Medizinische Informatik

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Die Medizinische Informatik ist die Wissenschaft der systematischen Erschließung, Verwaltung, Aufbewahrung, Verarbeitung und Bereitstellung von Daten, Informationen und Wissen in der Medizin und im Gesundheitswesen. Sie ist von dem Streben geleitet, damit zur Gestaltung der bestmöglichen Gesundheitsversorgung beizutragen.

Zu diesem Zweck setzt sie Theorien und Methoden, Verfahren und Techniken der Informatik und anderer Wissenschaften ein und entwickelt eigene. Mittels dieser beschreiben, modellieren, simulieren und analysieren Medizinische Informatiker/innen Informationen und Prozesse mit dem Ziel,

  • Ärzte/innen, Pflegekräfte und andere Akteure im Gesundheitswesen sowie Patienten/innen und Angehörige zu unterstützen,
  • Versorgungs- und Forschungsprozesse zu gestalten und zu optimieren sowie
  • zu neuem Wissen in Medizin und Gesundheitswesen beizutragen.

Damit die hierzu nötigen Daten und Informationen und das benötigte Wissen fachgerecht erfasst, aufbewahrt, abgerufen, verarbeitet und verteilt werden können, entwickeln, betreiben und evaluieren Medizinische Informatiker/innen Infrastrukturen, Informations- und Kommunikationssysteme einschließlich solcher für Medizintechnische Geräte. Die Medizinische Informatik versteht diese als sozio-technische Systeme, deren Arbeitsweisen sich in Übereinstimmung mit ethischen, rechtlichen und ökonomischen Prinzipien befinden.

Fachausschuss für Medizinische Informatik (FAMI) der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) 2013

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer waren Anwendungen in den späten 1970er Jahren. Seitdem hat sich die Medizinische Informatik entsprechend den gleichermaßen wachsenden Anforderungen und technologischen Kapazitäten einen enormen Aufschwung genommen. In den letzten Jahren hat insbesondere das Internet, hier vor allem das Aufkommen von E-Health, das Fachgebiet erweitert.

Der weltweit erste grundständige Studiengang in Medizinischer Informatik startete zum Wintersemester 1972/73 als Kooperation der Hochschule Heilbronn und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.[1]

Anwendungsbereiche[Bearbeiten]

Das erklärte Ziel ist lehrbuchgemäß, „die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort der richtigen Person im richtigen Kontext richtig zu präsentieren und zu interpretieren, um Entscheidungen und Prozesse in der Medizin und im Gesundheitswesen zu unterstützen und zu verbessern mit Methoden zur Strukturierung, Erfassung, Haltung, Verarbeitung, Kommunikation und Präsentation von Daten, Informationen und Wissen.“ Damit können die Arbeitsprozesse der im Gesundheitswesen Tätigen unterstützt werden. Dies gilt für medizinische Diagnostik, Therapie, Dokumentation, Abrechnung, Epidemiologie und Krankheitsprävention. Auch dem zunehmend wichtigeren Zweck der Qualitätssicherung wird dadurch entscheidend zugearbeitet. Denn damit werden Abläufe und die (Fehl-) Leistungen der Beteiligten nachvollziehbar, also im Prinzip kontrollierbar gemacht.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Informationen häufig systematisch strukturiert und zum Teil erst einmal klassifiziert werden, was ein eigenes Berufsfeld begründet hat, die Medizinische Dokumentation. Mit Hilfe dieser strukturierten und durch Computer interpretierbaren Informationen können so genannte wissensbasierte Systeme aufgebaut werden, die die im Gesundheitswesen Tätigen unterstützen, etwa bei der Diagnostik und Therapie von Patienten. Strukturierte Information ist auch die Grundlage für den Einsatz von Krebsregistern sowie für wissenschaftliche oder wirtschaftliche Berechnungen im Gesundheitswesen.

Spezielle Anwendungsbereiche befassen sich mit Bildverarbeitung, also der Diagnostik mittels Computertomographie und anderen bildgebenden Verfahren, sowie der Biosignalverarbeitung etwa in OP-Sälen und Intensivstationen.

Ein relativ neues Einsatzgebiet bildet die computerassistierte Detektion (CAD – Computer-assisted Detection) von auffälligen Strukturen in Röntgenbildern um den diagnostischen Prozess zu unterstützen.

