Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden

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Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)
Mülheimer Verband Logo.jpg
Typ e. V.
Gründung 1913
Sitz Bremen
Personen

Ekkehart Vetter (Präses), Heinz-Werner Korte und Harald Volz (Geschäftsführer)

Aktionsraum Deutschland
Schwerpunkt Dachverband pfingstlich-freikichlicher Gemeinden
Mitglieder 45 Gemeinden, ca. 4.400 Mitglieder (Stand 2012)[1]
Website www.muelheimer-verband.de

Der Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) (vormals: Christlicher Gemeinschaftsverband Mülheim a. d. Ruhr / CGV) ist eine Freikirche pfingstlicher Prägung.

Selbstverständnis[Bearbeiten]

Der Verband versteht sich als eine evangelische Freikirche in Deutschland auf der Grundlage einer evangelikal-charismatischen Frömmigkeit bzw. Theologie und bietet selbständigen Ortsgemeinden eine geistliche Lebens- und Dienstgemeinschaft.

Im Verständnis des MV ist Gemeinde Jesu die Gemeinschaft von Menschen, die durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus miteinander verbunden sind. Durch Glaubenstaufe und Abendmahl wird das Heilsangebot Jesu ganzheitlich erfahrbar gemacht. Die Bibel ist die Grundlage für Glauben und Leben der einzelnen Glaubenden, sowie der Gemeinde.

Organisation und Aufgabenschwerpunkte[Bearbeiten]

Der Verband ist als eingetragener Verein organisiert, dem die einzelnen rechtlich selbstständigen Ortsgemeinden als Mitglieder angehören. Er wird von einem Vorstand geleitet, welcher der Mitgliederversammlung gegenüber rechenschaftspflichtig ist. Erster Vorsitzender des Vereins und damit gleichzeitig Präses des MV ist zurzeit Pastor Ekkehart Vetter, Mülheim an der Ruhr, der auch Mitglied des Hauptvorstands der Evangelischen Allianz ist.

Oberstes Entscheidungsgremium des MV ist die einmal jährlich stattfindende Delegiertentagung, die sich aus den Delegierten der einzelnen Gemeinden zusammensetzt.

Derzeit gehören dem Verband 45 Gemeinden mit insgesamt ca. 4.400 Mitgliedern an (ohne Kinder und regelmäßig teilnehmende Nichtmitglieder; Stand 2012).[1] Die meisten Gemeinden des Mülheimer Verbands sind ihrem Rechtsstatus nach eingetragene Vereine. Damit sind sie innerhalb des Verbandes in ihren Ordnungen, Einrichtungen und Beschlüssen selbständig. Die Ortsgemeinde ist also autonom und bleibt maßgebend die Trägerin des geistlichen Lebens.

Die Leitung jeder Ortsgemeinde wird in der Regel durch einen berufenen Gemeindeleitungskreis (Ältestenkreis) ausgeübt. Der ordinierte Pastor beziehungsweise der Gemeindeleiter übt seinen Dienst in diesem Leitungskreis als primus inter pares aus. Die Finanzierung der Gehälter und des gemeindlichen Lebens geschieht über freiwillige Spenden der Gemeindeglieder.

Der Verband legt einen Schwerpunkt auf die Reevangelisierung Deutschlands, besonders mit dem Ziel, neue Gemeinden zu gründen. Daneben werden außenmissionarische Arbeiten in Sambia und Indonesien unterstützt.

Neben dem Verein besteht auch weiterhin die 1913 gegründete GmbH, aus der der Mühlheimer Verband entstanden ist. Sie übernimmt entsprechend ihrer ursprünglichen Aufgabe als Hilfswerk für den MV und die ihm angeschlossenen Gemeinden wichtige Unterstützungsaufgaben, wie z. B. Verlag, Zeitschrift, Veranstaltungen, Versorgung von Pastoren im Ruhestand und Immobilienverwaltung.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verband ist der älteste pfingstkirchliche Verband Deutschlands. Er hat seine geschichtlichen Wurzeln in einer Erweckung, die im Jahr 1905 in Mülheim an der Ruhr begann und sich in anderen Regionen Deutschlands fortsetzte. Bereits im Vorfeld hatte es in Deutschland, ausgelöst durch die Erweckungsbewegung von Wales und unter dem Einfluss der Heiligungsbewegung seit Entstehung der Keswick-Bewegung, eine starke Erwartung für eine Erweckung und ein neues Pfingsten gegeben. Die führenden Männer der deutschen Gemeinschaftsbewegung waren durch diese Erwartungen geprägt. Einflussreich waren z. B. die Mülheimer Pfarrer Ernst Modersohn und Martin Girkon, der Evangelist und Gründer der Deutschen Zeltmission Jakob Vetter sowie Jonathan Paul, die alle an regelmäßigen von Modersohn 1905 eingerichteten Gebetstreffen in Mülheim teilnahmen. Die ausgebrochene Erweckung in Mülheim und Umgebung wurde daher als Parallele zu den Ereignissen in Wales gesehen aber auch als ein neues Pfingsten gedeutet.[2]

