Blasenkrebs

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Klassifikation nach ICD-10
C67 Bösartige Neubildung der Harnblase
D09.0 Carcinoma in situ der Harnblase
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Als Blasenkrebs werden allgemein von der Harnblase ausgehende bösartige Geschwülste (Tumoren) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Häufigkeit (Epidemiologie)

Der Blasenkrebs ist die vierthäufigste Krebsart des Mannes und die achthäufigste Krebsart der Frau und wird in Deutschland bei knapp 26000 Menschen pro Jahr neu diagnostiziert. Männer sind 2-3 mal (USA 3-4 mal) so häufig betroffen wie Frauen.

Rauchen ist der Hauptrisikofaktor. Bei Nichtrauchern tritt der Blasenkrebs selten auf. Von 141 japanischen Patienten im Osaka City University Hospital waren 106 Raucher und 35 Nichtraucher. (Quelle: Int J Urol. 2001 Mar;8(3):106-9.PMID: 11260334 )

Das Durchschnittsalter bei der Diagnose beträgt circa 65 Jahre. Bei Menschen unterhalb des 40 Lebensjahres treten weniger als 1 % der Harnblasenkarzinome auf.

Bei der ersten Diagnose sind

  • 70% der Blasenkrebserkrankungen oberflächlich d.h. sie betreffen nur die Harnblasenschleimhaut,
  • 30% sind bereits in die Muskelschicht der Harnblase eingewachsen.
  • Bei 15% sind bereits Absiedlungen in Lymphknoten oder anderen Organen nachweisbar.

Die Heilungsrate liegt beim Blasenkrebs im Durchschnitt über 50 %, allerdings neigt die Krankheit zu erneutem Befall der Blase.

Die Fünfjahresüberlebensrate beträgt

  • bei oberflächlichem Tumor 75 - 85 %
  • bei Muskelbefall 40 - 60 %
BRD 2002                            männlich                   weiblich                    Summe 
Betroffenes Organ (+ ICD-10 Code)   diagnostiziert verstorben  diagnostiziert verstorben   diagnostiziert verstorben 
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Harnblase (C67, D09.0, D41.4)       18.850         3.432       7.100          2.019        25.950         5.451 

[Bearbeiten] Tumorarten

Urothelkarzinom der Blase
Urothelkarzinom der Blase

In den westlichen Industrienationen ist der verbreitetste feingewebliche Typ mit ca. 90 % der Fälle das Urothelkarzinom oder Transitionalzellkarzinom. Dieses geht von der Blasenschleimhaut aus. Vor allem in Ländern in denen die Bilharziose verbreitet ist, findet sich das Plattenepithelkarzinom (typisches Beispiel: Ägypten). Seltener kommen Adenokarzinome der Blase, die vom Urachus, einem Überbleibsel der Embryonalentwicklung, ausgehen und andere Subtypen, wie Tumoren, die von der Muskelschicht entspringen (Sarkome) oder Absiedlungen (Metastasen) von Tumoren anderer Organe vor. Bis auf seltenere Ausnahmen (Papillome, Myome, Hyperplasien) werden Blasentumore zu den bösartigen Tumoren gerechnet.

[Bearbeiten] Ursachen

Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs, was in der Öffentlichkeit nicht allgemein bekannt ist. In einer Befragung urologischer Patienten gaben zwar fast alle einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs an, aber nur 34 % wussten, dass Blasenkrebs durch Rauchen verursacht werden kann. [1]

Weiterhin ist der Kontakt zu aromatischen Aminen (beta-Naphthylamin, Benzidin) ein bekannter Risikofaktor. In zahlreichen Berufen ist der Kontakt zu solchen krebsverursachenden Stoffen möglich und Blasenkrebs als Berufskrankheit anerkannt. Dazu zählen Arbeiter in der Chemie-, Stahl- und Lederindustrie, Automechaniker, sowie Zahntechniker und Friseure. [2]

Bilharzioseerkrankungen gelten ebenfalls als Risikofaktor.

Die Rolle chronischer Entzündungen in der Tumorentstehung ist umstritten. Neuere Untersuchungen deuten auf eine mehr oder weniger direkte Beteiligung von Humanen Papillomviren (HPV) hin. [3]

[Bearbeiten] Symptome

Häufigstes Zeichen eines Blasentumors ist die schmerzlose Verfärbung des Urins durch Blut. Dies kann als mit bloßem Auge erkennbare Makrohämaturie oder als Mikrohämaturie, die mit Teststreifen oder Mikroskop erkennbar ist, vorkommen. Hierbei handelt es sich im Allgemeinen um ein Frühsymptom. Weiterhin kann es zu Symptomen ähnlich einer Blasenentzündung wie häufigem Harndrang oder auch Schmerzen beim Wasserlassen kommen. Flankenschmerzen weisen meist auf ein fortgeschrittenes Stadium hin.

Obwohl diese Symptome auch bei anderen Erkrankungen vorkommen können, muss - insbesondere bei hartnäckigen oder wiederkehrenden Beschwerden oder beim Vorliegen von Risikofaktoren - eine weitere Abklärung durch den Urologen erfolgen.

