Friedrich Stelzner

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Friedrich Stelzner (* 4. November 1921 in Oberlohma, Tschechoslowakei) ist ein deutscher Chirurg, Forscher und Hochschullehrer auf dem Gebiet der Visceralchirurgie. Während seiner Laufbahn beschäftigte sich Stelzner mit Fragen der funktionellen Anatomie und ihrer Wirkung auf chirurgische Operationsmethoden.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit, Jugend, Ausbildung[Bearbeiten]

Friedrich Stelzner wurde am 4. November 1921 als einziges Kind des Bahnoberinspektors Georg Stelzner (1889–1959) und dessen Ehefrau Helene Brandner (1908–1969) in Oberlohma bei Franzensbad geboren.[1] Stelzners Mutter Helene stammte aus Eger, wo ihr Vater Schuhmachermeister war.

Friedrich Stelzner verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in Franzensbad. Im nahegelegenen Eger besuchte er das städtische Gymnasium. Nach dem Abitur im Sommer 1939 verpflichtete sich Stelzner als Sanitätsoffiziersanwärter. Unmittelbar nach seinem Gymnasialabschluss wurde er zum Militärdienst einberufen. In Jahr darauf erhielt er die Erlaubnis zum Medizinstudium.[2] Unterbrochen von Einsätzen als Sanitätsunterfeldarzt an der Ostfront studierte Stelzner von 1940 bis 1945 Medizin in Berlin, Würzburg, Gießen und München und legte schließlich in Berlin sein Staatsexamen ab. Er wurde bei Curt Elze mit einer Arbeit über das Thema „Der Fuß in Stand und Marsch“ mit dem Prädikat summa cum laude promoviert.[3]

Nach Kriegsende begann Stelzner als chirurgischer Assistenzarzt bei Otto Goetze an der Universitätsklinik Erlangen. 1949 wurde er Facharzt für Chirurgie. Drei Jahre später habilitierte er sich über die radikale Entfernung des Rektumkarzinoms unter Erhaltung der Analkontinenz.

1954–1967: Oberarzt in Hamburg[Bearbeiten]

Auf Anraten seines Mentors Goetze wechselte Stelzner 1955 als Oberarzt nach Hamburg. Er erhielt ein Stipendium des British Council für eine Zusatzausbildung in Colorectalchirugie am Londoner St. Mark`s Hospital. Die Zusammenarbeit mit den führenden Viszeralchirurgen in dieser Zeit prägte ihn entscheidend. Angeregt durch diese Erfahrung, schrieb Stelzner die erste Auflage seines Standardwerkes über die anorektalen Fisteln.[4] Stelzner wurde 1960 dafür mit dem Langenbeckpreis ausgezeichnet. Mit dem Hamburger Anatomen Jochen Staubsand[5] erarbeitete er die genaue Gefäßstruktur der Hämorrhoiden. Er stellte fest, dass Hämorrhoiden nicht erweitere Venen, sondern arteriovenöse Schwellkörperkissen sind. Diese Kissen haben große Bedeutung für die anale Kontinenz.[6] Er etablierte auch den Begriff anorektales Kontinenzorgan und wies darauf hin, dass dieses Organ bei Männern und Frauen deutliche Unterschiede aufweist. Diese Strukturunterschiede sind von großer Bedeutung bei anorektalen Eingriffen. Weitere Studien deckten die Spiralstrukturen der Ösophagusmuskulatur auf. Stelzner arbeitete hierbei mit dem Anatomen Werner Lierse anhand von Durchleuchtungspräparaten und Serienschnitten von Ösophagi, die in situ aufgearbeitet wurden. Die Kenntnis des wahren Verlaufes der Wandmuskelfasern des Ösophagus formen heute die Grundlage für Operationsverfahren zur Behandlung der Achalasie und der gastroösophagealen Refluxkrankheit.

1967–1987: Ordinarius für Chirurgie[Bearbeiten]

Stelzner erhielt 1967 einen Ruf auf den chirurgischen Lehrstuhl der Eberhard Karls Universität Tübingen. Etwa zeitgleich wurde der Hamburger Lehrstuhl frei, und Stelzner wurde 1968 Ordinarius im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zwei Jahre nach Übernahme der Hamburger Klinik nahm Stelzner einen Ruf auf den chirurgischen Lehrstuhl der Universität Frankfurt an. Dort entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Ordinarius für vergleichende Anatomie Dietrich Starck, mit dem er die Hüllfaszien des Rektums und des Halses als wichtige Leitstrukturen für die onkologisch korrekte Entfernung von Malignomen beschrieb. Weitere Untersuchungen (wieder mit Werner Lierse) beschrieben die morphologischen Grundlagen der Appendizitis und Divertikulose. 1976 erhielt Stelzner zeitgleiche Angebote zur Übernahme von chirurgischen Lehrstühlen in Wien und Bonn. Nach längeren Verhandlungen entschied sich Stelzner für das Ordinariat in Bonn. Ein Vielzahl von morphologischen Studien aus dieser Zeit beschäftigen sich mit den Ursachen des Pilonidalsinus und Pyodermia sinificans sowie mit der Embryologie und der Funktion der Beckenfaszien. 1985 wurde Stelzner Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

ab 1987: Emeritierung und aktiver Ruhestand[Bearbeiten]

Stelzners Emeritierung erfolgte 1987, aber er leitete die Universitätsklinik noch für weitere zwei Jahre bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers in Jahr 1989. Stelzner nahm auch in den folgenden Jahren noch regelmäßig kleinere chirurgische Eingriffe vor. Ab 1995 war Stelzner nicht mehr als Kliniker tätig.[7] Seine Hauptkonzentration galt jedoch fortan der wissenschaftlichen Arbeit. Ein wesentlicher Innovationsbeitrag war Stelzners Anwendung des PET-CT zur Darstellung der Spontanaktivität von gastrointestinalen Sphinktersystemen. Andere Arbeiten etablierten die Existenz von zwei getrennten Lymphsystemen, die unter den Epithelien und tief im Mesenchym angelegt sind.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Stelzner verfasste Beiträge zu über 80 Büchern und schrieb über 450 Publikationen und Vorträge.[12]

Bücher[Bearbeiten]

  • Die radikale Entfernung des Rektumkarzinoms unter Erhaltung der anorektalen Kontinenz. Erlangen (1952) (Habilitationsschrift)
  • Die anorectalen Fisteln. Springer, 3. Auflage, Berlin 1981, ISBN 3-540-10775-4.
  • Kongressergebnisse im Wandel 1949-1983: Ergebnisse der Kongresse der Deutschen Gesellschaft fur Chirurgie nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur 100. Tagung. Thieme, Stuttgart 1997, ISBN 3-13-107311-X.
  • Proktologie. mit Henning Hansen. 2. Auflage. Springer, Berlin 1987, ISBN 3-540-17507-5.
  • Chirurgie an viszeralen Abschlußsystemen. Thieme, Stuttgart 1998, ISBN 3-13-107521-X.
  • Perianale Fisteln. mit Henning Hansen. Urban und Vogel, München 2011, ISBN 978-3-89935-266-5.

Autobiographie[Bearbeiten]

Zeitschriftenartikel (Auswahl)[Bearbeiten]

  • PET-CT-Untersuchungen zur Stammzellkarzinogenese im Kolorektalbereich. In: Chirurg. 80 (2009), S. 645-651, PMID 19562240.
  • Nachweis der natürlichen Spontanaktivität der Beckenboden- und Analmuskulatur durch das PET-CT. Bedeutung für die Diagnostik und Therapie. In: Chirurg. 74(9) (2003), S. 834-838, PMID 14504796.
  • Manometry data support a novel concept of the lower esophageal sphincter. In: Langenbecks Arch Surg. 395(8) (2010), S. 1083-1091, PMID 20614132.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stelzner: Lebenswellen, Lebenswogen eines Chirurgen. Ecomed, 1998, S. 6.
  2. Hansen: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Stelzner. In: Langenbecks Arch Surg. 392: 2007, S. 385.
  3. Stelzner: Der Fuß in Stand und Marsch. In: Zeitschrift für Anatomie und Embryologie. 1943
  4. Stelzner: Die Anorectalen Fisteln. 3. Auflage. Springer 1981.
  5. Jochen Staubsand
  6. Friedrich Stelzner: Die Chirurgie an viszeralen Abschlußsystemen. Thieme, Stuttgart 1998, ISBN 3-13-107521-X, S. 56ff.
  7. Hansen: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Stelzner. In: Langenbecks Arch Surg. 392: 2007, S. 387.
  8. Langenbeckpreis
  9. Stelzner: Lebenswellen, Lebenswogen eines Chirurgen. Ecomed 1998, S. 293.
  10. Stelzner: Lebenswellen, Lebenswogen eines Chirurgen. Ecomed 1998, S. 313.
  11. Siewert: Friedrich Stelzner zum 85. Geburtstag. In: Chirurg 11: 2006, S. 1047.
  12. Hansen: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Friedrich Stelzner. In: Langenbecks Arch Surg. 392: 2007, S. 387.