Iraklio

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Dieser Artikel erläutert die Stadt Iraklio auf Kreta; zu dem gleichnamigen Vorort von Athen siehe Iraklio (Attika), zur ehemaligen kretischen Präfektur siehe Iraklio (Präfektur). Heraklion ist außerdem der griechische Name der im 8. Jahrhundert untergegangenen ägyptischen Stadt Thonis.
Gemeinde Iraklio
Δήμος Ηρακλείου
Iraklio (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Kreta
Regionalbezirk: Iraklio
Geographische Koordinaten: 35° 20′ N, 25° 8′ O35.3325.13Koordinaten: 35° 20′ N, 25° 8′ O
Fläche: 245,12 km²
Einwohner: 173.450 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 707,6 Ew./km²
Gemeindelogo:
Gemeindelogo von Gemeinde Iraklio
Sitz: Iraklio
LAU-1-Code-Nr.: 910100
Gemeindebezirke: 5 Gemeindebezirke
Ortschaften: 24 Ortschaften
Website: www.heraklion-city.gr
Lage in der Region Kreta
Datei:2011 Dimos Irakliou.png

f9f8

Iraklio (griechisch Ηράκλειο (n. sg.), veraltet auch Iraklion, Heraklion, im Mittelalter Chandakas, in der Zeit der venezianischen Herrschaft Candia, danach türkisch Kandiye, griech. Megalokastro) ist die größte Stadt der südgriechischen Insel Kreta und der Sitz der Verwaltungsregion Kreta. Der Name leitet sich etymologisch ab von Herakles (s. Geschichte). Bei wissenschaftlicher Literatur ist zu berücksichtigen, dass selbst in neueren Texten auch der Name Hieraklion (ableitbar von Hieron) verwendet wird.[2][3][4][5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Iraklio ist mit offiziell 173.450 Einwohnern die viertgrößte Stadt Griechenlands und die größte nicht auf dem Festland gelegene Stadt des Landes. Die wirkliche Einwohneranzahl belief sich 2006 wahrscheinlich auf weit über 200.000. Iraklio ist Hauptstadt der Verwaltungsregion („Periferia“) Kreta und des Regionalbezirks Iraklio sowie neben Rethymno einer der beiden Standorte der Universität Kretas.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Iraklio liegt etwa in der Mitte der Nordküste der insgesamt 250 km langen und bis zu 70 km breiten Insel Kreta. Sie ist in einer Küstenebene vor einem fruchtbaren Hügelland direkt an einer Bucht der Ägäis gelegen, etwa vier Kilometer nördlich der Ruinen der minoischen Palastanlage von Knossos.

Kreta und damit auch Iraklio ist von April bis Oktober ein hochfrequentiertes Touristenziel. Die Entfernung zu den anderen Städten Kretas beträgt 130 km nach Chania, nach Rethymno 75 km, nach Agios Nikolaos 60 km, nach Ierapetra 90 km und nach Sitia 120 km.

Stadtgliederung und Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Stadtteile sind die früher selbständigen Gemeinden:

  • Iraklio,
  • Voutes,
  • Dafnes,
  • Skalanio
  • Stavrakia

Zum 1. Januar 2011 wurden ferner Gorgolaini, Temenos und Nea Alikarnassos eingemeindet.

Im Westen grenzt die Stadt jetzt an die Gemeinde Malevizi, im Süden an Gortyna, im Südosten an Archanes-Asterousia und im Osten an Chersonisos.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima Kretas ist mediterran geprägt. Von Januar bis März ist das Wetter meist unbeständig. Oft fällt in den Bergen Schnee. Ein schneller Temperaturanstieg ist für die Monate April und Mai typisch, die meisten Pflanzen haben während dieser Zeit ihre Hauptblüteperiode. Sehr heiß und überwiegend trocken sind die Monate Juni bis August. Ab September setzt eine langsame Abkühlung ein, die bis in den Oktober andauert. Durch die hohen Berge Kretas wechseln Wetterlagen häufig schnell und Winde kommen auf, die sich auch zu orkanartigem Sturm verstärken.[6]

Iraklio liegt an der Nordküste der Insel Kreta. Das Klima gilt hier als gemäßigt und trockenwarm. Von Mai bis September gibt es kaum Regenfälle, durchschnittlich scheint an 70 Prozent der Tage eines Jahres die Sonne.

