Malalai Joya

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Malalai Joya (auch Malalai Dschoja geschrieben; * 25. April 1978)[1] ist eine afghanische Politikerin aus der im Westen des Landes liegenden Provinz Farah. Sie erhielt bei der Wahl im September 2005 die zweithöchste Anzahl an Stimmen in ihrer Provinz und ist seitdem die jüngste Parlamentarierin Afghanistans.

Malalai Joya, 2007

Familiärer Hintergrund[Bearbeiten]

Malalai Joya ist die Tochter eines früheren Medizinstudenten, der im Kampf gegen die sowjetische Armee ein Bein verlor. Malalai war vier Jahre alt, als sie und ihre Familie 1982 in den Iran und später nach Pakistan flohen, wo sie die Schule abschloss. Nach dem Rückzug der sowjetischen Armee kehrte Joya 1998, während der Herrschaft der Taliban, nach Afghanistan zurück. Erst 19 Jahre alt, begann sie Kurse für Lesen und Schreiben für andere Frauen zu geben. Außerdem gründete sie 2001 ein Waisenhaus sowie ein Krankenhaus. Sie ist Geschäftsführerin der Nichtregierungsorganisation "Organisation of Promoting Afghan Women's Capabilities" (OPAWC) in den westafghanischen Provinzen Herat und Farah.[2][3]

Malalai Joya ist verheiratet.

Politisches Wirken[Bearbeiten]

19. Februar 2007 – Joya – Farah.

Im Dezember 2003 forderte Malalai Joya vor der großen Ratsversammlung (Loya Jirga) die Strafverfolgung der ebenfalls im Parlament sitzenden kriminellen Warlords und Drogenschmuggler, von denen mehrere von Human Rights Watch als Kriegsverbrecher eingestuft sind. Gerade in Afghanistan, einem sehr stark patriarchaisch geprägten Land, sind Frauen beinahe aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, dennoch hat Joya es zu einer landesweit bekannten Politgröße gebracht. Aufgrund ihrer öffentlich geäußerten Kritik gegen Fundamentalisten und Warlords erhielt sie in der Folge zahlreiche Morddrohungen. Sie trägt daher in der Öffentlichkeit stets eine Burka und wird von 12 Personenschützern begleitet. Bisher hat Joya bereits vier Mordversuche überlebt.

Am 21. Mai 2007 wurde Joya von der großen Mehrheit des afghanischen Parlamentes eine dreijährige Sperre auferlegt. Weiterhin wurde ein Gerichtsverfahren gegen sie eingeleitet und ihre Reisefreiheit beschränkt, so dass sie sich nicht ungehindert innerhalb und außerhalb von Afghanistan bewegen kann. [4]

Malalai Joya kritisiert die US-Außenpolitik und die Besatzung ihres Landes durch die NATO scharf. Sie fordert einen sofortigen Abzug der Streitkräfte aus Afghanistan. Außerdem wirft sie den USA vor, unter dem Vorwand Frauenrechte und Demokratie nach Afghanistan zu bringen, mit ihrer Truppenpräsenz eigene strategische Interessen zu verfolgen.

Mitte März 2011 wurde ihr ein Einreise-Visum in die USA verweigert, weil sie beschäftigungslos ist und im Untergrund lebt.[5]

Auf der Northeast Socialist Conference in New York sagte sie am 23. Oktober, 2009:

"...They are not leaving my country. They are making their military base there, because of their own strategic policies. They do not care for the wishes of my people."

"...The Nations, who pose them selfs as liberators to others, will lead them into slavery." [6]

Die Dokumentation Enemies of Happiness, die Malalai Joya bei ihrer Kampagne für die Wahl 2005 zeigt, wurde mehrfach mit Preisen auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Januar 2004: Malalai of Maiwand-Preis der Cultural Union of Afghans in Europe für ihre Rede in der Loya Jirga. [8]
  • Dezember 2004: International Women of the Year 2004-Preis der Provinz Valle d'Aosta in Italien [9]
  • 15. März 2006: Auszeichnung mit dem Ehrenzertifikat durch Tom Bates, Bürgermeister von Berkeley für ihr fortgesetztes Engagement für die Menschenrechte".[10]
  • März 2006: Gwangju-Preis für Menschenrechte 2006 der 18.Mai-Stiftung in Südkorea [11]
  • August 2006: Women of Peace award 2006 der Womens Peacepower Foundation
  • 23. Juli 2007: Golden Fleur-de-Lis (Giglio d'Oro)-Preis des Town Council der Region Toscana in Italien [12]
  • Joya war darüber hinaus unter den "1000 Women for the Nobel Peace Prize 2005" [13]
  • und unter den "250 Young Global Leaders for 2007" des World Economic Forum [14].
  • 2008 "International Human Rights Film Award von Amnesty International, Cinema for Peace und Human Rights Film Network" an Malalai Joya und dem Film "Enemies of Happiness"

Literatur[Bearbeiten]

  • Malalai Joya: Ich erhebe meine Stimme. Eine Frau kämpft gegen den Krieg in Afghanistan Piper, München Zürich 2009, ISBN 978-3492052771; Übersetzung von Dagmar Mallett des englischen Originals: Raising My Voice. Random House UK Ltd, London 2009, ISBN 978-1846041495.
  • Malalai Joya: A Woman Among Warlords. Simon & Schuster Inc., 2009, ISBN 978-1439109465.

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. United Iranian-Canadian Society
  2. Mut der Verzweiflung, junge Welt, 21. September 2007
  3. "The NS Interview: Malalai Joya". Newstatesman.com. Abgerufen am 14. Juli 2010.
  4. Warlords and drug-lords oust Malalai Joya from the parliament, Defense Committee for Malalai Joya, 22. Mai 2007
  5. Afghan women’s rights icon denied US visa
  6. Malalai Joya – Northeast Socialist Conference 2009
  7. Enemies of Happiness – Screening
  8. http://www.8mars.com/nashriye/8/yadast.htm
  9. http://www.consiglio.regione.vda.it/donna_dell_anno/2004_i.asp
  10. http://www.malalaijoya.com/usa06/brekley.jpg
  11. http://518.org/english/html/newsContent.asp?seq=81
  12. http://ufficiostampaonline.comune.fi.it/cgi-bin/uscomu.cgi?tipo=5&id=30202&test
  13. http://www.1000peacewomen.org/typo/index.php?id=14&L=1&WomenID=1962
  14. http://www.younggloballeaders.org/scripts/Modules/Addresses/yglSearchAddress.aspx?srh=1&idn=1