Marcel Pagnol

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Marcel Pagnol, 1931

Marcel Pagnol (* 28. Februar 1895 in Aubagne, Bouches-du-Rhône; † 18. April 1974 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Dramaturg und Regisseur.

Leben[Bearbeiten]

Pagnol wurde 1895 in Aubagne geboren. Sein Vater, Joseph, war Grundschullehrer und seine Mutter, Pauline Henriette (genannt Augustine) Lansot, war Schneiderin. 1898 wurden sein Bruder Paul, 1902 seine Schwester Germaine und 1909 sein Bruder René geboren. Bald nach der Geburt des letzten Kindes starb Augustine an einem Lungenleiden.

Pagnol wuchs als Kind in der Provence und ab 1904 in Marseille auf und wollte zunächst Englischlehrer werden. Der Erfolg seiner frühen Bühnenstücke ließ ihn aber eine Karriere als Dramaturg einschlagen. Pagnol besuchte das Gymnasium Thiers, später machte er seinen Abschluss an der Universität Aix-en-Provence. 1916 heiratete er Simone Collin.

Ab 1927 lebte Pagnol als freier Schriftsteller. Aus einer Liaison mit Kitty Murphy ging sein Sohn Jacques hervor. 1932 verließ Pagnol Paris und gründete in Marseille sein eigenes Filmstudio. 1933 gebar Orane Demazis seinen Sohn Jean Pierre. 1935 wurde Yvonne Pouperon die Mutter von Pagnols drittem Kind, Francine. 1941 ließ er sich von seiner ersten Frau Simone scheiden; ein Jahr später verkaufte er sein Filmstudio. Im Jahr 1944 wurde Pagnol Präsident der Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques.

1945 heiratete Pagnol Jacqueline Bouvier, ein Jahr später bekamen sie ihren Sohn Frédéric. Im selben Jahr, 1946, wurde Marcel Pagnol Mitglied der Académie Française. Die Tochter Estelle wurde 1951 geboren, starb jedoch bereits 1954. Im Jahr der Geburt von Pagnols fünftem Kind, 1951, war sein Vater Joseph gestorben, der Held seiner autobiografischen Bücher.

Marcel Pagnol, der als Honorarkonsul von Portugal und Monaco geehrt wurde, starb 1974. Er ist, wie der größte Teil seiner Familie, in La Treille begraben, dem Ort, der seine Kindheit prägte. Die dortige Hügellandschaft der Collines du Garlaban, in der Pagnols bekannteste Romane und Filme spielen, nennt man auch „Collines de Pagnol“.

Werke[Bearbeiten]

Populär wurde Pagnol am Petit Théâtre de Paris mit den Stücken Marius (1929), Fanny (1931, später als gleichnamiges Musical von den beiden Librettisten S. N. Behrman und Joshua Logan sowie dem Komponisten Harold Rome am Broadway erfolgreich) und César (1936), die sich mit den Menschen seiner Heimatstadt Marseille beschäftigten. Diese Stücke wurden auch erfolgreich für das Kino adaptiert, und so widmete sich Pagnol während der 1930er Jahre überwiegend diesem Medium und schuf einige weitere Klassiker des französischen Kinos: Angèle (1934), Regain (1937) und Die Frau des Bäckers (1939).

Zwischen 1957 und 1959 erschien Pagnols autobiografische Romantrilogie Souvenirs d’enfance (deutsch als Eine Kindheit in der Provence). Diese gehört seit Jahrzehnten zur Standardlektüre französischer Schüler und begründete Pagnols bis heute ungebrochene Popularität in Frankreich. Diese Werke erfuhren Übersetzungen in verschiedene Sprachen, neben Deutsch (von Pamela Wedekind) und Englisch unter anderem Chinesisch und Dänisch. 1977 erschien posthum ein vierter Teil. Die Kindheitserinnerungen wurden zudem 1990 von Yves Robert zu zwei Kinofilmen verarbeitet.

  • La gloire de mon père. Pastorelly, Monte-Carlo 1957 (verfilmt als Der Ruhm meines Vaters 1990).
  • Le château de ma mère. Pastorelly, Monte-Carlo 1957 (verfilmt als Das Schloss meiner Mutter 1990).
  • Le temps des secrets. Pastorelly, Monte-Carlo 1959 (Marcel und Isabelle. Die Zeit der Geheimnisse).
  • Le temps des amours. Juillard, Paris 1977 (Die Zeit der Liebe, aus dem Nachlass).

