Bad Buchau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Buchau
Bad Buchau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Buchau hervorgehoben
48.06629.61592Koordinaten: 48° 4′ N, 9° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Biberach
Höhe: 592 m ü. NHN
Fläche: 23,77 km²
Einwohner: 3933 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 165 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88422
Vorwahl: 07582
Kfz-Kennzeichen: BC
Gemeindeschlüssel: 08 4 26 013
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 2
88422 Bad Buchau
Webpräsenz: www.badbuchau.de
Bürgermeister: Peter Diesch
Lage der Stadt Bad Buchau im Landkreis Biberach
Bayern Alb-Donau-Kreis Landkreis Ravensburg Landkreis Reutlingen Landkreis Sigmaringen Ulm Achstetten Alleshausen Allmannsweiler Altheim (bei Riedlingen) Attenweiler Bad Buchau Bad Schussenried Berkheim Betzenweiler Ummendorf (bei Biberach) Biberach an der Riß Burgrieden Dettingen an der Iller Dürmentingen Dürnau (Landkreis Biberach) Eberhardzell Erlenmoos Erolzheim Riedlingen Ertingen Gutenzell-Hürbel Hochdorf (Riß) Ingoldingen Kanzach Kirchberg an der Iller Kirchdorf an der Iller Kirchdorf an der Iller Langenenslingen Laupheim Laupheim Maselheim Mietingen Mittelbiberach Moosburg (Federsee) Ochsenhausen Oggelshausen Riedlingen Riedlingen Riedlingen Rot an der Rot Schemmerhofen Schwendi Seekirch Steinhausen an der Rottum Tannheim (Württemberg) Tiefenbach (Federsee) Ummendorf (bei Biberach) Unlingen Unlingen Uttenweiler Wain WarthausenKarte
Über dieses Bild

Bad Buchau ist ein Kurort am Federsee in Oberschwaben. Die Stadt ist als Moorheilbad und Mineralheilbad (Thermalbad) bekannt.

Geographie[Bearbeiten]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Bad Buchau gehört der ehemals selbständige Stadtteil Kappel sowie die Hofsiedlungen Ottobeurer Hof, Bruckhof und Henauhof.

Felle Buchau Federsee und Umgebung

Gemeindeverwaltungsverband Bad Buchau[Bearbeiten]

Bad Buchau und die weiteren selbständigen Gemeinden des Federseegebietes: Alleshausen, Allmannsweiler, Betzenweiler, Dürnau, Kanzach, Moosburg, Oggelshausen, Seekirch und Tiefenbach bilden den Gemeindeverwaltungsverband Bad Buchau (seit 1973), der verschiedene Aufgaben anstelle der Gemeinden eigenverantwortlich erledigt bzw. Einrichtungen betreibt sowie auch auf freiwilliger Basis koordiniert.

Geschichte[Bearbeiten]

Kupferstich von Matthaeus Merian, aus “Topographia Sueviae”, um 1643-1650. Darstellung 10 × 32,5 cm, Blattgröße 14 × 36 cm

Archäologen erforschen seit mehr als 120 Jahren die Umgebung der Stadt und des Federsees. Es gibt zahlreiche Funde von eiszeitlichen Rentierjägern und Pfahlbauern der Steinzeit bis zur Keltenzeit. Hier fand man die ältesten Holzräder Europas.

In der späten Bronzezeit lag rund zwei Kilometer südöstlich der heutigen Stadt eine befestigte Feuchtbodensiedlung, die heute so genannte Wasserburg.

Buchau um 1820

Um 700 n. Chr. liegt am Nordwestrand der buchenbestandenen Insel ein alemannischer Adelshof.

Das Frauenkloster Buchau wurde um 770 vom fränkischen Grafenpaar Hatto und Adelindis gegründet. Die älteste sichere Nachricht verdanken wir allerdings einer vom Kloster Reichenau aufbewahrten Urkunde König Ludwigs des Deutschen vom 28. April 857. Aus ihr geht hervor, dass er das Kloster Buchau seiner Tochter Irmgengard übergeben hat. Die Frauen lebten im Gelübde nach der Regel des hl. Benedikt bis zum Jahre 1209. Von jetzt ab war das Stift verweltlicht und die Vorsteherin selbständige Landesherrin und Fürstin (kaiserlich, gefürstetes, freiweltliches Damenstift). Die Stiftsfräulein (Chorfrauen) bekannten sich aber nach wie vor zur Regel des hl. Benedikt. Die Fürstäbtissin hatte als Reichsfürstin Sitz und Stimme auf den Reichstagen.

Unabhängig von diesem Stift, ja sogar in jahrhundertelanger gegenseitiger Abneigung einander zugetan, entwickelte sich die Bürgerschaft Buchau. Der Ursprung der Siedlung ist in Dunkel gehüllt, da das Rathaus im Jahr 1387 oder 1412 mit 46 anderen Gebäuden den Flammen zum Opfer fiel. Im Jahre 1014 (oder 1022) wird eine Münz- und Marktstätte Buchau von St. Gallener Mönchen erwähnt. Vom 13. Jahrhundert bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches war Buchau eine der flächenmäßig kleinsten Freien Reichsstädte, dank seiner Insellage auch ohne Mauern und Türme. Wohl nirgends sonst sind auf so engem geografischen Raum zwei reichsunmittelbare Herrschaften installiert gewesen.

1787 und 1808 wurde der Wasserspiegel des Federsees abgesenkt und damit ging Buchau dieser Insellage verlustig.

Franz Schnorr Buchau am Federsee um 1835

In der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 fielen sowohl die Stadt als auch das Stift Buchau an die Fürsten von Thurn und Taxis, als Entschädigung für links des Rheins verlorene Einkünfte aus ihrem Postmonopol.

Buchau aus der Ferne, Lithographie um 1850

Aus Stadt, Stift und anderen Gebieten wurde das „Reichsfürstentum Buchau“ gegründet, das aber nur bis 1806 bestand, als das Königreich Württemberg die Oberherrschaft bekam. Das Gebiet des Reichsfürstentums wurde dem Oberamt Riedlingen zugeteilt, das 1934/1938 aufgelöst wurde.

Buchau Federseesteg, um 1910
BUCHAU im Königreich Württemberg in 1860

Von 1896 bis 1917 erhielt die Stadt durch die Federseebahn, eine Schmalspurbahn von Schussenried über Buchau nach Riedlingen, den Anschluss an das Eisenbahnnetz.[2] Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten das Bahnhofsgebäude als Einheitsbahnhof vom Typ IIIa.[3] Die Strecke wurde 1969 vollständig stillgelegt. An die Bahn erinnert heute noch die Denkmallokomotive 99 637 am ehemaligen Bahnhof.

Buchau 1914

1935 kam es zu einem stärkeren Erdbeben, das im Ortsteil Kappel schwere Schäden anrichtete.

Am 24. September 1963 erhielt Buchau den Titel „Bad“ als Moorheilbad.

Weiterentwicklung von Bad Buchau als Moorheilbad durch großzügige Neu- und Erweiterungsbauten sowie laufende Modernisierungen an der Federseeklinik (Kurzentrum mit Restaurant/Cafe, Theatersaal, Therapeutikum mit Hallenbad, großer Kurpark, Ausbau zum Thermalbad durch Bohrung von Thermalquellen (1982 und 2004) Eröffnung von Außenbecken, Saunalandschaft, Fitness- und Kneipanlage). Haus in den Torwiesen. Mit Ergänzung der Rheumatherapie durch Neurologie und Psychosomatik bei Übernahme der Schloßklinik (1993/95) entsteht das Therapiezentrum Federsee.

Am 1. Januar 1971 wurde die Gemeinde Kappel nach Bad Buchau eingemeindet.

