jährlich den Humoristisch-satyrischen Volkskalender heraus. Ein weiteres Nebenprojekt des Verlegers Hofmann war seine Humoristische Eisenbahn- und Reise-Bibliothek, die Schultze und Müller an den Rhein, in den Harz und in europäische Metropolen schickte.[2]

Von 1872 bis 1884 benutzte der KSCV als Dachverband wie auch einzelne Corps, Altherrenvereine und eine große Zahl anderer Korporationen das in akademischen Kreisen sehr beliebte Satireblatt Kladderadatsch als Veröffentlichungsorgan.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem Einbruch der Auflage. 1923 verkaufte der Hofmann Verlag das Magazin an die Stinnes Company des Industriellen Hugo Stinnes. Die Inhalte wurden zunehmend rechtsgerichteter und denunzierten gemäßigte Politiker der Weimarer Republik. Bereits seit 1923 wurden Hitler und der Nationalsozialismus unterstützt. Die Karikaturen wurden zunehmend antisemitisch.

Im September 1933 wurde Hermann Göring karikiert, der Versuchskaninchen mit Hitlergruß grüßt und von diesen mit demselben zurückgegrüßt wird.[3] Hintergrund der Karikatur war ein NS-Gesetz vom August 1933, das Tierversuche aus Tierschutzgründen verbot.

Weitere Mitarbeiter[Bearbeiten]

Sondernummern des Kladderadatsch[Bearbeiten]

  • Kladderadatsch in London. Humoristische Schilderungen der Industrie-Ausstellung (8 Lieferungen, 1851)
  • Bismarck-Album des Kladderadatsch (300 Zeichnungen von Wilhelm Scholz, 1890, 27. Auflage 1900) Online-Edition
  • Ein Kriegsgedenkbuch aus dem Kladderadatsch in Ernst und Humor aus den Jahren 1870 und 1871 von Johannes Trojan und Julius Lohmeyer (1891)
  • Im tollen Jahr. 1. Jahrgang des Kladderadatsch 1848, mit Anmerkungen und Erläuterungen (1898)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Ring: David Kalisch, der Vater des Kladderadatsch und Begründer der Berliner Lokalposse. Staude, Berlin 1873.
  • Kladderadatsch: humorist.-satir. Wochenblatt. Die Kriegsnummern des Kladderadatsch. Hofmann, Berlin 1895.
  • R. Hofmann: Der Kladderadatsch und seine Leute 1848–1898. 1898.
  • Bismarck-Album des Kladderadatsch 1849–1898. Mit Zeichnungen von Wilhelm Scholz u.a. 31. Aufl. Hofmann, Berlin 1915.
  • Johannes Trojan: Am Pranger. England-Album des Kladderadatsch, von der Zeit des Burenkrieges bis zur Gegenwart. Texte von Johannes Trojan u.a. Hofmann, Berlin 1915.
  • Chr. Gehring: Die Entwicklung des politischen Witzblattes in Deutschland. Leipzig 1927.r (Dissertation)
  • Liesel Hartenstein (Hrsg.): Facsimile-Querschnitt durch den Kladderadatsch. eingel. v. Hans Rothfels. Scherz, München 1965 (Facsimile-Querschnitte durch alte Zeitungen und Zeitschriften. 5)
  • Klaus Schulz: Kladderadatsch: ein bürgerliches Witzblatt von der Märzrevolution bis zum Nationalsozialismus 1848–1944. Diss. Bochum. Brockmeyer, Bochum 1975 (Bochumer Studien zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft 2).
  • Kladderadatsch. (Reprint des Jahrgangs 1848), Harenberg Kommunikation, Dortmund 1978, ISBN 3-921846-03-X. (Die bibliophilen Taschenbücher 3)
  • Ingrid Heinrich-Jost (Hrsg.): Kladderadatsch : die Geschichte eines Berliner Witzblattes von 1848 bis ins Dritte Reich. Leske, Köln 1982, ISBN 3-921490-25-1.
  • Ursula E. Koch: Der Teufel in Berlin. Von der Märzrevolution bis zu Bismarcks Entlassung. Illustrierte politische Witzblätter einer Metropole 1848-1890. c. w. leske Verlag, Köln 1991, ISBN 3-921490-38-3, S. 131–142.
  • Artikel "Die Geschichte des Kladderadatsch" in: Die Gartenlaube, Bd. 1867 (Teil 1), S. 203-206.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kladderadatsch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kladderadatsch – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Kladderadatsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Otto Ladendorf: Historisches Schlagwörterbuch. 1906. (Web-Ressource)
  2. Ursula E. Koch: Der Teufel in Berlin. Von der Märzrevolution bis zu Bismarcks Entlassung. Illustrierte politische Witzblätter einer Metropole 1848–1890. c. w. leske Verlag, Köln 1991, S. 142 ff.
  3. "Heil Göring". Kladderadatsch, September 1933