Mithymna

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Gemeindebezirk Mithymna
Δημοτική Ενότητα Μήθυμνας
(Μήθυμνα)
Mithymna (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Nördliche Ägäis

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Regionalbezirk: Lesbos
Gemeinde: Lesbos
Geographische Koordinaten: 39° 22′ N, 26° 10′ O39.36805555555626.173888888889Koordinaten: 39° 22′ N, 26° 10′ O
Höhe ü. d. M.: 51 m
(Durchschnitt)
Fläche: 50,166 km²
Einwohner: 2.243 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 44,7 Ew./km²
Code-Nr.: 530110
Gliederung: f121 Stadtbezirk
3 Ortsgemeinschaften
Lage in der Gemeinde Lesbos und im Regionalbezirk Lesbos
Datei:DE Mithymnas.svg

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Mithymna (griechisch  Μήθυμνα (f. sg.)), auch Methymna, ist eine Kleinstadt mit 1.390 Einwohnern (2011) sowie Verwaltungssitz des gleichnamigen Gemeindebezirks im Norden der griechischen Insel Lesbos. Trotz der seit 1919 offiziellen Bezeichnung mit dem antiken Namen wird der seit dem Mittelalter verwendete Name Molyvos (Μόλυβος (m. sg.)) im alltäglichen Sprachgebrauch weiterhin benutzt.

Lage und Stadtbild[Bearbeiten]

Die Stadt ist an ist an der Nordküste der Insel Lesbos, nur etwa 5 Seemeilen (9,5 km) vom türkischen Festland entfernt, jedoch von diesem abgewandt, an einen Berg gebaut, auf dessen Gipfel sich eine mittelalterliche Burg befindet. Sie ist 62 km nordwestlich von Mytilini gelegen, der Hauptstadt der Insel 6 km nördlich des beliebten Badeortes Petra.

Die autofreie Stadt hat mit vielen kleinen Treppengassen, die den Berg hinaufführen, und überrankten Sträßchen im Zentrum – der Agorá mit zahlreichen Geschäften und Lokalen – ein ursprüngliches, fast mittelalterlich anmutendes Aussehen.

Das Ortsbild ist noch deutlich von der Zeit der Türkenherrschaft geprägt. Zahlreiche in traditionell türkischer Bauweise errichtete Häuser aus dem 18. Jahrhundert sind erhalten. Das untere Stockwerk ist aus unverputzten Steinen gebaut, das obere Geschoss besteht aus verfugten Holzplanken, ragt – teilweise durch geschnitzte Balken gestützt – über die Front des Erdgeschosses hinaus und bildet dadurch einen mit Fenstern ausgestatteten Erker.

Westlich unterhalb der Stadt liegt ein kleiner natürlicher Hafen, der mit einer Mole versehen wurde und als Fischerhafen genutzt wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Die schon seit prähistorischer Zeit bestehende Siedlung erlebte in archaischer Zeit einen raschen Aufschwung. Im 8 Jahrhundert vor Chr. beteiligte sich die Polis mit der Gründung von Assos an der Kolonisation der gegenüber liegenden kleinasiatischen Küste und erweiterte um 600 vor Chr. mit der Eroberung von Arisbe seinen Besitz um eines der fruchtbarsten Gebiete der Insel. Der aus Mithymna stammende Arion von Lesbos galt als bedeutendster Kitharöde seiner Zeit. Im 5. Jahrhundert war die Stadt Mitglied des Attischen Seebundes und stellte ein eigenes Schiffskontingent. Im Peloponnesischen Krieg widersetzte sich Mithymna 428 dem Zusammenschluss der Inselstädte und beteiligte sich – als einzige Stadt auf Lesbos – nicht an der Erhebung gegen Athen.[2] Die Rivalität mit dem größeren Mytilene, das im Gegensatz zum demokratisch verfassten Mithymna oligarchisch regiert wurde, dürfte hierbei ein Grund gewesen sein. Erst 412 vor Chr. fiel Mithymna von Athen ab, wurde jedoch zum Wiedereintritt in den Seebund gezwungen. 406 vor Chr. wurde die Stadt von Sparta erobert, in dessen Einflussbereich sie bis 386 blieb. Wenige Jahre später verbündete sie sich wieder mit Athen und gehörte 377 vor Chr. zu den Gründungsmitgliedern des Zweiten Attischen Seebundes. Unter dem Tyrannen Kleomis wandte sich Mithymna um 340 wieder von Athen ab und verweigerte aktive Unterstützung im Krieg gegen Philipp II. von Makedonien, was zu einer erfolglosen militärischen Intervention Athens führte. Im 3. Jahrhundert in ptolemäischem Besitz, lehnte sich Mythymna im 2. Jahrhundert vor Chr. eng an Rom an, dessen wohlwollende Unterstützung es lange genoss, bis sich das römische Interesse mehr auf Mytilene konzentrierte. Im Mittelalter wurde die Stadt in Molybos umbenannt. 1373 wurde die Akropolis von der genuesischen Familie Gattilusio ausgebaut. 1450 wurde ihr Gebiet bei der Landung türkischer Truppen schwer verwüstet, 1457 leistete sie der Belagerung durch den Admiral Ismael erfolgreich Widerstand, musste jedoch nach der Kapitulation Mytilenes 1462 kampflos an die Türken übergeben werden.