Parallel zu der Erweckung in Mülheim kam die Pfingstbewegung, die 1906 mit dem Azusa Street Revival ihren Anfang genommen hatte, auch nach Europa und Deutschland und nahm Einfluss auf die Erweckung. Innerhalb der Gemeinschaftsbewegung kam es in den folgenden Jahren jedoch zu einer unterschiedlichen Beurteilung der sich entwickelnden Heilig-Geist-Bewegung. Die anfängliche Hoffnung, mit den neuen Heilig-Geist-Erfahrungen einen Reformimpuls in die etablierten Kirchen zu geben, erfüllte sich somit nicht. In der Berliner Erklärung von 1909 verurteilten führende Männer des Gnadauer Verbandes und der Evangelischen Allianz die Erscheinungen der Pfingstbewegung als „nicht von oben, sondern von unten“ und Jonathan Pauls Heiligungslehre vom „reinen Herzen“ als unbiblisch.[3]

Personen und Gemeinschaften, die an der Pfingsterweckung festhielten, wurden in der Folge aus der Gemeinschaftsbewegung und der Evangelischen Allianz hinausgedrängt. Die Betroffenen schlossen sich 1913 unter Jonathan Paul zur Christlichen Kolportage-Gesellschaft mbH zusammen. Ab 1938 war die offizielle Benennung Christlicher Gemeinschaftsverband Mülheim a. d. Ruhr (CGV). Der Name verdeutlicht die Nähe zur Gemeinschaftsbewegung. Die Organisationsform als GmbH wurde gewählt, da die Gründer nicht an eine endgültige Trennung von der Gemeinschaftsbewegung glaubten und daher keine Körperschaftsrechte anstrebten.[4]

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Mühlheimer Gemeinschaftsverband zu einer gemäßigt pfingstkirchlichen Organisation. Verstanden sich die Gemeinden des Verbandes in den ersten Jahrzehnten eher als Gemeinschaften mit enger Verbundenheit zu ihren landeskirchlichen Wurzeln, so entwickelten sie sich seit den 1970er Jahren immer mehr zu Gemeinden eines freikirchlichen Typus. Im Februar 1998 mündete dieser Prozess in der Verabschiedung eines neuen Selbstverständnisses und einer neuen Namensgebung: Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden.

Im April 2013 gab sich der Verband auf seiner Delegiertentagung in Bremen eine neue Rechtsform als eingetragener Verein. Bis dahin war der MV historisch bedingt als gemeinnützig anerkannte GmbH organisiert, wobei die Entscheidungsabläufe und das Miteinander der Gemeinden von Anfang an eher einem Verein als einer GmbH entsprachen.[1]

Ökumene[Bearbeiten]

Auf verschiedenen Ebenen pflegt der Mülheimer Verband Beziehungen zu anderen Kirchen. Seit 1970 besteht eine Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), zunächst als Gastmitglied, seit 2007 als Vollmitglied. Seit 1981 ist der MV Vollmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).

Die frühere Zugehörigkeit zum Forum Freikirchlicher Pfingstgemeinden (FFP) wurde 2002 vom Mülheimer Verband beendet, da er sich weder lehrmäßig noch organisatorisch länger als Pfingstkirche sieht.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz – erweckungsfasziniert und durststreckenerprobt. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes, Bremen 2009, ISBN 978-3-923649-30-3.
  • Monatszeitschrift Gemeinde KONKRET

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Bericht auf der Website der Deutschen Evangelischen Allianz: Mülheimer Verband: nach 100 Jahren neuer Dachverband. Anmerkung: Offiziell sind 42 Gemeinden Mitglieder des 2013 gegründeten Vereins, drei weitere bisherige MV-Gemeinden sind dem Verein noch nicht beigetreten, weil sie noch Diskussionsbedarf zur Vereinssatzung und zum Selbstverständnis des MV haben. Die offenen Fragen sollen bis zur Delegiertentagung 2014 geklärt werden. Solange werden diese Gemeinden in der Statistik wie bisher mitgezählt.
  2. Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 270f.
  3. Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 272f.
  4. Erich Geldbach: Freikirchen - Erbe, Gestalt und Wirkung. Bensheimer Hefte 70. 2. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, S. 273f.; Aus der Geschichte des Mülheimer Verbandes auf muehlheimer-verband.de (abgerufen: 4. Juli 2012); Ekkehart Vetter: Jahrhundertbilanz – erweckungsfasziniert und durststreckenerprobt. Missionsverlag des Mülheimer Verbandes Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden, Mülheim a. d. Ruhr 2009, S. 11.
  5. Mülheimer Verband verlässt Pfingst-Forum, 23. September 2002, auf livenet.de (abgerufen: 4. Juli 2012)