Augenlid
Ein Augenlid (lat. Palpebra, griech. Blepharon) ist eine dünne, aus Muskeln, Drüsen, Bindegewebe und Haut bestehende Falte, welche die vordere Begrenzung der Augenhöhle (Orbita) bildet. Man unterscheidet ein Ober- und ein Unterlid, die Öffnung zwischen beiden wird Lidspalte genannt. Die schläfen- und nasenseitige Stelle, an denen beide sowohl in geöffnetem, als auch geschlossenem Zustand zusammentreffen, bezeichnet man als Lidwinkel. Die Linie zwischen beiden Lidwinkeln nennt man Lidachse.
Allgemein dienen die Augenlider dem Schutz und der Feuchthaltung des Auges und können dieses vollständig bedecken. Dadurch halten sie äußere Einwirkungen vom Auge ab und seine empfindlichen Vorderabschnitte mit Hilfe von Tränenflüssigkeit sauber und feucht. Aufbau und Struktur können sich je nach Tierart unterscheiden, wobei nicht alle Arten über Augenlider verfügen. Das je nach Spezies unterschiedlich ausgebildete „dritte Augenlid“ wird als Nickhaut bezeichnet.
Einige Muskeln, die für die Bewegung der Lider zuständig sind, gehören zur Gruppe der mimischen Gesichtsmuskulatur und unterstreichen damit die wichtige Rolle der Augenlider bei der Bildung des Gesichtsausdrucks und der Mimik.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Funktion
Die Augenlider erfüllen zwei Hauptfunktionen. Sie dienen zum Einen dem Schutz des Auges vor jedweder Form von Berührung, Fremdkörpern, Verletzungen, Licht, mechanischen, chemischen und anderweitigen schädlichen und ungewollten Einwirkungen. Das Schließen und Öffnen der Augenlider wird Lidschlag genannt, allgemein auch Blinzeln. Die Schließbewegung erfolgt dabei entweder willkürlich, oder aber unwillkürlich über den sogenannten Lidschlussreflex. Dieser schließt beim Eintritt entsprechender Reize die Augenlider innerhalb von etwa 300 Millisekunden vollständig, wobei seine Reizschwelle durch bestimmte Krankheiten herabgesetzt sein kann.[1] Zum anderen sorgt ein regelmäßiger Lidschlag dafür, dass die empfindliche Hornhaut (Kornea), die einen wesentlichen Anteil an der Lichtbrechung und somit an einem einwandfreien Sehvorgang hat, sowie der vordere Teil der Lederhaut (Sklera) jederzeit ausreichend mit Tränenflüssigkeit benetzt und damit vor dem Austrocknen bewahrt werden.[1] Die Häufigkeit des Lidschlags beträgt beim Menschen etwa 10–12 Lidschläge pro Minute,[2] wobei Frauen schneller und öfter blinzeln als Männer.[3]
Das Verschließen der Augenlider findet in der Regel über das Zusammenwirken von Ober- und Unterlid statt. Ausnahmen hiervon bilden beispielsweise Kolibris und Papageien, bei denen lediglich das Oberlid für den Lidschluss zuständig ist. Bei Enten- und Hühnervögeln hingegen erfolgt das Schließen der Lider durch eine Bewegung des Unterlides nach oben.[4]
Mit einigen Ausnahmen, zum Beispiel bei Hasen, sind die Augenlider während des Schlafens geschlossen. Bei manchen Tieren können Nickhaut und Lider auch sekundäre Signalfunktionen übernehmen.[4]
Über die Schutz- und Versorgungsfunktion hinaus spielen die Augenlider eine nicht unerhebliche Rolle für die Bildung des Gesichtsausdrucks und der Mimik. An ihnen lässt sich ein Eindruck über die momentane Verfassung und auch die Gesamtpersönlichkeit ableiten, kennzeichnen sie doch beispielsweise einen erschreckten oder ängstlichen Blick, sowie den Ausdruck von Freude, Trauer oder Müdigkeit.[5]
[Bearbeiten] Anatomie und Struktur
Die Augenlider gehören zu den sogenannten Anhangsorganen des Auges. Als paariges Organ bestehen sie aus einem, häufig etwas größeren, Oberlid (Palpebra superior) und einem Unterlid (Palpebra inferior). Zwischen beiden befindet sich die Lidspalte (Rima palpebrarum). Beide Augenlider stoßen an den Seiten im Lidwinkel (Angulus oculi oder Canthus) zusammen und sind über zwei Bänder, das Ligamentum palbebrae mediale und Ligamentum palbebrae laterale, mit dem medialen und lateralen Rand der Augenhöhle verbunden.