1972 Gründung des Gemeindeverwaltungsverbandes Bad Buchau. Mit der Übertragung verschiedener Erfüllungs- wie Erledigungsaufgaben auf die Verbandsverwaltung können die Federseegemeinden ihre politische Selbständigkeit bewahren. Dies erhöht in der Folge das Zusammengehörigkeitsgefühl und stärkt die wirtschaftliche wie kulturelle Entwicklung des strukturschwachen Raumes.

1973 Durch die Kreisreform kommen die Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbandes Bad Buchau zum Landkreis Biberach. Der bisherige Landkreis Saulgau wird aufgelöst.

1981 Fertigstellung der 24 km langen Federsee-Abwasserringleitung mit Zuleitungssammlern, 12 Pumpwerken, 14 Regenüberlaufbecken und Staukanälen sowie der Verbandskläranlage Vollochhof mit einem Investitionsvolumen über 30 Millionen DM. Sie retten den durch Abwässer und Überdüngung total überlasteten Federsee vor dem bevorstehenden biologischen Ende („Algenblüte“).

Ab 1981 Mit den zahlreichen, unterschiedlichsten Maßnahmen zur Stadtsanierung (Kernstadtbereiche) im öffentlichen wie privaten Bereich erhält Bad Buchaus Innenstadt ein völlig neugeordnetes städtisches Gepräge (Marktplatz 1989/90), ohne die historischen Grundlagen der ländlichen Kleinstadt zu verlassen. Für Bürger und Gäste werden weitere urbane Attraktionen geschaffen.

1985 Im Regionalplan Donau/Iller wird Bad Buchau als Unterzentrum im Verflechtungsbereich Federsee ausgewiesen.

1991/1995 Das Schloß wird als Klinik umgebaut und generalsaniert, sowie durch neue Bettenbauten, Turnhalle und Schwimmbecken ergänzt. Durch die wesentlich höheren Baukosten (50 Mill. DM, geplant 24 Mill DM) geht der Bauherr in Insolvenz. 1995 kauft die Moorheilbad gGmbH das gesamte Gebäudeareal.

1994 Neuausweisung des Naturschutzgebietes „Südliches Federseereid“.

2002 Fertigstellung der Umgehungsstraße im Zuge der L 275. Damit konnte die Bedrohung des Titels „Moorheilbad“ infolge überhöhter Luftschadstoffwerte in der Innenstadt abgewendet werden. Der Ort wird vom größten Teil des Durchgangsverkehrs entlastet.

Judentum[Bearbeiten]

Jüdischer Friedhof Bad Buchau

Seit 1382 wohnten in Buchau Juden, 1577 wird in der Stadt eine jüdische Gemeinde archivalisch erwähnt. Die Ansiedlung von Juden wurde aus vorwiegend wirtschaftlichen Motiven gefördert. Man erhoffte Einnahmen aus Gewerbe und durch die besonderen Abgaben der Juden. Die meisten Juden lebten vom Kleinhandel und Hausieren, da sie lange Zeit aus Handwerk und Landwirtschaft ausgeschlossen waren. In Buchau wurde ihnen zunächst ein separates Wohngebiet zugeteilt, die Judengasse. 1822 bezogen erstmals Juden Wohnungen an Hauptstraßen. Nach dem Emanzipationsgesetz von 1828 genossen sie in vielen Bereichen formal dieselben Bürgerrechte und -pflichten wie ihre württembergischen Mitbürger. Dabei versuchte der württembergische Staat die gewachsene Wirtschaftsweise der Juden zu unterbinden. Hausier- und Trödelhandel, auch bestimmte ländliche Kreditformen wurden als „Schacherhandel“ mit harten Restriktionen belegt. In weiteren Punkten erreichten Juden die Gleichstellung erst 1864, 1871 und 1919. Das religiöse Leben war bis 1919 in Analogie zu den christlichen Konfessionen einem israelitischen Oberkirchenrat und damit staatlicher Aufsicht unterstellt.

Die wirtschaftliche Entwicklung wurde entscheidend durch jüdische Geschäftsleute gefördert. Hauptarbeitgeber wurden jüdische Textil-Fabrikanten, daher waren sie angesehene Bürger der Stadt. Zwischen 1793 und 1873 bestand im benachbarten Kappel eine zweite jüdische Gemeinde. Seit 1832 war Buchau Sitz des gleichnamigen [[Bezirksrabbinat Buchau |Rabbinat]]s, das nahezu das ganze südliche Oberschwaben umfasste.

