Kusti

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Dieser Artikel behandelt die sudanesische Stadt. Zum Kusti-Gürtel im Zoroastrismus siehe Kusti (Zoroastrismus), für den finnischen Personennamen siehe Kusti (Vorname).

13.1732.66Koordinaten: 13° 10′ N, 32° 40′ O

Karte: Sudan
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Kusti
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Sudan
Kusti im Bundesstaat an-Nil al-abyad
Wohngebiet nahe Marktzentrum
Kenana-Zuckersäcke auf einem Eselkarren im Markt von Kosti
Seit Ende des Bürgerkriegs 2005 wird auch im islamischen Norden des Sudan in Kirchenneubauten investiert

Kusti (arabisch ‏كوستيKūstī; Alternativschreibung Kosti; im 19. Jahrhundert bekannt als Goz Abu Guma oder Gor-Abu-Gama) ist eine Stadt am Weißen Nil im sudanesischen Bundesstaat an-Nil al-abyad.

Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt auf etwa 390 Metern Höhe am westlichen Ufer des Weißen Nil, rund 260 Kilometer südlich von Khartum und damit in der Mitte der Verbindungsstraße von der Hauptstadt nach El Obeid. Gegenüber Kusti am östlichen Flussufer befindet sich Rabak, die Hauptstadt des Bundesstaates An-Nil al-abyad.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Für das Gebiet Kosti werden 316.647 Einwohner (Berechnung 2013) angegeben.

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr Einwohner[1]
1973 (Zensus) 65.404
1983 (Zensus) 91.946
1993 (Zensus) 173.599
2013 (Berechnung) 316.647

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der mit rund 12.000 Angestellten wichtigste Arbeitgeber in der Region ist die auf der östlichen Seite des Nil bei Rabak gelegene Kenana Sugar Factory. Es ist eine Aktiengesellschaft, an der außer dem sudanesischen Staat die Regierung von Saudi Arabien und unter anderem eine kuwaitische Gesellschaft und das britische Bergbauunternehmen Lonrho beteiligt sind. In den 1970er Jahren wurde der Zuckeranbau südlich der Gezira-Ebene unter Präsident Numairi mit Krediten der Weltbank massiv gefördert. Wegen Korruption und Missmanagement erwies sich das Kenana-Zuckeranbauprojekt anfangs als defizitär, seit der Rekordernte von 2001 ist Kenana eine der weltweit effizientesten Zuckerfabriken.[2] Ab 1990 begann Sudan mit dem Export von Zucker in benachbarte Länder.[3] 2006 betrug die Produktion 450.000 Tonnen, ein weiterer Ausbau der Kapazität, der Export in die Europäische Union nach 2009 und die Beteiligung am Geschäft mit Biokraftstoff sind geplant.[4] Die durch Kanäle bewässerten Zuckerrohrfelder befinden sich zwischen Kusti und Sennar. Östlich des Nil liegt auch das Bewässerungsprojekt der Asalaya Sugar Factory.

Kosti ist Umschlagplatz für den Baumwollanbau am Weißen Nil.

Wegen des Bürgerkriegs im Südsudan wurden 1982 die Pläne aufgegeben, in Kosti eine Ölraffinerie zu bauen. Als Alternative wurde 1985 von der Betreibergesellschaft White Nile Petroleum Company der Bau einer Pipeline aus dem Ölfördergebiet um Bentiu über Kosti bis zur Raffinerie bei Port Sudan beschlossen.[5] 2007 wurden ein neuer Vorschlag zum Bau einer Raffinerie in Kosti gemacht.[6]

Stadtbild[Bearbeiten]

Zentrum der Stadt ist das in einem rechtwinkligen Straßennetz angelegte Marktviertel Souq Kebir („großer Markt“) am Nilufer mit Flusshafen und dem Bahnhof südlich davon. Drei Kilometer entfernt in südwestlicher Richtung liegt ein neueres, flächenmäßig größeres Marktgebiet, der Souq Shabi („junger Markt“), mit kleinen Handwerksbetrieben und dem zentralen Busbahnhof. Um das Zentrum erstrecken sich weitläufige Wohngebiete.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnhof

Kosti ist mit Khartum über eine gute Asphaltstraße verbunden. Der Flusshafen dient dem Warenaustausch nilaufwärts über Malakal nach Juba. Der Betrieb des einst wöchentlich verkehrenden Passagierschiffes nach Juba wurde mit dem Beginn des Bürgerkriegs 1983 eingestellt und ist seither nicht wieder aufgenommen worden. Die wenigen Frachtkähne auf dem Nil befinden sich in schlechtem Zustand und sind bei Niedrigwasser zur Fahrtunterbrechung gezwungen. Flussab benötigen diese Schiffe von Juba 7 Tage, flussaufwärts sind es 21 Tage.[7] Der Hafen Kosti verfügt über keine Ladekräne.

Der Bahnhof (13° 9′ 53″ N, 32° 40′ 37″ O13.16472222222232.676944444444) von Kosti liegt an der Strecke zwischen Khartum und dem westlich in Darfur gelegenen Nyala. Der Passagierverkehr auf dieser Strecke wurde eingestellt. Wenige Kilometer im Osten der Stadt liegt die alte Kusti-Eisenbahnbrücke. Die Bahnverbindung mit Wau besteht wegen zerstörter Gleise südlich von Aweil nicht mehr.

Der Flughafen hat eine Flugbahnlänge von 1338 Meter und die internationale Kennung KST.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf der nahe gelegenen, 14 Kilometer langen Flussinsel Aba befindet sich die al-Kar-Moschee von Muhammad Ahmad, der hier lehrte und sich 1881 zum Mahdi erklärte. Die Insel ist über Rabak erreichbar und mit dem Festland durch einen Damm verbunden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.de[3] World Gazetteer
  2. Meghan Sapp: Sudan, securing its future in sugar. New Agriculturist, 1. November 2005
  3. Stephen Williams: Kenana hits record sugar harvest. (Version vom 16. Juli 2012 im Webarchiv Archive.today)
  4. Sugar factory in Sudan to double production. Agência de Notícias Brasil-Árabe - SP, 30. Januar 2007
  5. Sudanese Squabble Over Oil Revenues. Global Policy Forum, Juli 2000
  6. Fact Sheet II. The Economy of Sudan’s Oil Industry. (PDF; 350 kB) ECOS, October 2007
  7. River Transport and Barge Operations. UNJLC, 8. Dezember 2005