Limesmuseum Aalen

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Ansicht des Museumsgebäudes von Norden

Das Limesmuseum Aalen ist ein archäologisches Museum mit einer angeschlossenen Freilichtanlage im baden-württembergischen Aalen. Das Museum ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg und gleichzeitig das größte Museum an dem von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuften Obergermanisch-Raetischen Limes. Das Museum steht auf dem Gelände des größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen.

Museum[Bearbeiten]

Der 1978 während der Erweiterung des Limesmuseums aus dem Boden gekommene Maskenhelm von Typ Alexander
Das Mithrasrelief, aufgefunden in Osterburken

Der Schwerpunkt des Museums liegt auf der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands im 2. Jahrhundert n. Chr. In der Dauerausstellung werden hervorragend restaurierte Funde aus dem ehemaligen Kastell und dem zugehörigen Vicus ausgestellt. Gezeigt werden Haushaltsgegenstände, Schmuck, Keramik- und Metallgegenstände aber auch zahlreiche Waffen aus römischer und alamannischer Zeit. Zu den Glanzstücken der Ausstellung zählen der Schatzfund aus dem Kastelldorf Buch und eine Jupitergigantensäule aus Walheim, die aufgrund ihrer Größe von etwa 6,50 m bis in das Obergeschoss ragt.

In der Nähe zur Säule schließt die Sammlung bedeutender Steindenkmäler an, darunter Weihesteine und Inschriften aus dem Limesgebiet. In einem mehrere Meter langen Zinnfiguren-Diorama wird ein Sommertag des Jahres 213 n. Chr. am rätischen Limes dargestellt zur Zeit des Caracallafeldzugs.

Die Ausstellung wird durch zahlreiche originalgetreue Repliken, Modelle und Multimediastationen ergänzt. Besuchern und Kindern wird ein umfangreiches museumspädagogisches Programm angeboten.

Das Museum gibt in Gemeinschaft mit dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in unregelmäßiger Folge die Fachpublikation Schriften des Limesmuseums Aalen (früherer Titel: Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands) zur römischen Geschichte Südwestdeutschlands heraus. Die Reihe richtet sich besonders an Laien und Interessierte. Jedes Heft beleuchtet üblicherweise einen zentralen Aspekt der römischen Geschichte Süddeutschlands.

Freigelände[Bearbeiten]

Außenanlage, Grundmauern des Stabsgebäudes
Hauptartikel: Kastell Aalen

Das Freigelände liegt als archäologischer Park auf dem vor Überbauung gesicherten Mittelteil des ehemaligen Kastells, den Latera praetorii. Dort führt ein beschilderter Rundweg zu den freigelegten, in situ (vor Ort) teilrekonstruierten Resten des ehemaligen Stabsgebäudes (Principia) sowie zu einem modellhaft errichteten Abschnitt einer ehemaligen Mannschaftsbaracke. Vor dem einst mächtigen rechteckigen Mehrzweckbau, der dem Stabsgebäudes vorgelagert ist, wurde zu Anschauungszwecken ein hölzerner römischer Baukran aufgestellt. Entlang des Rundweges oberhalb des einstigen Fahnenheiligtums in den Principia sind verschiedene Nachbildungen bedeutender Steindenkmäler von verschiedenen Plätzen des Obergermanisch-Raetischen Limes aufgestellt, darunter die beiden Bauinschriften des Aalener Kastells, der Grabstein des Victorinus Longinus aus der Ala II Flavia (Fundort Augsburg),[1] ein Weiherelief für die Göttin Epona aus Beihingen am Neckar sowie die Statuengruppe vom Wachtposten 10/37 „In der Schneidershecke“.

Die Teilrekonstruktion einer Mannschaftsbaracke entstand im Spätsommer 2005 an der Stelle, an der sich in der Antike zwei Wirtschaftsgebäude erhoben, welche 2004 archäologisch erforscht worden sind. Da aus Aalen aufgrund der Überbauung kein entsprechender Befund bekannt geworden ist, wurde die Baracke auf Grundlage der Ausgrabungen im Kastell Heidenheim, in dem die einst in Aalen stationierte Reitertruppe Ala II Flavia ursprünglich gelegen hatte, geplant und ausgeführt.[2]

Das Freigelände ist Schauplatz für die zweijährlich stattfindenden Römertage-Festspiele.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2010: Ton + Technik – Römische Ziegel.[4]
  • 2013: Caracalla. Kaiser, Tyrann, Feldherr.[5]
  • 2014: Gebrochener Glanz - Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes

Literatur[Bearbeiten]

  • Philipp Filtzinger: Limesmuseum Aalen. Gesellschaft zur Förderung des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart, Stuttgart 1991.
  • Philipp Filtzinger: Aalen (AA) – Limesmuseum. In: Ph. Filtzinger (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. 3. Aufl. Stuttgart: Theiss, 1986. ISBN 3-8062-0287-7 S. 210f.
  • Dieter Planck: Aalen (AA) – Kastell für 1000 Reiter. In: D. Planck (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Römerstätten von Aalen bis Zwiefalten. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 2005. ISBN 3-8062-1555-3, S. 9–18.
  • Martin Kemkes u.a.: Gebrochener Glanz - Römische Großbronzen am UNESCO-Welterbe Limes Nünnerich-Asmus Verlag+Media, Mainz 2013 ISBN 978-3-943904-59-8

Schriftenreihe[Bearbeiten]

Schriften des Limesmuseums Aalen (früherer Titel: Kleine Schriften zur Kenntnis der römischen Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands), bis 2009 57 erschienene Ausgaben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CIL 03, 05822
  2. Markus Scholz: Zwei Wirtschaftsbauten im Limeskastell Aalen. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Forschungen zur Funktion des Limes. Band 2. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2117-6, S. 107.
  3. AE 1986, 528.
  4. Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61)
  5. Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg (Hrsg.): Caracalla. Kaiser, Tyrann, Feldherr. Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz 2013, ISBN 978-3-8053-4611-5.

Weblinks[Bearbeiten]

48.83611111111110.084444444444Koordinaten: 48° 50′ 10″ N, 10° 5′ 4″ O