Molsdorf

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Molsdorf
Stadt Erfurt
Ehemaliges Molsdorfer Gemeindewappen
Koordinaten: 50° 54′ N, 10° 58′ O50.90222222222210.961944444444257Koordinaten: 50° 54′ 8″ N, 10° 57′ 43″ O
Höhe: 257 m ü. NN
Einwohner: 570
Eingemeindung: 1. Juli 1994
Postleitzahl: 99192
Vorwahl: 036202
Karte

Lage von Molsdorf in Erfurt

Molsdorf ist Ortsteil der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt. Bis zur Eingemeindung nach Erfurt am 1. Juli 1994 war Molsdorf eine selbstständige Gemeinde.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Molsdorf liegt am Autobahnkreuz Erfurt an der Gera. In der Nähe, wenige km Gera-abwärts, mündet die Apfelstädt in die Gera.

[Bearbeiten] Geschichte

Auf der Tafel 3 des "Breviarium Lulli", die dem Zeitraum von 775 bis 815 zugewiesen ist, ist "Mollesdorf" erwähnt, wo drei Hufen und eine Manse an Kloster Hersfeld übertragen werden. Somit wird das letzte Jahr des Zeitabschnittes des Hersfelder Güterverzeichnisses als Datierungsjahr für die Ersterwähnung verwendet. Demnach wäre 2015 das 1200-Jahr-Jubiläum.
Während 815 die erste Namensnennung in einem Güterverzeichnis war, ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes am 8. September 1109 erfolgt. In einer Schenkung an das Kloster Reinhardsbrunn, wird Erminrich (siehe auch nächster Abschnitt), Sohn Amelungs v. Mollesdorf, als Zeuge angegeben. Der Ortschaftsrat von Molsdorf hat dieses Jahr als Grundlage für die Jubiläumsfeiern bestimmt. Somit wurde 2009 die 900-Jahr-Feier begangen.[1]

An der Stelle des heutigen Schlosses stand vorher eine Wasserburg im Oberdorf links der Kirche. 1114 sind Herren von Molsdorf (Erminrich von Molsdorf) urkundlich genannt. Später besaßen die Herren von Witzleben und von Thüna die Wasserburg (Dietrich von Witzleben, 1432; Heinrich von Witzleben, 1450; Ernst von Witzleben, 1530). 1616 gelangten Ort und Burg vorübergehend in den Besitz derer von Schwarzburg-Sondershausen, damals noch Graf Günther von "Schwarzburg-Arnstadt". Die Burg wurde in ein Renaissanceschloss umgebaut, das im 18. Jahrhundert zu der heutigen Barockanlage gestaltet wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts erwarb das Gut der "Geheimratsdirektor Bachov", der es dem grosbritannischen und kurbraunschweigischen Legationsrath und Landdrost, Otto Christoph Schultz, überließ[2]. Von dessen Witwe erwarb 1733 Reichsgraf Gustav Adolf von Gotter das Schloss.[3] Nachfolger Gotters war 1748 der württembergische Staatsminister, Heinrich Reinhard Freiherr Röder von Schwende, der es wiederum für ungefähr 80.000 Taler an Herzog Friedrich III. verkaufte.[2]

In den Jahren 1891, 1946 und 1994 wurde der Ort vom Hochwasser der Gera überschwemmt. Nach dem Hochwasser von 1994 wurde ein Hochwasserdamm errichtet (Fertigstellung 2005).

Am 1. Juli 1994 wurde Molsdorf in die Stadt Erfurt eingegliedert.[4]

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

  • 1843: 340 [5]
  • 1910: 604 [6]
  • 1939: 694 [7]
  • 1990: 553 [8]
  • 1995: 566
  • 2000: 577
  • 2005: 571
  • 2010: 550

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Bürgermeister

Zeitraum Bürgermeister
1919 – 1933 Willy Gräser
1933 – 1945 Alfred Heinemann
1945 – 1946 Hilmar Dörnfeld
1946 – 1948 Hugo Reich
1949 Reinhold Keyßner
1950 – 1955 Max Gräßer
1956 – 1957 Herr Katzmareck
1957 – 1959 Richard Ullrich
1959 – 1984 Werner Drießel
1984 – 1990 Hans-Jürgen Hertrich
1990 – 1994 Wolfgang Friebel

