Lone Star (Investmentgesellschaft)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lone Star
Rechtsform Limited Partnership
Gründung 1995
Sitz Dallas, Vereinigte Staaten
Leitung John Grayken
Branche Finanzen, Investment
Website Lone Star

Lone Star Funds mit Sitz in Dallas verwaltet und investiert eine Reihe Private Equity-Fonds, die überwiegend in sanierungsbedürftige Unternehmen und Forderungen sowie Immobilien investieren; zu den Investitionsfeldern gehören immobiliengesicherte Kreditportfolien und Einzelengagements (notleidende und leistungsgestörte Immobilienkredite), Corporate Distressed Debt (notleidende Unternehmenskredite und Firmenbeteiligungen) sowie Banken und Finanzdienstleister.

Zu den Investoren von Lone Star zählen Pensionskassen der US-Bundesstaaten, andere öffentliche Organisationen und Industrieunternehmen sowie Universitäten, Stiftungen, Banken, Familientreuhandvermögen, internationale Organisationen und Versicherungen.

Der Vorsitzende (Chairman) der Lone Star Aktivitäten in Deutschland ist Karsten von Köller.

Investments[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Beispiele von Unternehmenstransaktionen von Lone Star sind:

  • Tokyo Star Bank, erworben 2001
  • Korea Exchange Bank, erworben 2003
  • Bruno's Supermarkets, erworben 2004
  • Corealcredit Bank, erworben 2005
  • IKB Deutsche Industriebank, erworben 2008
  • Düsseldorfer Hypothekenbank, erworben 2010

Notleidende Kredite[Bearbeiten]

Ein weiterer Unternehmensschwerpunkt ist der Erwerb von Portfolien sogenannter notleidender Kredite (Non-performing Loans). Bei diesem Kredithandel übertragen Banken notleidende Kredite vor allem, um ihre Bilanzen zu entlasten.[1] Bei diesem Kreditverkauf übernimmt Lone Star alle Rechte und Pflichten des Darlehensvertrages. Die Kreditengagements werden also nach dem Kauf genauso fortgeführt wie zuvor von der Bank, die den Kredit verkauft hat.[2]

Zur Übertragung von Krediten[Bearbeiten]

Ob nach deutschem Recht Banken Darlehensforderungen an Dritte abtreten dürfen, wird von Kritikern, wie dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum[3], bezweifelt. Zudem sind Klagen bei deutschen Gerichten anhängig, die bisher aber zu keinem Erfolg führten.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem Urteil vom am 27. Februar 2007 bestätigt, dass das Bankgeheimnis und der Datenschutz einer wirksamen Übertragung von Darlehensforderungen nicht entgegenstehen, diese jedoch einen Schadensersatzanspruch auslösen kann.[4]

Am 27. Juni 2008 verabschiedete der Bundestag das Risikobegrenzungsgesetz, das dem Kreditnehmer einen besseren Schutz gewährt.

Kritik[Bearbeiten]

Lone Star geriet in den deutschen Medien in die Kritik. Dabei wird dem Unternehmen unter anderem vorgeworfen, nicht zahlungsgestörte beziehungsweise notleidende, also durchweg vertragsgerecht bediente Kredite nach Ablauf der ursprünglichen Vertragslaufzeit überraschend nur zu überteuerten Konditionen oder gar nicht zu verlängern. Gelänge es den Betroffenen nicht, innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Frist bei einer anderen Bank eine Anschlussfinanzierung zu erhalten, beantrage Lone Star teilweise in sehr kurzer Zeit Vollstreckungsmaßnahmen wie eine Zwangsversteigerung der betroffenen Immobilie.[3] Die Medienberichterstattung stieß wiederum auf Widerspruch.[5][6]

Immobilieninvestments[Bearbeiten]

In Deutschland wurden im April 2008 1300 Immobilien der Deutschen Post erworben.[7] Im Dezember 2012 verkaufte das Bundesfinanzministerium die TLG Immobilien GmbH (Verwaltung von Gewebeimmobilien in den neuen Bundesländern, vornehmlich Bestand aus DDR Zeiten, z.B. Gebäude und Liegenschaften ehemaliger Volkseigener Betrieb ) für 1,1 Mrd. Euro an den US-amerikanischen Finanzinvestor Lone Star.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Köchling, Notleidende Kredite im Spannungsverhältnis zwischen Insolvenzverwalter und Finanzinvestor, ZInso, 2008, S. 232-242
  2. Pressemitteilung Bundesverband deutscher Banken vom 11. März 2008
  3. a b die story: Und plötzlich ist das Haus weg (WDR/SWR) (Version vom 21. Oktober 2008 im Internet Archive) ARD 16. Januar 2008
  4. BGH-Entscheidung vom 27. Februar 2007 (AZ XI 195/05) zur Wirksamkeit der Übertragung von Kreditforderungen
  5. Pressemitteilung von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing vom 22. Januar 2008
  6. Köchling, Non-performing Loans im Spiegel der aktuellen Medienberichterstattung, Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 61 (2008), 3, S. 106-107
  7. Manager-Magazin 1. April 2008
  8. Bundesministerium der Finanzen: Bund verkauft TLG IMMOBILIEN GmbH - Größte Unternehmensprivatisierung des Bundes seit fünf Jahren. Presseerklärung Nr. 81/12 vom 12. Dezember 2012