Bei den Schlangen, der Johannisechse und einigen Geckos sind die Lider zusammengewachsen und bilden eine der Hornhaut aufliegende durchsichtige Hornschuppe, die als „Brille“ bezeichnet und mit gehäutet wird.[6]
Knorpelfische verfügen zwar über Augenlider, jedoch sind sie mit wenigen Ausnahmen (z. B. Ammenhaie) nur eingeschränkt beweglich.[7]
[Bearbeiten] Aufbau
Das Lid besteht aus zwei Blättern, einem äußeren und einem inneren.[8] Dem äußeren Blatt liegt die Körperhaut auf, die aus mehrschichtigem Plattenepithel besteht. Des Weiteren sind der ringförmige Musculus orbicularis oculi, sowie im Oberlid der zu ihm antagonistische Lidheber, der Musculus levator palpebrae superioris, dessen Bewegungsstrecke beim Menschen etwa 20 Millimeter beträgt,[9] Bestandteile des äußeren Blattes. Auf Grund seiner besonderen Aufhängung am Ligamentum palpebrale, dem inneren und äußeren Lidband, zieht sich der M. orbicularis oculi nicht wie andere Ringmuskel konzentrisch zusammen, sondern bewirkt lediglich einen Lidschluss, ohne dabei jedoch die Lidspalte zu verkürzen.[9]
Das innere Blatt besteht aus dem bindegewebigen Septum orbitale, welches sich zwischen Periorbita und einer knorpeligen Bindegewebsplatte befindet, dem Tarsus, und dem Tarsus selbst. Beim Menschen besitzt dieser eine Breite von rund 25 Millimetern, eine Dicke von etwa 1 Millimeter und eine Höhe zwischen 10 Millimetern im Oberlid und 5 Millimetern im Unterlid.[9] In dieser Struktur setzt im Oberlid die Sehne des M. levator palpebrae superioris fächerartig an (Levatoraponeurose). Im inneren Blatt ist weitere glatte Muskulatur zum Öffnen und Regeln der unwillkürlichen Lidspaltenweite eingebettet, der Musculus tarsalis. Er teilt sich im Oberlid als M. tarsalis superior, im Unterlid als M. tarsalis inferior. Auf der Innenseite werden die Augenlider von der Bindehaut (Konjunktiva) überzogen.
Bei Säugetieren sitzen an den Lidrändern die Wimpern (Cilia), bei Vögeln Borstenfedern (Setae). Um die Wimpern gibt es mehrere Drüsen:
- Moll-Drüsen (Glandulae ciliares), benannt nach dem deutschen Augenarzt Jakob Antonius Moll
- Zeis-Drüsen (Glandulae sebaceae), benannt nach dem deutschen Chirurgen Eduard Zeis
- Meibom-Drüsen oder Tarsaldrüsen (Glandulae tarsales),[10], benannt nach dem deutschen Arzt und Gelehrten Heinrich Meibom
Meibom- und Zeis-Drüsen bilden als Talgdrüsen die sogenannte „Augenbutter“ ein Sekret, das ein Überlaufen der Tränenflüssigkeit über die Lidkante verhindert. Die am Morgen meist eingetrockneten gelblichen Sekretreste im inneren Lidwinkel reibt man sich als „Schlaf“ aus den Augen. Die Moll-Drüsen produzieren Schweiß.
