Quraisch

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Die Quraisch (arabisch ‏قريش‎, DMG Quraiš), gelegentlich auch "Koreischiten" genannt, sind ein arabischer Stamm, der zur Zeit des Propheten Mohammed über Mekka herrschte. Menschen, die sich als Angehörige dieses Stammes betrachten, leben heute über die gesamte Welt verteilt. Als gemeinsamer Stammvater gilt Fihr, dessen Name manchmal ebenfalls mit Quraisch angegeben wird. Die Quraisch werden wie einige andere arabische Stämme als Nachfahren von Mudar betrachtet und gehören damit den nördlichen Arabern an, die sich auf ʿAdnān als gemeinsamen Stammvater beziehen.

Inhaltsverzeichnis

Die Clane der Quraisch [Bearbeiten]

Zur Zeit des Propheten waren die Quraisch bereits in verschiedene Clane aufgegliedert. Dazu gehörten die Banū l-Hārith, die Banū ʿĀmir, die Banū ʿAdī, die Banū Taim, die Banū Sahm, die Banū Dschumah, die Banū Machzūm, die Banū Zuhra, die ʿAbd ad-Dār, die ʿAbd Schams, die Banū Naufal, die Banū Hāschim, die al-Muttalib und die Banū Asad. Innerhalb dieser Clane stellten die sechs letztgenannten als Nachkommen des Qusaiy eine Sondergruppe dar. Qusaiy hatte etwa fünf Generationen früher die Herrschaft über Mekka dem südarabischen Stamm der Chuzāʿa entwunden und den Kult um die Kaaba neu geordnet. So soll Qusaiy zum Beispiel auch die Grenzen des Heiligen Bezirks (ḥaram) um die Kaaba genau bestimmt und durch Steinmale markiert haben. Unter den Nachkommen von Qusaiy spielten wiederum die Banū Hāschim und die ʿAbd Schams mit der Untergruppe der Banū Umayya eine herausgehobene Rolle. Sie waren beide Nachkommen von Qusaiys Sohn Abd Manaf und rivalisierten miteinander um die Führung der Stadt Mekka.

Die einzelnen Clane wurden jeweils von "Schiedsrichtern" (ḥukkām, pl. von ḥakam) angeführt. So war zum Beispiel ʿAbd al-Muṭṭalib mit seinen beiden Söhnen az-Zubair und Abū Tālib der ḥakam der Banū Hāschim, Abū Sufyān mit seinem Vater Ḥarb der ḥakam der Banū Umayya und al-Walīd ibn al-Mughīra der ḥakam der Machzūm.[1]

In islamischer Zeit [Bearbeiten]

Mohammed selbst und sein Cousin Ali gehörten zu den Banū Hāschim, auch die Abbasiden, die später eine eigene Dynastie bildeten, waren Angehörige der Banū Hāschim. Die ʿAbd Schams, die anfangs Mohammed und seine Anhänger verfolgten, stellten später den dritten Kalifen Uthman ibn Affan und die Dynastie der Umayyaden.

Die Abstammung vom Stamm der Quraisch galt bei den islamischen Staatstheologen des Mittelalters (zum Beispiel al-Mawardi) als Bedingung für das Amt des Kalifen.

Das heutige Herrscherhaus Jordaniens (und die bis 1958 den Irak regierenden Monarchen) stammen von den Banu Hashim ab, weshalb Jordanien auch „Haschemitisches Königreich Jordanien“ heißt. Auch die irakische Monarchie war von ihrer Einsetzung durch die Engländer 1921 bis zu ihrem Sturz 1958 haschimitisch.

Nach Abschaffung des Osmanischen Kalifats im Jahre 1924 versuchte der Haschemit Hussein, König von Hedschas zu Mekka, im Jahre 1925 das Kalifat für sich zu erringen, ohne jedoch allgemeine Anerkennung zu finden. Als er 1926 das Gebiet des Hedschas, in dem die heiligen Stätten Mekka und Medina liegen, an die Saudis verlor, wurde dieser neue Kalif endgültig zur tragischen Gestalt, da er auch keine weltliche Macht mehr besaß. Seine beiden Söhne waren jedoch bereits von den Engländern als Könige des Irak und Transjordaniens eingesetzt worden. Auch Karim Agha Khan IV. stammt nach der Überlieferung der Nizaris über Ali ibn Abi Talib aus dem haschemitischen Zweig der Koreischiten.

In der islamischen Welt gilt die Abstammung vom Stamm der Quraisch bis heute als ein Zeichen von Prestige. Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen, von Muslimen beanspruchen eine Abstammung aus dem Stamme der Quraisch, was jedoch meistens nicht nachprüfbar ist. Bei den oben genannten Haschemiten scheint die Abstammung von den Koreischiten jedoch sehr wahrscheinlich.

Der Name Quraischi ist auch heute noch keineswegs selten. Bekanntester Namensträger ist heute wohl der pakistanisch-englische Schriftsteller und Drehbuchautor Hanif Kureishi.

Belege [Bearbeiten]

  1. Vgl. Kister 53.

Literatur [Bearbeiten]

  • M.J. Kister: "Mecca and the tribes of Arabia: Some notes on their relations" in M. Sharon (ed.): Studies in Islamic History and Civilization in honour of David Ayalon. Leiden 1986. S. 33-57.
  • W. Montgomery Watt: Art. "Ḳuraysh" in Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Bd. V., S. 434-435.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Quraish – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien