Kyrillos Loukaris

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kyrillos Loukaris

Kyrillos Loukaris (griechisch Κύριλλος Λούκαρις (Λούκαρης), auch Cyrill Lucaris, Cyrille Lucar; * 1572 in Heraklion; † 27. Juni 1638 am Bosporus) war ein griechischer Theologe, der sich der Bewegung der Reformation anschloss. Er übte als Kyrillos I. das Amt des Patriarchen von Konstantinopel aus.

Biografie[Bearbeiten]

Loukaris stammte aus Kreta und studierte in Padua, 1602 wurde er Patriarch von Alexandria. Zwischen 1622 und 1627 bereiste er Nord- und Westeuropa unter anderem mit Stationen in Bremen, Hamburg und Oxford. Für die Theologische Fakultät in Helmstedt schrieb er 1625 die "Konfession der orthodoxen Kirche", die 1661 gedruckt wurde. [1] 1638 ließ ihn der Sultan Murad IV. auf einem Schiff von Janitscharen umbringen. Am 6. Oktober 2009 wurde er von der Synode in Alexandria in den Kanon der Heiligen aufgenommen.

Wirken[Bearbeiten]

Mit Kyrillos Kontares lieferte sich Loukaris einen Machtkampf um das Amt des Patriarchen von Konstantinopel. Loukaris suchte die Unterstützung der Protestanten und ließ seine Confessio Fidei Orthodoxae 1629 in Genf erscheinen. In diesem Werk kritisierte er die orthodoxe Kirche und vor allem deren Bilderverehrung und die Fürbittegottesdienste für die Toten. In Anbetracht der Bedeutungslosigkeit des Calvinismus fürchtete er keine Konsequenzen im osmanischen Reich. Sein Gegner, Kyrillos Kontares, der vom Jesuitenkolleg Galata stammte, sicherte sich hingegen die Unterstützung der katholischen Kirche, die durchaus bestrebt war, in Konstantinopel Fuß zu fassen.

Loukaris trat mehrmals das Amt des Patriarchen an. Sein Gegenspieler und Nachfolger Kontares ließ ihn am 24. September 1638 zum Ketzer erklären, um so seine noch lebenden Anhänger auszuschalten. [2] Auswirkungen hatten seine Schriften auf das westliche Zarenreich (heutiges Polen, Ukraine, Rumänien), wo der Calvinismus auf fruchtbaren Boden stieß.

Eine Freundschaft verband ihn mit dem neo-aristotelischen Philosophen Theophilos Corydalleus, geistig stand ihm Johannes Cocceius nahe, jedoch ist mit ihm eine Freundschaft nicht schriftlich belegt.

Werke[Bearbeiten]

  • Confessio Fidei Orthodoxae, Genf 1629
  • Cyrille Lucar: Sermons 1598-1602, Herausgegeben von Keetje Rozemond in Leyden. Reprint: E.J. Brill, Leiden 1974, ISBN 90-04-03976-7

Quellen[Bearbeiten]

  • Edmund Heier: Das Lavaterbild im geistigen Leben Russlands des 18. Jahrhunderts (S. 44pp)
  • Gunnar Hering: Das ökumenische Patriarchat und europäische Politik 1620-1638, Wiesbaden 1968

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie in: W. J. van Asselt: The federal theology of Johannes Cocceius (1603-1669), S. 181
  2. Kirche im Osten Band 18/1975, S. 82