[Bearbeiten] Nickhaut
- → Hauptartikel: Nickhaut
Eine zusätzliche Bindehautfalte im nasenseitigen Augenwinkel wird auch als Nickhaut (Plica semilunaris conjunctivae, Membrana nicitans) oder drittes Augenlid (Palpebra tertia) bezeichnet. Beim Menschen ist sie nur rudimentär vorhanden. Bei den übrigen Säugetieren ist sie von einem Knorpel gestützt und so groß, dass sie sich bei bestimmten Erkrankungen vor das gesamte Auge legen kann. Bei vielen anderen Wirbeltieren, z. B. Haien, Reptilien und vielen Vögeln, ist sie transparent und kann wie eine Schutzbrille vor das Auge geklappt werden. Bei Vögeln sind in die Nickhaut zwei Muskeln eingelagert, der Musculus quadratus membranae nicitantis und der Musculus pyramidalis membranae nicitantis. Sie ermöglichen einen aktiven Lidschlag der Nickhaut, der bei Vögeln eine größere Rolle für die Verteilung der Tränenflüssigkeit spielt als der der eigentlichen Lider. Beim Haushuhn vollführt die Nickhaut etwa 35 Lidschläge pro Minute.[11] Den Reptilien mit verwachsenen Lidern fehlt die Nickhaut.[6]
[Bearbeiten] Muskulatur
Folgende Muskeln sind an der Bewegung der Augenlider beteiligt:
| Muskel | Funktion | Innervation | Typ |
|---|---|---|---|
| Musculus levator palpebrae superioris | Oberlidhebung | Nervus oculomotorius | quergestreift |
| Musculus orbicularis oculi | Lidschluss | Nervus facialis | quergestreift |
| Musculus retractor anguli oculi lateralis | Zurückziehen des seitlichen Lidwinkels bei Raubtieren | Nervus facialis | quergestreift |
| Musculus levator anguli oculi medialis | Oberlidheber | Nervus facialis | quergestreift |
| Musculus malaris | Wangenmuskel | Nervus facialis | quergestreift |
| Musculus frontalis | mimische Muskulatur, Heben der Augenbrauen | Nervus facialis | quergestreift |
| Musculus tarsalis | Erweiterung der Lidspalte | Sympathikus | glatt |
| Musculus bursalis | Bewegung der Nickhaut bei Echsen | Nervus abducens | quergestreift |
| Musculus quadratus et pyramidalis membranae nicitantis | Bewegung der Nickhaut bei Vögeln | Nervus abducens[12] | quergestreift |
[Bearbeiten] Innervation
Die sensible Innervation erfolgt über Äste des Nervus trigeminus, den Nervus infratrochlearis, Nervus supratrochlearis und den Nervus infraorbitalis. Darüber hinaus versorgt auch der Nervus lacrimalis den schläfenseitigen (temporalen) Lidwinkel sensibel. Der Musculus tarsalis wird sympathisch innerviert. Die äußere quergestreifte Muskulatur wird in den meisten Fällen vom Nervus facialis, die Nickhautmuskeln von feinen Ästen des Nervus abducens und der Musculus levator palpebrae superioris vom Nervus oculomotorius innerviert.[9]
[Bearbeiten] Blutversorgung
Die Augenlider werden durch folgende Äste der Arteria ophthalmica mit Blut versorgt:[13]
- Arteria supraorbitalis
- Arteria lacrimalis
- Arteria palpebralis medialis superior
- Arteria palpebralis medialis inferior
Der venöse Abfluss erfolgt über die Vena angularis und die Vena facialis.