Iraklio
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
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3.5
 
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1
 
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0.6
 
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18
 
26
19
 
 
65
 
23
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59
 
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13
 
 
78
 
17
11
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Hellenic National Meteorological Service, Klima Iraklio; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Iraklio
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 15,3 15,5 16,7 20,0 23,5 27,3 28,7 28,5 26,4 23,4 20,0 17,0 Ø 21,9
Min. Temperatur (°C) 9,0 8,9 9,7 11,8 15,0 19,1 21,6 21,8 19,3 16,5 13,4 10,8 Ø 14,8
Temperatur (°C) 12,1 12,2 13,5 16,5 20,3 24,4 26,1 26,0 23,5 20,0 16,6 13,7 Ø 18,8
Niederschlag (mm) 90,1 67,6 58,2 28,5 14,2 3,5 1,0 0,6 17,7 64,9 59,0 77,9 Σ 483,2
Sonnenstunden (h/d) 3,8 4,3 5,7 7,6 9,7 11,7 12,0 11,2 9,4 6,4 5,0 3,9 Ø 7,6
Regentage (d) 16,0 13,6 12,0 7,7 4,4 1,3 0,3 0,4 2,4 7,8 10,6 15,1 Σ 91,6
Wassertemperatur (°C) 16 15 16 16 19 22 24 25 24 23 20 17 Ø 19,8
Luftfeuchtigkeit (%) 68 67 66 62 61 57 57 58 61 66 67 68 Ø 63,2
T
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21,6
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21,8
26,4
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23,4
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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1,0
0,6
17,7
64,9
59,0
77,9
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten]

In minoischer Zeit lag in der Nähe der heutigen Stadt einer der vier Häfen von Knossos. Die Dorer (Ansiedlung auf Kreta seit 1100 v. Chr.) nannten den Ort Ἡρακλεία (Hērakleia)[7], was „Heraklesstadt“ bedeutet. Nach dem Mythos ging Herakles hier an Land, um den kretischen Stier zu fangen.

Mittelalter[Bearbeiten]

Bis zur arabischen Eroberung Kretas 824 teilte der Ort die Geschicke der übrigen Insel. Die Araber befestigten den Ort, den sie arabisch خندق (Ḫandaq, „Graben“) nannten, woraus griechisch Χάνδαξ (Chándax) bzw. Χάνδακας (Chándakas) wurde. Im Jahr 960 eroberte Nikephoros Phokas Chándax für das Byzantinische Reich und vertrieb die Araber aus Kreta. Der Bischofssitz Kretas wurde von Gortyn nach Candia verlegt. Bis ins 11. Jahrhundert zogen viele Griechen vom Festland und aus Kleinasien in die aufstrebende Stadt.

Ansicht von Candia 1595
Die Belagerung von Candia, Stich von Visher, 1680

Bei der Zerschlagung des Byzantinischen Reiches durch den 4. Kreuzzug sollte Kreta zunächst an den lombardischen Markgrafen Bonifatius I. von Montferrat fallen. Der war jedoch an Saloniki mehr interessiert und tauschte es mit der Republik Venedig. Die unter den Venezianern italianisierte Version des Namens der Stadt, Candia, übertrug sich auch auf die ganze Insel Kreta. Candia wurde Residenz des von der Republik Venedig eingesetzten Duca, des „Herzogs von Kreta“. Erster Herzog war Jacopo Tiepolo. Die Stadt wurde Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs. Die von der Markusrepublik neu zusammengesetzte grundbesitzende Aristokratie der Insel musste in der Stadt Candia präsent sein und standesgemäße Wohnsitze unterhalten. Durch drastische Steuererhöhungen provozierten sie Aufstände. Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wurde Candia ein geistig-kulturelles Zentrum im östlichen Mittelmeer. Die kretische Malerschule mit ihren bedeutendsten Vertretern Michael Damaskenos und Domenikos Theotokopoulos (El Greco) entstand.

Ab 1462 wurden die Befestigungen der Stadt wegen der wachsenden osmanischen Bedrohung ständig erweitert.

Neuzeit[Bearbeiten]

Hafen mit Festung Koules (Rocca al Mare)

Ab 1648 belagerten die Osmanen die Stadt. Die 21 Jahre währende Belagerung von Candia ging als längste Belagerung in die Geschichte ein. Nach blutigen Kämpfen, bei denen die Venezianer 30.000 und die Osmanen 120.000 Mann verloren haben sollen, eroberten die Türken die Stadt und damit ganz Kreta. Unter der türkischen Herrschaft verlor die nun Kandiye genannte Stadt viel von ihrer Bedeutung an Canea, das heutige Chania. Nach der Eroberung durch die Türken taucht neben der türkischen Form Kania der neugriechische Name Μεγάλο Κάστρο auf (Megálo Kástro, ‚große Burg‘, vom lateinischen castrum entlehnt).

