Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom

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Klassifikation nach ICD-10
Q87.8 Sonstige näher bezeichnete angeborene Fehlbildungssyndrome, anderenorts nicht klassifiziert
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Das Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom (LMBBS) ist eine angeborene und nicht ursächlich heilbare Behinderung auf der Grundlage einer autosomal-rezessiv vererbbaren Genmutation an zwölf möglichen Genen. Es wurden früher zwei Syndromtypen unterschieden: Laurence-Moon-Syndrom und Biedl-Bardet-Syndrom. International wird inzwischen in die Typen 1 bis 12 eingeteilt, je nachdem welches Gen betroffen ist. Das Syndrom gehört zur Gruppe der Ziliopathien

Auftretenshäufigkeit und Entstehung[Bearbeiten]

Das LMBB-Syndrom ist vergleichsweise selten. Die durchschnittliche Auftrittswahrscheinlichkeit des Biedl-Bardet-Typs beträgt zwischen 1:160.000 und 1:15.000, der Laurence-Moon-Typ ist noch seltener.

Grundlage dieser Behinderung ist eine Genmutation, die relevanten Genorte für den Biedl-Bardet-Typ sind 16q21 und 11q13. Was durch die Mutation hervorgerufen wird, ist bislang unklar; in Betracht kommen könnten eine Enzymopathie, eine Störung der hypothalamo-hypophysären Funktion oder ein Kinesin-Defekt. Etwa 50 % der Kinder mit dem Syndrom stammen aus inzestuösen Beziehungen (Verwandtenverbindungen).

Heterozygote Träger der Mutation sind gesund, für sie besteht kein erhöhtes Risiko, typische Manifestationen des Syndroms wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder eine Nierenkrankheit zu entwickeln.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Syndrom wurde unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten erstmals beschrieben zu verschiedenen Zeiten von John Laurence (1866, Fachgebiet Augenheilkunde), seinem Kollegen Robert Charles Moon (Fachgebiet Augenheilkunde), Georges Bardet (Anfang 20. Jahrhundert, Fachgebiet Allgemeinmedizin) und Artur Biedl (Anfang 20. Jahrhundert, Fachgebiet Endokrinologie). 1925 wurden die Forschungen zur Symptomatik vorerst abgeschlossen und das Behinderungsbild bekam den Namen Laurence-Moon-Bardet-Biedl-Syndrom, der später zu Bardet-Biedl-Syndrom verkürzt wurde.

Merkmale[Bearbeiten]

Im Bereich der klinischen Symptomatik wird unterschieden in das Laurence-Moon-Syndrom (ohne Polydaktylie und Adipositas, dafür aber mit Paraplegie und Muskelhypotonie) und das Bardet-Biedl-Syndrom (mit Polydaktylie, Adipositas und Besonderheiten der Nieren). Nicht alle Menschen mit dieser Besonderheit zeigen alle Merkmale und nicht alle Merkmale sind in gleich starker Ausprägung nachweisbar; es muss bei der Diagnose eine starke intrafamiliäre Expressivität beachtet werden. Gehäuft sind bei Menschen mit dieser Genmutation folgende Kennzeichen festzustellen:

Behandlung und Differentialdiagnostik[Bearbeiten]

Das Syndrom ist nicht ursächlich heilbar, lediglich die Symptome können behandelt werden. Als Differentialdiagnose kommen das Alström-Syndrom, das Börjeson-Forssman-Lehmann-Syndrom, das Prader-Willi-Syndrom, das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom und das Cohen-Syndrom in Frage.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Neuhäuser: Syndrome bei Menschen mit geistiger Behinderung. Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen. 3. Auflage. Lebenshilfe-Verlag, Marburg 2010, ISBN 978-3-88617-315-0
  • Regine Witkowski u. a.: Lexikon der Syndrome und Fehlbildungen. Ursachen, Genetik und Risiken. Springer, Berlin 2003, ISBN 3-540-44305-3

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael P Webb, et al.: Autosomal recessive Bardet-Biedl syndrome: first-degree relatives have no predisposition to metabolic and renal disorders. In: Kidney International. 76, Nr. 2, 2009, S. 215-223. doi:10.1038/ki.2009.116. PMID 19367329.
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