[Bearbeiten] Erkrankungen und Funktionsstörungen
| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| H00.0 | Hordeolum | |
| H00.1 | Chalazion | |
| H01.0 | Blepharitis | |
| H01.1 | Nichtinfektiöse Dermatosen des Augenlides | |
| H02.0 | Entropium und Trichiasis des Augenlides | |
| H02.1 | Ektropium des Augenlides | |
| H02.2 | Lagophthalmus | |
| H02.3 | Blepharochalasis | |
| H02.4 | Ptosis des Augenlides | |
| H02.6 | Xanthelasma palpebrarum | |
| H03.0 | Parasitenbefall des Augenlides bei anderenorts klassifizierten Krankheiten | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2011) | ||
[Bearbeiten] Bewegungsstörungen
Bewegungsstörungen treten in Form eines teilweisen oder vollständigen Herabhängens des Oberlides (Ptosis) auf, verbunden mit der Unfähigkeit, das Augenlid normal zu öffnen. Die angeborenen oder erworbenen Ursachen hierfür können sehr unterschiedlich sein und stellen in der Regel ein innervationelles Problem des durch den Sympathicus innervierten M. tarsalis (Horner-Syndrom) oder durch den Nervus oculomotorius innervierten M. levator palpebrae superioris dar. Im Gegensatz hierzu bezeichnet man die – in der Regel durch eine Facialisparese hervorgerufene – Unfähigkeit, das Augenlid vollständig zu schließen, als Lagophthalmus.[9] Dieses Defizit bezieht sich auch auf den Lidschlussreflex. Einen krampfartigen Verschluss der Augenlider nennt man Blepharospasmus.
Eine weitere Bewegungsstörung tritt auf in Form eines unwillkürlichen Lidzuckens, eine Art Tremor eines oder beider Augenlider. Meist ist ein solches Lidzucken zwar störend, jedoch relativ harmlos, auch wenn es über Stunden oder Tage anhält. Es verschwindet in der Regel von allein. Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von mechanischen Reizungen, Ermüdungserscheinungen, Stress, bis hin zu Mineralstoffmangel, insbesondere Magnesiummangel, Alkoholkonsum oder visuelle Belastung. Sehr selten ist eine neurologische Erkrankung die Ursache.
Eine krankhafte Reduzierung der Lidschlagfrequenz ist als Stellwag-Zeichen bekannt und tritt meist in Verbindung mit einer endokrinen Orbitopathie beim Morbus Basedow auf.[9] Hingegen ist ein vermehrter Lidschlag in Form eines häufigen Blinzelns in der Regel das Resultat mechanischer oder entzündungsbedingter Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel ein Fremdkörpergefühl, ein trockenes Auge, darüber hinaus auch ein Zeichen unwillkürlicher Muskelkontraktionen (Tic) durch Nervosität.
Ein weiteres klinisches Zeichen der endokrinen Orbitopathie, das sich am Lid manifestiert, ist ein zurückgezogenes Oberlid (Retraktion), was den Eindruck eines starren Blicks erweckt (Kocher-Zeichen).
Eine relative Überfunktion des Lidhebers mit auffälliger Oberlidretraktion kann sich bei einer paretischen Einschränkung der Blickhebung und des Musculus rectus superior, eines vertikalen, geraden Augenmuskels ergeben. Hierbei wird ein verstärkter Impuls zur Blickwendung nach oben zwar nur unvollständig von dem betroffenen Muskeln umgesetzt, wirkt sich dabei jedoch in vollem Umfang auf die synergistische Bewegung des M. levator palpebrae superioris aus, was zu einem abnormen Hochziehen des Oberlides führt.
[Bearbeiten] Lidstellung
Krankhafte Veränderung der Lidstellung finden sich als Kolobom, sowie als aus- bzw. einwärts gewendete Ober- oder Unterlidkante, auch bekannt als Ektropium bzw. Entropium. Letzteres kann zu einer Trichiasis führen, einer Fehlstellung der Wimpern mit mechanischer Reizung der Hornhaut.
[Bearbeiten] Lidhauterkrankungen
Krankhafte Veränderungen der Lidhaut können auftreten als Exanthem oder Ödem. Pigmentstörungen existieren oft in Form von Xanthelasmen. Eine altersbedingte Veränderung der Lidhaut ist bekannt als Blepharochalase. Zudem sind die Augenlider anfällig für Herpes simplex und Herpes Zoster Infektionen, sowie andere dermatologische Entzündungsprozesse.[14]
[Bearbeiten] Liddrüsen
Akute Entzündungen der Zeiss- oder Moll-Drüsen führen zu einem sogenannten äußeren Hordeolum (Hordeolum externum). Sind die Meibom-Drüsen betroffen handelt es sich um ein inneres Hordeolum (Hordeolum internum). Beides wird auch unter dem Begriff des Gerstenkorns zusammengefasst. Eine chronische Entzündung der Meibom-Drüsen führt zu einem Chalazion, auch Hagelkorn genannt.
