Kostenträger

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Der Kostenträger beschreibt ein Kontierungsobjekt in der Kostenrechnung, das nicht wie Kostenstellen organisatorische Strukturen abbildet, sondern Produkte oder auch Projekte.

Die Kostenträgerrechnung ist Teil der Kostenrechnung, die zusammen mit Buchführung, Bilanzierung und Controlling das Rechnungswesen ausmacht.

Verschiedene Arten von Ausgaben (Kosten) im Unternehmen werden auf den Kostenträger gebucht. Kostenträger können auch die vom Betrieb erbrachten Leistungen sein, also neben Waren auch Dienstleistungen. Sie haben als Kalkulationsobjekte der Kostenträgerrechnung deren Kosten zu "tragen".

Beispiel[Bearbeiten]

Um etwa zu ermitteln, ob sich ein Produkt wie Schokoladenriegel rentiert, ist es notwendig, die Kosten, die mit seiner Produktion in Zusammenhang stehen, zu kennen. Das wären bei diesem Beispiel unter anderem Rohstoffe wie Kakao und Zucker, Mieten für Fabrikhallen, Anschaffungskosten für Maschinen und natürlich Lohnkosten. Der Kostenträger sagt also aus, wofür Kosten angefallen sind. Einige Kosten werden sich nie einem bestimmten Produkt (Kostenträger) zuordnen lassen, z. B. die meisten Verwaltungskosten. Solche Kosten werden als Gemeinkosten bezeichnet. Da man sie nicht ganz unter den Tisch fallen lassen kann – der Preis für den Schokoladenriegel soll ja auch die Verwaltungskosten decken – werden sie dann in der Kostenrechnung nach einem bestimmten Schlüssel auf die verschiedenen Kostenträger verteilt.

Kostenträgerzeitrechnung[Bearbeiten]

Die Kostenträgerzeitrechnung bestimmt die Kosten, die ein Kostenträger in einem bestimmten Zeitraum verursacht. Als Beispiel diene ein Beratungsunternehmen mit festangestellten Mitarbeitern, dessen Kapazitäten nicht immer ausgelastet sind. Der Kostenträger "Beratung" verursacht hohe Fixkosten, nämlich die Gehälter der Mitarbeiter. Diesen Kosten werden dann beispielsweise die monatlichen Einkünfte aus den Beratungsleistungen gegenübergestellt. So hat man immer einen guten Eindruck davon, wie profitabel das Unternehmen arbeitet. Eine Kostenträgerstückrechnung wäre in diesem Fall nicht sehr sinnvoll, da es keine "Stücke" gibt. Man könnte höchstens die Stunden bei Kunden, die stundenweise bezahlen, als Stücke betrachten. Aber wie in dem Beispiel mit der Softwarefirma sind auch hier die Stückkosten von der Anzahl der Stücke abhängig. Bei dem Beratungsunternehmen also vom Auslastungsgrad der Mitarbeiter.

Grenzen der Kostenträgerrechnung[Bearbeiten]

Die Kostenträgerrechnung ist in vielen Fällen nur bedingt geeignet, Entscheidungen über die Rentabilität eines Produkts zu treffen. Nehmen wir ein Beispiel aus der Softwarebranche. Eine Firma entwickelt zwei Produkte, A und B. Für Produkt B können Teile von A wiederverwendet werden. Das heißt B muss nicht völlig neu entwickelt werden. Wie steht es in diesem Fall mit den Kosten von B? Müssen zu den Entwicklungskosten von B nicht auch diejenigen für die von A wiederverwendeten Teile hinzugezählt werden? Dann wären sie aber zweimal vorhanden. Also gliedert man die gemeinsamen Kosten in einen Posten namens C aus. Das um C reduzierte A sei nun A'. Wie viel schlägt man nun A' und B jeweils von C zu? Die Hälfte oder macht man es anteilig zu den Kosten von A' und B? Beides würde zu einem verzerrten Bild führen. A (also inklusive C) könnte für sich genommen hochprofitabel sein. B ohne C könnte sich ebenfalls rentieren. Rechnet man nun einen Teil von C zu B hinzu, könnte B unrentabel werden. Das stimmt aber nicht, denn die Firma fährt in diesem Fall immer besser, wenn sie A und B entwickelt, als nur A. Eine schematische Anwendung der Kostenträgerrechnung würde also hier zu einer falschen Entscheidung führen.

Sinnvolle Verwendung der Kostenträgerrechnung[Bearbeiten]

Am Beispiel der Softwarebranche wird deutlich, dass Kosten oftmals nicht exakt einem bestimmten Produkt zugeordnet werden können. Man kann dann nur die Kosten bestimmen, die ein bestimmter Produktmix verursacht, und diesen mit den Kosten und natürlich Erlösen, die ein anderer Produktmix verursachen würde, vergleichen. Dabei kann die Verwendung der Kostenträgerstückrechnung und der Kostenträgerzeitrechnung hier unzweckmäßig sein. Stattdessen müssen die Kosten, die ein Produkt während seiner gesamten Lebenszeit verursacht, als Ausgangsbasis genommen werden.

Die Kostenträgerrechnung ist immer sehr hilfreich dabei, eine Vorstellung von den Kosten zu bekommen, die ein Produkt verursacht. Bei komplexen Produkten, z.B. Kraftfahrzeugen, ist sie geradezu unverzichtbar, wenn man nicht den Überblick verlieren will. Sie muss aber, wie die Beispiele gezeigt haben, auf die speziellen Bedingungen eines Unternehmens zugeschnitten werden. Eine rein schematische Verwendung könnte zu kostspieligen Fehlplanungen führen.

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  • Volker Schultz: Basiswissen Rechnungswesen. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2011, ISBN 978-3-423-50815-5.
  • Klaus Olfert: Kostenrechnung. NWB Verlag, 17. Aufl., Herne 2013, ISBN: 978-3-4705-1107-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kostenträger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen