Madalyn Murray O’Hair

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Madalyn Murray O’Hair (1983)

Madalyn Murray O’Hair (* 13. April 1919 in Pittsburgh als Madalyn Evalyn Mays, Pennsylvania; † 29. September 1995 in Austin, Texas) war eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie durch einen von ihr ausgetragenen Gerichtsstreit Murray v. Curlett, später Abington School District v. Schempp vor dem Obersten Gerichtshof (Supreme Court) der Vereinigten Staaten bekannt, der die bis dahin übliche Praxis täglicher Gebete in öffentlichen Schulen der USA unterband. Sie gründete die Organisation American Atheists, die sich für die Belange von Atheisten und für die Trennung von Staat und Kirche einsetzt. Durch ihre Aktivitäten war sie sehr umstritten und das Life Magazine nannte sie 1964 „the most hated woman in America“ (die meistgehasste Frau Amerikas).

Leben[Bearbeiten]

Murray O’Hair wurde als Tochter von John Irwin Mays und dessen Frau Lena Christina (geb. Scholle) in einem Vorort von Pittsburgh geboren. Als Kind wurde sie presbyterianisch getauft. 1941 heiratete sie John Henry Roths, trennte sich jedoch von ihm, als sie sich beide zur Armee verpflichteten, er zum United States Marine Corps, sie zum Women's Army Corps. Sie arbeitete als Kryptografin in Italien. Dort hatte sie eine Affäre mit einem Offizier, William Joseph Murray, der jedoch als Katholik die Scheidung von seiner Ehefrau ablehnte. Aus der Affäre ging ein Sohn hervor und Madalyn Mays nannte sich ab dann „Madalyn Murray“. Wieder in den Vereinigten Staaten erwarb sie an der Ashland University den Grad B.A. Sie studierte bis 1952 am South Texas College of Law, ohne allerdings den endgültigen Abschluss und damit die Zulassung als Juristin zu erlangen. 1954 wurde ihr zweiter Sohn geboren.

1960 begann sie einen Rechtsstreit, da sie es als nicht verfassungsgemäß empfand, dass ihr Sohn Bill an Bibel-Lesungen in der Schule teilnehmen sollte. In dieser Rechtssache, später als Abington School District v. Schempp vor dem Obersten Gerichtshof gehandelt, bekam sie schließlich Recht und Bibel-Lesungen an öffentlichen Schulen wurden als nicht verfassungsgemäß eingestuft. In den folgenden Jahren lebte Madalyn Murray mit ihren Kindern an verschiedenen Orten Amerikas und ließ sich schließlich in Austin (Texas) nieder, wo sie 1965 den Marineoffizier Richard O’Hair heiratete.

Mit ihren von Religiösen als provokant empfundenen öffentlichen Äußerungen (Zitat: „There is no God. There’s no heaven. There’s no hell. There are no angels. When you die, you go in the ground, the worms eat you.“, zu Deutsch: „Es gibt keinen Gott. Es gibt keinen Himmel. Es gibt keine Hölle. Es gibt keine Engel. Wenn man stirbt, kommt man in den Boden, und die Würmer fressen einen.“) erregte sie immer wieder Anstoß. So trat sie auch für Sexualunterricht in der Schule ein und bezeichnete sich selbst als „sexual libertarian“. In Austin gründete sie die Vereinigung American Atheists[1] und war bis zu ihrem Tod deren Vorsitzende.

1995 verschwanden Murray O’Hair, ihr Sohn und ihre Enkeltochter plötzlich. Zusätzlich wurden große Geldsummen von den Konten von American Atheists abgehoben, so dass zeitweise die Vermutung aufkam, dass die drei sich mit dem Geld abgesetzt hätten. Erst Jahre später konnte geklärt werden, dass sie Opfer eines erpresserischen Menschenraubs durch einen ehemaligen Angestellten von American Atheists geworden waren, der die drei Personen ermordete.[2]

Madalyn Murray O’Hair war Mutter von William J. Murray, der sich – zum öffentlich geäußerten Ärger seiner Mutter – der christlichen Erweckungsbewegung angeschlossen hat. William („Bill“) Murray – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schauspieler – wiederum hat sich von den Aktivitäten seiner Mutter öffentlich distanziert.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. About American Atheists
  2. Lona Manning: The Murder of Madalyn Murray O'Hair: America's Most Hated Woman Text nicht auffindbar 19.Januar 2011

Weblinks[Bearbeiten]

  • Madalyn Murray O'Hair: Woman, Atheist, Anarchist. Interview vom März 1989, in: The Freedom Writer, Jan/Feb 1996 weblink
  • Interview mit dem Magazin Playboy, Oktober 1965