Dental informatics[Bearbeiten]

Dental informatics ist die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung und Weiterentwicklung der zahnmedizinischen Forschung, Ausbildung und Dokumentation. In den letzten 40 Jahren hat sie sich insbesondere in den USA zu einer eigenen Disziplin innerhalb der Medizininformatik entwickelt.[2]

Im Rahmen der fachspezifischen Vertiefung sollen, wie generell in Medizininformatik, die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort beschleunigt zur Verfügung gestellt werden. Im Rahmen der Zahnmedizin haben dabei die Chair-side-Unterstützung sowie die Unterstützung der Arbeitsprozesse der in der Zahnmedizin Tätigen besondere Bedeutung. Dies gilt für medizinische Diagnostik, Therapie, medizinische Dokumentation, Abrechnung und Prävention. Auch dem zunehmend wichtigeren Zweck der Qualitätssicherung wird dadurch entscheidend zugearbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Benachbarte Gebiete, die in der Fachgesellschaft GMDS vertreten sind, sind Medizinische Dokumentation, Bioinformatik, Epidemiologie und Biometrie.

Die medizinische Biometrie befasst sich zwar wie die Biometrie auch mit dem Messen von biologischen Merkmalen im weitesten Sinn. Der allgemeine Sprachgebrauch von Biometrie ist in der Öffentlichkeit aber anders besetzt, nämlich vor allem mit der Entwicklung von Techniken zur Identifizierung von Personen. Medizinische Biometrie hingegen beschäftigt sich hauptsächlich mit statistischen Methoden und Evaluationen.

Weitere spezielle Themen sind

Literatur[Bearbeiten]

  • Holzinger, Andreas: Biomedical Informatics (Books on Demand) ISBN 978-3-8482-2219-3
  • Bitzer, E et al: Bestandsaufnahme, Bewertung und Vorbereitung der Implementation einer Datensammlung „Evaluation medizinischer Verfahren und Technologien“ in der Bundesrepublik (Nomos) ISBN 3-7890-5646-4
  • Dugas, Martin / Schmidt, Karin: Medizinische Informatik und Bioinformatik. Ein Kompendium für Studium und Praxis (Springer Bln) ISBN 3-540-42568-3
  • Haas, Peter: Medizinische Informationssysteme und Elektronische Krankenakten (Springer Bln) ISBN 3-540-20425-3
  • Janssen, Karl: Medizinische Expertensysteme und staatliche Sicherheitsregulierung. Medizininformatik als Gegenstand des Medizinproduktrechts (Springer Bln) ISBN 3-540-62912-2
  • Krüger, Uwe / Schneeweiss, Sebastian: Arbeitsmedizin pur, medizinische Statistik und Informatik pur. Die Karteikarten (Börm Bruckmeier) ISBN 3-929785-15-3
  • Lehmann, Thomas / Meyer zu Bexten, Erdmuthe: Handbuch der Medizinischen Informatik (Hanser, C /VM) ISBN 3-446-21589-1
  • Tresp, Christopher: Beschreibungslogiken zur Behandlung von unscharfem Wissen im Kontext eines medizinischen Anwendungsszenarios (Shaker) ISBN 3-8265-6182-1
  • Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Lehrbuch (de Gruyter) ISBN 3-11-014317-8
  • Medizinische Dokumentation. Grundlagen einer qualitätsgesicherten integrierten Krankenversorgung – Lehrbuch und Leitfaden (Schattauer /KNO) ISBN 3-7945-2265-6
  • Wörterbuch der medizinischen Informatik (de Gruyter) ISBN 3-11-011224-8
  • Lehmann, Thomas: Handbuch der Medizinischen Informatik (2. Auflage, Hanser, C /VM) ISBN 3-446-22701-6
  • Wingert, Friedrich: Medizinische Informatik (B.G. Teubner Stuttgart) ISBN 3-519-02453-5
  • O. Rienhoff, J. L. Zimmerman, J. J. Salley: Dental Informatics: Strategic Issues for the Dental Profession. Springer-Verlag, 1990, ISBN 978-0-387-52759-8.
  • Louis M. Abbey: Dental Informatics: Integrating Technology Into the Dental Environment. Springer-Verlag, 1992, ISBN 978-0-387-97643-3.
  • Titus Schleyer: Dental Informatics. 2002, Volume 46:3
  • Marcel Stepan: Informationstechnologie in der Zahnmedizin. 2008 136 Bl. (Diplomarbeit Master of Science, Donau-Universität Krems, Österreich, 2008)
  • Andriani Daskalaki: Dental Computing and Applications: Advanced Techniques for Clinical Dentistry , Medical Information Science Reference, 2009, ISBN 978-1-60566-292-3
  • Andriani Daskalaki: Informatics in Oral Medicine: Advanced Techniques in Clinical and Diagnostic Technologies (PDF; 664 kB), Medical Information Science Reference, 2010, ISBN 978-1-60566-733-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Medical informatics – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Medizinische Informatik – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 40 Jahre MI – Hintergrund. Hochschule Heilbronn, abgerufen am 20. Januar 2013.
  2. Dental Informatics Online Community