Liga von Lezha

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Liga von Lezha (albanisch Besëlidhja e Lezhës, manchmal auch Lidhja e Lezhës) war ein am 2. März 1444[1] geschlossenes Verteidigungsbündnis mehrerer albanischer und montenegrinischer Fürsten gegen die Osmanen. Organisiert und angeführt wurde der Bund von Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg, dem Fürsten von Kruja bzw. des Fürstentums Kastrioti. Zeitweise gehörten das Königreich Neapel, das Königreich Ungarn, die Republik Venedig und der Kirchenstaat zu den Unterstützern der Liga.

Mit der Zerschlagung von Shkodra, der letzten Festung der Liga, wurde das Bündnis 1479 aufgelöst und in der Folge besetzten die Osmanen Albanien für über 400 Jahre.

Gründung[Bearbeiten]

Am 2. März 1444 organisierte Skanderbeg in der damals unter venezianischer Herrschaft stehenden Stadt Lezha (italienisch Alessio) eine Zusammenkunft der wichtigsten regionalen Regenten aus den Familien Muzaka, Zaharia, Spani, Arianiti, Dushmani, Thopia, Balšić/Balsha und Crnojević. Auch die Führer der freien nordalbanischen Stämme nahmen daran teil. Man kam überein, untereinander Frieden zu schließen und gemeinsam gegen die Türken zu kämpfen. Skanderbeg, der Führer des Hauses Kastrioti, wurde zum Heerführer des Bundes gewählt. Für weiterreichende politische Entscheidungen brauchte er aber die Zustimmung aller Bündnismitglieder.

Kriegsverlauf[Bearbeiten]

1444 konnte Skanderbeg die Türken auf der Ebene von Torvioll (zwischen den heutigen Orten Librazhd und Pogradec)[2] schlagen. Die Kunde über den Sieg der Christen über die Muslime verbreitete sich in Europa sehr schnell. Auch in den beiden folgenden Jahren gelangen der albanisch-montenegrinischen Koalition Siege über die Osmanen. 1450 begann am 14. Mai desselben Jahres die erste Belagerung von Kruja, welche die Türken im Jahr darauf erfolglos abbrechen mussten. 1451 schloss Skanderbeg ein Bündnis mit dem Königreich Neapel. Vorläufig erhielten die Albaner aber noch keine Hilfe von dort. 1452 wurden die Türken bei Mokra und Meçadi geschlagen. Nach dem Fall von Konstantinopel erhielten die Albaner finanzielle Hilfen aus Neapel und Venedig sowie auch vom Papst. Bis 1462 konnten Skanderbegs Truppen die Türken jedes Jahr schlagen, ohne deren Übermacht aber entscheidend zu schwächen. Jedes Jahr konnte der Sultan ohne Schwierigkeiten ein neues Heer schicken. Nur 1460 und 1463 unterbrachen Waffenstillstände die Kampfhandlungen. 1462 gelang es Skanderbeg, die bedeutende Stadt Ohrid einzunehmen.

1466 wurde die zweite Belagerung der Burg Kruja abgeschlagen. Die Osmanen gründeten jedoch südlich im Tal des Shkumbin die Festung Elbasan und setzten sich damit endgültig in Albanien fest. 1467 scheiterte eine dritte Belagerung von Kruja.

Bis 1468 konnte das etwa 10.000 Mann starke Heer Skanderbegs den Türken standhalten. Finanzielle Unterstützung erhielten die Albaner von Venedig sowie von den Königen Ungarns und Neapels.

Als Skanderbeg 1468 gestorben war, begann die Liga von Lezha zu zerfallen. In Anlehnung an die Venezianer setzten jedoch vor allem die Nordalbaner den Kampf gegen die Osmanen fort. Als das bis dahin venezianisch beherrschte Shkodra 1479 eingenommen wurde, brach der Widerstand zusammen und das gesamte albanische Siedlungsgebiet wurde in das Osmanische Reich eingegliedert.

Mitglieder der Liga von Lezha[Bearbeiten]

Zu den Gründungsmitgliedern der Liga von Lezha zählten neben Skanderbeg:[3][4][5]

Belagerungen und Schlachten[Bearbeiten]

Paolo Veronese (1528–1588): Die Belagerung von Shkodra im Jahr 1478. Öl auf Leinwand, 1585, Dogenpalast.
  1. Belagerung von Petrela (1443/1444)
  2. Belagerung von Stelluzi (1443/1444)
  3. Erste Belagerung von Svetigrad (1443/1444)
  4. Schlacht von Torvioll (1444)
  5. Schlacht von Mokra (1445)
  6. Schlacht von Otoneta (1446)
  7. Albanisch-Venezianischer Krieg (1447–1448)
  8. Schlacht am Drin (1448)
  9. Schlacht von Oranik (1448)
  10. Zweite Belagerung von Svetigrad (1449)
  11. Erste Belagerung von Kruja (1450)
  12. Belagerung von Modrica (1452)
  13. Schlacht von Mokra (1453)
  14. Belagerung von Berat (1455)
  15. Schlacht von Oranik (1456)
  16. Schlacht von Albulena (1457)
  17. Mazedonien-Feldzug (1462)
  18. Mazedonien-Feldzug (1463)
  19. Schlacht von Ohrid (1464)
  20. Schlacht von Vajkal (1464)
  21. Schlacht von Vajkal (1465)
  22. Schlacht von Kashar (1465)
  23. Zweite Belagerung von Kruja (1466)
  24. Dritte Belagerung von Kruja (1467)
  25. Vierte Belagerung von Kruja (1478)
  26. Belagerung von Shkodra (1478)

Ehrung[Bearbeiten]

Gedenktafel zu Ehren der Liga beim Mausoleum Skanderbegs in Lezha

Die Liga von Lezha spielt zusammen mit Skanderbeg eine wichtige Rolle im Nationalgefühl der Albaner. Sie markiert deren ersten Versuch in der Geschichte, ein eigenständiges Staatsgebilde zu gründen und sich für eine Sache zusammenzuschließen. Auch wenn die Liga am Ende gegen die überlegenen Osmanen scheiterte, ist sie ein Symbol für nationale Ehre und Stolz bei vielen Albanern. Viele Straßen, Plätze und Institutionen in Albanien, Kosovo und Mazedonien sind heute nach der Liga benannt.

Auf den Ruinen der St. Nikolauskirche in Lezha – der Grabeskirche von Gjergj Kastrioti – wurde zu kommunistischer Zeit ihm und der Liga zu Ehren ein Denkmal errichtet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Elsie: Historical Dictionary of Albania (= European Historical Dictionaries 42). Lanham 2004. ISBN 0-8108-4872-4.
  • Marinus Barletius (Marin Barleti): Historia de vita et gestis Scanderbegi Epirotarum principis. Romae 1510.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Rob Pickard, Europarat (Hrsg.): Analysis and Reform of Cultural Heritage Policies in South-East Europe. 2008, ISBN 92-871-6265-4, S. 16.
  2.  Edwin E. Jacques: The Albanians. ISBN 0-89950-932-0, S. S. 179–180.
  3.  Fan Noli: George Castrioti Scanderbeg (1405-1468). International Universities Press, 1947, S. 36, OCLC 732882.
  4.  Ivan Božić: Nemirno pomorje XV veka. Srpska književna zadruga, Belgrad 1979, S. 364, OCLC 5845972 (Online-Version, abgerufen am 24. November 2013).
  5.  Oliver Jens Schmitt: Das venezianische Albanien (1392-1479). R. Oldenbourg Verlag, München 2001, ISBN 3-486-56569-9, S. 297 (Online-Version, abgerufen am 24. November 2013).