Den Namen Megalokastro führte die Stadt auch noch, nachdem Kreta 1898 autonom geworden war. Der Unabhängigkeit der Insel vorausgegangen war unter anderem ein großes Massaker von Türken am griechischen Bevölkerungsteil Heraklions. Mehrere hundert Christen starben. Dabei wurden auch der britische Konsul und 17 britische Soldaten getötet.[8][9] Mit der Autonomie Kretas begann der Wiederaufstieg von Iraklio. Nach dem Anschluss Kretas an Griechenland 1913 wurde in Anlehnung an den antiken Namen die hochsprachliche Form Ἡράκλειον (Iráklion) als Name angenommen.

Die kleinasiatische Katastrophe brachte im Jahr 1923 innerhalb weniger Tage 20.000 Griechen aus der Gegend um Smyrna nach Iraklio. 8.000 Flüchtlinge wurden in dem neuen Stadtteil Nea Alikarnassos östlich der alten Festungsmauern angesiedelt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Iraklio am 14. Mai 1941 von der deutschen Wehrmacht zur Vorbereitung des Überfalls auf Kreta bombardiert und schwer zerstört. Der Wiederaufbau der inzwischen ins Umland wuchernden Stadt war weitgehend planlos und wurde durch eine enorme Zunahme der Einwohnerschaft, wilde Bautätigkeit und Bodenspekulation gekennzeichnet.

Seit 1972 ist die Stadt Verwaltungssitz der ganzen Insel, seit der Sprachreform 1976 unter dem volkssprachlichen Namen Ηράκλειο (Iráklio).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Seit dem Anschluss an Griechenland erlebt die Stadt ein außerordentliches Bevölkerungswachstum.

Obwohl Iraklio im Zweiten Weltkrieg schwere Zerstörungen erlitt, suchten viele Menschen aus den vom Krieg heimgesuchten kretischen Bergdörfern in der Stadt eine neue Existenz. In den Randbezirken entstanden Slums. Teilweise erst in den 1960er Jahren wurden sie durch einfache Wohnanlagen ersetzt. Die Landflucht hielt jedoch an, neue Stadtviertel wucherten ohne städtebauliche Planung.

Durch die Eingemeindungen Anfang 2011 wurde Iraklio zur (nach der Einwohnerzahl) viertgrößten Stadt in Griechenland.

Bevölkerungsentwicklung Stadt Iraklio
Einwohnerzahlen
Jahr 1800 1850 1900 1920 1928 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011
Einwohner 15.000 18.910 22.501 29.491 39.231 54.878 63.765 84.354 111.335 120.563 137.711 173.450
Quellen: I. Perdikogianni: A Study of evolution, eprints.ucl.ac.uk (PDF) Iraklio-Chania National Statistic Service of Greece:
Statistisches Jahrbuch 2006 statistics.gr S. 44
Volkszählung 2011[10]

Politik[Bearbeiten]

Parteien[Bearbeiten]

Politisch sehen sich die Kreter als Erben von Eleftherios Venizelos mehrheitlich der linken Mitte verbunden. Besonders deutlich kam das antimonarchistische Erbe Venizelos’ bei dem Referendum 1974 zum Ausdruck, als nur eine verschwindend kleine Minderheit für die Beibehaltung der Monarchie votierte.

Seit 1974 erzielte in Iraklio die sozialistische PASOK – wie in ganz Kreta – in allen Parlamentswahlen den größten Stimmenanteil, auch bei den Wahlen, bei denen sie auf nationaler Ebene teils deutlich hinter der konservativen Nea Dimokratia zurückgeblieben war. Bei der Wahl 2012 erhielt die linksradikale SYRIZA die meisten Stimmen.

