Moorente

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Moorente
Moorente (Aythya nyroca), links ♀, rechts ♂

Moorente (Aythya nyroca), links ♀, rechts ♂

Systematik
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Anatinae
Tribus: Tauchenten (Aythyini)
Gattung: Aythya
Art: Moorente
Wissenschaftlicher Name
Aythya nyroca
Güldenstädt 1770
Moorente
Moorente (links) im indischen Überwinterungsgebiet; Rechts dahinter eine Pfeifente.

Die Moorente (Aythya nyroca) gehört zu der Familie der Entenvögel aus der Gattung der Tauchenten. Es ist die einzige europäische Entenart, die nur einen schwach ausgeprägten Sexualdimorphismus aufweist. Die Moorente ist ein Brutvogel gemäßigter Breiten, die in West- und Mitteleuropa nur vereinzelt mit wenigen Brutpaaren brütet. Ihr Verbreitungsschwerpunkt sind die Steppen und Halbwüstenzonen der Ukraine. Gebietsweise ist die Moorente jedoch in kleiner Zahl ein Überwinterungsgast. Zunehmend werden im Freiland auch Gefangenschaftsflüchtlinge dieser leicht zu züchtenden Art beobachtet.

Merkmale[Bearbeiten]

Merkmale ausgewachsener Moorenten[Bearbeiten]

Die Moorente ist die kleinste Tauchente der Gattung Aythya. Sie erreichen eine Körperlänge von 38 bis 42 Zentimeter. Moorenten wiegen durchschnittlich etwa 560 Gramm.

Das Brutkleid des Moorentenerpels ist leuchtend kastanienbraun mit weißen Augen. Das Weibchen ist ähnlich, jedoch blasser gefärbt und hat braune Augen.[1] Bei den Weibchen ist vor allem der Kontrast zwischen der Färbung des Rückens und des übrigen Körpers weniger auffallend. Beide Geschlechter haben weiß leuchtende Unterschwanzdecken, die sich auffallend vom Schwarzbraun des Hinterrückens abheben. Der lange Schnabel ist dunkelgrau bis blauschwarz gefärbt; die Spitze ist aufgehellt. Im Schlichtkleid sind die Farben und die Farbverteilung unverändert zum Prachtkleid. Wie beim Weibchen im Brutkleid sind die Farben jedoch weniger strahlend und auffallend.[2] Im Flug ist ein deutlicher weißer Flügelstreif erkennbar.

Die Stimme der Moorente ist wenig auffällig. Sie ähnelt denen der anderen Aythya-Arten. Während der Paarungszeit, die in die Monate Januar bis Mai fällt, ruft das Männchen ein leises wräijö. Der Ruf ist nur im Umkreis von wenigen Metern hörbar. Der Ruf des Weibchens ist ein stimmloses, schnarrendes rerrr rerrr und ist auch im Flug zu hören.[3]

Erscheinungsbild der Küken und Jungvögel[Bearbeiten]

Das Dunenkleid der Küken ist an der Körperoberseite dunkelbraun. Die Brust, der vordere und der seitliche Hals sowie die Kopfseiten sind gelb und scharf vom braunen Oberkopf und Nacken abgesetzt. Auffällige Gesichtszeichen dagegen fehlen. Der hintere Rumpf sowie die Schenkel sind braun. Die Küken haben außerdem gelbliche Flügelbinden und auf den oberen Flanken auch gelbliche Flecken. Die Iris ist blau.[4]

Bei frisch geschlüpften Küken ist der Oberschnabel zunächst dunkel graublau. Die Schnabelkanten sind fleischfarben bis rosa. Der Nagel ist rötlichbraun und der Unterschnabel ist fleischfarben. Beine und Zehen sind dunkelgrau bis fast schwarzgrau, die Schwimmhäute dagegen schwarz. Bei heranwachsenden Moorenten hellt sich der Schnabel auf. Die Iris verändert ihre Farbe zu einem blassen graublau.[5]

Verbreitung[Bearbeiten]

Moorenten kommen in den Steppen und Halbwüsten Asiens und in Osteuropa, besonders in Ungarn, Bulgarien, Rumänien und der Ukraine vor. Große Populationen finden sich auch in der Inneren Mongolei und auf dem tibetischen Hochplateau.[6] In Deutschland kam sie lange nicht mehr als Brutvogel vor. Seit 1999 jedoch brütet sie wieder im sächsisch-brandenburgischen Grenzgebiet und am Bodensee (Deutschland 2005: 2-9 Brutpaare), seit 2010 in Mecklenburg-Vorpommern.[7] In Österreich findet man sie regelmäßig am Neusiedler See. In Frankreich brütet die Moorente vereinzelt in der Region zwischen La Dombes und Lyon.[8] Im Süden erreicht ihr Verbreitungsgebiet bis in den Mittelmeerraum. Sie kommt in weiten Teilen Klein- und Südwestasiens vor und erreicht im Hochland von Tibet die Ostgrenze ihres Verbreitungsgebietes.[9]

