Kraftwerk Heimbach

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Kraftwerk Heimbach
Das Wasserkraftwerk in Heimbach
Das Wasserkraftwerk in Heimbach
Lage
Kraftwerk Heimbach (Nordrhein-Westfalen)
Kraftwerk Heimbach
Koordinaten 50° 37′ 43″ N, 6° 27′ 7″ O50.6286111111116.4519444444444Koordinaten: 50° 37′ 43″ N, 6° 27′ 7″ O
Land Deutschland
Gewässer Urfttalsperre
Daten
Primärenergie Wasser
Leistung 16 MW[1]
Typ Speicherkraftwerk
Betreiber RWE Innogy
Betriebsaufnahme 8. August 1905
Turbine 2 Francis-Turbinen
Eingespeiste Energie im
Jahre
25[1] GWh
Website www.rwe-innogy.com

Das Kraftwerk Heimbach beziehungsweise das Urftkraftwerk, liegt in Heimbach in der Nordeifel. Es wurde im Verbund mit der Urfttalsperre gebaut und am 8. August 1905 in Betrieb genommen.[2] Das Wasserkraftwerk liegt zwar an der Rur, bezieht aber sein Wasser aus der Urfttalsperre über den Kermeterstollen, der 67 Höhenmeter oberhalb des Kraftwerkes in zwei Druckrohre übergeht und eine Wassermenge von 16 m³/s abgibt. Es war bei der Einweihung mit einer Leistung von 12 Megawatt das größte Speicher-Wasserkraftwerk Europas. Das Speicherkraftwerk wird betrieben von der RWE Innogy.

Schnittbild Kermeter mit Kermeterstollen

Das Elektrizitätswerk ist bis heute in Betrieb.[3] Die ursprüngliche Ausrüstung mit acht Francis-Turbinen, die jeweils einen eigenen Generator zu 1,5 MW antrieben, war fast 70 Jahre in Betrieb. Die Turbinen wurden 1975 außer Betrieb genommen und durch zwei neue Maschinen mit höherem Wirkungsgrad ersetzt. Von den alten Maschinen sind noch zwei an Ort und Stelle verblieben, da die neuen Stromerzeuger deutlich weniger Platz beanspruchen. Eine weitere steht am Moselkraftwerk Fankel, eine zu Schauzwecken im Kraftwerk Weisweiler und eine in Brauweiler. Seitdem hat die Anlage eine installierte Leistung von 16 MW zur Abdeckung von Spitzenlast, in Betrieb überwiegend in den Vormittagsstunden der Wochentage.[1][4] Dazu werden bis zu 18 m³ Wasser pro Sekunde benötigt. (Zum Vergleich: Die leistungsstärkste Windenergieanlage (Stand 2010) ist die Enercon E-126 mit 7,5 Megawatt installierter Leistung.) Bei maximaler Stauhöhe der Talsperre beträgt die Fallhöhe zum Kraftwerk 110 m.

Das Kraftwerk befindet sich in einem von dem Architekten Georg Frentzen entworfenen Jugendstil-Gebäude,[5] das wegen seiner vollständigen Erhaltung besonders sehenswert ist. Repräsentativer Blickfang im Inneren ist die Ausführung der Leitwarte zur Steuerung der Generatoren: Sämtliche Messgeräte und Schalter wurden aus Messing hergestellt und auf Grundplatten aus Marmor montiert. Die Leitwarte selbst befindet sich auf einer Empore über den Maschinen. Die beiden bergseitigen Türme erhielten bei der Renovierung von 1990 bis 1991 wieder ihre charakteristischen Aufsätze. Der Innenraum der Maschinenhalle wird von Eisenbinderkonstruktionen frei überspannt. Das Prunkstück ist eine Schaltanlage mit Marmortafeln in Mahagonigehäusen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der 1945 gesprengte Stollen

Am Ende der Schlacht im Hürtgenwald sprengten deutsche Truppen die aus dem Urftsee kommenden Druckrohre, um mit diesem Wasser ein Hochwasser im Fluss Rur zu erzeugen und den Vormarsch der Alliierten durch das Rurtal zu behindern.[6]

Im Buch von Hans-Dieter Arntz (Kriegsende 1944/1945 – Zwischen Ardennen und Rhein) heißt es auf Seite 169:

„Am Mittwoch, dem 7. Februar 1945, besetzte das dritte Bataillon des 311. US-Infanterie-Regiments eine kleine, sich verzweifelt wehrende Stellung deutscher Infanteristen. Der Marsch der Amerikaner auf den Damm der Rurtalsperre bei Heimbach begann. Doch an dieser Talsperre hatte General Rundstedt seine Sprengkommandos belassen. Am folgenden Tag, dem 8. Februar 1945, sprengten deutsche Pioniere die Verschlüsse an den Auslaufrohren des Kraftwerkes in Schwammenauel, und nun donnerten pro Sekunde 100 Kubikmeter Wasser in das Bett der Rur, so daß in den Niederungen des Flachlandes eine Überschwemmung verursacht wurde, die, wie sich mehrere Tage später herausstellte, doch nicht den erhofften Erfolg brachte.“

Diese Aktionen an Rurtalsperre und Kermeterstollen der Urftalsperre ließen den Wasserpegel der Rur um 50 bis 100 cm steigen.

Kultur[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Claudia Euskirchen, Olaf Gisbertz, Ulrich Schäfer (Bearb.): Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Rheinland. Deutscher Kunstverlag, München 2005, ISBN 3-422-03093-X, S. 461f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Heimbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Unsere Wasserkraftwerke in der Eifel - Daten und Fakten. RWE Innogy GmbH, abgerufen am 12. November 2013.
  2. Kraftwerk Heimbach wird 100. RWE Power AG, abgerufen am 12. November 2013.
  3. Wasserkraftwerke in der Eifel. RWE Innogy GmbH, 4. Oktober 2012, abgerufen am 12. November 2013 (PDF; 6,05 MB).
  4. Wasserinfos - Jugendstil-Kraftwerk und RWE Industriemuseum. In: Nationalparktor Eifel. Bernd Blumberg, abgerufen am 12. November 2013.
  5.  Georg Dehio, Ruth Schmitz-Ehmke, Ernst Gall (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Nordrhein Westfalen. Bd. 1. Rheinland (= Dehio-Handbuch). 2. überarbeitete Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 1. April 2005, ISBN 978-3-422-03093-0, S. 461f, DNB 967512581, OCLC 475205290.
  6. Charles B. MacDonald: The Last Offensive: Chapter IV: The Roer River Dams. In: United States Army in World War II: European Theater of Operations. HyperWar Foundation, abgerufen am 12. November 2013 (englisch).