[Bearbeiten] Lidranderkrankungen
Typische Erkrankung des Lidrandes ist eine Entzündung, die Blepharitis genannt wird und unterschiedliche Ursachen haben kann. Häufig tritt eine Blepharitis in Verbindung mit einer Bindehautentzündung auf und wird dann Blepharokonjunktivitis genannt.
[Bearbeiten] Sonstiges
Es sind eine Reihe von Gewebsveränderungen oder Tumoren bekannt, die das Lid befallen können, darunter Lidabszesse, Zysten, Tumoren (zum Beispiel Hämangiome, Karzinome, Basaliome oder Melanome). Zu teils massiven Abnormitäten der Lider kann es beim Treacher-Collins-Syndrom (auch: Franceschetti-Syndrom) kommen[15], einer erblichen Erkrankung mit Gesichtsfehlbildungen. Weitere Erkrankungen der Augenlider können durch Parasitenbefall entstehen. Lidödeme, Verdickungen des Oberlides oder Lidhämatome können zu einer Pseudoptosis führen.
Ein besonderes Zeichen beim Down-Syndrom und anderen Erbkrankheiten ist die nasale Lidfalte (Epikanthus), die jedoch auch physiologisch, insbesondere im asiatischen Raum, auftritt und deshalb hin und wieder Mongolenfalte genannt wird.
Fehlt das Augenlid, spricht man von einer Ablepharie. Ein mit zunehmendem Alter auftretendes Erschlaffen des Bindegewebes wird als Schlupflid bezeichnet und in manchen Fällen als kosmetisch unvorteilhaft und deshalb korrekturbedürftig angesehen.
Auch die Nickhaut kann von besonderen Erkrankungen betroffen sein (siehe: Erkrankungen der Nickhaut).
[Bearbeiten] Untersuchung
Die Inspektion der Lider erfolgt in der Regel mit bloßem Auge, unter Zuhilfenahme einer Lupenbrille oder mittels einer Spaltlampe. Das freie oder instrumentelle Zurückfalten des Oberlides zur Untersuchung der darunter liegenden Bindehaut wird Ektropionieren genannt.[16] Dabei findet in manchen Fällen der sogenannte Desmarres-Lidhalter (nach dem französischen Augenarzt Louis-Auguste Desmarres) Anwendung. Um bei Untersuchungen oder chirurgischen Eingriffen die Lider geöffnet zu halten und einen ungewollten Lidschluss zu verhindern, wird ein sogenannter Lidsperrer verwendet, der das Ober- und Unterlid geöffnet hält, ohne den Zugang und die Draufsicht auf das Untersuchungsgebiet einzuschränken.[16] Unterstützend wird dabei in manchen Fällen und oft in Kombination mit einer Retrobulbäranästhesie eine artifizielle Lähmung des M. orbicularis oculi, ein sogenannter Fazialisblock, herbeigeführt.[17]
[Bearbeiten] Bedeutung der Lidachse
Ein besonderer Verlauf der Lidachse kann bei der Diagnostik von Behinderungen hilfreich sein.
Einen lateral ansteigenden Lidachsenverlauf (Schrägstellung der Lidachse nach außen oben) findet man häufig bei Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21), Trisomie 3 und Zellweger-Syndrom.
Einen seitlich (lateral) abfallenden Lidachsenverlauf (Schrägstellung der Lidachse nach außen unten), wie er durch die Hypoplasie (Unterentwicklung) oder das Fehlen von Wangenknochen begünstigt wird, ist häufig bei Menschen mit Rubinstein-Taybi-Syndrom, Pierre-Robin-Syndrom, Noonan-Syndrom, Marfan-Syndrom, DiGeorge-Syndrom, Fetales Alkoholsyndrom, Hallermann-Streiff-Syndrom, Otopalatodigitales Syndrom, Katzenschrei-Syndrom, Cohen-Syndrom und Katzenaugen-Syndrom anzutreffen.
