Marie Dentière

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Erster Name einer Frau auf dem Reformationsdenkmal in Genf

Marie Dentière, auch Marie d’Ennetières (* 1495 in Tournai; † 1561 in Genf), war eine reformierte Theologin, Schriftstellerin und Reformationshistorikerin. Da in dieser Zeit Frauen keine Bücher veröffentlichen konnten, erschienen ihre Werke unter Pseudonym. Sie setzte sich für das Recht zu predigen auch für Frauen ein und trat in Genf in Opposition zu dem mächtigen Reformator Johannes Calvin.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Als Priorin des Augustinerinnenklosters von Près in Tournai wurde sie eine Anhängerin Martin Luthers und zog 1524 nach Strassburg, wo sie 1528 Simon Robert heiratete. Zusammen zogen sie in die Schweiz, wo Robert zunächst als Pfarrer in Bex und dann in Aigle VD als reformierter Pfarrer wirkte. Nach seinem Tod 1533 heiratete die Witwe und Mutter zweiter Kinder Antoine Froment und lebte ab 1535 mit ihm in Genf.

Marie Dentière veröffentlichte anonym mehrere historische und theologische Schriften, darunter:

  • La guerre et deslivrance de la ville de Genève fidèlement faicte et composée par ung marchand demourant en icelle („Der Krieg um die Stadt Genf und ihre Befreiung, treulich dargestellt und aufgeschrieben durch einen in ihr wohnenden Handelsmann“), 1536
  • Défense pour les femmes („Verteidigungsschrift für die Frauen“), 1539
  • Epistre tres utile, faicte ey composée par une femme chréstienne de Tornay, envoyée a la Royne de Navarre, seur de Roy de France, contre les Turcz, Iuifz, Infideles, faulx chrestiens, Anabaptistes et Lutheriens („Sehr nützlicher Brief, verfasst und aufgeschrieben von einer christlichen Frau aus Tournai, geschickt an die Königin von Navarra, Schwester des Königs von Frankreich, gegen die Türken, Juden, Ungläubigen, falschen Christen, Wiedertäufer und Lutheraner“), 1539 (eine Streitschrift in Form eines Briefes an Margarete von Angoulême)

Am 6. Februar 1540 schrieb Guillaume Farel an Johannes Calvin, der damals noch im strassburgischen Exil weilte: ... notre Froment est le premier qui, à la suite de sa femme, ait dégénéré en ivraie ... Cette femme orgueilleuse et vindicative fut, malgré tout son esprit, une mauvais conseillère à son nouvel époux, qu’elle dominait absolument („... unser Froment ist der erste, der, im Gefolge seiner Frau, in Trunkenheit verfallen ist ... Diese stolze und rachsüchtige Frau war ihrem neuen Mann trotz all ihres Verstandes eine schlechte Ratgeberin und beherrschte ihn völlig“). Die Verhältnis zwischen Calvin und dem Ehepaar Froment blieb dann auch eher distanziert.

Am 3. November 2002 wurde der Name Marie Dentières anlässlich des Reformationsfestes zusammen mit den Namen von Petrus Waldes, John Wyclif und Jan Hus den bereits bestehenden Inschriften des Genfer Reformationsdenkmals hinzugefügt. Sie ist die einzige Frau, der diese Ehre zuteilwurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Irena Backus: Marie Dentière; in: Bulletin de la Société de l'histoire du protestantisme français 137 (1991) 177-195.
  • S. Ticconi, Marie Dentière, 1996
  • W. Kemp / D. Desrosiers-Bonin: Marie d’Ennetières et la Petite grammaire hébraïque de sa fille d'après la dédicace de l'Epistre à Marguerite de Navarre (1539)»; in: Bibliothèque d'Humanisme et Renaissance 60 (1998) 117-134.
  • Eduard Kopp: Marie Dentière; in: „Chrismon. Das evangelische Magazin“ Nr. 12/2009, Frankfurt a.M., Dezember 2009, S. 27.
  • Eduard Knopp: Vorbilder - Marie Dentière. In: chrismon 12/2009

Weblinks[Bearbeiten]