Lovefilm

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Lovefilm Deutschland
Rechtsform GmbH
Gründung 2003 [1]
Sitz München, Deutschland
Leitung Christoph Schneider (Geschäftsführer)
Umsatz 118,6 Mio. Euro (2009)[2]
Branche Onlinevideothek

Produkte

Website lovefilm.de

Lovefilm (Eigenschreibweise LOVEFiLM) war einer von Europas größten Online-Verleihen von Film-DVDs und -Blu-rays, zudem bot das Amazon-Unternehmen Video-on-Demand. Im Januar 2012 gab Lovefilm bekannt, die Grenze von europaweit zwei Millionen Kunden überschritten zu haben.[3]

Der Hauptsitz des Unternehmens befand sich in London, die deutsche Zentrale befindet sich bei der Münchner Amazon.de GmbH. Der Versand der Datenträger wurde durch ein Versand-Zentrum in Elmshorn bei Hamburg ausgeführt.

Am 26. Februar 2014 wurde Lovefilm mit dem Amazon Prime Angebot zu Amazon Instant Video verschmolzen. Dabei wurde das komplette Lovefilm Angebot implementiert.[4]

Entstehung und Geschichte[Bearbeiten]

Lovefilm wurde im Dezember 2003 vom Londoner Medienunternehmen Arts Alliance Media gegründet.[5] Das Unternehmen entstand durch die schrittweise Akquisition und Vereinigung verschiedener Gesellschaften, wobei die drei Hauptbeteiligten hier Online Rentals Limited (operierend als DVDsOnTap), ScreenSelect und Video Island waren. Online Rentals Limited wurde im Mai 2002 von Paul Gardner und Graham Bosher in Harlow, England gegründet. Im September 2003 folgten einerseits William Reeve und Alex Chesterman mit ScreenSelect und im selben Monat startete Saul Klein den Service Video Island – beide Unternehmen wurden in London gegründet. Im Oktober 2003 wurde Online Rentals Limited durch Arts Alliance Ventures, einer im Familienbesitz befindlichen Beteiligungsgesellschaft aufgekauft. Im darauf folgenden Dezember gab DVDsOnTap bekannt, zukünftig unter der Marke Lovefilm aufzutreten und berief gleichzeitig Mark Livingstone als neuen CEO.

ScreenSelect baute seine Marktposition in der Zwischenzeit durch den Aufkauf eigener Unternehmen aus. Nachdem im Dezember 2003 die Akquisition von In-Movies bekannt gegeben wurde, folgte im September 2004 ein Zusammenschluss mit Video Island, wobei das Management und die Marke von Screenselect beibehalten und mit dem Beteiligungskapital von Video Island verschmolzen wurden.[6] Im Juni 2005 kaufte ScreenSelect das Unternehmen DVDs365, Eigentümer von Mailbox Movies, MovieTrak und Qflicks.[7] Lovefilm reagierte wenige Monate später mit der Akquisition von Webflix.[8] Zusätzlich waren beide Firmen bestrebt, ihre Position auf dem skandinavischen Markt weiter auszubauen. Screenselect übernahm BraFilm in Schweden und Norwegen, während Lovefilm Boxman in Schweden und Dänemark aufkaufte.[9]

Bis zum Jahr 2006 hatte Screenselect seinen Konkurrenten Lovefilm deutlich distanziert. Den bis dahin 100.000 Lovefilm-Kunden standen 200.000 Abonnenten des ScreenSelect-Services gegenüber. Im April 2006 fusionierten die beiden Firmen, wobei die Plattform und das Management von ScreenSelect beibehalten wurden.[10] Das neue Unternehmen wurde jedoch unter die Marke Lovefilm gestellt und operiert seitdem von seinem Hauptsitz in Acton im Westen Londons aus. Zum Ende des Jahres 2008 hatte Lovefilm die Marken ScreenSelect, Brafifilm und Boxman europaweit ersetzt.

In Deutschland offeriert Lovefilm sein Filmangebot seit Oktober 2006. Im Februar 2008 kaufte das Unternehmen das DVD-Verleih-Geschäft von Amazon Deutschland für den deutschen und englischen Markt. Im Gegenzug wurde Amazon mit einem Anteil von 42 Prozent zum größten Aktionär von Lovefilm.[11] Weitere Teilhaber waren neben Amazon und Art Alliance Ventures die Beteiligungsgesellschaften Balderton Capital, DFJ Esprit, Index Ventures und Octopus Ventures.[12]

Im Mai 2010 erweiterte Lovefilm sein Angebot auf Titel ohne Jugendfreigabe. Diese waren jedoch nur für Kunden verfügbar, die nach der Anmeldung das Postident-Verfahren zur sicheren persönlichen Identifikation durchlaufen hatten.