Die Überwinterungsgebiete der Moorente finden sich überwiegend am Schwarzen Meer, am Kaspischen Meer und am Aralsee. Bei extremen Wetterbedingungen ziehen die Moorenten weiter und überwintern dann auch in Griechenland, der Türkei, in Italien und in Nordafrika. Nur ein sehr kleiner Teil der Population überquert die Sahara und überwintert im Senegal, dem Nigerdelta sowie im Sudan. Die östlichen Populationen ziehen Richtung Irak, Iran und erreichen auch Pakistan sowie Nordindien. Im Überwinterungsquartier halten sich Moorenten von Ende Oktober bis März auf. Der Rückzug in die Brutgebiete dauert von März bis April.[10]

Lebensraum[Bearbeiten]

Der bevorzugte Lebensraum der Moorente findet sich dort, wo der Schilfwald von Schwimmblattpflanzen abgelöst wird. Sie bevorzugt flache und verlandende Gewässer mit einer ausgedehnten Verlandungszone, deren Eutrophierung aber noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass eine artenreiche Unterwasservegetation fehlt. In Ungarn brütet sie unter anderem an den Natronseen. In den Wüsten- und Steppenzonen Zentralasiens kommt sie schwerpunktmäßig an alkalihaltigen Gewässern vor.[11] Sie meiden dagegen tiefe Gewässer und schnell fließende Flüsse und Bäche.

Anders als die meisten anderen Tauchentenarten ist die Moorente auch im Winter keine sehr gesellige Art. Trupps mit mehreren hundert Moorenten sind sehr selten und kommen nur dort vor, wo die Moorente generell sehr häufig ist. In der Regel sind nicht mehr als ein halbes Dutzend Moorenten gemeinsam zu beobachten.[12]

Nahrung[Bearbeiten]

Verglichen mit anderen Tauchenten lebt die Moorente überwiegend vegetarisch. Der animalische Bestandteil ihrer Nahrung - überwiegend Schnecken - wird gemeinsam mit den Pflanzenteilen aufgenommen. Sie frisst allerdings auch frei schwimmende Wasserinsekten, Kleinkrebse sowie Kaulquappen und Jungfrösche. Die pflanzliche Nahrung besteht sowohl aus grünen Pflanzenteilen der Unterwasservegetation und der Schwimmblattzone als auch Samen, Rhizome und Wurzelknollen. Zur Nahrungsaufnahme gehört ein Tauchen, ein Gründeln oder eine Nahrungsaufnahme, bei dem die Moorente mit eingetauchtem Hals schwimmt. Etwa fünfzig Prozent der Zeit, die sie für die Nahrungssuche aufwenden, verbringen Moorenten tauchend.[13]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Balz der Moorente weist Elemente auf, die auch bei anderen Tauchenten zu beobachten sind. Artspezifische Elemente sind das Nickschwimmen, bei dem Kopf und Hals nickend bewegt werden sowie der Knickhals, bei dem der Hals stark eingeknickt ist. [14] Inwieweit die Verpaarung bereits an den Überwinterungsplätzen stattfindet, lässt sich bislang nicht genau einschätzen. Da aber große Teile der Balz erst im Brutgebiet stattfinden, ist dies ein Indiz, dass ein großer Teil der Population unverpaart dort eintrifft.

Moorenten brüten nur einmal im Jahr. Das Nest wird gut versteckt in der krautigen Vegetation angelegt. Es findet sich entweder direkt am Wasser oder in unmittelbarer Ufernähe. Häufig führt ein von Vegetation verdeckter Gang vom Nest zum Gewässer.[15] Das Nest ist eine dick mit Pflanzenteilen der Umgebung sowie Daunen und Federn ausgelegte Mulde. Die Nestdaunen, die sich in der Mulde finden, sind bräunlichgrau und weisen ein kleines, helles Zentrum auf.

Das Gelege umfasst sieben bis elf Eier. Die Eier sind rahmgelb bis dunkel rötlich-rahmfarben. Ihre Form ist elliptisch bis spindelförmig und misst durchschnittlich 52,3 x 38,2 Millimeter.[16] Sie wiegen im Schnitt 43 Gramm. Die Eier werden im Abstand von 24 Stunden gelegt, und das Weibchen beginnt mit der Bebrütung, sobald das Gelege vollständig ist. Es brütet allein das Weibchen. Das Männchen hält sich zum Beginn der Brutphase noch in Nestnähe auf und zieht dann zum Mauserrevier. Nach Gelegeverlust hat die Zweitbrut nur noch etwa fünf Eier. Zu einem Zweitgelege kommt es allerdings nur, wenn das erste Gelege frühzeitig während der Fortpflanzungszeit verloren geht. Die Brutdauer beträgt 23 bis 27 Tage. Die Jungen werden nach zwei Monaten flügge.

