Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden
| Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) | |
|---|---|
| Typ | GmbH |
| Gründung | 1913 |
| Sitz | Bremen |
| Personen |
Ekkehart Vetter (Präses), Heinz-Werner Korte und Harald Volz (Geschäftsführer) |
| Aktionsraum | Deutschland |
| Schwerpunkt | Dachverband pfingstlich-freikichlicher Gemeinden |
| Mitglieder | 48 Gemeinden, ca. 4.000 Mitglieder (Stand 2010)[1] |
| Website | www.muelheimer-verband.de |
Der Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) (vormals: Christlicher Gemeinschaftsverband Mülheim a. d. Ruhr / CGV) ist eine Freikirche pfingstlicher Prägung.
Inhaltsverzeichnis |
Selbstverständnis [Bearbeiten]
Der Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden versteht sich als eine evangelische Freikirche in Deutschland auf der Grundlage einer evangelikal-charismatischen Frömmigkeit bzw. Theologie und bietet selbständigen Ortsgemeinden eine geistliche Lebens- und Dienstgemeinschaft.
Im Verständnis des MV ist Gemeinde Jesu die Gemeinschaft von Menschen, die durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus miteinander verbunden sind. Durch Glaubenstaufe und Abendmahl wird das Heilsangebot Jesu ganzheitlich erfahrbar gemacht. Die Bibel ist die Grundlage für Glauben und Leben der einzelnen Glaubenden, sowie der Gemeinde.
Organisation und Aufgabenschwerpunkte [Bearbeiten]
Die meisten Gemeinden des MV sind ihrem Rechtsstatus nach eingetragene Vereine. Damit sind sie innerhalb des Verbandes in ihren Ordnungen, Einrichtungen und Beschlüssen selbständig. Die Ortsgemeinde ist also autonom und bleibt maßgebend die Trägerin des geistlichen Lebens.
Die Finanzierung der Gehälter und des gemeindlichen Lebens geschieht über die freiwilligen Abgaben der Gemeindeglieder.
Die Leitung der Gemeinde wird durch einen berufenen Gemeindeleitungskreis (Ältestenkreis) ausgeübt. Der ordinierte Pastor beziehungsweise der Gemeindeleiter übt seinen Dienst in diesem Leitungskreis als primus inter pares aus.
Oberstes Entscheidungsgremium des MV ist die Delegiertentagung, die sich aus den Delegierten der einzelnen Gemeinden zusammensetzt. Präses des MV ist zurzeit Pastor Ekkehart Vetter, Mülheim an der Ruhr, der auch Mitglied des Hauptvorstandes der Evangelischen Allianz ist.
Neben den außenmissionarischen Schwerpunkten Sambia und Indonesien besinnt sich der Verband mehr und mehr auf die Reevangelisierung Deutschlands, besonders mit dem Ziel, neue Gemeinden zu gründen.
Geschichte [Bearbeiten]
Der Mülheimer Verband ist der älteste pfingstkirchliche Verband Deutschlands. Er hat seine geschichtlichen Wurzeln in einer Erweckung, die im Jahr 1905 in Mülheim an der Ruhr begann und sich in anderen Regionen Deutschlands fortsetzte. Bereits im Vorfeld hatte es in Deutschland, ausgelöst durch die Erweckungsbewegung von Wales und unter dem Einfluss der Heiligungsbewegung seit Entstehung der Keswick-Bewegung, eine starke Erwartung für eine Erweckung und ein neues Pfingsten gegeben. Die führenden Männer der deutschen Gemeinschaftsbewegung waren durch diese Erwartungen geprägt. Einflussreich waren z. B. die Mülheimer Pfarrer Ernst Modersohn und Martin Girkon, der Evangelist und Gründer der Deutschen Zeltmission Jakob Vetter sowie Jonathan Paul, die alle an regelmäßigen von Modersohn 1905 eingerichteten Gebetstreffen in Mülheim teilnahmen. Die ausgebrochene Erweckung in Mülheim und Umgebung wurde daher als Parallele zu den Ereignisssen in Wales gesehen aber auch als ein neues Pfingsten gedeutet.[2]