Weitere Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • La petite Fille aux yeux sombres (1921)
  • L'Eau des collines (1963) (Die Wasser der Hügel), Roman in zwei Teilen als separate Bücher erschienen:
    • Jean de Florette, erster Teil, 1986 von Regisseur Claude Berri als Jean Florette verfilmt
    • Manon des sources, zweiter Teil, 1986 von Regisseur Claude Berri als Manons Rache verfilmt
    • erneut aufgelegt in einem Band: Éditions Juillard, Paris 1986.
    • deutsch von Pamela Wedekind 1964 bei Langen-Müller unter dem Titel Die Wasser der Hügel in München erschienen, von 1966-67 bei Rütten/Loening in Berlin, von 1968-73 bei dtv München, gebundene Auflage bei Niemeyer in Hameln (1995) und seit 1997 als Taschenbuch im Piper-Verlag (ISBN 3-492-22428-8).

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Les Marchands de gloire (1925)
  • Jazz (1926)
  • Topaze (1928)
  • Catulle (1929)
  • Marius (1929) in deutscher Sprache unter dem Titel Zum goldenen Anker (1929) übersetzt
  • Fanny (1931)
  • Cesar (1946) Bühnenversion
  • Judas (1955)
  • Fabien (1956)
  • Angèle (1978)
  • La Femme du Boulanger (1985)

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Hamlet von William Shakespeare (1947)
  • Les Bucoliques von Vergil (1958)
  • Le Songe d’une nuit d’été von William Shakespeare (1970)

Filmographie (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Claude Beylie: Marcel Pagnol ou le cinéma en liberté. Éd. Atlas u.a., Paris 1986. ISBN 2-7312-0555-5.
  • Brett Christopher Bowles: Representing rural France. A cultural history of Marcel Pagnol's cinema (1933-1938). Univ. Diss., ark, Pa., The Pennsylvania State.
  • Norbert Calmels: Rencontres avec Marcel Pagnol de lÀcadémie Française. Pastorelly, Monte-Carlo 1978.
  • Raymond Castans: Das Licht der Provence. Leben und Werk des Marcel Pagnol. Langen, München 1990. ISBN 3-7844-2282-9.
  • Raymond Castans, André Bernard: Les films de Marcel Pagnol. Julliard, Paris 1982. ISBN 2-260-00309-5.
  • Jean-Paul Clébert: La Provence de Pagnol. Édisud, Aix-en-Provence 1986. ISBN 2-85744-268-8.
  • Michel Galabru: Galabru raconte Pagnol. Flammarion, Paris 1999. ISBN 2-08-067746-2.
  • Rudolf Geissler: Der alte Götze als moderner Gott. Zur Rolle des Geldes in Marcel Pagnols Komödie "Topaze".In: Kürbiskern 3/1986,München 1986. S.137-143.ISSN 0023-5016
  • Jean-Jacques Jelot-Blanc: Pagnol inconnu. Lafon u.a., Paris 2000. ISBN 2-84098-102-5.
  • Paule Gounelle Kline: Le theâtre de Pagnol. Personnages et thèmes dans les oeuvres de jeunesse. Lang, New York u.a. 1986. (American university studies; Series 2, Romance languages and literature; 46) ISBN 0-8204-0320-2.
  • Andrée Tudesque: Marcel Pagnol de la tradition bucolique. Reichert, Worms 1991. ISBN 3-924343-21-7.
  • Catherine S. Webster: Pagnol, Guitry, and Cocteau. The playwright as filmmaker. Univ. Diss., New York, NY, 2005.
  • Daniel Winkler: Marcel Pagnol auf dem Weg vom Theater zum Film: Marius, Fanny, César. In: Michael Lommel u.a. (Hrsg.): Französische Theaterfilme – zwischen Surrealismus und Existentialismus. Transcript, Bielefeld 2004. (= Medienumbrüche; 5) S. 133-158. ISBN 3-89942-279-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marcel Pagnol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 1940 Awards. In: nyfcc.com.