Kompaktifizierung
Kompaktifizierung ist ein Begriff aus der Topologie. Dabei wird ein (nicht kompakter) topologischer Raum so erweitert, dass er kompakt ist und der ursprüngliche Raum im erweiterten dicht liegt. Die letzte Forderung soll dabei unsinnige Erweiterungen ausschließen. So sorgt sie dafür, dass bei einer Kompaktifizierung eines bereits kompakten Raumes nichts hinzu kommt.
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[Bearbeiten] Definition
Eine Kompaktifizierung eines topologischen Raumes
ist ein Paar
bestehend aus einem kompakten topologischen Raum
und einer injektiven, stetigen und relativ offenen Abbildung
, so dass das Bild
dicht in
liegt.
Die Forderungen an
, dass es injektiv, stetig und relativ offen ist, d. h. offen aufs Bild, bedeuten schlichtweg, dass
ein Homöomorphismus von
auf das Bild
ist. Daher kann man
als Erweiterung von
bzw.
als Teilmenge von
ansehen.
Da Teilräume von kompakten (im Sinne von quasikompakt und hausdorffsch) Räumen vollständig regulär sind, können nur solche Räume kompaktifiziert werden.
[Bearbeiten] Beispiele für Kompaktifizierungen
Im Allgemeinen gibt es für einen Raum viele verschiedene Kompaktifizierungen, die sich z.T. dramatisch unterscheiden.
[Bearbeiten] Stone-Čech-Kompaktifizierung
Jeder vollständig reguläre Raum kann durch die Stone-Čech-Kompaktifizierung kompaktifiziert werden. Dafür gibt eine Reihe verschiedener Konstruktionen und der entstehende Raum
hat viele Eigenschaften, die ihn auszeichnen, z.B.
ist maximal im Verband der Kompaktifizierungen- jede beschränkte Funktion
lässt sich nach
fortsetzen
[Bearbeiten] Einpunktkompaktifizierung (Alexandroff-Kompaktifizierung)
Der russische Mathematiker Paul Alexandroff hat eine Konstruktion angegeben, die für einen beliebigen Topologischen Raum
zu einer quasikompakten Erweiterung führt:
Es wird ein einzelner neuer Punkt
zu
hinzugenommen. Die Topologie, also die offenen Teilmengen von
, besteht dann aus den gegebenen offenen Teilmengen von
und den Komplementen der abgeschlossenen, kompakten Mengen, die in
liegen.
Die Einbettung
wird Alexandroff-Erweiterung oder auch Alexandroff-Kompaktifizierung von
genannt. Sie hat die meisten der oben geforderten Eigenschaften. Dabei gilt aber:
ist genau dann ein Hausdorff-Raum, wenn
lokal-kompakt und Hausdorffsch ist. Insbesondere ist
für lokal-kompakte Hausdorff-Räume normal (wie jeder kompakte Hausdorff-Raum) und somit nach dem Lemma von Urysohn vollständig regulär, was sich auf den ursprünglichen Raum
überträgt: Jeder lokal-kompakte Hausdorff-Raum ist vollständig regulär.
[Bearbeiten] Konkrete Beispiele
- Die Einpunktkompaktifizierung der reellen Zahlen
entspricht topologisch der Struktur eines Kreises, also einer
. Die Einpunktkompaktifizierung der komplexen Zahlen ist die Riemannsche Zahlenkugel, deren Struktur der Oberfläche einer Kugel, also einer
, entspricht. Allgemein ist die Einpunktkompaktifizierung des
homöomorph zur n-dimensionalen Sphäre 
- Während die Einpunktkompaktifizierung der Menge
der natürlichen Zahlen tatsächlich nur einen weiteren Punkt („Unendlich“) enthält, hat die Stone-Čech-Kompaktifizierung die Mächtigkeit
. - Für die erste überabzählbare Ordinalzahl
mit der Ordnungstopologie ist
zugleich Alexandroff-Kompaktifizierung und Stone-Čech-Kompaktifizierung.
[Bearbeiten] Anwendung der Kompaktifizierungen
Viele Sätze der Topologie werden zunächst für kompakte Räume bewiesen, da hier durch die Endlichkeitsbedingung (in ihren verschiedenen Formulierungen) Beweise leichter zu führen sind. Als ein weiterer Schritt wird dann versucht, für andere Räume eine geeignete Kompaktifizierung zu konstruieren und zu sehen, unter welchen Bedingungen sich Ergebnisse übertragen lassen.
[Bearbeiten] Beispiel für eine Anwendung
[Bearbeiten] Satz von Gelfand-Kolmogoroff
Dieser Satz ist ein schönes Beispiel dafür, dass man direkt mit Hilfe der Stone-Čech-Kompaktifizierung Aussagen über einen Raum erhält.[1]
sei der Ring der stetigen Funktionen von
nach
(mit punktweise definierter Addition und Multiplikation) und
der Unterring der beschränkten Funktionen.
- (Gelfand-Kolmogoroff): In jedem Tychonoff-Raum
gibt es eine 1-1-Zuordnung zwischen den maximalen Idealen von
und von
. In beiden Fällen "fixiert" jedes maximale Ideal genau einen Punkt
.
Genauer gilt: in
gibt es für jedes maximale Ideal
(genau) einen Punkt
mit
, wobei
die stetige Fortsetzung von
nach
ist.
Für
lautet die entsprechende Beschreibung für maximale Ideale:
, wobei
.
[Bearbeiten] Verwandte Begriffe
Analog zur Vorstellung von der Kompaktifizierung kann man auch bei den meisten mit kompakt verwandten Begriffen vorgehen: Den Begriff Pseudokompaktifizierung erhält man beispielsweise, indem man in der Definition kompakt durch pseudokompakt ersetzt.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ im Ganzen für dieses Beispiel: L.Gillman, M.Jerison -- Rings of Continuous Functions, Van Nostrand Comp, Princeton etc., 1976, Kap 6f
[Bearbeiten] Literatur
- Boto von Querenburg: Mengentheoretische Topologie. 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-540-67790-9 (Springer-Lehrbuch).
- Paul Alexandroff, Über die Metrisation der im Kleinen kompakten topologischen Räume, in: Math. Ann. Vol 92 (1924), S. 294-301 [[1]]
- L.Gillman, M.Jerison: Rings of Continuous Functions, Van Nostrand Comp, Princeton etc., 1976
lässt sich nach
. Die Einpunktkompaktifizierung der komplexen Zahlen ist die
, entspricht. Allgemein ist die Einpunktkompaktifizierung des
homöomorph zur n-dimensionalen 
der natürlichen Zahlen tatsächlich nur einen weiteren Punkt („Unendlich“) enthält, hat die Stone-Čech-Kompaktifizierung die Mächtigkeit
.
mit der
zugleich Alexandroff-Kompaktifizierung und Stone-Čech-Kompaktifizierung.