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Molsdorf ist ein Barockschloss mit einem umgebenden Park. Das Schloss ist aus einer Wasserburg hervorgegangen und wurde mehrfach umgebaut. Seine heutige barocke Gestalt erhielt es unter Graf Gotter von 1734 bis 1740. Er ließ auch den Park anlegen.
  • Die Schloss-Kirche St. Trinitatis, weithin sichtbar im Schlosspark und in Schlossnähe gelegen, wurde von 1717 bis 1721 an Stelle der baufällig gewordenen Kirche St. Alban unter Landdrost Schultz für 10.000 Taler erbaut. Weitere 2.000 Taler vermachte er der Kirche, um mit den Zinsen einen Organisten zu finanzieren und die Armen zu unterstützen. Die Kirche ist in ihrer barocken Gestalt, Ausmalung und Ausstattung weitgehend erhalten geblieben. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Teile der Wand- und Deckenbemalung ergänzt und ausgebessert. Vermutlich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, also von der Vorgängerkirche, stammt das Altarbild, die Beweinung Christi darstellend. Mit der Fertigstellung der neuen Kirche erhielt sie auch eine neue Orgel des Arnstädter Johann Christoph Thielemann. Aus dieser Zeit stammen noch Teile des Orgelgehäuses und einzelne Register. Graf Gotter ließ die Orgel auf seine Kosten vergrößern. Der Orgelbauer Helfenbein aus Gotha baute die Orgel 1934 um. Die Kirche birgt sechs Ölgemälde der Malerin Hedwig Ruetz (vielleicht Schwester von Ruetz), Tochter eines Rigaer Journalisten und Schülerin des Malers Max Liebermann. Sie und ihre Schwester, eine Sängerin, weilten in den 1930er Jahren auf Schloss Molsdorf, das sie als Sommersitz auserkoren hatten. Die Gemälde sind von 1934 und freie Kopien nach Fresken des italienischen Meisters Fra Angelico, die sich im Kloster von San Marco in Florenz befinden.[9]
    Der 1998 gegründete Förderverein zur „Rettung der Schloßkirche Molsdorf e. V. sorgt sich um die Restaurierung, die im Inneren noch nicht abgeschlossen ist (2009). In der Kirche finden Konzertveranstaltungen statt, deren Erlös auch dem Bauwerk zugute kommt.
    Nach Galletti hatte der Ort vor der Reformation neben der „Oberkirche“ (St. Alban/St. Trinitatis) eine weitere Kirche („Jungfrau Maria“) im Unterdorf, die jedoch „eingegangen“ ist. Sie war Lehnsgut des Stifts Mainz. An der Stelle war der Gottesacker angelegt worden, der zu seiner Zeit (1780) noch vorhanden war.[2] Der heutige Friedhof legt am nördlichen Ortseingang.

[Bearbeiten] Vereine

  • Förderverein zur Rettung der Schlosskirche Molsdorf e.V.
  • Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Erfurt-Molsdorf e.V.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

  • Graf Gustav Adolph von Gotter (* 1692 in Gotha; † 1762), Diplomat und Kunstsammler
  • Gottfried Heinrich Krohne (* 1703 in Dresden; † 1756 in Weimar), deutscher Architekt in der Zeit des Barock, baute die Apfelstädt-Brücke bei Molsdorf
  • Maximilian Schüller (* 1843 in Molsdorf; † 1907 in Berlin), Arzt, Professor der Chirurgie in Greifswald und Berlin

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Website der Gemeinde
  2. a b c Galletti: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, Gotha 1780, S. 324-325
  3. M. Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze., Jenzig-Verlag 2001, S. 184, ISBN 3-910141-43-9.
  4. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  5. Johann Friedrich Kratzsch: Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der Deutschen Bundesstaaten. Naumburg, 1843.
  6. gemeindeverzeichnis.de
  7. verwaltungsgeschichte.de
  8. Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie: Umwelt regional.
  9. Beschreibung der Kirche auf der Website der Gemeinde

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Molsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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