Am 20. Januar 2011 wurde bekannt gegeben, dass Lovefilm komplett von Amazon übernommen wird.[13] Die Gesamtsumme der Übernahme betrug laut Medienberichten knapp 250 Millionen Euro. Seitdem gehört Lovefilm zum Online-Versandhandel Amazon und ist damit ein Unternehmen von Amazon.eu.

Ab dem 1. Januar 2013 übernahm Christoph Schneider die Position des Geschäftsführers von Ernst Trapp. Schneider trat Mitte des Jahres 2012 in das Unternehmen ein und ist für die Erweiterung und Etablierung des Video on Demand Angebots im deutschen Markt verantwortlich.[14]

Funktionsweise des Disc-Versands[Bearbeiten]

Nach der Anmeldung für den Service konnten Kunden die gewünschten Filme als DVD, Blu-ray Disc oder 3D-Blu-ray aus dem Angebot auf eine eigene Leihliste setzen. Sobald die gewählten Filme verfügbar war, wurden diese auf dem Postweg an die angegebene Kundenadresse versendet. Das System ermittelte die Versandreihenfolge dabei auf Basis der vom Kunden festgelegten Prioritäten sowie der Verfügbarkeit der Titel im Versand-Zentrum. Die Leihdauer war bei Lovefilm nicht befristet. Die Rücksendung der Filme erfolgte über einen vorfrankierten Rückumschlag und war entsprechend für den Absender kostenfrei. Der Versand von weiteren Filmen erfolgte, sobald die geliehenen Titel wieder bei Lovefilm eingegangen waren. Da es sich innerhalb dieses Prozesses stets um gewöhnliche Briefsendungen der Deutschen Post handelte, ist weder für Sender noch Empfänger eine genaue Sendungsverfolgung verfügbar gewesen. Innerhalb des Kundenkontos wurden jedoch Informationen über den gegenwärtigen Bearbeitungs- und Versandstatus der Discs angegeben.

Funktionsweise des Video-on-Demand Service[Bearbeiten]

Ab Dezember 2010 bot Lovefilm zusätzlich zum Disc-Versand auch einen Video-on-Demand-Service an. Dadurch konnte eine bestimmte Auswahl an Titeln direkt über den PC oder ein anderes kompatibles Endgerät wiedergegeben werden. Der Video-On-Demand-Service stand Kunden ab dem Paket Digital Flatrate mit unbegrenztem Zeitguthaben zur Verfügung. Ende des Jahres 2011 gab Lovefilm die Umstellung seiner Streaming-Technologie auf Microsoft Silverlight bekannt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Service auf dem Adobe Flash Player basiert. Dieses Vorgehen wurde von einigen Nutzergruppen kritisiert, da seit diesem Zeitpunkt Computer mit Linux oder UNIX-Systemen nicht mehr unterstützt wurden. Ebenso konnten auch Nutzer eines Apple-PCs mit einer Betriebssystemversion von 10.5 oder niedriger nicht mehr auf den Service zugreifen.

Ab dem 30. Mai 2012 bot Lovefilm einen Teil seines On-Demand-Angebots auch in hochauflösender Qualität an.[15] Zur Wiedergabe von Inhalten in der Auflösung 720p wurde eine Datenübertragungsrate von mindestens 6 Mbit/s benötigt.[16] 1080p-Titel setzen eine Bandbreite von mindestens 12 Mbit/s voraus. Das Video-on-Demand-System wählte dabei automatisch die jeweils bestmögliche Qualität, um eine unterbrechungsfreie Wiedergabe zu gewährleisten und passte sich auch während des Abspielens der jeweils verfügbaren Internetgeschwindigkeit an.[17] Auch die übertragene Tonqualität hing von der verfügbaren Bandbreite ab und lag zwischen mindestens 128 kbit/s und maximal 512 kbit/s.

Derzeit verfügbare Pakete[Bearbeiten]

Wie viele der verfügbaren Titel monatlich ausgeliehen oder online angesehen werden konnten, hing von dem gebuchten Ausleihpaket ab. Diese Pakete unterschieden sich hinsichtlich der Anzahl an Discs, die pro Monat geliehen werden konnten, der Anzahl an Discs, die ein Kunde gleichzeitig leihen konnte, sowie der Verfügbarkeit des Video-On-Demand-Service. Während im kleinsten Paket nur zwei Discs pro Monat und diese nacheinander ausgeliehen werden konnten, waren es im größten Paket Flatrate 2 beispielsweise zwei Discs gleichzeitig und eine unbegrenzte Anzahl pro Monat. Der Video-On-Demand-Service stand Kunden in dem Paket Digital Flatrate unbegrenzt zur Verfügung. Die Pakete Ultimativ, Flatrate 1 und Flatrate 2 enthielten zusätzlich zum DVD- und Blu-ray-Verleih ebenfalls eine unbegrenzte Streaming-Flatrate. [18]

Unterstützte Geräte[Bearbeiten]

Neben einer Wiedergabe über den PC konnte der Video-On-Demand-Service auch auf der PlayStation 3, der PlayStation 4, der Xbox 360, der Xbox One, der Wii, allen internetfähigen Sony-BRAVIA-Fernsehern ab dem Produktionsjahr 2010, Samsung Smart TVs der 2012er und 2013er Generationen, LG-Fernsehern, internetfähigen Sony-Bluray-Abspielgeräten und dem Apple iPad genutzt werden. Zwar bot Lovefilm auch Apps für das Apple iPhone und Android-Geräte, hier bestand jedoch nur die Möglichkeit zur Verwaltung des eigenen Kundenkontos sowie der Leihliste. Der Service war zudem auf den im Oktober 2012 erschienenen Tablet-Computern Kindle Fire und Kindle Fire HD verfügbar. Die Wiedergabe von HD-Inhalten war auf allen angebotenen Endgeräten, mit Ausnahme des Apple iPads, möglich. FSK18-Inhalte konnten nur auf dem PC, der PS3 und dem iPad per Stream abgerufen werden. Als Grund wurde die fehlende PIN-Eingabemöglichkeit der anderen Geräte genannt.

Abrechnungsmodell[Bearbeiten]

Lovefilm bot Neukunden die Möglichkeit, den Service zunächst für einen kostenlosen Testzeitraum zu nutzen. Innerhalb dieses Zeitraumes bestand für den Kunden jederzeit die Möglichkeit, sein Paket über die entsprechende Funktionalität im Kundenkonto zu kündigen. Erfolgte innerhalb des Testzeitraums keine Kündigung, so wurde nach dessen Ablauf automatisch der monatliche Beitrag für das gewählte Paket eingezogen. Die Bezahlung erfolgte dabei entweder über Bankeinzug oder die Kreditkarte.

Kritisiert wurde, dass bereits zur Eröffnung eines Probeabonnements Zahlungsinformationen wie Bankverbindungen oder Kreditkartennummern angegeben werden mussten. Das Unternehmen schrieb dazu auf der offiziellen Website, dass unabhängig vom jeweiligen Rechnungsstatus von jedem Teilnehmer gültige Zahlungsinformationen benötigt würden. Dies geschehe, um die Identität der Kunden zu prüfen und um sich gegen Diebstahl oder Betrug zu schützen.[19] Diese Daten wurden zusätzlich eingesetzt, sollte sich der Nutzer für eine kostenpflichtige Weiterführung der Mitgliedschaft entscheiden.

Werbung und Vermarktung[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2010 schaltete Lovefilm regelmäßig Werbespots im deutschen Fernsehen. Die Werbespots wurden dabei von Manfred Lehmann gesprochen, der einem breiteren Publikum vor allem als Synchronsprecher von Bruce Willis und Gérard Depardieu bekannt ist.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. LOVEFILM - Wir über uns. Abgerufen am 24. Januar 2013 (deutsch).
  2. Amazon kauft Lovefilm - Golem.de, 2011-01-
  3. Lovefilm mit zwei Millionen Nutzern. Focus Online. Abgerufen am 28. September 2012.
  4. Amazon-Press.de: „Amazon Prime Instant Video startet heute in Deutschland mit der Amazon Eigenproduktion Alpha House mit John Goodman“, aufgerufen am 26. Februar 2014
  5. Starting Out. The Telegraph. Abgerufen am 26. September 2012.
  6. Video Island, ScreenSelect join forces. Screen Daily. Abgerufen am 27. September 2012.
  7. Video Island continues growth with DVDs365 acquisition. PR Week. Abgerufen am 26. September 2012.
  8. Money never sleeps: Lovefilm becomes the main attraction. Financial News. Abgerufen am 24. September 2012.
  9. Brafilm purchase takes Video Island into Europe. Marketing Week. Abgerufen am 28. September 2012.
  10. Lovefilm and ScreenSelect merge. TimeOut. Abgerufen am 19. September 2012.
  11. Lovefilm übernimmt Amazons DVD-Verleihservice. Golem.de. Abgerufen am 22. September 2012.
  12. Consortium sells LOVEFiLM to Amazon. unquote.com. Abgerufen am 22. September 2012.
  13. Zurück ins Videoverleih-Geschäft – Amazon kauft Lovefilm. N-TV. Abgerufen am 20. September 2012.
  14. Frischer Wind in der Geschäftsführung Online Videotheken Vergleich.com. Abgerufen am: 21. November 2012.
  15. “Lovefilm” streamt Filme und Serien jetzt auch in HDTV. AreaDVD.de. Abgerufen am 21. September 2012.
  16. http://www.lovefilm.de/help/dyn_faqs.html?faq_cat=watch_online&editorial_id=51287
  17. Lovefilm FAQ. Lovefilm.de. Abgerufen am 29. September 2012.
  18. Lovefilm schließt Content-Deal mit dem ZDF. Digitalfernsehen.de
  19. Lovefilm FAQ. Lovefilm.de. Abgerufen am 24. September 2012.