Ludwig Rütimeyer

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Karl Ludwig Rütimeyer

Karl Ludwig Rütimeyer (* 26. Februar 1825 in Biglen; † 25. November 1895 in Basel) war ein Schweizer Zoologe, Geologe, Anatom und Paläontologe.

Leben[Bearbeiten]

Ludwig Rütimeyers Vater Albrecht war Pfarrer, seine Mutter eine geborene Küpfer. Er war das fünfte von acht Kindern.[1] Rütimeyer besuchte ab 1838 das Gymnasium in Bern. 1843 nahm er das Studium der Theologie an der Universität Bern auf und wechselte nach vier Semestern zum Fach Medizin, welches er 1850 mit dem Staatsexamen abschloss. 1848 trug auf der 33. Versammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Solothurn Resultate seiner geologischen Untersuchungen des Gebirges zwischen Thunersee und Emme vor. 1850 promovierte mit einer Studie über das schweizerische Nummulitenterrain. 1848 war er Präses, dann Centralpräses der Sektion Bern des Schweizerischen Zofingervereins.[1]

Nach Studienaufenthalten in Paris (mit Empfehlungen von seines Lehrers Bernhard Studer[1]), London und Leiden sowie Aufenthalten im südlichen Italien und Sizilien habilitierte er sich 1854 in Bern. 1853 erhielt er einen Ruf als außerordentlicher Professor für vergleichende Anatomie an der Universität Bern und unterrichtete daneben Naturwissenschaften an der dortigen Real- und Industrieschule. 1855 bekam er eine ordentliche Professur an der Universität Basel, wo er bis 1894 lehrte. 1865 war er Rektor der Universität.[2] Gleichzeitig zu seiner Arbeit an der Basler Universität war er Vorsteher der naturwissenschaftlichen Anstalten, ab 1883 auch Leiter der naturkundlichen Sammlung im Museum. 1877 bis 1883 unternahm Rütimeyer Reisen nach Florenz, Lyon, Toulouse, Paris und London, wo er Charles Darwin kennenlernte.[1]

Rütimeyer war seit 1855 verheiratet mit Laura Fankhauser aus Burgdorf, der Schwester seiner Schwägerin. Das Paar hatte einen Sohn,[1] (Ludwig) Leopold Rütimeyer, der unter anderem Ludwig Rütimeyer. Briefe und Tagebuchblätter sowie Briefe von Ludwig Rütimeyer: 1825-1895 herausgab.

Wirken[Bearbeiten]

Rütimeyer erforschte die vorweltliche Fauna der Schweiz, lieferte aber namentlich umfassende Untersuchungen über die Herkunft einiger Säugetiergruppen. In seinem Versuch einer natürlichen Geschichte des Rindes in seinen Beziehungen zu den Wiederkäuern im allgemeinen von 1867 legte er den Grundstein zu einer Kenntnis der Beziehungen, welche zwischen den heutigen und den fossilen Wiederkäuern und Huftieren bestanden haben. Er untersuchte die 1850 entdeckten Tierreste der Pfahlbauten der Schweizerseen, die erste Arbeit dazu erschien 1860. Dabei war sein Schwerpunkt die Darlegung der Veränderungen der Tiere seit jener Zeit. Unter anderem beschrieb er basierend auf diesen Funden auch den Torfhund als Canis familiaris palustris Rütimeyer. In den Sitzungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel, deren Präsident er von 1860 bis 1862 war, hielt er 66 Vorträge und publizierte 36 Beiträge in ihren Verhandlungen.[1]

Ehrungen[Bearbeiten]

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • Lebende und fossile Schweine, 1857
  • Beiträge zur Kenntniss der fossilen Pferde, 1863 und 1878 online
  • Die Fauna der Pfahlbauten der Schweiz, 1861 online
  • Crania helvetica, 1864
  • Die Grenzen der Thierwelt, 1868
  • Ueber Thal und Seebildung, 1869 (Peter Merian gewidmet)
  • Die Veränderung der Tierwelt in der Schweiz seit Anwesenheit des Menschen, 1875
  • Die Rinder der Tertiärepoche, 1878
  • Beiträge zur Naturgeschichte der Hirschfamilie, 1882

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerold Meyer von KnonauRütimeyer, Karl Ludwig. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 654–657.
  • Heinz Balmer: Ludwig Rütimeyer, Historisches Lexikon der Schweiz
  • C. Schmidt: Ludwig Rütimeyer geboren den 26. Februar 1825, gestorben den 25. November 1895. In: Verhandlungen der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft. 78. Jahresversammlung. 8., 9., 10. und 11. September 1895 zu Zermatt. Sitten Buchdruckerei Kleindienst & Schmid 1896. S. 213–256 (mit Publikationsliste, online auf archive.org)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Schmidt Verh. S. N. G. 1886. s. Literatur
  2. Universität Basel: Rektoren der Universität Basel. Abgerufen am 16. September 2012.

Weblinks[Bearbeiten]