Der jüdische Friedhof ist der zweitgrößte Regionalfriedhof nach Laupheim in Schwaben und noch heute erhalten. 1730/31 baute die Gemeinde eine Synagoge in ihrem Ghetto, 1839 wurde eine neue größere mit Turm und Glockenspiel eingeweiht, die später mit Orgel und „Kirchenglocke“ ausgestattet wurde. Sie wurde außerhalb der Judengasse errichtet. 1838 wohnten in Buchau 736 Juden, ein Drittel der damaligen Gesamtbevölkerung.

Die Eltern von Albert Einstein, Hermann und Pauline Einstein (geb. Koch), entstammten beide alteingesessenen jüdischen Familien, die schon seit Jahrhunderten im schwäbischen Raum ansässig waren. Die Großeltern mütterlicherseits hatten ihren Nachnamen Dörzbacher in Koch geändert. Die Großeltern väterlicherseits trugen noch traditionell jüdische Namen, Abraham und Hindel Einstein. Die Eltern Albert Einsteins zogen kurz vor seiner Geburt nach Ulm und ein Jahr später nach München. Der erste namentlich nachgewiesene Vorfahre Albert Einsteins, ein aus Wangen stammender Pferde- und Tuchhändler namens Baruch Moses Ainstein, wurde 1665 in die Gemeinde Buchau aufgenommen. Auf den Grabsteinen des Buchauer jüdischen Friedhofs sind noch heute die Namen von 99 Personen mit dem Namen Einstein zu finden; so unter anderen auch der des letzten Juden Buchaus, Siegbert Einstein, eines Großneffen des Physikers, der das KZ Theresienstadt überlebt hatte und nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise zweiter Bürgermeister der Stadt Buchau war. Der Pasinger Sozialdemokrat Emil Neuburger wurde 1870 in Buchau geboren.

Am 1. September 2010 besuchte der Landesrabbiner von Baden-Württemberg Netanel Wurmser Bad Buchau im Rahmen des Europäischen Tages für Jüdische Kultur.

Pogrom[Bearbeiten]

Am 9. November 1938 wurde die Kappeler Synagoge während der Reichspogromnacht zerstört. In Buchau scheiterte in der Pogromnacht der Versuch einer SA-Standarte aus Ochsenhausen, die den Befehl von der SA-Brigade aus Ulm erhielt, weil der damalige Bürgermeister Hugo Öchsle die Feuerwehr befehlswidrig angewiesen hatte, die brennende Synagoge zu löschen. Doch bereits am Folgetag, in der Nacht vom 10. auf den 11. November um 3 Uhr, wurde auf Geheiß des SA-Brigadeführers aus Ulm die Aktion wiederholt. Daran beteiligt waren acht bis zehn Angehörige des SA-Sturms Ochsenhausen und ein NSDAP-Trupp aus Saulgau. Die Folgen waren verheerend: die Synagoge wurde zerstört, sie war bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Diese wurden etwa eine Woche später von Ulmer Pionieren gesprengt. In der Folgezeit wurden die 257 Juden[4] deportiert oder in die Emigration getrieben.[5][6]

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahlen[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 25.Mai 2014 ergab sich bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 47,8% folgende Sitzverteilung:

  • FWV: 43,0 % (-10,9 %), 6 Sitze (-2)
  • CDU: 51,7 % (+5,6 %), 7 Sitze (+1)
  • Die Unbestechlichen: 5,25 % (neu), 1 Sitz

Landtagswahlen[Bearbeiten]

Bei den Landtagswahlen 2011 erhielt die CDU 53,1%, die SPD 17,9%, die FDP/DVP 4,4% und die Grünen 15,5% der Stimmen.[7]

Bundestagswahlen[Bearbeiten]