Bestand[Bearbeiten]

Innerhalb ihres Verbreitungsgebietes zählte die Moorente noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den am häufigsten vorkommenden Arten. Ihre Bestandszahlen sind seitdem teils dramatisch zurückgegangen. Auch das von ihr besiedelte Gebiet hat sich verkleinert. Noch in den 1960er Jahren betrug die Population in der ukrainischen Region von Dniestr bis Dniepr und der Region Moldau etwa 65.000 Brutpaare. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war diese Zahl auf 4.500 bis 6.300 Brutpaare zurückgegangen.[17] Seit den 1990er Jahren werden im Süden Deutschlands, in Österreich und in der Schweiz erste erneute Brutbeobachtungen gemacht. Auch in Sachsen und in Berlin-Brandenburg sind Brutvögel beobachtet worden. Es ist allerdings nicht sicher, ob es sich hier um eine Erholung der Restbestände auf Grund intensiver Schutzmaßnahmen handelt oder ob sich Gefangenschaftsflüchtlinge angesiedelt haben.[18]

Ähnliches gilt für Spanien, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch 500 Brutpaare brüteten und mittlerweile maximal vier Brutpaare jährlich festgestellt werden. Der europäische Bestand wird aktuell auf 13.000 bis 24.000 Brutpaare geschätzt. Die weltweite Population beträgt vermutlich zwischen 40.000 bis 100.000 Individuen. Verlässliche Bestandszahlen sind allerdings schwer zu ermitteln, da insbesondere aus den östlichen Brutgebieten nur unzureichende Informationen vorliegen und diese Art sehr versteckt lebt.[19]

In Deutschland ist die Moorente in der Roten Liste der bedrohten Brutvogelarten als vom Aussterben bedroht (Kat. 1) eingestuft.

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kear, S. 659
  2. Rutschke, S. 257
  3. Hans-Heiner Bergmann; Hans-Wolfgang Helb; Sabine Baumann; Die Stimmen der Vögel Europas – 474 Vogelporträt mit 914 Rufen und Gesängen auf 2.200 Sonogrammen, Aula-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89104-710-1, S. 62
  4. Collin Harrison und Peter Castell: Field Guide Bird Nests, Eggs and Nestlings, HarperCollins Publisher, überarbeitete Auflage von 2002, ISBN 0007130392, S. 76
  5. Collin Harrison und Peter Castell: Field Guide Bird Nests, Eggs and Nestlings, HarperCollins Publisher, überarbeitete Auflage von 2002, ISBN 0007130392, S. 76
  6. Kear, S. 660
  7. Stübing, S. Bemerkenswerte Brutvorkommen 2010. In: Sudfeldt, C., R. Dröschmeister, T. Langgemach & J. Wahl (Hrsg.): Vögel in Deutschland – 2010. DDA, BfN, LAG VSW, Münster. S. 48
  8. Gooders und Boyer,S. 95
  9. Rutschke, S. 257
  10. Gooders und Boyer, S. 96
  11. Rutschke, S. 257
  12. Gooders und Boyer, S. 96
  13. Gooders und Boyer, S. 95
  14. Rutschke, S. 259
  15. Rutschke, S. 259
  16. Collin Harrison und Peter Castell: Field Guide Bird Nests, Eggs and Nestlings, HarperCollins Publisher, überarbeitete Auflage von 2002, ISBN 0007130392, S. 76
  17. Kear, S. 660
  18. Bauer et al., S: 109
  19. Kear, S. 660

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2
  • Bezzel, Einhard (1995): BLV Handbuch Vögel. BLV Verlagsgesellschaft, München
  • Glutz v Blotzheim, N. N./Bauer, K. M. (1966-1993): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. 13 Bände, Aula-Verlag, Wiesbaden
  • John Gooders und Trevor Boyer: Ducks of Britain and the Northern Hemisphere, Dragon's World Ltd, Surrey 1986, ISBN 1-85028-022-3
  • Madge, Steve; Burn Hilary (1989): Wassergeflügel. Paul Parey, Hamburg
  • Janet Kear (Hrsg): Ducks, Geese and Swans. Oxford University Press, 2005, ISBN 0198546459
  • Erich Rutschke: Die Wildenten Europas – Biologie, Ökologie, Verhalten, Aula Verlag, Wiesbaden 1988, ISBN 3-89104-449-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Moorente – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien