Magnetberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Magnetberg in der Arktis auf einer Karte von Gerhard Mercator (1512–1594)
Detail der Carta Marina (1539) von Olaus Magnus mit der magnetischen Insel in der Arktis

Die Bezeichnung Magnetberg ist auf einen mythischen Glauben an einen solchen Berg in der Arktis begründet, der vor allem im 16. Jahrhundert von Forschern als vermeintliche Tatsache wissenschaftlich zu untermauern versucht wurde und in der Neuzeit zur Bezeichnung von Bergen mit hoher eigener magnetischer Polatrität übernommen wurde.

Schon seit dem 12. Jahrhundert war den westeuropäischen Völkern der Magnet bekannt und man vermutete im Hohen Norden die auslösende Ursache, eben einen starken Magneten. Entstanden ist dieser Mythos durch ein Werk des Oxforder Franziskaners Nicholas of Lynne, der in seinem Werk Inventio Fortunata schon 1360 vom Magnetberg berichtete.

Als Meersage oder Seemannsgarn liefert der Magnetberg sagenhafte Geschichten, in denen Schiffe angezogen werden oder diese wegen Verlust ihrer Eisennägel untergehen. Auch in der Geschichte von Sindbad dem Seefahrer, allerdings erst in den späteren Fassungen der Märchen aus Tausendundeiner Nacht, erreicht der Held den Magnetberg. Jules Verne verarbeitet diese Vorstellung in Abenteuer des Kapitän Hatteras. In modernen fiktiven Geschichten, wie Jim Knopf und die wilde Dreizehn wird das Motiv erneut verwendet.

Der Begriff war im 16. Jahrhundert die Bezeichnung der arktischen Polarregion, bzw. es wurde in ihr ebendieser Magnetberg vermutet. Die Erdkarte des Johannes Ruysch aus dem Jahr 1508 enthält dazu weitere Information, wie die Lage unterhalb des Nordpols und dass der Berg ein einziger Felsen sei mit einem Ausmaß von 33 deutschen Meilen. Darum herum befinde sich das Bernsteinmeer und darin wiederum vier Inseln von denen zwei bewohnt seien. Der Berg bildet somit eine Insel und impliziert außerdem eine Theorie vom eisfreien Nordpolarmeer. Dies griff der englische Geograf Richard Hakluyt in seinem Werk The principal navigations, voyages and discoveries of the English Nation wieder auf. Gerhard Mercator beschreibt den Magnetberg 1577 in einem Brief an John Dee. [1]

Alexander von Humboldt bezeichnete den Haidberg bei Zell im Fichtelgebirge als Magnetberg[2], weil dieser eine hohe eigene magnetische Polarität besitzt. Auch der Ilbes-Berg im Frankensteinmassiv trägt wegen dieser Eigenschaft diesen Namen.

Quellen[Bearbeiten]

Sagen und Erzählungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eva G. R. Taylor: A Letter Dated 1577 from Mercator to John Dee. In:Imago Mundi: The International Journal for the History of Cartography. Volume 13, Ausgabe 1. 1956. S.56–68. (online) (Englisch)
  2. Frank Holl, Eberhard Schulz-Lüpertz: Ich habe so große Pläne dort geschmiedet... Alexander von Humboldt in Franken. Fränkische Geschichte, Bd. 18. Gunzenhausen: Schrenk, 2012. ISBN 978-3-924270-74-2. S.114f.