Bei den Bundestagswahlen 2013 erhielt die CDU 60,1% der Erststimmen (2009: 36,9), die SPD 19,3% (26,1), die FDP 2,3% (19,73), die Grünen 7,5% (7,2), die Linke 4,1% (7,1), die Piraten 3,9%.[8]

Europawahlen[Bearbeiten]

Bei den Europawahlen 2014 erhielt die CDU 53,9%, die SPD 16.4%, die Grünen 7,9%, die FDP 3,7% und die Linke 2,1% der Stimmen.[9]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1948 bis 1978: Hans Knittel; Ehrenbürger, Träger des Bundesverdienstkreuzes, Geschäftsführer der Moorheilbad gGmbH von 1951 bis 1986. Der Zweite Weltkrieg hinterließ in Buchau nicht nur die schwer zu tragenden Kriegsfolgen, mit der jede Gemeinde konfrontiert wurde. Infolge des Judenpogroms im Dritten Reich wurden zusätzlich gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Verluste gerissen. Die Gemeindeinfrastruktur insgesamt war nicht nur zerrüttet sondern hatte Existenzgrundlagen eingebüßt. Knittel ergriff mit Weitblick den Nachkriegsaufbau der Stadt und sorgte für neue Grundausstattungen. Die Aufnahme des Kurwesens, der Zusammenschluss der Landesversicherungsanstalt Württemberg und der Stadt Buchau in der Moorheilbad gGmbH, wie auch die staatliche Anerkennung als Moorheilbad tragen seine Handschrift. Diese Schritte leiten eine völlig neue Zukunftsentwicklung der Stadt ein. Schulreform (Bau eines Nachbarschaftshauptschulzentrums mit Sportanlagen), Gemeindereform (Gründung des Gemeindeverwaltungsverbandes Bad Buchau, Eingemeindung von Kappel) und Kreisreform (Wechsel zum Landkreis Biberach) eröffnen hoffnungsvolle Möglichkeiten kommunaler Zusammenarbeit im Federseeraum.
  • 1979 bis 2003: Harald Müller; Träger des Bundesverdienstkreuzes, Staatsmedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg für hervorragende Verdienste um Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten, Ehrennadel in Gold des Gemeindetags Baden-Württemberg, Mitglied des Kreistags Biberach von 1979 bis 2006. Müller förderte und festigte den eingeschlagenen Weg seines Vorgängers. Bau der Federsee-Ringleitung mit Inbetriebnahme der Verbandskläranlage, Ergänzung, Stärkung und Modernisierung der Infrastrukturgrundausstattung ganz allgemein und vor allem durch: Generalsanierung und Ausbau des innerstädtischen Abwassersystems, Stabilisierung der Trinkwasserversorgung, Anschluss an die Thüga Ferngasleitung mit Ausbau des Ortsnetztes, Umgehungsstraße im Zuge der L 275, Stadtsanierungen mit Entkernungen sowie Umnutzungen, verkehrsberuhigte Marktplatzumgestaltung, Dorfsanierung Kappel, Neubelebung des Stiftareals und von Industriebrachen (Kessler, Thalysia) Flurbereinigungen, Generalsanierung Progymnasium, Schaffung der Tourismusmarketinggrundlagen, Erweiterungen des Naturschutzgebietes, Archäologie/Freilichtmuseum/Lehrpfad, Einrichtung des Naturschutzzentrums Federsee des NABU, Patenschaft des Landkreises Biberach für das Europaschutzreservat,verschiedene Wohnneubaugebiete (weiterer Einwohnerzuwachs), Schaffung und Bebauung des Industriegeländes in Kappel, Ausweisung als Unterzentrum für das Federseegebiet, Schuldenabbau.
  • Seit 1. Februar 2003: Peter Diesch; der aus Bad Buchau stammende Diesch wurde am 7. November 2010 mit 94,7 % der Stimmen ohne Gegenkandidat wiedergewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Die Stadt Buchau am Federsee führt das nachfolgend beschriebene Stadtwappen (siehe rechts oben): Auf silbernem Hintergrund eine bewurzelte grüne Buche, deren Stamm mit einem schwimmenden Fisch (Barsch) beheftet ist. Das Wappen macht mit der Buche den Stadtnamen „redend“. Der Fisch weist auf die Lage am Federsee hin. Auf Siegeln ist das Wappen seit dem Jahr 1390 nachzuweisen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Federseegebiet bei Bad Buchau, mit 3300 Hektar das größte Moor in Südwestdeutschland
Steinzeitdorf im Federseemuseum

