Ludwig Rehn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ludwig Wilhelm Carl Rehn (* 13. April 1849 in Allendorf; † 29. Mai 1930 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Chirurg.

Leben[Bearbeiten]

Ludwig Rehn war das jüngste von fünf Kindern des Arztes seines Geburtsorts Bad Sooden-Allendorf. Nach dem Besuch der Klosterschule in Bad Hersfeld studierte er von 1869 bis 1874 – unterbrochen vom Dienst als Freiwilliger im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 – Medizin in Marburg, wo er Mitglied des Corps Hasso-Nassovia wurde.[1] 1875 zum Dr. med. promoviert, ließ er sich in Griesheim und später in Rödelheim als praktischer Arzt nieder. Während dieser Zeit arbeitete er auch als Betriebsarzt in der Chemischen Fabrik Griesheim. Ab 1886 war er Chirurg und später Chefarzt und Direktor der Chirurgischen Klinik des Städtischen Krankenhauses in Frankfurt am Main, ab 1914 zusätzlich Professor für Chirurgie der in diesem Jahr neu gegründeten Universität Frankfurt. Am Ersten Weltkrieg nahm er zuletzt als Obergeneralarzt teil.

Rehn war Mitglied des wissenschaftlichen Senats der Kaiser-Wilhelm-Akademie in Berlin. Er starb als Geh. Medizinalrat.

Sein Sohn Eduard Rehn und sein Enkel Jörg Rehn waren ebenfalls Chirurgen. Sein Ur-Enkel Götz Rehn ist Leiter des von ihm 1984 gegründeten Bio-Unternehmens Alnatura.

Werk[Bearbeiten]

1880 führte Rehn die erste Thyreoidektomie durch. Bekannt wurde er auch durch die Aufklärung der Ursachen des Blasenkrebses bei Arbeitern in den ortsansässigen Anilinfabriken.[2] Er faßte seine Erkenntnisse folgendermaßen zusammen

  1. „Die Gase, welche bei der Fuchsin-Fabrikation sich entwickeln, führen zu Störungen in dem Harnapparat.
  2. Bei langjähriger Beschäftigung in dem Fuchsin-Betrieb können sich infolge des dauernden Reizes Blasengeschwülste entwickeln.
  3. Die schädigende Einwirkung besteht im wesentlichen aus der Einathmung von Anilindämpfen.“[3]

Rehn gelang am 9. September 1896 die erste erfolgreiche Naht einer Stichwunde im menschlichen Herzen, sein Patient war der 22-jährige Gärtnergeselle Wilhelm Justus, der am 6. September in einer Messerstecherei im Nizza, einer Grünanlage am Frankfurter Mainufer, verletzt worden war. Am 22. April 1897 berichtete Rehn auf dem 26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in Berlin. „Meine Herren! Die Ausführbarkeit der Herznaht dürfte wohl von jetzt ab nicht mehr in Zweifel gezogen werden.“[4]

In seiner Autobiographie (1923) schrieb er: „Ausgetretene Pfade zu gehen, hat mich nie gereizt. Wenn ich noch eine Möglichkeit für gegeben hielt, ein Menschenleben zu retten, so habe ich ohne die geringste Rücksicht auf eine gute Statistik alle Kraft darangesetzt, dem Kranken zu helfen oder seine Leiden zu lindern.“[5] Der Pioniertat vorangegangen waren erfolgreiche Versuche am Herzen von Kaninchen sowie eine Serie tödlich endender Rettungsversuche beim Menschen, die – ohne dass Rehn davon Kenntnis hatte – sich in Italien und Norwegen ereignet hatten.[6]

Ehrung[Bearbeiten]

Seit 1974 wird der 1973 gestiftete Ludwig-Rehn-Preis von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main für eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Allgemeinchirurgie durch die Vereinigung Mittelrheinischer Chirurgen vergeben.

Ebenfalls in Frankfurt wurde die Ludwig-Rehn-Straße im Stadtteil Sachsenhausen nach ihm benannt. Auch in seiner Geburtsstadt Bad Sooden-Allendorf gibt es eine solche Ehrung, dort als Ludwig-Rehn-Platz.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Über morbus Basedowii und dessen Heilung durch Operation an der Schilddrüse.
  • Ein Fall von Magenruptur und dessen Heilung durch Operation.
  • Tracheostenose durch hypertroph. Thymus und Heilung durch Operation.
  • Über penetrierende Herzverletzungen und Herznaht.
  • Über Blasengeschwülste bei Farbarbeitern.
  • Über Operation am Brustteil der Speiseröhre.

Literatur[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1960, 99, 328.
  2. Dan Fagin: Toms River: A Story of Science and Salvation . Bantam Books, New York 2014, ISBN 978-0-345-53861-1. S. 127.
  3. Zitiert nach Klaus-Dieter Thomann: Ludwig Rehn und die chemische Kanzerogenese. In: Juliane C. Wilmanns (Hrsg.): Medizin in Frankfurt am Main: Ein Symposion zum 65. Geburtstag von Gert Preiser. Georg Olms Verlag, ISBN 3-487-09894-6, S. 144ff.
  4. Hermann Mannebach: Hundert Jahre Herzgeschichte. Entwicklung der Kardiologie 1887–1987. Springer, Heidelberg 1988, ISBN 0-387-19299-9, S. 109.
  5. Gert Preiser: Ludwig Rehn und Victor Schmieden. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Bd. 59, Frankfurt am Main 1985, S. 423–438.
  6. Rainer Klawki: Die Herzmedizin der letzten 90 Jahre. Explosion einer Wissenschaft. Edition Rarissima, Taunusstein 1988, ISBN 3-926625-03-1.

Weblinks[Bearbeiten]