Kloster Kastl

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Kloster Kastl ist ein ehemaliges Kloster in der Oberpfalz/Bayern (Diözese Eichstätt), das zunächst von Benediktinern besiedelt wurde, später in den Besitz der Jesuiten und dann Malteser kam.

Stich des Klosters aus dem „Churbaierischen Atlas“ des Anton Wilhelm Ertl, 1687

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zeit der Benediktinerabtei (1098/1103–1556)[Bearbeiten]

Stifterfigur des Berengar I. von Sulzbach (um 1080–1125) über seinem Wappen mit Jagdfalke unter der Orgelempore im Kloster Kastl

Das Kloster Sankt Petrus in Kastl wurde wahrscheinlich 1103 (nach Klostertradition bereits 1098) durch Markgraf Diepold III. von Vohburg, Graf Berengar von Sulzbach und Graf Otto von Habsberg-Kastl in der wohl in karolingischer Zeit errichteten Burg Kastl gegründet.[1] An der Gründung war auch der aus Konstanz verdrängte Bischof Gebhard III., ein Bruder der Markgräfin Liutgart von Zähringen, beteiligt. Er entsandte den Gründungskonvent aus dem Kloster Petershausen, das unter dem Einfluss der von Kloster Hirsau ausgehenden Reform stand.

Mönche der rasch aufblühenden Abtei Kastl konnten bereits 1118 das Kloster Reichenbach am Regen besiedeln, das ebenfalls die Markgräfin Luitgard von Zähringen zusammen mit ihrem Sohn, dem Markgrafen Diepold III., gestiftet hatte. Mönche aus Kastl besiedelten wahrscheinlich auch die neugegründeten Klöster Plankstetten und Auhausen.

Das Kloster konnte seinen Besitz stetig mehren und wurde bald zu einem der mächtigsten und reichsten Klöster des Reiches. Am Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster Kastl ein wichtiges Zentrum der monastischen Erneuerung, das auf zahlreiche Klöster Bayern ausstrahlte (Kastler Reform). Kaiser Sigismund erhob das Kloster 1413 in den Reichsstand.

Im 16. Jahrhundert setzte ein rascher Verfall des Klosters ein. Nach Einführung der Reformation in der Oberpfalz durch Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz wurde die verarmte Benediktinerabtei Kastl 1556 aufgehoben.

Benediktineräbte von Kastl:

  • Theoderich (ca. 1104–1108), kam mit dem Gründungskonvent aus Kloster Petershausen im Schwarzwald
  • Altmann (ca. 1108–1128)
  • Ortwin (ca. 1128–1137)
  • Otto (1138–1160)
  • Gebold (1160–1172)
  • Konrad I. von Kösching (1172–1189)
  • Rupert (1189–1205)
  • Gebhard von Rieden (1205–1222)
  • Wernhard (1222–1238)
  • Konrad II. von Linberch (1238–1240)
  • Konrad III. (Chuno) von Adertshausen (1240–1262)
  • Ruger von Pelchenhofen (1262–1267)
  • Friedrich I. von Schinwitz (1267–1273)
  • Herold (1273–1275)
  • Friedrich II. von Haintal (1275–1291)
  • Otto I. von Uttenreuth (1291–1294)
  • Albert (1293–1306)
  • Syboto (1306–1322)
  • Hermann (1323–1356), Verfasser der Kastler Reimchronik; Ausbau des Klosters zu einem der wichtigsten Wirtschaftszentren in der Oberpfalz
  • Konrad IV. Lotterbeck (1356–1378), erhielt 1374 das Recht zum Gebrauch der Pontifikalien; Glanzzeit des Klosters Kastl
  • Otto II. Nortweiner (1378–1399), Beginn der Kastler Reform
  • Georg Kemnather (1399–1434), gotischer Umbau der romanischen Klosterkirche
  • Jakob Pflugler (1434–1455)
  • Christoph von Berngau (1455–1459)
  • Leonhard I. Beching gen. Krapp (1459–1490)
  • Ulrich Prethaler (1490–1493/94)
  • Johannes I. Lang (1493/94–1524)
  • Johannes II. Winter (1524–1539)
  • Leonhard II. Münzer von Hegling (1530–1538/39)
  • Johannes III. Menger (1539–1554)
  • Michael Hanauer (1554–1560)

Die Zeit der Jesuiten und Malteser (1636–1808)[Bearbeiten]

Bei der Rekatholisierung der Oberpfalz (1625) wurde Kloster Kastl 1636 von den bayerischen Kurfürsten an die Jesuiten in Amberg übergeben. Nach der Auflösung und dem Verbot der Jesuiten (1773) erhielt 1782 der Malteserorden das Kloster Kastl. Unter den Jesuiten erfolgte eine Renovierung und barocke Neuausstattung der Klosterkirche. Der heutige frühklassizistische Hochaltar wurde von den Maltesern errichtet.

