Landesvertretung Hessen (Bonn)

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Ehemaliges Gebäude der hessischen Landesvertretung, Kurt-Schumacher-Straße 8 (2013)
Doppelvilla Kurt-Schumacher-Straße 4/6 (2013)

Die Hessische Landesvertretung beim Bund hatte von 1949 bis 2000 ihren Sitz im Bonner Parlaments- und Regierungsviertel. Die ehemaligen Gebäude der Landesvertretung, zwei denkmalgeschützte Villen, befinden sich im Ortsteil Gronau an der Kurt-Schumacher-Straße (Hausnummern 4–8) im Zentrum des Bundesviertels gegenüber dem Schürmann-Bau.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Villa Kurt-Schumacher-Straße 8[1] entstand 1921/22 für den Bauherrn W. Hamacher nach Plänen des Bonner Architekten und Regierungsbaumeisters Julius Rolffs. 1946 wurde der mittlere Dachstuhl in Folge eines Brandschadens erneuert.[2]

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland geworden war, befand sich die Villa inmitten des neuen Parlaments- und Regierungsviertels. Noch im gleichen Jahr ging das Anwesen nach einem Zwischenankauf durch Nordrhein-Westfalen und der Ausquartierung hier vom Wohnungsamt eingewiesener Mieter[3] ins Eigentum des Landes Hessen über, dessen Landesvertretung nun vom Länderrat der Bizone in Frankfurt am Main an den neuen bundesdeutschen umzuziehen hatte. In diesem Zusammenhang wurde 1950 das Dachgeschoss des Hauses ausgebaut.[2] Aufgrund von Verzögerungen bei der Räumung des Gebäudes richtete Hessen die Büros seiner Landesvertretung mit zu Beginn 15 Mitarbeitern jedoch in Mietobjekten im Norden des Ortsteils Kessenich (Scharnhorststraße 12/14, heute Aloys-Schulte-Straße) ein und nutzte die Liegenschaft in der Gronau fortan nur als Gästehaus und für repräsentative Anlässe.[4] Der Umbau des Gebäudes zum Hauptsitz der hessischen Landesvertretung erfolgte im Jahre 1964.[2] 1978 ließ Hessen die Villa im Innern vollständig umbauen und um einen rückwärtigen Neubau mit einem eingeschossigen Verbindungsbau erweitern, der als Gästehaus mit einem großen Veranstaltungsraum und einer „Hessenstube“ diente.[2][5] 1982/83 verlegte das Land Hessen seine Büroräume in die benachbarte Doppelvilla Kurt-Schumacher-Straße 4/6.

Im Zuge der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes (1999/2000) zog die hessische Landesvertretung mit zuletzt 35 Mitarbeitern[6] im Herbst 2000 nach Berlin um. Das bisherige Bürogebäude wurde im Oktober 2000, das bisherige Gästehaus im November 2000 verkauft. Letzteres nahm zeitweise (Stand: 2004) Büros der gegenüberliegenden Deutschen Welle sowie die Bibliothek des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern auf.[5] Die ehemaligen Bonner Gebäude der Landesvertretung, zwei geschützte Baudenkmäler, werden derzeit von privaten Unternehmen genutzt.[7]

Die Eintragung der Villa Kurt-Schumacher-Straße 8 – aufgrund der Veränderungen bei dem Umbau von 1978 nur mit ihrem äußeren Baukörper – in die Denkmalliste der Stadt Bonn erfolgte am 20. Dezember 2001. Die Vorgartezone mit originaler Gittereinfriedung sowie der rückwärtige Park stehen als Teil des Anwesens unter Denkmalschutz, nicht jedoch der rückwärtige Erweiterungsbau.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerstin Wittmann-Englert, René Hartmann (Hrsg.): Bauten der Länder. Die Landesvertretungen in Bonn, Berlin und Brüssel, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2013, S. 34–35. ISBN 978-3-89870-796-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landesvertretung Hessen (Bonn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ehemals Kurt-Schumacher-Straße 4, bis 1968 Drachenfelsstraße 4 (→ Liste der Straßen im Bonner Ortsteil Gronau)
  2. a b c d e Bundesstadt Bonn, Untere Denkmalbehörde: Denkmalliste der Stadt Bonn (Anlage: Baubeschreibung Villa Kurt-Schumacher-Straße 4, Bonn, 18. Dezember 2001)
  3. Stadt Bonn, Stadtarchiv (Hrsg.); Helmut Vogt: „Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“. Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50, Bonn 1999, ISBN 3-922832-21-0, S. 56.
  4. Landesvertretungen: Hessen – Hessenfest hatte legendären Ruf, General-Anzeiger, 12. September 2011
  5. a b Die Hesse komme – Und dann gingen sie doch, General-Anzeiger, 11. Juni 2004
  6. Verkaufen, vermieten, verwerten: Abschied der Länder, General-Anzeiger, 9. Februar 1998, Stadtausgabe Bonn, Seite 3
  7. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 36, Nummern A 543 und A 3751

50.7174987.127644Koordinaten: 50° 43′ 3″ N, 7° 7′ 40″ O