[Bearbeiten] Diagnostik

Wegweisend für die Diagnose ist die Blasenspiegelung (Zystoskopie). Hierbei erscheint die Schleimhaut verändert, meist farnartig (papillär-exophytisch) oder gerötet und flach-erhaben, sodass bereits der hochgradige Verdacht gestellt werden kann. Durch eine Probenentnahme (Biopsie), die oft direkt im Rahmen der Tumorabtragung mittels transurethraler Resektion der Blase (TURB) erfolgt, und der nachfolgenden feingeweblichen Untersuchung wird die Diagnose gesichert. Weiterhin wird eine Ultraschalluntersuchung und Darstellung des oberen Harntraktes (z. B. durch IV-Urogramm oder Computertomographie) durchgeführt. Stellt sich der Verdacht auf einen fortgeschrittenen Befund, wird das Staging durch eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie des Bauchraums sowie eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes komplettiert.

[Bearbeiten] Klassifikation

Stadien des Urothelkarzinoms
Stadien des Urothelkarzinoms

Die histologisch-pathologische Klassifizierung der Schleimhauttumoren erfolgt nach dem TNM-System.

pTa = nicht invasives Karzinom der Schleimhaut (Urothel)

pTcis = Carcinoma in situ

pT1 = Einwachsen (Infiltration) unter die Schleimhaut (subepitheliales Bindegewebe), Unterklassifikation pT1a-c

pT2 = Einwachsen in die Muskelschicht (Muscularis propria), Unterklassifikation pT2a-b

pT3 = Hinauswachsen über die Muskelschicht hinaus, Unterklassifikation pT3a-b

pT4 = Einwachsen in Nachbarorgane wie Prostata, Gebärmutter, Vagina, Beckenwand

pN1 = einzelner Lymphknoten < 2 cm

pN2 = einzelne oder mehrere Lymphknoten bis 5 cm

pN3 = Lymphknoten über 5 cm

M0 = keine Metastasen

M1 = Fernmetastasen

Wurde aus dem Tumor eine Probe entnommen oder wurde der Tumor entfernt, dann erfolgt zusätzlich eine feingewebliche Einteilung des Grades der Entartung (Grading). Dabei sind entdifferenzierte Tumoren (G3 oder G4) am gefährlichsten.

G1 Grad 1: gut differenziertes bösartiges Gewebe ("low-grade")

G2 Grad 2: mäßig differenziertes bösartiges Gewebe

G3 Grad 3: schlecht differenziertes bösartiges Gewebe

G4 Grad 4: nicht differenziertes bösartiges Gewebe (undifferenziert bzw. anaplastisch)

[Bearbeiten] Therapie

Die Therapie erfolgt stadienorientiert: Zunächst wird eine sogenannte transurethrale Resektion (TUR) der Blase (B) mit Quadrantenbiopsie durchgeführt. In spezialisierten Zentren erfolgt die Abtragung der Tumoren im Rahmen einer sogenannten Fluoreszenz-Blasenspiegelung mit 5-Amino-Lävulinsäure, bei der unter speziellem Licht die Tumoren rot leuchten. Dadurch kann die Häufigkeit kurzfristiger Rezidive (also "übersehener" Veränderungen) gesenkt werden. Ein zusätzlicher Baustein zur Vermeidung von erneut auftretenden Tumoren ist die Frühinstillation, d. h. die Behandlung mit einem Chemotherapeutikum (Doxorubicin, Mitomycin), das innerhalb von 24 Stunden nach der Operation in die Blase eingefüllt wird. In den Stadien pTa bis pT1 ist diese Therapie in aller Regel ausreichend. Bei Tumoren im Stadium pT1 kann ca. 3 Wochen nach der Operation eine Nachoperation (Nachresektion) des Tumorgrundes erfolgen, um auszuschließen, dass der Tumor in tiefere Schichten vorgedrungen ist.

Bei Muskelinfiltration (T2-3) wird eine radikale Zystektomie (Entfernung von Blase, Prostata und Harnleiter beim Mann, von Blase, Harnröhre, Harnleiter, Gebärmutter und Ovarien bei der Frau) durchgeführt. Je nach Patient kann hiernach eine kontinente (dichte) Ableitung (Ersatzblase) mit der Fähigkeit, auf normalem Wege Wasser zu lassen, oder eine inkontinente Ableitung mit einem künstlichen Ausgang (Ileum-/Kolon-Conduit) durchgeführt werden. Ab Stadium T4 (Infiltration von Nachbarorganen, Fernmetastasen) wird eine Polychemotherapie mit Cisplatin, Methotrexat, Vinblastin und Adriamycin (MVAC-Schema) durchgeführt.

[Bearbeiten] Nachbehandlung

Aufgrund der hohen Rezidivrate (Wiederkehrung) muss alle drei Monate eine Blasenspiegelung durchgeführt werden. Auch hier kann bei bestimmten Risikopatienten eine Fluoreszenzspiegelung durchgeführt werden. Zur Senkung der Rezidivrate kann eine Instillation mit BCG oder Mitomycin durchgeführt werden.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Nieder AM, John S, Messina CR, Granek IA, Adler HL. Are patients aware of the association between smoking and bladder cancer? J Urol 2006;176(6 Pt 1):2405-8; discussion 8.
  2. Manski, D.: Online Lehrbuch der Urologie. http://www.urologielehrbuch.de/harnblasenkarzinom.html
  3. Focus Online. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/news/humanes-papillomavirus_aid_134015.html

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
 Commons: Urothelkarzinom der Blase – Bilder, Videos und Audiodateien
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