Von der Verstaatlichung bis zur Gegenwart[Bearbeiten]

Nach der Säkularisation wurde die Klosterkirche 1808 zur Pfarrkirche. 1825 wurde das Landgericht von der Burg Pfaffenhofen in die seit 1803 ungenutzten Gebäude verlegt, wo es bis zu seiner Auflösung 1862 blieb. Seit 1958 befand sich in den ehemaligen Klostergebäuden ein Ungarisches Gymnasium, das mit Ende des Schuljahres 2005/2006 aufgelöst wurde.

Klosterkirche[Bearbeiten]

Klosterberg Kastl

Die romanische Klosterkirche war wohl bereits bei der Weihe des Chorraums 1129 weitgehend fertiggestellt. Die ursprüngliche Kirche war eine dreischiffige Basilika mit flachgedecktem Schiff, gewölbtem Chorraum und großer Vorhalle im Westen. In der romanischen Klosterkirche verbinden sich architektonische und künstlerische Einflüsse aus den Klöstern Hirsau und Cluny mit einheimischen Bautraditionen.

Anfang des 15. Jahrhunderts erhielten das Hauptschiff und die Nebenschiffe gotische Kreuzrippengewölbe. Das Kirchenschiff wurde im Norden und Süden durch Kapellenanbauten erweitert.

Bedeutend ist der erhaltene Wappenfries, dort sind Wappen von Adelshäusern der Oberpfalz, die dem Kloster z. B. als Vögte verbunden waren wie Karg v. Bebenburg, Steinling aus Edelsfeld, Brand v. Neidstein.

Klostergebäude[Bearbeiten]

Die Klostergebäude bilden einen Hof um den Chor der Kirche. Sie wurden über den Grundmauern der mittelalterlichen Burg errichtet. Die Bauten zeigen im Wesentlichen noch den Zustand bei der Aufhebung der Benediktinerabtei bzw. der Wiederherstellung nach dem Klosterbrand von 1552.

Prinzessin Anna[Bearbeiten]

Während eines Aufenthaltes Ludwig des Bayern in Kastl erkrankte eines seiner mit ihm gereisten Kinder, die zwischen 12 und 18 Monate alte Anna.[2] Am 29. Januar 1319 schließlich verstarb die Prinzessin, wurde aber nicht nach München überführt, sondern wurde mumienartig einbalsamiert und im Kloster bestattet. Im Jahr 1715 wurde die Leiche aus dem Hochgrab herausgenommen und in einem Eichenschrank aufbewahrt. Der als Mumie erhaltene Leichnam ruhte in einem Schrein im „Paradies“, der Vorhalle der Klosterkirche, und war zu besichtigen. Nachdem Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen der Mumie bereits zugesetzt hatten, wurde sie 2013 ein halbes Jahr in einen mit Stickstoff gefüllten Spezialschrein umgebettet sowie gereinigt. Mittlerweile wurde der Leichnam in einer speziell konstruierten Vitrine, die die Luftdruckunterschiede durch eine Art Kondensator ausgleicht und am 28. Januar 2014 in den zuvor renovierten Barockschrank eingepasst wurde, wieder ins „Paradies“ zurückgebracht und soll darin, mit königlichen Insignien (wie stilisierter Krone und Wappen), weiter öffentlich zu sehen sein.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz, bearbeitet von Jolanda Drexler und Achim Hubel unter Mitarbeit von Astrid Debold-Kritter u.a., München/Berlin 1991, 238–246.
  • Stephan Haering, Art. "Kastl, Kloster", in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Bd. 5 (1996), Sp. 1287.
  • Josef Hemmerle: Die Benediktinerklöster in Bayern (Germania Benedictina 2), Augsburg 1970, 125–129.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Karl Bosl: Das Nordgaukloster Kastl. Gründung, Gründer, Wirtschafts- und Geistesgeschichte. In: Verhandlungen des Historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg 89, 1939, S. 3–186.
  2. Prinzessin Anna und Geschichtliches zum Schweppermannspiel, online unter kastl.net
  3. Kirchenmumie Anna - Die Rettung einer Prinzessin, Bayerischer Rundfunk, online unter br.de am 11. März 2014

49.36916666666711.683333333333Koordinaten: 49° 22′ 9″ N, 11° 41′ 0″ O