[Bearbeiten] Lidspaltendiagnostik
Die Beurteilung der Lidspalte (Rima palpebrarum)[18] ist insbesondere beim Krankheitsbild der endokrinen Orbitopathie zur Beurteilung von Status und Verlauf sinnvoll. Hierbei handelt es sich um folgende Symptomatik:
- durch einen Exophthalmus bedingte, übermäßig geweitete Lidspalte (Dalrymple-Zeichen)
- Zurückbleiben des Oberlides bei Blicksenkung (von Graefe-Zeichen)
Alle diese Befunde können zur genaueren Beurteilung quantifiziert werden: Dalrymple- und von Graefe-Zeichen in Millimeter, Stellwag-Zeichen in Lidschläge pro Minute.[19]
Ein klinisches Zeichen einer Myasthenia gravis stellt die Ermüdung des Lidhebers dar. Zum Nachweis wird der sogenannte Simpson-Test durchgeführt, bei dem vom Patienten ein längerer Aufblick gefordert wird, der bei positivem Befund in einem zunehmenden Herabsinken des Oberlides resultiert. Nach Gabe von Tensilon verschwindet diese Symptomatik vorübergehend wieder.
[Bearbeiten] Operationen am Augenlid
Die Augenheilkunde hält eine Reihe von konservativen und operativen Verfahren zur medizinisch indizierten lokalen Behandlung von Liderkrankungen, Entfernung von Chalazion und Tumoren, Stellungsanomalien und Bewegungsstörungen bereit.[20][21] Operationsverfahren sind beispielsweise Eingriffe am Musculus levator palpebrae superioris bei einer Ptosis, unterschiedliche Techniken der sogenannten Verschiebeplastik, freie Hauttransplantationen, sowie Ober- und Unterlidverlängerung und seitliche Lidspaltenverkleinerungen. Eine weitere Technik zur Lidspaltenverengung mittels einer speziellen Naht ist als Tarsoraphie bekannt. Operationen im Bereich der Lidkanten gelten dabei wegen der funktionellen und anatomischen Verhältnisse als besonders anspruchsvoll. Zunehmend findet auch die plastische Chirurgie Möglichkeiten zur Veränderung des kosmetischen und ästhetischen Erscheinungsbildes, beispielsweise die sogenannte Blepharoplastik zur Straffung der Lider. Auch die Anwendung des Nervengiftes Botulinumtoxin ist verbreitet, beispielsweise zur Beseitigung von störenden Falten[22][23], aber auch zur Behandlung eines Blepharospasmus. Insbesondere im Bereich der Schönheitschirurgie besteht daher ein hoher Aufklärungsbedarf hinsichtlich der Erwartungshaltung der Patienten in Relation zu Risiken und Erfolgsaussichten.
[Bearbeiten] Etymologie und Kulturelles
Der Begriff Lid stammt aus dem Alt- bzw. Mittelhochdeutschen (hlit bzw. lit) und bedeutet „Deckel“ oder „Verschluss“.[24] Auf Grund einer alten japanischen Legende besitzt das japanische Schriftzeichen für "Tee" - Cha - auch die Bedeutung "Augenlid". In vielen Kulturkreisen gehört es zu den letzten Diensten am Menschen, die Augenlider bei Verstorbenen zu schließen.
Zu kosmetischen Zwecken wird insbesondere das Oberlid durch Lidstrich und/oder Lidschatten hervorgehoben.
[Bearbeiten] Weblinks
- Leitlinie Nr. 8 des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA): Verletzungen des Auges und seiner Anhangsgebilde
- Leitlinie Nr. 9 des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA): Fehlstellungen der Lider / Tränenleiden (a), Tumoren der Lider (b)
- Leitlinie Nr. 10 des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA): Hordeolum / Chalazion
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b Albert J. Augustin: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 2007, Seite 168 ISBN 978-3540304548
- ↑ Robert A. Moses: In: Adler's Physiology of the eye clinical application. Robert A. Moses (Hrsg.), Mosby, 1981, Kapitel 1, S. 1–15.