Parlamentswahlen[Bearbeiten]

Parteien 1996 [11] 2000 [12] 2004 2007 [13] 2009 [14] Juni 2012 [15]
PASOK 51,0 % 54,2 % 52,7 % 51,2 % 62,7 % 18,6 %
Nea Dimokratia 30,8 % 32,3 % 37,4 % 32,6 % 23,7 % 20,1 %
Synaspismos / SYRIZA 6,6 % 4,3 % 4,2 % 6,3 % 3,7 % 33,6 %
KKE 4,8 % 4,4 % 4,5 % 5,6 % 4,4 % 3,0 %
LAOS 0,7 % 1,9 % 2,1 % 0,8 %
DIKKI 3,8 % 3,4 %
ANEL 8,0 %
DIMAR 7,9 %

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Giannis Kourakis (* 1955); er war bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister im Jahre 2003 seit 1993 Parlamentsabgeordneter der PASOK und Staatssekretär für Sport.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswerte Bauwerke[Bearbeiten]

Die venezianische Loggia
Marktplatz
Morosini-Brunnen
Grabinschrift Nikos Kazantzakis
  • Die Hafenfestung Koules aus dem 16. Jahrhundert am venezianischen Hafen, an dem auch die venezianischen Arsenale (Lagerhallen) erhalten sind, schützte lange Zeit den Zugang zu einem der wichtigsten Häfen der Republik Venedig.
  • Der 5,5 Kilometer lange Ring der venezianischen Festungsmauern mit den vorgelagerten Bastionen und Wallgräben, die der türkischen Belagerung 21 Jahre lang standhielten, ist, von Grünanlagen gesäumt, praktisch vollständig erhalten.

Weitere sehenswerte bauliche Zeugnisse der venezianischen Vergangenheit konzentrieren sich im Stadtzentrum:

  • Die zweigeschossige venezianische Loggia, 1626–1628 in italienischem Renaissancestil erbaut, war mit ihrem Arkadengang in venezianischer Zeit das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Im rückwärtigen Teil befindet sich heute das Rathaus.
  • Die Agios-Titos-Kirche, dem ersten Bischof von Kreta geweiht, wurde während der Türkenherrschaft zur Moschee umgebaut. Sie beherbergt mit dem in Gold gefassten Schädel des Heiligen Titos eine hoch verehrte Reliquie.
  • Der Morosinibrunnen [auch Löwenbrunnen] (erbaut 1628) auf der von zahlreichen Straßencafés umgebenen Platia Venizelou bildet das Herz der Stadt. Der aus acht reliefgeschmückten Wasserbecken mit einer von vier steinernen Löwen getragenen Wasserschale in der Mitte bestehende Brunnen wurde über ein 15 km langes Aquädukt aus den Quellen von Archanes gespeist.
  • In der Marktstraße Odos 1866 herrscht vormittags lebhaftes Gedränge an den Marktständen, die Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände aller Art feilbieten. In den Seitengässchen befinden sich zahlreiche Lokale.
  • Auf der Martinengo-Bastion am südlichsten Punkt der venezianischen Stadtmauer liegt das Grab des in Iraklio geborenen und aufgewachsenen Dichters Nikos Kazantzakis (1883–1957), des Schöpfers des „Alexis Sorbas“, dem wegen seiner unorthodoxen Ansichten die Bestattung auf einem Kirchhof verweigert wurde.
    Es trägt die vom Dichter selbst gewählte bekannte Grabinschrift:
Δεν ελπίζω τίποτα. Δε φοβʊμαι τίποτα. Είμαι λέφτερος.
„Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“

Museen[Bearbeiten]

  • Das Archäologische Museum an der Platia Eleftherias, dem Verkehrsknotenpunkt im Stadtzentrum, bietet einen weltweit einzigartigen Überblick über die minoische Kultur.
  • Das Historische Museum (Odos Sofoklis Venizelou) bietet Einblicke in die kretische Kultur von der frühchristlichen bis in die Neuzeit. Schwerpunkte bilden die byzantinisch-mittelalterliche Sammlung (mit dem einzigen Gemälde El Grecos auf Kreta), die Ausstellung über die kretischen Aufstände und eine volkskundliche Sammlung. In einem Nikos-Kazantzakis-Saal finden sich Erinnerungen an den Schriftsteller. Auch der deutsche Überfall auf Kreta und die Besatzungszeit werden behandelt.
  • Das Byzantinisches Museum in der Kirche Agia Ekaterini an dem gleichnamigen Platz zeigt Ikonen- und Fresken.
  • Das Naturhistorisches Museum auf der Sofokli-Venizelou gelegen, ermöglicht einen Einblick in die Flora und Fauna des östlichen Mittelmeerraumes u. a. mit einem lebensgroßen Exponat eines Dinotheriums und einem Erdbebensimulator

Cretaquarium[Bearbeiten]

Das Cretaquarium ist ein öffentliches Schauaquarium. Es wurde 2005 eröffnet und zeigt schwerpunktmäßig die Meerestiere des Mittelmeers.