Das rd. 35 Quadratkilometer große Federseebecken eignet sich hervorragend zu Spaziergängen, Wanderungen und Radfahren. Neben dem Federseerundwanderweg stehen zahlreich gut ausgebaute Wander- und Radwege zur Benutzung offen. Wer es sportlicher liebt, kann u.a. den benachbarten Bussenberg (767 m üNN) erobern und einen herrlichen Blick über ganz Oberschwaben einfangen.

  • Das NABU-Naturschutzzentrum Federsee betreut das Moor, ist Anlaufstelle für Besucher und Weiterbildungszentrum.
  • Der Federsee ist ein Vogelschutzgebiet. Auf 3300 Hektar Moor leben 265 Vogelarten, davon 107 Brutvogelarten. Hauptattraktion sind der 1911 erstmals errichtete Federseesteg und der Wackelwald. Der „Wackelwald“ wächst auf einem ehemaligen Weiher, der zur Eisgewinnung im Winter diente. Durch den moorigen Untergrund wird die Oberfläche dort nur durch eine Wurzelschicht zusammengehalten, deshalb gibt der Boden bei jedem Schritt elastisch nach.
  • Die Adelindis Therme Bad Buchau verfügt über ein Thermalbad und Saunalandschaft, Aktivpark mit Sportbecken, Geräteparcours und Barfußpfad. Das Thermalwasser kommt aus einer Tiefe von 795 Metern mit einer Temperatur von 47,5 °C. [10]
  • Weitere Sport- und Freizeitanlagen sind ein Städtisches Freibad mit Miniaturgolfanlage, Kunstrasenplatz, Federseestadion auf dem Gelände der Federseeschule und Tennisplätze (Anlage des Tennisclubs Bad Buchau).

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die zwei größten Arbeitgeber der Stadt sind

  • Franz Kessler GmbH (Hersteller von Spindelsystemen, Asynchron- und Synchronmotoren gegründet 1923 und seit 1950 in Bad Buchau)
    Franz Kessler Bad Buchau Luftbild
  • das Therapiezentrum Federsee mit der Federseeklinik (Moorheilbad gGmbH Bad Buchau) und der Schloßklinik (Rehabilitationsklinik für Neuroplogie und Psychosomatik)

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Bad Buchau verfügt über das Progymnasium Bad Buchau [1], die Federseelschule, eine Gemeinschaftsschule [2], sowie eine Förderschule [3].

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bad Buchau liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße und an der Schwäbischen Bäderstraße.

Museen[Bearbeiten]

  • Direkt am Federsee liegt ein Steinzeitmuseum, das 1968 eröffnete Federseemuseum, erbaut von Architekt Manfred Lehmbruck, an das seit 1999 ein Steinzeitdorf (Freilichtmuseum) angeschlossen ist. Das Federseemuseum ist Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums in Konstanz. Wissenschaftlicher Leiter ist der Archäologe Ralf Baumeister. Träger des Museums ist der Verein für Altertumskunde und Heimatpflege Bad Buchau e.V.
  • Im Stiftmuseum Skulpturen, Gemälde und Paramente als Zeugnisse christlicher Kunst der Gotik und des Barock ausgestellt. Bekannte Werke sind unter anderen „Marienklage“ (um 1430), „Gnadenstuhl“ (um 1480) und „Anna Selbdritt“ (nach 1500).