- ↑ Sforza C, Rango M, Galante D, Bresolin N, Ferrario VF: Spontaneous blinking in healthy persons: an optoelectronic study of eyelid motion. In: Ophthalmic Physiol Opt. 2008 Jul;28(4) S. 345–353. PMID 18565090
- ↑ a b Wilfried Westheide und Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere, Gustav Fischer Verlag 2004; S. 416. ISBN 3-8274-0900-4
- ↑ Axenfeld/Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, S. 145, ISBN 3-437-00255-4
- ↑ a b Winnie Achilles und Franz-Viktor Salomon: Anatomie der Reptilien. In: Franz-Viktor Salomon et al. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke Stuttgart. 2. erw. Aufl. 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 836.
- ↑ Wilfried Westheide und Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere, Gustav Fischer Verlag 2004; S. 210. ISBN 3-8274-0900-4
- ↑ Axenfeld/Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, Seite 145. ISBN 3-437-00255-4
- ↑ a b c d e f Herbert Kaufmann: Strabismus. 3. grundlegend überarbeitete und erweiterte Auflage, unter Mitarbeit von W. de Decker u. a., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York 2003, ISBN 3-13-129723-9
- ↑ Albert J. Augustin: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 2007, Seite 169 ISBN 978-3540304548
- ↑ Franz-Viktor Salomon und Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns: Anatomie der Vögel. In: Franz-Viktor Salomon et al. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke Stuttgart. 2. erw. Auflage 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 806.
- ↑ Franz-Viktor Salomon (Hrsg.): Lehrbuch der Geflügelanatomie. Fischer-Verlag Jena/Stuttgart 1993, ISBN 3-334-60403-9, S. 358.
- ↑ Frank H. Netter: Atlas der Anatomie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; Auflage: 4 (15. August 2008). ISBN 3-437-41602-2
- ↑ Albert J. Augustin: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 2007, Seite 186 ISBN 978-3540304548
- ↑ Axenfeld/Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, S. 588, ISBN 3-437-00255-4
- ↑ a b Fritz Hollwig: Augenheilkunde für Krankenpflegeberufe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 1980. ISBN 3-13-500402-3
- ↑ Volker Hessemer: Peribulbäranästhesie versus Retrobulbäranästhesie mit Fazialisblock - Techniken, Lokalanästhetika und Zusätze, Akinesie und sensible Blockade, Komplikationen Thieme eJournal aus "Klinische Monatsblätter Augenheilkunde 1994"; 204(2): 75-89 DOI: 10.1055/s-2008-1035503
- ↑ Thomas C.: Spezielle Pathologie, Schattauer Verlag, 1996, S.47, ISBN 978-3-7945-1713-8, hier online
- ↑ Axenfeld/Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, ISBN 3-437-00255-4
- ↑ Informationen zur endokrinen Orbitopathie, Zentrum für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Essen
- ↑ Chirurgische Sanierung bei endokriner Orbitopathie – aus Forum Schilddrüse e. V.
- ↑ Eugenio A. Aguilar, Ernst R. Kastenbauer: Ästhetische und Plastische Chirurgie an Nase, Gesicht und Ohrmuschel. Thieme Verlag, Stuttgart 2004, 3. Auflage. ISBN 978-3-13-112343-5
- ↑ Botulinumtoxin in der Augenheilkunde. In: Deutsches Ärzteblatt 2005, 102(41)
- ↑ Duden Online
[Bearbeiten] Literatur
- Axenfeld/Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, ISBN 3-437-00255-4
- Albert J. Augustin: Augenheilkunde. Berlin: Springer Verlag, 2007, ISBN 978-3540304548
| Dieser Artikel befindet sich derzeit im Review-Prozess. Sag dort deine Meinung zum Artikel und hilf mit, ihn zu verbessern! |