Sport[Bearbeiten]

Mit OFI Kreta und Lyttos Ergotelis kann Iraklio zwei Fußballvereine vorweisen, welche in der höchsten griechischen Spielklasse, der Super League, vertreten sind. OFI trägt seine Heimspiele im neuen Theodoros-Vardinogiannis-Stadion (auch "Gedí Koulé" Γεντί Κουλέ genannt) aus, Lyttos Ergotelis im Pankritio Stadio, welches auch Austragungsort einiger Begegnungen der Olympischen Spiele 2004 war.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt besitzt den wichtigsten Hafen von Kreta mit regelmäßigen Fährverbindungen nach Piräus (ANEK Lines-Superfast, Minoan Lines), Santorin (Anek/Aigaion Pelagos, Hellenic Seaways, SeaJet), Milos (Anek/Aigaion Pelagos), Sitia-Kassos-Karpathos-Chalki-Rhodos (Anek/Aigaion Pelagos). Während der Urlaubersaison legen häufig Kreuzfahrtschiffe an.

Der Flughafen der Stadt ist der größte und verkehrsreichste der Insel. Er liegt nur ungefähr drei Kilometer vom Zentrum entfernt im Osten der Stadt (Bezirk Nea Alikarnassos) und ist benannt nach dem Schriftsteller Nikos Kazantzakis. Die Einrichtungen werden sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Speziell der Sommer hat ein sehr hohes touristisches Verkehrsaufkommen an Flügen in viele europäische Städte, v. a. im deutschsprachigen Raum, Skandinavien, Großbritannien, Russland und Osteuropa. Innergriechisch gibt es ganzjährig eine dichte Frequenz an Flügen nach Athen. Ein neuer Flughafen soll 2015 im 36 km südöstlich von Iraklio entfernten Kastelli eröffnet werden.[16]

Den öffentlichen Verkehr auf der Insel wickeln fast ausschließlich die Busse der griechischen Gesellschaft KTEL ab. Es gibt Busverbindungen zu fast allen Orten Kretas, tagsüber stündlich nach Rethymno, Chania und in Gegenrichtung nach Sitia und Ierapetra.

Auch der öffentliche Stadtverkehr wird über ein dichtes Bus-Liniennetz betrieben.

Im Süden der Stadt verläuft die sogenannte New Road, eine autobahnähnliche Schnellstraße, welche hier für beide Richtungen zwei oder mehr Fahrspuren besitzt und Iraklio mit Agios Nikolaos im Osten und Rethimno und Chania im Westen verbindet.

Kreta verfügt über keine Eisenbahn.

Medien[Bearbeiten]

In Iraklio werden die Tageszeitungen Patris und Messogios herausgegeben, ferner hat hier der TV- und Radiosender Crete TV & Radio 98,4 FM (ΚΡΗΤΗ TV) seinen Sitz, der auch die Zeitung Nea Kriti herausgibt, sowie die TV-Station Creta Channel (Παγκρήτια Τηλεόραση) und unter anderem die Radiosender Heraklio 106,2 FM, Super Radio 90,4, Yperychos 92,1 FM und Studio 19 FM 101,9.

Universität Kreta[Bearbeiten]

Iraklio ist einer der beiden Standorte der Universität Kreta.

Die Pläne zur Gründung einer Universität auf Kreta traten in den 1960er-Jahren in eine entscheidende Phase. Erbittert stritten die kretischen Städte um den Sitz der Universität. Der aus Rethymno stammende General Stylianos Pattakos, als Innenminister lange Zeit „zweiter Mann“ des Militärregimes, erreichte, dass der Sitz seiner Heimatstadt zugesprochen wurde. Diese Entscheidung wurde nach dem Zusammenbruch der Juntaherrschaft in Frage gestellt. Ministerpräsident Konstantin Karamanlis löste den Streit durch einen Kompromiss: Iraklio erhielt die medizinisch-naturwissenschaftlichen und Rethymno die geisteswissenschaftlichen Fakultäten, Chania wurde Sitz der staatlichen Technischen Universität Kreta.

Während in Rethymno die geisteswissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt sind, befinden sich die medizinisch/naturwissenschaftlichen in Iraklio, die Fakultäten für Medizin, Physik, Chemie, Biologie, Mathematik, Informatik und angewandte Mathematik. Eine neue Fakultät für Materialforschung und -technologie ist hinzugekommen.