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Ein Gedenkstein aus dem Jahr 1981 am Standort der vom NS-Regime vernichteten Synagoge Ecke Hofgartenstraße/Schussenrieder Straße erinnert an die ausgerottete Jüdische Gemeinde und ihr Gotteshaus.[11]
  • In der Judengasse erinnert ein 2000 erbauter Brunnen des Buchauer Künstlers Heinz Weiss in Form eines aufgebrochenen Davidsterns an den Standort der ersten Synagoge in Bad Buchau.[12]
  • Am 17. April 2013 wurde in der Grünanlage bei der Post eine Stolperschwelle verlegt und eine Tafel mit den Namen aller Juden, die während des Dritten Reiches in Buchau lebten, enthüllt.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Stiftskirche St. Cornelius und Cyprianus, eines der ersten Bauwerke des Klassizismus in Süddeutschland mit noch spätbarocker Ausstattung, errichtet von 1774 bis 1776 von Pierre Michel d’Ixnard als Umbau einer gotischen Kirche. Die Ausstattung umfasst Stuckplastiken von Johann Joseph Christian und Malereien von Johann Friedrich Sichelbein. Die Deckengemälde im Chor und Mittelschiff malte Andreas Brugger. Auf die karolingische Tradition weisen noch heute die Kirchenpatrone Cornelius und Cyprianus hin. In der Krypta der Stiftskirche ruht die als schwäbische Volksheilige verehrte Adelindis mit ihren drei Söhnen.
  • Stift Buchau (heute Schlossklinik).
    Buchau. Ansicht des ehemaligen Reichsstifts um 1900
    Das Stift Buchau wird um 770 von der Namensgeberin der Therme, von Adelindis gegründet, wie es aus einer Inschrift über dem Choreingang der Stiftskirche zu entnehmen ist. Anfänglich wohl ein Benediktinerkloster, erscheint das Stift im 15. Jahrhundert als Kanonissenstift. In dem hochfürstlichen und freiweltlichen Damenstift leben bis zu 14 Stiftsdamen. Sie stammen meist aus schwäbischem Hochadel und sind an ein Gelübde gebunden. Lediglich die geweihte Äbtissin, auch Fürstin genannt, steht der Gemeinschaft vor. 1802 endet das Reichsstift im Zuge der Säkularisation. Seit 1992/93 befindet sich die Schlossklinik in den Gebäuden des ehemaligen Stifts.
  • Rathaus: Bauteile aus dem 15. Jahrhundert; wiederholt umgebaut und die Firstrichtung verändert; jetzige Bauform mit Staffelgiebel durch Umbau und Erweiterung nach Osten 1863/64 entstanden; Renovation 1985/86.

Skulpturenweg[Bearbeiten]