Parallel zu der Erweckung in Mülheim kam die Pfingstbewegung, die 1906 mit dem Azusa Street Revival ihren Anfang genommen hatte, auch nach Europa und Deutschland und nahm Einfluss auf die Erweckung. Innerhalb der Gemeinschaftsbewegung kam es in den folgenden Jahren jedoch zu einer unterschiedlichen Beurteilung der sich entwickelnden Heilig-Geist-Bewegung. Die anfängliche Hoffnung, mit den neuen Heilig-Geist-Erfahrungen einen Reformimpuls in die etablierten Kirchen zu geben, erfüllte sich somit nicht. In der Berliner Erklärung von 1909 verurteilten führende Männer des Gnadauer Verbandes und der Evangelischen Allianz die Erscheinungen der Pfingstbewegung als „nicht von oben, sondern von unten“ und Jonathan Pauls Heiligungslehre vom „reinen Herzen“ als unbiblisch.[3]
Personen und Gemeinschaften, die an der Pfingsterweckung festhielten, wurden in der Folge aus der Gemeinschaftsbewegung und der Evangelischen Allianz hinausgedrängt. Die Betroffenen schlossen sich 1913 unter Jonathan Paul zur Christlichen Kolportage-Gesellschaft mbH zusammen. Ab 1938 war die offizielle Benennung Christlicher Gemeinschaftsverband Mülheim a. d. Ruhr (CGV). Der Name verdeutlicht die Nähe zur Gemeinschaftsbewegung. Die Organisationsform als GmbH wurde gewählt, da die Gründer nicht an eine endgültige Trennung von der Gemeinschaftsbewegung glaubten und daher keine Körperschaftsrechte anstrebten.[4]
In den folgenden Jahrzehnten fand der Mühlheimer Gemeinschaftsverband als gemäßigte pfingstkirchliche Organisation seinen Platz unter den Kirchen. Verstanden sich die Gemeinden des Verbandes in den ersten Jahrzehnten eher als Gemeinschaften mit enger Verbundenheit zu ihren landeskirchlichen Wurzeln, so entwickelten sie sich seit den 1970er Jahren immer mehr zu Gemeinden eines freikirchlichen Typus. Im Februar 1998 erreichte dieser Prozess seinen vorläufigen Abschluss mit der Verabschiedung eines neuen Selbstverständnisses und einer neuen Namensgebung: Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden.
Ökumene [Bearbeiten]
Auf verschiedenen Ebenen pflegt der Mülheimer Verband Beziehungen zu anderen Kirchen. Seit 1970 besteht eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), zunächst als Gastmitglied, seit 2007 als Vollmitglied. Seit 1981 ist der MV Vollmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).
Die frühere Zugehörigkeit zum Forum Freikirchlicher Pfingstgemeinden (FFP) wurde 2002 vom Mülheimer Verband beendet, da er sich weder lehrmäßig noch organisatorisch länger als Pfingstkirche sieht.[5]
Statistik [Bearbeiten]
Zum MV gehören über 4.000 Mitglieder (ohne Kinder und Freunde der Gemeinden; Stand 31. Dezember 2010). Sie sind in 48 Gemeinden bundesweit organisiert.[1]
Siehe auch [Bearbeiten]
Portal: Freikirchen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Freikirchen
Literatur [Bearbeiten]
- Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz - erweckungsfasziniert und durststreckenerprobt. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes, Bremen 2009, ISBN 978-3-923649-30-3.
- Monatszeitschrift Gemeinde KONKRET
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b Der MV in Zahlen auf muelheimer-verband.de
- ↑ Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 270f.
- ↑ Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 272f.
- ↑ Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 273f.; Aus der Geschichte des Mülheimer Verbandes auf muehlheimer-verband.de (abgerufen: 4. Juli 2012); Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz – erweckungsfasziniert und durststreckenerprobt. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden, Mülheim a. d. Ruhr 2009, S. 11.
- ↑ Mülheimer Verband verlässt Pfingst-Forum, 23. September 2002, auf livenet.de (abgerufen: 4. Juli 2012)
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