Die 1973 gegründete Universität nahm 1984 den Lehrbetrieb auf. Seit 1989 arbeitet die Medizinische Fakultät auf einem Campusgelände bei Voutes, 7 km südwestlich des Stadtzentrums, mit einem neu errichteten Universitätsklinikum mit einer Kapazität von 820 Betten. Hier wurden auch die neuen Gebäude der Fakultäten für Physik und Biologie fertiggestellt. Für die weiteren Fakultäten ist die Errichtung neuer Gebäude noch im Gange.

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten]

Folgende weiteren wissenschaftlichen Instituten und Forschungszentren befinden sich in Iraklio:

  • Institut für technologische Erziehung, entspricht den deutschen Fachhochschulen mit Bachelor und Masterstudiengängen (Technological Educational Institute, T. E. I.);[17]
  • Foundation for Research & Technology - Hellas (FORTH) mit Instituten für Elektronenstruktur und Laser, Molekularbiologie und Biotechnologie, Informatik, angewandte und Computermathematik, Mittelmeerstudien, Chemotechnologie und chemische Hochtemperaturprozesse und einem biomedizinischen Forschungsinstitut, ferner dem Skinakas-Observatorium und dem Wissenschaftsverlag Crete University Press (CUP);
  • Science and Technology Park of Crete (STEP-C), ein Forschungs- und Technologiepark im Rahmen des FORTH;
  • Hellenic Centre for Marine Research, ein staatliches Forschungszentrum für Ozeanographie, Meeresbiologie, Binnengewässer, Aquakultur;[18]
  • CretAquarium, das größte Aquarium im östlichen Mittelmeer[19][20]

An der Europäischen Schule in Iraklio wird in englischer Sprache unterrichtet.

Europäische Einrichtung[Bearbeiten]

In Iraklio befindet sich ferner das Hauptquartier der Europäischen Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA), einer Einrichtung der Europäischen Union.[21]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iraklio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Griechischen Statistischen Amt ELSTAT
  2. N. Creutzburg: Die paläogeographische Entwicklung der Insel Kreta vom Miozän bis zur Gegenwart. – Kretika Chronika. – Hieraklion. (1963) S. 70. In: Leo Hautzinger: Ann. Naturhistor. Mus. Wien, 81, S. 31–73 Wien, Februar 1978, landesmuseum.at (PDF; 4,8 MB).
  3. Holger H. Dathe: Hylaeus (Spatularicella) longimaculus, Fundorte 1942 Hieraklion. 1981, landesmuseum.at (PDF; 3,5 MB)
  4. Josef J. de Freina: P. minoica sp. n., Fundort nach REISSER 1958 und 1962 in Dorf etwa 25 km SW Hieraklion. In: Mitt. Münch. Ent. Ges., 96, München, 30. September 2006, S. 21–27, ISSN 0340-4943
  5. Irina Laube u. a.: Niche availability in space and time: migration in Sylvia warblers. International conference of the International Biogeographic Society, 7.–11. Januar 2011, Hieraklion, Greece, S. 2, bik-f.de (PDF; 145 kB).
  6. Klima Kreta
  7. Die antike griechische Stadt Ἡράκλειον (Hērakleion) lag in Makedonien.
  8. Egbert Scheunemann: Rebellen auf Kreta. ISBN 3-8370-0553-4, S. 234, abgefragt am 24. August 2011.
  9. Crete’s Union with Greece. Pancretan association of Melbourne Australia (englisch), abgefragt am 24. August 2011.
  10. statistics.gr (PDF)
  11. Parlamentswahl 1996
  12. Parlamentswahl 2000
  13. Parlamentswahl 2007
  14. Parlamentswahl 2009
  15. Parlamentswahl Juni 2012
  16. Heraklion Aerport. Guide of Heraklion Aerport in Crete, Greece. www.heraklion-airport.info, abgerufen am 16. Juli 2012 (englisch).
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWebsite. Institut für technologische Erziehung, abgerufen am 9. Mai 2008.
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWebsite. Hellenic Centre for Marine Research, abgerufen am 9. Mai 2008.
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWebsite. CretAquarium, abgerufen am 9. Mai 2008.
  20. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEberhard Fohrer: CretAquarium: das größte Meeresaquarium im östlichen Mittelmeer. Abgerufen am 9. Mai 2008.
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWebsite. Europäische Agentur für Netz- und Informationssicherheit, abgerufen am 9. Mai 2008.