Zwischen Oggelshausen und Bad Buchau befindet sich eine Skulpturenweg, der Bildwerke der Bildhauersymposien Oggelshausen aus den Jahren 1969/1970 und 2000 zeigt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Julius Laub (1853-1941), Stadtschultheiß von Buchau 1907-1921, Mitgründer des Verschönerungsvereins (→ Federseesteg), des Altertumsvereins und des Federseemuseums
  • August Gröber (1856-1931), Flaschnermeister in Buchau, Mitgründer des Altertumsvereins und des Federseemuseums
  • Gottlieb Gnant (1868-1935), Ministerialrat, Ehrensenator der Universität Tübingen
  • Lina Hähnle (1851-1941), Gründerin und erste Vorsitzende des Bundes für Vogelschutz (BfV), heute Naturschutzbund Deutschland (NABU)
  • Hermann Hähnle (1879-1965), Ingenieur der Wärmetechnik in Giengen an der Brenz, Fotograf und Filmemacher
  • Wilhelm Ladenburger (1875-1962), Praktischer Arzt, Gründer des Moorbadevereins Buchau e.V.
  • Vinzenz Gnann (1889-1980), Bürgermeister von Buchau 1921-1934, Landrat im Altkreis Ehingen
  • Erich Endrich (1898-1978), Stadtpfarrer in Bad Buchau 1929-1978
  • Joseph Mohn (1903-1986), Notar, Bürgermeister von Buchau 1945-1946
  • Hans Knittel (1913-1996), Bürgermeister der Stadt Bad Buchau 1948-1978, Geschäftsführer der Moorheilbad gGmbH 1951-1985
  • Hellmuth Hahn (geb. 1922), Erster Direktor der LVA Württemberg
  • Georg Ladenburger (geb. 1920), Konrektor, Historiker und Heimatforscher
  • Alfons Herrmann (geb. 1935), 38 Jahre Gemeinderat, langjähriger Bürgermeister-Stellvertreter, vielfach ehrenamtlich engagiert[13]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Benedikt Ferg (1631–1706), Abt der Benediktinerabtei Metten
  • Karoline Kaulla (1739–1809), Hoffaktorin am württembergischen Hof
  • Friedrich Widmann (1805–1876), Bezirksamtmann, Domänendirektor
  • Hermann Einstein (1847–1902), Unternehmer und Vater Albert Einsteins
  • Siegbert Einstein, Verfolgter des NS-Regimes, ab 1946 stellvertretender Bürgermeister von Buchau. Großcousin Albert Einsteins. Erhielt 1959 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.
  • August Fischer (1868–1940), Apotheker, Firmengründer von Uhu
  • Rudolf Moos (1866-1951), Lederhändler, Begründer der Marke "Salamander"
  • Hans Kayser (1891–1964), Komponist und Musiktheoretiker
  • Johannes Rövenstrunck (* 1949), Komponist
  • Emil Neuburger Kaufmann und Magistratsrat in Pasing, Sozialdemokrat, Namensgeber der Emil-Neuburger-Straße in Pasing. Verfolgter des NS-Regimes.

Personen, die in Bad Buchau wirkten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Ehrenpreis, Andreas Gotzmann, Stephan Wendehorst (Hrsg.): Kaiser und Reich in der jüdischen Lokalgeschichte. München 2013.
  • Anna Endrich: Buchauer Brakteate, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 87. Jg. 1969, S. 37–40 (Digitalisat)
  • Kurt Falch: Bad Buchau. Geschichten in der Geschichte einer Stadt. Federsee-Verlag, Bad Buchau 2004.
  • Andrea Hoffmann: Schnittmengen und Scheidelinien. Juden und Christen in Oberschwaben. Tübingen 2011.
  • Johann Daniel Georg von Memminger: Stadt Buchau. In: Beschreibung des Oberamts Riedlingen. Cotta, Stuttgart 1827 (Volltext bei Wikisource).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Buchau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Buchau – Reiseführer

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. https://www.youtube.com/watch?v=P1dWwIsiews
  3.  Rainer Stein: Der württembergische Einheitsbahnhof auf Nebenbahnen. In: Eisenbahn-Journal Württemberg-Report. Band 1, Nr. V/96, Merker, Fürstenfeldbruck 1996, ISBN 3-922404-96-0, S. 80–83.
  4. 200 Buchauer Juden und die 57 eingewiesene Juden
  5. Rudi Multer: Pogrom in Oberschwaben. In Bad Buchau legten die Nazi-Schergen zweimal Feuer. In: Schwäbische Zeitung. 8. November 2008.
  6. Joseph Mohn: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz. Aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau. Selbstverlag, Buchau 1970.
  7. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/Tabelle.asp?H=Wahlen&U=01&T=02035030&E=GE&K=426&R=GE426013
  8. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/Tabelle.asp?H=Wahlen&U=02&T=02015046&E=GE&K=426&R=GE426013
  9. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/Tabelle.asp?H=Wahlen&U=03&T=02025030&E=GE&K=426&R=GE426013
  10. Katy Cuko: Wettbewerb der Wellnesstempel. Die Angebote der Thermen im Überblick. In: Südkurier vom 6. November 2010
  11. Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein. Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0 (Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Band 1), S. 21.
  12. Die Synagogen in Bad Buchau (Landkreis Biberach)
  13. Heinz Weiss: Bad Buchau verleiht Alfons Herrmann die Ehrenbürgerwürde. In: AmFedersee.de. 13. Juli 2009.