Von der antiken Stadt sind Teile der archaischen polygonalen Stadtmauer aus dem 6. Jahrhundert vor Chr. erhalten, vom antiken Hafen noch Reste der Mole.[3]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Die 1918 gegründete selbständige Landgemeinde Molyvos (Κοινότητα Μολύβου) wurde bereits im folgenden Jahr in Mithymna (Κοινότητα Μήθυμνης) umbenannt.[4] Den Status einer Stadtgemeinde (Δήμος Μήθυμνης) erhielt Mithymna 1947. Die Eingemeindung von Efthalou erfolgte 1971 sowie von Argennos, Lepetymnos und Sykamineas 1997. Seit der Verwaltungsreform 2010 bildet Mithymna mit Argennos, Lepetymnos und Sykaminea den Gemeindebezirk Mythimna (Δημοτική Ενότητα Μήθυμνας Dimotiki Enotita Mithymnas) in der neu geschaffenen Gemeinde Lesvos (Δήμος Λέσβου). Er ist nach Fläche und Einwohnern der kleinste Gemeindebezirk der Gemeinde.

Stadtbezirk
Ortsgemeinschaft
griechischer Name Code Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Dörfer und Siedlungen
Mithymna Δημοτική Κοινότητα Μηθύμνης 53011001 28,132 1667 1570 Mithymna, Vafios, Efthalou
Argennos Τοπική Κοινότητα Αργέννου 53011002 09,479 0240 0209 Argennos
Lepetymnos Τοπική Κοινότητα Λεπετύμνου 53011003 04,526 0155 0167 Lepetymnos
Sykaminea Τοπική Κοινότητα Συκαμινέας 53011004 08,029 0371 0309 Sykaminea, Skala Sykamineas
Gesamt 530110 50,166 2433 2255

Tourismus[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat einen langen Strand, an dem es verschiedene Freizeit-Aktivitäten wie z. B. Kite-Surfen gibt, und einen Hafen, von dem aus auch kleine Schiffe nach Skála Sikaminiás (dial. Skamjá) fahren. Des Weiteren befindet sich in der Nähe (in Eftalóu) eine heiße Quelle. In den Sommermonaten fährt ein Bäderbus mehrmals täglich zwischen Anaxos-Petra-Molivos-Eftalou und zurück. Obwohl Mithymna mit Petra das Haupt-Touristenzentrum der Insel darstellt – dies wird deutlich an zahlreichen in der Umgebung zerstreuten Hotelkomplexen – ist der Ort sehr ursprünglich geblieben. Mytilini ist in etwa 1,5 Stunden mit dem Bus erreichbar.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2. Thukydides, Peloponnesischer Krieg, 3.2.1
  3. Wolfgang Günther: Methymna, In: Siegfried Lauffer (Hrsg.), Griechenland, Lexikon der historischen Stätten
  4. Μόλυβος - Μήθυμνα, Μετονομασίες των οικισμών της Ελλάδας (griechisch)